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Die Wahrheit · 1929-01-25 · Heft 4 (25.1.1929) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 4 (25.1.1929)
Date
1929-01-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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iiiuiiuiiniiHiiiimiiiiiiiiniiiiinuiiiiM^ nmoHBtttmin Seite 9 angetragen habe, aber Ihre Gutmütigkeit, Ihr unverhohlenes Wohlwollen in Sachen, wo wir doch einerlei Zwecke in großem Ganzen, wenngleich in so verschiedenen Sphären zu befördern haben, dies wünsche, dies erbitte ich mir, da ich Sie so innig und aufrichtig hochschätze und liebe, auch mit jedem Jahre des Lebens lieber gewinne .... Leben Sie wohl, liebster Mendelssohn, und sparen Sie sich, so viel an Ihnen ist, unserer Erde. Da Lessing hin ist, hat Deutschland Sie, wenn Sie auch ein stillwirkender Zeuge sind, vor so vielen Anderen n ö t i g." Dieses Schreiben ist auch ein herrliches Denkmal, das den Freunden Lessing und Mendelssohn von einem Herder errichtet wurde. * * * In dem alten Sodom sollen, wie man aus traditionellen Nachrichten 'weiß, Urteile in Rechisfäüen erflossen sein, die in unserer von unerschütterlichem Rechtsgefühl beseelten Gegenwart völlig unbegreiflich erscheinen. So kam es in jenen Zeiten so weit, daß es manche Verteidiger dreist wagen konnten, ihren Verehrern einzureden, daß eigentlich nicht der Mörder, sondern der Ermordete der wahre Schuldtragende ist und es daher nur verdienstvoll sei, mutig zu bekunden, daß der Mörder geschont und somit sein Opfer verurteilt werden müsse. Die Sinnesverwirrung, die solchen Urteilen zugrunde lag, mochte dann vielleicht nicht gerade bei dem Verbrecher gesucht werden. Wo alles so verkehrt erschien, war ja nichts mehr überraschend. Man hätte kaum mehr gestaunt zu hören, das unschuldige Lamm habe ja nur den bösen Wolf zerrissen. * * * Der vielzitierte Ausspruch Pius XL, daß der Antisemitismus die Grundlagen des Christentums untergrabe, bedurfte wahrhaftig nicht erst der Bekräftigung durch einen — Theodor Fritsch. Aber mancher, der sich vielleicht nicht scheut, gelegentlich in der Rolle eines Beschützers der Hakenkreuzler aufzutreten, dürfte vielleicht doch stutzig werden, wenn er unter anderem folgende in seniler Geschwätzigkeit ausgesprochenen ehrlichen Bekenntnisse des Enfant terrible seiner Partei in der jüngsten Nummer des „Hammer" liest: „. . . Christus erkannte im Judentum und seiner Lehre den gefährlichsten Feind des gesitteten Menschentums wie jeder wahren Religiosität .... Die Kirche aber verkehrte diese Lehre in ihr Gegenteil; sie baute sie zu einer Verherrlichung des Judentums aus .... Bis auf den heutigen Tag scheut sie sich nicht, das verworfenste Volk der Weltgeschichte als das Volk Gottes anzupreisen und dadurch den Namen Gottes in Verruf zu bringen. Sie scheut sich nicht, ihren Gläubigen die Anbetung eines Gottes zu empfehlen, den sie unter dem Namen Jahwe als den Gott Abrahams bezeichnet, der aber in Wahrheit El-Schaddai ist, jener türkische Geist, den Christus als den Teufel und den Vater der Lüge brandmarkt ... Ja, sie scheut sich nicht, Christus selbst zu einem Juden zu erniedrigen." Doch genug der Zitate. Ich sehe schon den Tag kommen, an dem man lesen wird, daß Fritsch in tückischer Weise als jüdischer Söldling derlei schrieb. * * Man findet, allerdings selten genug, auch in den antisemitischen Zeitungen manches kluge, wahre Wort. So schrieb dieser Tage eines der führenden antisemitischen Blätter in Deutschland zur Erklärung der Tatsache, daß Fürst Bismarck der durch und durch verlogenen Kampfmethode Stöckers nicht hold war u. a.: „Von den verbrecherischen, staatsfeindlichen Lehren des Rabbinismus hatte Bismarck sicher so wenig Ahnung, wie noch heute die Mehrzahl der sogenannten Gebildeten." Stimmt. Das ist ein wahres und kluges Wort. Es wäre ja wirklich zu traurig, wenn selbst die Mehrzahl der Gebildeten einer Trottelei, wie sie z. B. die „Protokolle der Weisen von Zion" auftischen, aufsitzen würde. * Der Verwaltungsausschuß des Deutsch-österreichischen Alpenvereines versendet ein langatmiges Schriftstück, in welchem er als Entgegnung auf die Charakteristik eines sozialdemokratischen Redners „Wert darauf legt" festzustellen, daß der Verein tatsächlich ein unpolitischer sei „und Angehörige der verschiedensten Parteirichttingen unter seinen Mitgliedern besitzt." Dem gegenüber darf man wohl „Wert darauf legen", festzustellen, daß der Verwaltungsausschuß selbstverständlich mit keinem Wort die Aufnahme des Arierparagraphen zu leugnen wagt und damit also gesteht, daß die „verschiedensten Parteirichtungen" im Vereine wohl von Vertretern der nuancenreichen antisemitischen Couleurs repräsentiert werden. * * * Der ungarische Unterrichtsminister polemisierte jüngst in einem Vortrage gegen die Vertreter der pessimistischen Meinung, daß in dem verarmten Ungarn eine weitausgreifende Kulturpolitik ein überflüssiger Luxus sei. Graf Klebelsberg kam da in einen kuriosen Widerspruch mit sich selbst. Er machte eine tiefe verehrungsvolle Verbeugung vor der Kultur, aber in der Praxis sorgt er durch den Numerus clausus, der hunderte und hunderte wissensdurstiger begabter Jünglinge von den Universitäten vertreibt, für alles eher als für Förderung der Kultur. Der ungarische Unterrichtsminister täuscht sich auch gewaltig, wenn er annimmt, daß die bereits erlangte „hohe Kultur Ungarns" das Gewissen Europas zur Revision des Trianoner Vertrages aufrüttle. Wenn die ungarische Kultur, der durch den Numerus clausus ein Brandmal aufgedrückt wurde, das Gewissen Europas aufrütteln sollte, müßte Ungarn erst recht lange auf die heißersehnte Revision warten. Ego. )AC. MAYER Kleider- und Gummimäntel-Industrie Export nach allen Ländern Wien II., Glockensasse 24 Telephon R 48-4-79 Auch Detail verkauf zu Fabrikspreisen! Herrenanzug nach Maß auf Seide S 200.— Herrenraglan n n 150.— Herrenhose „ „ 48.— feinst ausgeführt Zeitgemäße Zahlungsbedingungen! Kein Kaufzwang! Freie Besichtigung!

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