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Die Wahrheit · 1929-01-18 · Heft 3 (18.1.1929) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 3 (18.1.1929)
Date
1929-01-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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m WAHRHEIT fflKHHWWIMtttl>lliMMIMMmini WfflüfflHllHlüH S*it* T einer der ältesten und stärksten jüdischen Gemeinschaften in Italien, angenommene Tagesordnung, weil sie, gleichsam im Namen alier nicht zionistischen Juden Italiens sprechend, stolz auf das italienische Volkstum der Juden hinweist und mit jenen Juden, die allem übrigen nicht das italienische Vaterland voranstellen, nichts gemein haben will. Einige Zionisten hingegen behaupten in ihren Erwiderungen, ein auch vom britischen Mandat unabhängiges jüdisches Palästina wäre vom Standpunkte Italiens nur zu begrüßen. Denn es würde unbedingt ein wertvoller und treuer Freund Italiens se:n. Hierbei wird an die mannigfachen Interessen Italiens im Osten, besonders am Koten Meer, angespielt, denen eine italienisch-palästinensische Sympathie nur von hohem Nutzen sein könnte. In diesem Widerstreit der Meinungen ist auch die Frage erörtert worden, wie viele Juden eigentlich in Italien leben. Da in Italien die Konfession bei amtlichen Volkszählungen nicht die Rolle spielt wie anderswo, und da viele italienische Juden Freidenker sind, ist es schwer, mit Zahlen zu antworten. Vor dem Kriege schätzte man die Juden in Italien auf rund 50.000 Köpfe. Seither haben sich die Juden stark vermehrt. Nicht nur durch den natürlichen Geburtenüberschuß, sondern auch infolge der Vergrößerung Italiens selbst. In den neuen Provinzen, besonders in Triest, Fiume, Görz und den südtirolischen Städten, leben ziemlich viele Juden. Rechnen wir die jüdischen Gemeinwesen in Libyen (Tripolis, Horns, Garian, Zliten und der Dschebel Nefusa haben zahlreiche Juden) hinzu, so gehen wir wohl nicht viel irre, wenn wir von rund 8 0.0 0 0 Juden innerhalb der italienischen Grenzen sprechen. Rom selbst — und wie beist es, die sie gegen ihn abzutragen haben; auch die Pflicht der Selbsterhaltung muß sie zu dem Helden des Geistes hinziehen. Immer muß die Gemeinschaft, die nicht auf ihr numerisches Uebergewicht pochen kann, ihre Kraft in der Anspannung und der reichen Entfaltung des Geistes suchen; Lässigkeit, die dem Starken nachgesehen wird, ihm nicht unmittelbar schadet, rächt sich schnell an dem Schwachen. Das Judentum als die kleinste GroSkirche kann nur durch die innere Freiheit, durch die geistige Energie seiner Bekenner bestehen. Christentum und Islam steht die äußere Macht zur Seite, sie bleiben noch lange weltbeherrschend, wenn auch die geistige Frische ihnen entschwindet; das Judentum sinkt gänzlich, wenn es nicht vorangeht auf der Bahn der menschlichen Entwicklung. In Lessing hat es den mutigen Führer, der ihm zeigt, wie man nach Wahrheit ringen soll, unbestochen vom Flitter außerhalb, das Gewölk innerhalb zerstreuend. Im Beitrage zum Denkmale Lessings bekunde sich die Verehrung für seine Gesinnung, das Streben, sie in uns zu wecken, unsere Hingebung an die Wahrheit, unser Mut für sie einzustehen, das Bewußtsein von unserem guten Rechte und die Ausdauer, es zu vertreten. Er stehe da, unvergänglich für uns zeugend und zur Nachfolge anregend. KAUF UND VERKAUF VON REALITÄTEN JEDER ART SOWIE ÜBERNAHME VON HAUSVERWALTUNGEN DURCH ARCHITEKT HERA/INN LBENSP/1NQER WIEN IX., LATSCHKAGASSE 4 / TEL. A16-5-15 kannt sein dürfte, beherbergt die Siebenhügelstadt die älteste jüdische Gemeinde Europas — hat 18.000 bis 20.000 Juden. Wie viele italienische Juden dem Zionismus ergeben sind, weiß die Oeffentlichkeit nicht. Man weiß nur, daß er über 25 Ortsgruppen in Italien zählt. Die Polemik hat bereits ihre Folgen gezeitigt. Im Jahre 1920 hatten die Juden zu Florenz den im Weltkriege gefallenen Juden eine Gedenktafel mit dieser Inschrift gewidmet: „Den Florentmischen Hebräern, die ihr Blut vergossen für ein größeres Italien, für ein freies, vereinigtes, wiedererstehendes Israel." Jetzt aber haben dieselben Juden von Florenz ihren Gefallenen ein neues Epigraph geweiht, darauf zu lesen steht, daß diese ihr Blut vergossen „für die Größe des Vaterlandes, das für uns Juden nur Italien sein kann". Text ohne Musik und Musik ohne Text. Die letzten Tage des abgelaufenen Kalenderjahres brachten, wie die Preßburger zionistische „Jüdische Volkszeitung", der wir den folgenden Aufsatz entnehmen, berichtet, eine Reihe von Tagungen mit bedeutungsvollen Ergebnissen, die dem leerlaufenden zionistischen Jahr zumindest einen guten Abgang sichern. Die Berliner Tagung des Aktionskomitees, die vom 20. bis 24. Dezember stattfand, hat, umheult von den Unkenrufen unserer Schwarzseher, endlich die bekannte Abmachung Weizmann-Marshall ratifiziert und die erweiterte Jewish Agency sozusagen etabliert. Am Nebengeleise, in der Oeffentlichkeit fast unbemerkt, erfolgte jedoch ein heftiger Zusammenstoß zwischen dem Prinzip der zionistischen Galuthpolitik und der einseitigen Konzentration auf die Verwirklichung des Palästinazieles. Es ist kein Zufall, daß die radikalen Gegner der Jewish Agency die enragierten Verfechter der Galuthpolitik sind. Die Freunde der Agency sind jedoch entschiedene Gegner der Galuthpolitik und Weizmann hat seine Abkehr von der Galuthpolitik — was er bereits vor Wochen in Amerika offen ausgesprochen hat — nochmals glatt unterschrieben. In einer Polemik mit Jizchak Grünbaum sagte er: „Wenn die Frage so steht: Entweder das Tempo des Palästina-Aufbaues beschleunigen oder die nationale Politik in Polen fördern, dann gibt es für mich keine Wahl." Schließlich ist ja Zionismus keine Partei, sondern eine Organisation, in der jeder Zionist je nach seiner Anschauung einer Partei angehören soll können, der jüdischnationalen, sozialdemokratischen usw. Landespolitik zu treiben,

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