Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 4 (25.1.1929)
- Date
- 1929-01-25
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 12 ammfflittffliiiiiimiiiMiiiiiiiiiiiiiüiiH Wa^iheUatvcmTag^ Immer der Jud. Während der deutsche Antisemit Ludendorff behauptet, daß England und Frankreich im Weltkrieg nur die ausführenden Organe einer „jüdischen Weltoberleitung", die die Vernichtung Deutschlands beschlossen hatte, gewesen seien, schreibt der französische Antisemit Roger Lambelin in einem soeben erschienenen Buche „Les victoires d'Israel" folgendes: „Die größte Mehrzahl, wenn nicht die Gesamtheit der Juden, ergriff während des Krieges Partei für die Mittelmächte und fühlte sich mit Deutschland solidarisch . . . Ueberhaupt kann man feststellen, daß die Juden eine starke Verehrung für Deutschland an den Tag legen, obwohl sie in Deutschland oft schlechter behandelt wurden als irgendwo anders. Sie haben während des Krieges, besonders in Amerika, Italien und auf dem Balkan allgemein für Deutschland Partei ergriffen, und auf ihren Einfluß ist es zurückzuführen, wenn in den Versailler Friedensvertrag gewisse für Deutschland günstige Bedingungen aufgenommen wurden und wenn die späteren Verträge den Friedensvertrag mildern." Ein Brief, der 16 Jahre unterwegs war. Vor einigen Tagen brachte die Tagespresse die geradezu phantastisch klingende Meldung, daß ein Schriftsteller in Nordmähren von einer amerikanischen Zeitschrift erst nach sechzehn Jahren das Honorar für seine literarischen Beiträge erhielt, indem ihm der Brief, der den Scheck enthielt, erst nach 16 Jahren durch die Post zugestellt wurde. Darüber wissen die „Z w i 11 a u e r Nachrichten" folgendes zu berichten: Dem hiesigen Rabbiner Herrn Dr. Felix Kanter ist dieser Tage durch die Post ein Brief, der sechzehn Jahre unterwegs war, zugestellt worden. Im Frühjahr 1912 hat Herr Dr. Kanter einer in Chikago erscheinenden Zeitung (es handelt sich um die Wochenschrift The Reform Advocate, deren Herausgeber der inzwischen verstorbene Prof. Dr. Emil <j. Hirsch, Rabbiner in Chikago, war. Die Red.), deren regelmäßiger Mitarbeiter er war, einen Beitrag übermittelt. Jetzt erhielt Herr Dr. Kanter einen den Poststempel Chikago Mai 1912 tragenden Brief der betreffenden Zeitung, in dem sich ein Scheck auf 6 Dollar befand, als Honorar für jenen Beitrag. Auf den Brief war ein Zettel geklebt, der in tschechischer Sprache den Zusatz enthielt: Dieses Schreiben wurde nach dem Tode eines entlassenen Angesteliten vorgefunden, der im Jahre 1912 wegen Diebstahls von Briefen strengstens bestraft wurde. Der Scheck ist auf die heute nicht mehr bestehende Anglo-Oesterreichische Bank ausgestellt und dürfte heute schwerlich mehr honoriert werden. Hoffentlich ist aber die Bank in Chikago so anständig, ihren eigenen Scheck nach 16 Jahren einzulösen. „Koscherwein" ein Telegrammwort Der Deutsche Industrie- und Handelstag veranstaltet auf Veranlassung des Reichspostministers Umfragen über die Wortzählung in Telegrammen, dahingehend, ob gewisse zusammengesetzte Worte als handelsüblich und als Worte der offenen Sprache zu werten sind und demnach jeweils als ein einziges Telegrammwort gezählt werden können. U. a. erstreckte sich diese Umfrage auch auf das Wort „Koscherwein". Das Fachorgan der Winzer, die „Deutsche Weinzeitun g", meint, „unbeschadet der Stellungnahme der Fachkreise und der Handelskammern" schon jetzt sagen zu können, daß das Wort „Koscherwein" als e i n Vv ort zu rechnen ist. Die Zeitschrift begründet diese Ansicht wie folgt: „Die Bezeichnung .Koscherwein' ist seit undenklichen Zeiten, ja man kann wohl sagen, seit Jahrhunderten für einen Wein üblich, der nach den rituellen Vorschriften der israelitischen Religion behandelt ist, der also von der Kelter bis zur Abgabe an den Verbraucher nur durch die Hände von Israeliten gegangen sein darf und der auch bei der Kellerbehandlung nur von israelitischen Arbeitern und «■■»■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■aBaHBaaaaHHBnb. Bollinger-Elskasten sind seit 1870 die besten! Fabrik: Wien XV., Staglgasse Nr. 10, Telephon R 30-5-38 | Filiale: VII., Burggasse Nr. 17, Telephon B 32-3-80 UHIinHHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIHlllf BETTFEDERN En gros SPEZIALHAUS en detail Leo Schotten, Wien XIV., Braunhirsehengasse Nr. 21 Telephon R 38-3-83 — Provinzversand — Samstag geschlossen Zentrale: Mattersburg, Burgenland. Angestellten behandelt wurde. In diesem Sinne ist das Wort zweifellos seit jeher handelsüblich." Paleologue — jüdischer Abstammung? Der bekannte französische Diplomat Paleologue, der frühere französische Botschafter am Zarenhofe, der kürzlich zum Mitglied der französischen Akademie der Wissenschaften gewählt wurde, also unter die ..Unsterblichen" gelangte, soll nach Behauptung des polnischen Historikers So k o 1 n i c k i jüdischer Abstammung sein. Sokolnicki hat letzthin eine größere Arbeit über PalSologue veröffentlicht, in welcher er unter anderem ausführt: ..Es ist interessant, daß Paleologue sich noch als Gesandter in Rußland stark für die Judenfrage interessiert hat. Er hat viele Male energisch beim Zaren zugunsten der russischen Juden interveniert . . ." An einer anderen Stelle schreibt Sokolnicki: „Paleologue stammt aus dem galizischen Ghetto: er ist in einem der jüdischen Städtchen Galiziens geboren, da besuchte er das Cheder; aber später, als er in die weite Welt kam, vergaß er seine Abstammung und wählte einen neuen Namen . . ." Wir geben diese interessante Meldung natürlich nur unter allem Vorbehalt wieder. Niedergang der Juden in Griechenland. Die Resultate der am 15. Mai 1928 in Griechenland stattgefundenen allgemeinen_Volkszählung liegen nun vor. Danach leben in Saloniki 4/.996 jüdische Seelen, unter einer allgemeinen Bevölkerung von 236.524 Seelen. Die Juden bilden also heute 20 Prozent der Bevölkerung von Saloniki, während sie vor noch 15 Jahren — sie zählten damals rund 150.000 Seelen — die Hälfte der Gesamtbevölkerung dieser Stadt ausmachten. Laut der gleichen offiziellen Statistik leben in Konstantinopel 46.628 Juden. In ganz Griechenland leben heute etwas weniger als 75.000 Juden unter einer Gesamtbevölkerung von 6,204.000. Während sich die allgemeine Bevölkerung Griechenlands seit 1920 um 1,200.000 vermehrte, hat sich die jüdische Bevölkerung in dieser Zeit um fast 20.000 Seelen vermindert. Die Wirtschaftslage der Juden in Saloniki hat in der letzten Zeit eine weitere Verschlechterung erfahren. Ludendorffiana. Den unermüdlichen Bemühungen des Goldmachers Ludendorff ist es nunmehr gelungen, auch die Ursache der vielen seinerzeitigen deutschen iiisenbahnkatastrophen zu entdecken. In seiner „Deutschen Wochenschau", Nr. 33, läßt er berichten, jüdische Geschäftsleute seien es, die zynisch äußerten, daß die Eisenbahnunfälle dem Flugverkehr, der sich in Deutschland so schwer einbürgere und der Automobilindustrie sehr förderlich seien. „Sollten vielleicht." so heißt es weiter in Fettdruck, „die gehäuften Unfälle gar nicht so ganz ohne die sanfte Beihilfe solcher Geschäftsinteressen zu erklären sein? Wäre es nicht ganz interessant zu wissen, wer die Notbremse bei dem vorletzten Eisenbahnunglück zog?" In einem zweiten, von ihm persönlich geschriebenen Artikel setzt dann der General auseinander, die deutschen Eisenbahnen seien nur noch Eigentum der Juden und hätten daher erst für erhöhte Tarife, also für Proletarisierung des Volkes, und zweitens für erhöhte Lebensgefährdung der Deutschen zu sorgen, von denen 20 Millionen zu viel seien. Daß die Bahn jüdisch sei, ergäbe sich schon aus den Farben an den Schlagbäumen, die „die roten und weißen Blüten des jüdischen Akazienzweiges des Stabes Moses, des jüdischen Weltrezeptes, wiedergäben." — Zum 8. Verfassungstag schrieb Goldmacher Ludendorff in seiner „Deutschen Wochenschau" einen Artikel, der also beginnt: Es jährt sich in der .heiligen Jahwehzahl 10* der Tag, an dem sich jüdisch-freimaurerische Arbeit im Weltkriege an der Front in der Truppe auszuwirken begann." Dann (ebenda): „An jüdisch-freimaurerischer Arbeit, unterstützt von den Jesuiten, ist jener Sieg gescheitert." Dazu bemerkt die ..Vossische Zeitung" kurz und treffend: „Uns interessiert an Erich Ludendorff eigentlich nur noch, wann sich die Zerrüttung des logischen Denkvermögens bei dem Feldherrn, der Deutschlands letztes Schicksal in der Hand hielt, auszuwirken begann."