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Die Wahrheit · 1929-01-18 · Heft 3 (18.1.1929) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 3 (18.1.1929)
Date
1929-01-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Öffi WAHRHEIT uuiinmiiiiiinuuo Seite 5 Riten, die Qeschichte und die Volkskunde so entwickelt, als ob es steh um ein Lehrbuch tür Mutelschüler handelte. Dabei sind alle Artikel von einer ungeneuren Begeisterung eriüilt, die wir heutzutage anderswo ment vorturnen. — Zionismus und jüdische Literatur weraen benandeit. die Bilder groüer portugiesiscner bynagogen gebraent una dazwischen in jeder Nummer wieder Verlautbarungen neuer Uebertritte. Jünglinge, Männer, ja selbst Ureise lassen die Zirkumzision an sien vornehmen. Mit Feuer eiler macht man sich an das Studium der hebräischen Sprache, die heute nicht nur an den Volks- und den Mittelschulen, sondern auch an der Universität m Porto gelehrt wird. Line der größten neuen Gemeinden ist in Braganza entstanden. Die dort am 22. Juni 1928 eingeweihte Synagoge führt den Namen „Schaare Pidjon" (Tore der Erlösung). Qroß sind auch die neuen Gemeinden in Macedo de Cavaleiros, in Mogadouro. in Tras-os-Montes und speziell in dessen Hauptorte Moncorvo, auf den Azoren und schließlich in Castel Branco. Es gibt bereitseine wissenschaftliche Literatur über die Maranen; ein in Portugal lebender jüdischer Gelehrter, Samuel Schwarz, hat eine reich mit Illustrationen versehene eingehende Abhandlung über die hebräischen Inschriften in Portugal sowie über die Maranenbewegung geschrieben, zu der Senator Jorga ein schwungvolles Vorwort verfaßt hat Ein zweiter Autor, J. Lucio D'Azevedo. befaßt sich mit der Geschichte der Maranen. während außerdem eine ganze Reihe kleinerer, teilweise von Barros Basto verfaßter Schritten und Musiktexte jüdischer Gebete, vornehmlich aus der Zeit des Kryptojudentums. während dessen Verfolgung, dann von Predigten, von Werken über jüdische Geschichte, speziell jener aus der Zeit der Inquisition entstanden ist In seinem vor kurzem erschienenen Buche „Das Land zwischen Orient und Okzident" schildert der Stockholmer Oberrabbiner Dr. Marcus Ehrenpreis die Eindrücke eines Juden auf seiner Reise durch Spanien und Portugal. Er weiß ja bereits vieles über diese wiedergewonnenen Glaubens- und Volksgenossen zu berichten. In London hat sich ein eigenes Komitee für die portugiesischen Maranen gebildet Aehnliche Organisationen bestehen auch in Paris, wie in Italien. U^bdMütuwnknfücDk Wahrheit! K ON Kl) RS In der Israelitischen Kultusgemeinde Graz gelangt die Steile "eines Schachters, florbetm und Tempuldimers zur Besetzung. , Bewerber, die Mohelim sind, werden bevorzugt. Die Bewerbungsschreiben müssen die Angabe Ober Aller, Familienstand und die bisherige Verwendung enthalten und mit der Abschrift der Zeugnisse, besonders der Kaboloth belegt sein. Israelitische Kultusgemeinde Graz Faszismus und Zionismus In der italienischen Oeffentlichkeit ist momentan, veranlaßt durch eine vor kurzem in Mailand stattgefundene Zionistentagung, eine Polemik im Gange, die durch eine Anfrage der offiziösen „PopoJo di Roma" an die italienischen Juden, ob sie sich als Konfession oder Nation fühlen, verursacht wurde. Welche Folgen diese Polemik zeitigte, behandelt der römische Korrespondent der „G r a z e r Tagespost" in dem folgenden Aufsatz, der unsere Leser sicher interessieren dürfte. Die Italiener, denen der Antisemitismus bisher als etwas völlig Fremdartiges erschien, haben plötzlich ein sehr feines Ohr für die Vorgänge im zionistischen Lager. Der Grund für diese physiologische Erscheinung ist in den Beschlüssen des kürzlich in Mailand abgehaltenen Kongresses der in Italien ansässigen Zionisten zu suchen, über den die amtliche Nachrichtenstelle, die „Agenzia Stefani", allerdings bloß in einer lakonischen Meldung beleuchten, das er vielmehr innerlich vergeistigt, in dessen Kampf er mutig eingeht, zu gleichem Kampfe anspornend. Das deutsche Volk liebt wohl in ihm auch den Dichter, der die Menschennatur tief zu erfassen und ideal darzustellen wußte, aber vor allem liebt es an ihm die Gesinnung, die den Dichter beseelte. In Lessing prägt sich die mutige Offenheit, der unbezwingbare Wahrheitsdrang mehr aus, als die künstlerische Anmut; mit ihm wandeln wir weniger in den seligen Gärten der Hesperiden, wir durchziehen mit ihm die mutige Kampfesbahn. Das deutsche Volk ehrt in Lessing den Mann, der jedes Verdienst vor Verkennung „rettete", der die Hohlheit des eleganten Flitters entkleidete, der faden Nachäfferei den Krieg erklärte und zur Natur Wahrheit zurückkehrte. Das deutsche Volk huldigt vor allem seiner letzten größten Tat, mit der er auftrat zu gleicher Zeit gegen die aufgeblähte Borniertheit, wie gegen den mattherzigen Selbstbetrug und die konventionelle Lüge; es huldigt dem kühnen Vertreter der Geistesfreiheit gegen ererbtes Vorurteil, es huldigt dem Herausgeber der „ W olfenbüttler Fragment e", dem Helden, der für sie in die Geistesschlacht zog und im „Nathan" den edelsten Schlachtgesang, das hohe Siegeslied anstimmte und damit — aushauchte. Sein ganzes Leben ist ein mühseliges Ringen, ein Zerarbeiten der riesigen Kraft an der erbärmlichen Gewöhnlichkeit der Verhältnisse. Sein Leib unterlag dabei; daß er trotzdem in seinem Streben die Unendlichkeit in sich getragen, dafür zeugt die Verehrung, die ihn dauernd umgibt, dafür will sie zeugen. Das deutsche Volk setzt seinem eigenen Genius ein Denkmal, indem es Lessing ein solches errichtet; es zeigt, daß es inne geworden, was es vermag und was es soll. Es sind Schwächlinge auch zu diesem Riesen mühsam hinaufgekrochen und haben ihn zu sich herabzerren wollen. Wie sie sich bemüht haben, ihn zu dem Ihrigen zu machen, aus ihm eine überwundene Christlichkeit herauszudeuten; wie sie um ein jedes Wort gemäkelt und jedes „Wenn" und „Aber" im dialektischen Kampfe auszubeuten versuchten! Die zaghaften Seelen konnten den freien Mann, der kühn einherschritt, nicht dulden, und zu weichlich, um mit dem traurigen Mute eines Wolfgang Menzel ihn zu verdammen, mochten sie ihn salbungsvoll im Grabe bekehren. Wie der große Mann, wenn er noch lebte, diese „Rettung" mit Entrüstung von sich abgewehrt hätte! Nun lächelt er selig hernieder; er hat sein Friedenswort im Nathan gesprochen. Das deutsche Volk ehrt nicht den „geretteten", es ehrt den kämpfenden Lessing. Es zeigt, daß es dazu berufen ist, unverdrossen in die Schachten des Gedankens einzufahren, die Wahrheit herauszufordern; es will sich nicht daran genügen lassen, Erbe zu sein, es will das Gut selbst mehren.

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