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Die Wahrheit · 1929-01-18 · Heft 3 (18.1.1929) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 3 (18.1.1929)
Date
1929-01-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 laaiwaMM^ jjug WAHRHEIT Versicherung erfreut, daß die meisten Kindesmorde vor dem Passahiest stattfinden und daß diese auf das Konto der Juden kämen, die Christenblut benötigen. Schreibt das ein Hakenkreuzler in Salzburg, Linz oder in einer anderen schönen Gegend Oesterreichs, kann es wohl passieren, daß ein zartfühlender Leser gelegentlich Lust bekommt, auch andere empfindliche Freunde des Blattes zur Plünderung eines jüdischen Trödlerladens einzuladen. Aber in Breslau? Da nahm der Staatsanwalt den Artikel zum Anlaß, für Herrn Hans Kurth wegen Beleidigung der Juden drei Monate Gefängnis zu beantragen. Herr Hans Kurth, der offenbar der Meinung ist, daß in Behandlung der Ritualmordhetze längst der Anschluß Deutschlands an Oesterreich hätte erfolgen sollen, war über den Antrag des Staatsanwaltes so empört, daß er ihn (es kostete ihn eine Extrastrafe von 15 Mark) auf der Stelle der Unverfrorenheit bezichtigte. Einer solchen frechen Beleidigung war auch kein österreichischer Staatsanwalt ausgesetzt. . . * Man soll nicht rechthaberisch sein, aber es freut mich, mit meiner Vermutung, daß selbst die antisemitischen Leser gelegentlich von einem Ekel über ihre Zeitungsschreiber erfaßt werden müssen, Recht behalten zu haben. Eines dieser Blätter, das seinen mit dem Redaktionsbesen zusammengekehrten Unflat kübelweise seinen Abonnenten auftischt, war so unvorsichtig, selbst zu verraten, daß „seine getreuen Leserinnen und Leser" über den Ton, der. es anschlage, oft ungehalten sind, und es bittet sie um Entschuldigung hierfür. Es zeigt von einer gewissen Selbsterkenntnis, daß die Leute, die jahraus, jahrein im Schmutze waten, schließlich gestehen, jede Empfindung für Reinlichkeit verloren zu haben, und ihren Lesern nur raten können, bei dieser Lektüre sich an die Parole zu halten: „Kopf hoch, Nase zu!" Der Rat ist gut. Aber noch besser wäre es, wenn die antisemitischen Leser sich endlich sagten, daß diese Blätter eigentlich gegen Bezahlung eine umgekehrte Kanalisationsarbeit leisten. Sie bringen den Unrat ins Haus und dagegen kann man sich doch schützen. Man läßt sie nicht herein. * * £ Den vor kurzem eines natürlichen Todes verstorbenen Großfürsten Nikolaus schildern &&les 1ÜOTGA55E-1 Bollinger-Eiskasten sind seit 1870 die besten Fabrik: Wien XV., Staglgasse Nr. 10, Telephon R 30-5-38 Filiafe: VII., Barggasse Nr. 17, Telephon B 32-3-80 M genaue Kenner der russischen Verhältnisse als einen Menschen, der Zeit seines Lebens das Bild einer rasenden Bestie geboten. Nach dem Zeugnisse seiner eigenen Offiziere hat er im Kriege mit kalter Grausamkeit ganz unnütz Zehntausende seiner Soldater-, in den Tod gejagt. Aber die russischen Bauern, die sich bei seinem Anblicke bekreuzigten und scheu verkrochen, wußten auch in Friedenszeiten, daß ein Menschenleben ihm für nichts galt. Aus der Lebensgeschichte dieses Mannes hat man wieder einmal erfahren, wie wehleidig die Juden auch in Rußland waren. Sie jammerten darüber, daß dieser Unhold seinen Spaß an der Patronisierung von Pogromen fand, bei denen auch Greise, Frauen und Kinder abgeschlachtet wurden. Die russischen Juden verkannten eben, daß gerade dieser Romanow vorurteilslos genug war, zwischen Juden und Nichtjuden keinen Unterschied zu machen. * * * Gräfin Margit Bethlen, die Gattin des ungarischen Ministerpräsidenten, die kürzlich erst in Budapest als Dramatikerin einen schönen Bühnenerfolg davontrug, hat jetzt eine neue große Freude erlebt: ihre Märchen wurden ins Italienische übersetzt. Die Juden in Ungarn glauben aber, daß sie in dieser Kunstgattung doch niemals ihren Gatten erreichen wird. Sein wiederholt in den Regierungserklärungen vorgetragenes und durch die offiziellen Korrespondenzbüros in alle europäischen Sprachen übersetztes Märchen, daß die volle Gleichberechtigung aller Staatsbürger in Ungarn nunmehr durchgeführt sei, ist eine geradezu beispiellose Leistung. Ego. Soeben erschien: Jüdisches Jahrbuch 1929 I. (literarischer) TE L: Die Berliner Jüdische Gemeinde im Jahre 1928 Preußische r Landesverband jüdischerGemeinden Die jüdische Frau in der Wohlfahrtspflege Die Mischehe, eine erschöpfende Abhandlung Moses Mendelssohn, zum 20ü. Geburtstag Gustav Bradt, ein Nekrolog II. TEIL: Organisationen und Vereine III. TEL: Organe und Einrichtungen der Berliner Jüdischen Gemeinden I V.TEIL: Die jüdischen Gemeinden in Deutschland Abbildungen: Geheimrat Timendorfer, Dir. Georg Kareski, Kammergerichtsrat * olff, Sanitätsrat Dr. Schei bei, Frau Rabbiner Dr. Eschelbacber, Moses im Gebet wahrend der Schlacht gegen die Ama'ekiter, gestutzt von Aaron und Chur, Skulptui von Friedrich Rauch, Moses Mendelssohn am Berliner Toi zu Potsdam empfängt den Freibiief Friedrichs des Großen, Kupferstich von Chodowiecki. Das Jüdische Jahrbuch 1929 ist vorzüglich ausgestattet und kostet in Halblein n dauerhaft gebunden nur PI 4.80 Bestellungen umgehend erbeten SCHERBEL & CO. VERLAG Berlin—Charlottenburg Sybelsfrafie 12 Postscheckkonto Berlin' 61884

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