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Die Wahrheit · 1929-01-18 · Heft 3 (18.1.1929) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 3 (18.1.1929)
Date
1929-01-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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ä*äe Ö HIHHHimMtfliirttl Hir'n^M^*"mM,"^"fa'^m"'^m',Mn"i't^iig|iMiiiiiiinidniii»titifi^ DIE WAffl lichtet hatte, dem aber durch eine ganze Reihe von Aufsätzen im italienischen Zionistenblatt selbst eine ganz besondere Bedeutung beigemessen wurde. Eine römische Zeitung hat, daran anknüpfend, an die italienischen Juden die Aufforderung gerichtet, zu den Beschlüssen des Mailänder Kongresses Stellung zu nehmen, d amitltalienklarersehenkönne, obsich die Juden tatsächlich als ein eigenes Volk betrachten. Diese Aufforderung ist von einer großen Anzahl italienischer Blätter nachgedruckt worden und so ist ein Für und Wider hervorgerufen worden, das den Fall einigermaßen geklärt hat. Nicht anders als wie Staatsbürger mosaischen Glaubens sind die Juden in Italien bis jetzt eingeschätzt worden und man weiß, daß nicht weniger als drei Juden an der Spitze der Regierung standen und ein Jude, Ernesto Nathan, einmal Bürgermeister von Rom war. Nun aber hört der Italiener mit einmal vom „jüdischen Volke" sprechen, das „in Zions Namen den von den Vätern vorgezeichneten Weg wieder aufnimmt"; nun liest er einen Aufruf, darin die Zionisten eingeladen werden, ihr „jüdisches Selbstbewußtsein" wieder zu erwerben; nun sieht er, wie Giuseppe Pardo de Regues in Pisa gegen die „noch immer in der Assimilationslethargie der Achtundvierzigerjahre lebenden Hebräer" seine Blitze schleudert. Der Lustspieldichter Sebatino Lopez, Präsident des Zionistenkongresses, fordert unerbittlichen Kampf gegen die ihres Volkstums nicht bewußten Juden, bis das nationale Gewissen im ganzen jüdischen Volke Italiens erwacht sei. Die Italiener aber fragen sich, ob sie es bei ihren jüdischen Mitbürgern mit einer Religion oder einem Volke zu tun haben. IMfekm RICHARD HERZOG, Wien I., Adlergasse 5 Telephon R 23-4.90 II., Kl. Pfarrgasse 28 Telephon A 41-6-24 QroOer Inweniurouswerlcouf von jüdischen, hebräischen und original englischen 1 anzscblager- Platten zu bedeutend herabgesetzten Preisen. Lassen Sie diese Gelegenheit nicht ungenützt vorübergehen 1 Beste Sprechapparate zu Teilzahlungen bis zu 18 Monatsraten. Die Antwort darauf haben die Juden selbst gegeben. Man kann die zahllosen Zuschriften von Juden an die italienische Presse in drei Gruppen einteilen. Die erste bilden die Briefe von „Italienern jüdischer Herkunft und mosaischen Glaubens". Die zweite stammt von Leuten, die, vor die Wahl gegestellt, Italien den Vorzug geben würden, doch hauptsächlich aus dem Grunde, um ihre sichere Stellung nicht einzubüßen. Die dritte Gruppe kommt von Juden, die sich als Nation fühlen, also von Zionisten selbst. Bemerkenswert ist eine von dem Vorstand der „Fraterna Generale Israelitica" in Venedig, Lessings Kampf um geistige Freiheit war nicht inhaltlos. Ihm war der Geist nicht in rohem Materialismus untergegangen, die Freiheit nicht schrankenlose Willkür; aber auch den Materialismus, der die verdorrten Geistesgebilde, die entgeisteten Leichen zu verehren befiehlt, verwarf er, auch die Willkür, die der geistigen Entwicklung Stillstand gebietet, bekämpfte er. Lessing ein Denkmal errichten und nebenbei geistige Knechtschaft predigen und erhalten, Ausschließlichkeit lehren und üben, engherzig und dünkelhaft sich als „Knorren" überheben; Lessing ein Denkmal errichten und dabei nach allen Seiten hin rücksichtsvoll, zaghaft spähend ausweichen, sich durchwinden, klug sich von den Verhältnissen leiten lassen, ohne den mutigen Vorsatz, in ihre Gestaltung einzugreifen — das wäre eine Verspottung seiner selbst, mehr noch, als ein Hohn gegen Lessing. Freuen wir uns des tapferen Gedankens, in Lessing den Genius des deutschen Volkes zu feiern; er bürgt auch für die tapfere Tat. Und wenn alle deutschen Männer zur Ausführung dieses Denkmals mit beizutragen berufen sind, so mögen auch vorzugsweise die Bekenner des Judentums dieser Aufgabe eingedenk sein. Sie haben nicht bloß gegen ihn eine Schuld der Dankbarkeit zu entrichten, und auch diese ist groß genug. Er ist der einzige große Dichter, der sie als Menschen und als Träger einer sittlichen Idee zu würdigen verstand. Ihm war nicht der Jude, zumal der damalige, zu „unschön", um ihn zu berühren, er hat nicht, wie Shakespeare, ihr Weh empfunden und dennoch an ihrer Entwürdigung sich gelabt; er hat den tiefen, sittlichen Fonds erkannt, der sie in aller Erniedrigung aufrecht zu erhalten vermochte, der den Menschen in ihnen nicht verkommen ließ trotz unmenschlicher Behandlung. Er hat die ganze Niedrigkeit der gegen sie gerichteten Selbstüberhebung, die ganze Hoheit ihrer Würde bei aller notgedrungenen Schmiegsamkeit begriffen und dargestellt, die Schlechtigkeit, die frömmelnd gegen sie frevelt, gegeißelt und den Adel des göttlichen Ebenbildes, das sich in ihnen nicht verwischt, in seiner vollen Bedeutung gewürdigt. Er hat in einem Erstlingsversuche, wie in seinem reifsten Dichterwerke den Juden vorgeführt nicht in sentimentalem Jammer, sondern in edler Männlichkeit. Er hat auch im Leben, wie denn seine ganze Dichtung Abdruck seines Lebens war, den Juden Mendelssohn als seinen Freund an sich herangezogen, und dieser, wie mancher andere, sind an ihm frei und groß geworden. Er hat den Juden für ihre Bemühungen um geistige Befreiung die Bahn geebnet, und seine leuchtenden Gedanken haben ihnen den Weg der Entwicklung erhellt. Doch nicht diese Schuld der Dankbarkeit allein

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