Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 4 (25.1.1929)
- Date
- 1929-01-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE WAHRHEIT politische Bedeutung der Marshall-Gruppe ist, die ihren Gewinn so wertvoll macht. Wie sehr haben wir uns in die eigene Sophistik verstrickt, daß man noch beweisen muß, daß Kuhn-Loeb & Co. ni^ht bloß mehr Geld hat als der Keren Hajessod, sondern bei allen Regierungen der Welt einen größeren Einfluß besitzt, als jeder noch so national fühlende Keren Hajessod-Kommissär. Worin besteht überhaupt der Mehrwert des politischein Zionismus der Jetztzeit? Inwiefern darf er das Bild Herzls als seine Etikette benützen? Hören wir Herzl selbst: „Ländereien können wir privatrechtlich überall in der Welt in jedem Augenblicke erwerben. Um das handelt es sich den Zionisten gar nicht. Das Privatrechtliche ist in unserem Falle überhaupt gleichgültig. Der Blick der Zionisten ist nur auf das öffentliche Recht gerichtet. Da suchen sie die Lösung des alten Uebels. Wenn ich das paradox ausdrücken dürfte, würde ich sagen: Ein Land, das nach öffentlichem Rechte dem Judenvolke gehört, das aber bis zur letzten Parzelle grundbücherlich im Eigentume von Nichtjuden ist, bedeutet die Lösung der Judenfrage für immer. Hingegen cuft das Anwachsen des privatrechtlichen Grundbesitzes in jüdischen Händen überall den Antisemitismus hervor. Hier ist der Kern der ganzen Frage . . . Hirsch und die „Liebhaber von Zion" (Chowewe Zion) gingen von der privatrechtlichen Seite an die Frage heran, während wir, die politischen Zionisten, die Sache nach öffentlichem Recht anpacken wollen." „Zurück zu Herzl" würde daher bedeuten, die weitere Einwanderung von Juden nach Palästina gar nicht zu ermutigen, bis nicht öffentlich-rechtliche Garantien geschaffen worden sind. Denn auch die Umkehrung des Herzlischen Gedankens ist wahr: Ein Land, das nach öffentlichem Rechte nicht den Juden gehört, das aber bis zur letzten Parzelle grundbücherlich im Eigentume von Juden ist. bedeutet keine Lösung der Judenfrage! Allein sowohl der Kongreß-Zionismus, als alle übrigen Palästina-Organisationen haben den Unterschied zwischen privatrechtlichem und dem öffentlichrechtlichen Besitz ignoriert. Keine einzige zionistische Gruppe hat in letzterer Zeit die Forderung von öffentlich-rechtlichen Garantien gestellt. „Zurück zu Herzl" würde auch den Kampf gegen die Forderuns des jüdischen Minoritätsrechtes in den Golusländern bedeuten. Man weiß, daß es keinen erbitterteren Gegner der jüdischnationalen Goluspoliük gab, als Herzl. Nun ist Dr. Stephen Wise der hervorragendste Vorkämpfer für das jüdischnationale Minoritätsrecht des jüdischen Minoritätskongresses in Zürich. Louis Marshall hat aber gegen diesen Kongreß angekämpft Also auch in dieser Be- „den werde ich segnen; wer ihnen flucht, den werde ich verfluchen". Von den Nachkommen der Pharaonen ist keine Spur mehr vorhanden. Herumirrende Zigeuner sind die Nachkommen ägyptischer Granden. Die Vergeltung des Ewigen stürzt den Starken durch den Schwachen; den gepanzerten Riesen Goliath durch den unbewaffneten Hirtenknaben David. Der den Mediern untertane junge Perserkönig K o r e s c h (Cyrus), der den kriegsgefangenen Juden die Heimat wieder schenkte, ihnen den zerstörten Tempel Salomos wieder aufbauen ließ, erweiterte sein Königreich zu einem über drei Kontinente reichenden Weltreiche. Unter seinen Nachfolgern, die das Bibelvolk peinigten, an dessen Sabbathlichtern das Feuer für den Götzendienst zündeten, ging das Weltreich der Perser in die Brüche, besiegt durch Alexander, König des kleinen Ländchens Mazedonien. Alexander, voll Bewunderung des biblischen Geistes, bedachte die jüdischen Gelehrten, die ihn hierüber aufklärten, mit purpurnen Gewändern. Seine kleine Heimat erweiterte sich über drei Kontinente zu einem Weltreiche, welches seinen Namen trug. Gemäß dem Segen Abrahams ging auch dieses in die Brüche unter seinen Nachfolgern, die den biblischen Glauben im Volke ausmerzen wollten. Wieder war es der Aufstand der Allerkleinsten, der Heldengruppe der Makkabäer, die den Beginn zur Zerstückelung dieses Riesenreiches gaben. Abrahams Fluch und Segen, und parallel damit die Niederwerfung des Mächtigen durch den Schwachen, zieht sich mit biblischer Konsequenz durch die ganze Weltgeschichte, vom grauen Altertum bis auf unsere heutigen Tage. Das Weltreich der Spanier, in dem „die Sonne nie unterging", welches Abrahams Nachkommen, glaubenstreue Träger Ziehung steht die Marshall-Gruppe der Herzl-Polltik näher als seine Gegner. Die unselige Goluspolitik hat die kulturelle und polltische Entwicklung der jüdischen Massen behindert, das jüdische Lager entzweit und vor allem der Palästina-Sache Zeit, Kräfte, Geld und Mühe entzogen. Man hat die heiligen Tempelgeräte Zions zu politischen Belsazar-Gelagen mißbraucht. Statt in Golusländern Majoritätsrechte, d. h. gleiche Bürgerrechte, zu fordern und in Palästina jüdischnationales Minoritätsrecht, hat man in Palästina Majoritätsrecht verlangt und Minoritätsrechte im Osten Europas. In Palästina versuchen wir rote Politik, in Rußland machen' wir weiße. Wir haben ohne erkennbaren Grund Millionen russischer Juden von uns abgeschnitten und wollen noch das Werk des Joint sabotieren, das Zehntausenden von Familien die verlorene Existenz wiedergibt und sie mit der Gesamtheit Israels verbindet. Ich selbst erblicke das Heil des Zionismus und sogar des ganzen Judentums in dem Wahlspruch: „Zurück zu Herzl". Ich hätte ihn aber vor allem gerne an den Rest den Tafelrunde Herzls gerichtet. Die Agenden dieser Herzl-Gruppe wären: Wiederherstellung der Rechtsbasis in der Kongreßorganisation, die Erstrebung einer öffentlich-rechtlichen Garantie und Autonomie für das jüdische Kolonisationswerk in Palästina, Liquidierung der Forderung des jüdischen Minoritätsrechtes in Golusländern, Friedensvertrag mit den Arabern, Unabhängigkeit der zionistischen Organisation und Verlegung der Zentrale nach einem neutralen Lande, Verminderung der Kosten der Administration und Revision der Balfour-Deklaration, die in ein klares, unzweideutiges Dokument, das unsere Rechte und Pflichten genau umschreibt, umgewandelt werden muß. Die unumgänglich notwendige Regeneration der Kongreßorganisation wäre eine hinreichend große Aufgabe für die Herzlianer. Die Forderungen außenpolitischer Natur sind jedoch durch die Marshall-Gruppe leichter zu realisieren als durch die Zionistische Organisation, deren Prestige leider nicht im Steigen begriffen ist. Eine Opposition gegen die Marshall-Gruppe hat ja auch ihre Berechtigung, wenn sie sich auf Kritik beschränkt und nicht in Sabotage ausartet, wie es eigentlich der Fall ist. Das Abkommen M a r s h a 11 - Weizmann wurde schon am 17. Februar 1924 getroffen und es hat wahrlich der Palästina-Sache wenig genützt, daß es der Wise-Gruppe gelungen ist. die Tätigkeit der Jewish Agency herauszuschieben. Im Jahre 1925 war es ja glücklich erreicht, daß Weizmann mit der Marshall-Gruppe abbrechen mußte und daß er persönlich Dr. Stephen Wise aufsuchte und ihn gebeten hat, die Leitung der Kampagne für den Keren Hajessod zu übernehmen. Wir wollen die Erder Heiligen Schrift, verbannte, ging in Brüche. Den Anstoß hierzu gab der Aufstand des allerkleinsten Völkchens der Niederlande. Der Zar, welcher in seinem Reiche Judenpogrome duldete, wurde vom kleinsten Volke der Erde — den Japanern besiegt, im Jahre, in dem er sich rühmte, daß sein Reich so groß wäre, wie die Scheibe des Mondes am Himmel. Nach den Geboten der Thora (ehre Vater und Mutter) fand der Serbenkönig Alexander seinen grausamen Tod, da er seinen Vater in die Verbannung sandte. Nach denselben Gesetzen verblaßte der Glanz des deutschen Kaisers, der seine Soldaten mit den Worten anspornte: „Wenn euch euer Kaiser befiehlt — werdet ihr auf euere Väter schießen! Das Wesentliche des Judentums ist die Befolgung der biblischen Gesetze und die Beobachtung ihrer Auswirkung auf das Völkerschicksal, wie auch auf das Schicksal des Einzelnen. Wer sich in die biblischen Gesetze vertieft, ist ein Frommer; wer sie erfaßt, ist ein Fürst des Geistes; wer nach ihnen sein Leben einrichtet, ist eon Jude. Die bloße Abstammung von jüdischen Eltern macht noch niemanden zum Juden. Lord Byron, dessen Büste die Griechen in Athen bekränzen, war ein größerer Hellene als der eingeborene unwissende Ziegenhirt. Die von götzendienerischen Eltern stammenden Talmudr lehrer, Hille 1, Schemaja und Abtalien waren die größten Juden der nachmosaischen Zeit. Das Judentum ist eine Seelengemeinschaft, die zum Zwecke hat, die Anwendung der urschriftlichen Bibel (Thora) auf das fromme Leben des Einzelnen und auf eine humane Führung der Völker.