Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 3 (18.1.1929)
- Date
- 1929-01-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Seite 0 rr^hrfft!Mftff*5er i»l Ii! n||\|U|||U Tel. U 28-1-28 XI., Zentralfrledhof, neben dem 1. Tor, Tel. U18-0-85 Mauer umschlossen, an die sich die Rückseiten der Häuser anlehnten, und war nachts durch schwere eiserne Gittertore verschlossen. Die Abschließung der Juden von der übrigen Bevölkerung bestand seit der Zeit des Groben Kurfürsten nicht mehr, ja sie hatten sogar an anderer Stelle, an der Heidereutergasse, eine eigene, wenn auch private Synagoge. Das Ghetto verlor seinen eigentlichen Zweck wohl schon durch die Vertreibung der Juden aus Berlin im Jahre 1573 im Anschluß an die Hinrichtung des „Hofjuden" Lippold, der den Kurfürsten vergiftet haben soll. (Den Grund zu dieser falschen Beschuldigung schöpfte man daraus, daß Lippold dem kranken Kurfürsten ein Glas Malvasier gereicht hatte.) Die später wieder zugelassenen Juden verteilten sich dann auf die Stadt. Schon zweimal vorher waren die Juden aus Berlin, bzw. aus ganz Brandenburg vertrieben worden; das erstemal im Pest jähre 1348, in dem Judenvertreibungen in ganz Deutschland geübt wurden, das zweitemal zu Beginn des 16. Jahrhunderts als Folge jenes grauenvollen Prozesses unter dem Kurfürsten Joachim I., der wohl das dunkelste Blatt in der Geschichte Berlins ist. Damals war von einem in Bernau wohnenden Strolch, namens Fromm, eine vergoldete Monstranz gestohlen worden und eine der darin enthaltenen geweihten Hostien sollte au einen Juden verkauft worden sein. Diese Beschuldigung genügte damals, um sämtlichen im Jüdenhof wohnhaften, also allen Berliner Juden, den Prozeß zu machen. 36 Juden wurden auf dem Neuen Markt auf einem einzigen Scheiterhaufen verbrannt, zwei, die sich hatten taufen lassen, um dem Tode zu entgehen, wurden mit dem Schwert hingerichtet Die Frauen und Kinder der Hingerichteten wurden zunächst nach Spandau gebracht und dann aus Brandenburg vertrieben. Schon damals dürfte der Jüdenhof wahrscheinlich wesentlich verkleinert worden sein. S. Grüners _____ Restaurant II., Zirkusgasse 30 Telephon R 43-1-60 VorsOgl. Wiener, ungarische und orientalische (rumänische) Küche. Mittag und Abend Menü nach Wahl. Erstklassige Getränke. JAC. MAYER Kleider- und GummlmäftteMndustrle Export nach allen Ländern Wien II., Qlockengasse 24 Telephon R 48-4-79 Qlcrretx. Bemerkungen gegen hakenkreuzlerische Artikel bilden an dieser Stelle keine Seltenheit. Aber ich glaube fast, auch der mit W. P. gezeichnete Artikel „Gespenste r", den ich in der „Stimm e" finde, die sich sonst mit einigem Recht eine Jüdische Zeitschrift" nennt, hätte — nach ein paar kleineren Strichen — eine „Z i e r d e" jedes antisemitischen Blattes sein können. Tendenziöse Entstellung, Verleugnung der Wahrheit, krampfhaftes Gewitzel, Verspottung statt Widerlegung, usw. usw., all die ingredenzien, ohne die kein antisemitisches Presseerzeugnis denkbar ist, erscheinen auch in diesem Artikel in langem, gespensterhaften Zuge. Was soll gleich zu Beginn die bewußte Verleumdung der Tatsachen, daß die Sprechabende der „Union" nicht glänzend besucht sind, sondern daß die Teilnehmer an einem „länglichen Tische" Platz finden? Ist dies etwa Jüdisch", wenn man verdienstvolle Männer, die mit Mut, Wissen und Schlagfertigkeit heute, so wie schon vor Jahren für die Ehre ihrer Glaubensgenossen eintreten, aus politischen Gründen dem Spott preisgeben will? Ist es jüdisch, wenn man Männer, die auch an der Gegenwart nicht alles gut finden, wegen ihres greisen Hauptes verhöhnt, daß man darüber lächelt, wie sie schließlich „auseinanderhumpeln?" Ist es wahrhaft jüdisch und nicht vielmehr ehrlich hakenkreuzlerisch, einen Juden, der sich stolz als solcher bekennt, aber darüber nicht vergißt, daß er ein geborener Wiener ist, wegen seines Namens zu bewitzeln? Ich möchte an dieser Stelle weder für noch gegen den Zionismus ein Wort sprechen, aber ich wage die Behauptung, daß der begeistertste Zionist eine Kampfmethode verschmähen müßte, die darin besteht, daß man auf den jüdischen Gegner wähl- und skrupellos Gift und Galle s p e i t. W. P. schließt seinen Artikel mit den Worten: „Der Spuk ist zu Ende". Das wäre endlich ein wahres Wort gewesen, aber es hätte dann mit ck geschrieben sein müssen. Kein Zweifel, die Klagen unserer österreichischen Antisemitenblätter über die wachsende Verjudung Deutschlands entspringen einer ehrlichen Ueberzeugung. In der Tat, was soll sich so ein unverfälschter österreichischer Hakenkreuzler, der jahraus, jahrein ungestört sein antisemitisches Süpplein an der Ritualmordhetze wärmt, denken, wenn er z. B. lesen muß, wie es vor einigen Tagen einem wackeren gesinnungsverwandten Schriftleiter der „Schlesischen Volksstimme" vor dem Schöffengericht in Breslau erging? Herr Hans Kurth hatte in einem Artikel seine Leser mit der bestimmten Auch Detailverkauf zu Fabrikspreisen! Herrenanzug nach Mafi auf Seide S 200.-- Herrenraglan „ , 150.— Herrenhose „ , 48.— feinst ausgeführt Zeltgentfffie aatilunsitedtagitirgcnl Kein Kaufengl »tele ic.UfcUfcitiigl