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Die Wahrheit · 1929-01-18 · Heft 3 (18.1.1929) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 3 (18.1.1929)
Date
1929-01-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 URBäflmHQBl ««n qie WAHRHEIT Der 3. SPRECHABEND C^r^n rln* IC Iünhah im ARRADEHCAFE der „Ullioir findet am Samstsg.denZGJännep ijnlversitntsstr. statt kann wohl einer bestimmten Gruppe im Zionismus als notwendig erscheinen, aber sie kann doch nicht als tlauptaufgabe und Dogma der Organisation gelten. Der Zionismus selbst muü alle Juden umfassen können und eine Plattform für alle Juden ohne Unterschied ihrer religiösen und politischen Anschauungen zur Mitarbeit am Palästinawerk sein. „Die Diaspora entgeht uns nicht, aber Palästina kann für das Judentum auf ewig verloren gehen, wenn wir nicht jetzt alle Kräfte darauf konzentrieren," sagte vor Jahren ein kluger Zionist. Ks ist daher zu begrüßen, daß Weizmann bestrebt ist, den Zionismus aus der Enge der jüdischnationalen Galuthpolitik herauszuheben. * * * Die dritte Weltkonferenz der Revisionisten, die in Wien vom 26. bis zum 31. Dezember*) stattfand, fand dank den guten Verbindungen Wolfgang Weisl auch in der Weltpresse einen weiten Widerhall. Aus allen Reden und Resolutionen war die Forderung herauszuhören, daß die heutige zionistische Organisation durch eine neue, jüngere und radikalere ersetzt werden soll. Was die Revisionisten den Mehrheitszionisten vorwerfen, sind — wie Weisl in der „N. Fr. Presse" vom 30. Dezember ausführt — nicht Fehler hier oder dort, Irrtümer in kolonisatorischen oder selbst politischen Fragen, sondern etwas entscheidend, grundlegend anderes. Das Ziel der Mehrheitszionisten sei zu klein, zu niedrig geworden, es sei nicht hoch und heilig genug, um die letzte Anspannung der Kräfte der jüdischen Massen zu rechtfertigen. Die Revisionisten wollen dieses Ziel weiter und höher stecken. Das alles ist wohl schön gesagt und schön gesungen. Doch wenn die gesungene Melodie mit faschistischem Säbelgerassel begleitet wird, dann ist nicht der Text, sondern die Musik revisionsbedürftig. Der Ruf „Zurück zu Herzl", den die Revisionisten mehr als alle anderen Fraktionen hinausschreien, kann doch nicht in Programmpunkte ausarten, wie sie jüngst im Warschauer Organ der Revisionisten „Der Emes" aufgestellt wurden. Da lesen wir unter anderem: 1. „Wir sind offene, bewußte Gegner des Sozialismus und des Kommunismus auf der jüdischen Gasse, weil sie zerstörende Faktoren unserer nationalen Einheit sind. 2. Wir sehen in der physischen Wiedergeburt des jüdischen Volkes ein Mittel zur Erreichung des Maximums seiner nationalen Macht. Deshalb fordern wir jüdischen Sport, die militärische Erziehung jedes Juden, fordern wir, daß der „Brith Trumpel- *) Wir haben über diese Tagung nicht selbständig berichtet weil die Herren Arrangeure es trotz einer Aufforderung nicht für notwendig fanden, unserer Redaktion eine Journalistenkarte zu übermitteln. Die Red. dor" in Palästina, die bewußt militärische Organisation, das jüdische Ziel ist. Wir fordern die Verherrlichung der physischen Kraft; darum fordern wir: Wenn man Dir einen Schlag auf die Wange gibt, schlage auf beide zurück! 3. Wir wollen keine Menschenerzieher sein. Wir sind ausgesprochene Gegner der Kultivierung der messianischen Idee, sowohl in ihrem alten wie in ihrem modernen, achad-haamitisch-buberischbirnbaumisch-sozialistischen Sinne. Wir wollen niemanden erlösen. Wir wollen umgekehrt, wenn sich auf dem Wege zum Aufbau des Judenstaates innere oder äußere Hindernisse in den Weg stellen, weder physische noch die psychische Angst haben, solche Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen. 4. Wir haben keine Götzen. Für uns ist die demokratisch-liberale Idee kein Heiligtum. Wenn die konsequente Verwirklichung des demokratischen Gedankens die Judenstaatsidee schädigen sollte, können wir auch antidemokratisch sein. Um nur ein Beispiel zu nennen: Eine öffentliche jiddischistische Versammlung in Palästina darf unter keinen Umständen Zustandekommen." Dies wäre also die in Worte gekleidete revisionistische Melodie zu unserem zionistischen Text. Dann wäre aber auch — real und sachlich ausgedrückt — der Revisionismus nichts anderes als die politische Ueberhebung eines jüdischen Faschismus. Wenn die Berliner Tagung des Aktionskomitees ein prosaischer Text ohne Musik war, so war die Wiener Tagung eine phantastische Musik, der es an einem realen Text fehlte. Unsere Hauptaufgabe muß es aber sein, mit Realitäten zu rechnen und uns nicht in abstrakte Formeln zu verlieren. jk/^-r ~ Der Berliner „Jüdenhof verschwindet. Die letzten der an der Südseite des J ü d e nhofes, in der Nachbarschaft des Berliner Stadthauses, gelegenen Häuser sind — wie das „Berliner Tageblatt" berichtet — von der Stadt Berlin angekauft worden, um größeren Geschäftshäusern Platz zu machen. Der Jüdenhof war das Ghetto des mittelalterlichen Berlin. Das Ghetto war, wie in allen mittelalterlichen Städten, von einer ■ KleiderkreditZahlbar iXi^b elno# ■ Sämtliche Herren- und Damenkleider 5 Nur Qualitätsware! nach Maß sowie fertig lagernd. Billigste Preise! ■ KLEIDERNAUS WERTER, WIEN XVI., ■ Telephon A 1-501 Ottakrlngrenrtrafle 17 Telephon A 1-501

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