Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 2 (11.1.1929)
- Date
- 1929-01-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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CHE WAHRHEIT iiiiiiiiiiiiiiiiiiHUiiiiiuii« Seite 11 Betrag von 100.000 Dollar der ietzt bekanntlich polnischen Stadt Bromberg vermacht, mit der Bestimmung, daß die Zinsen an bedürftige alte Juden verteilt werden sollten. Nun hätte man annehmen sollen, daß der Magistrat Bromberg mit Vergnügen diese Erbschaft annehmen würde. Aber weit gefehlt. Der Magistrat lehnte die Erbschaft ab mit der Begründung, daß es keine bedürftigen alten Juden in Bromberg gebe, wiewohl jedermann in Bromberg und Umgebung weiß, daß es sogar ein jüdische Altersheim in Bromberg gibt, dessen Insassen wirklich kein allzu beneidenswertes Dasein zu führen haben. Diese skandalöse Ablehnung der Erbschaft haben die interessierten Kreise natürlich nicht ruhig hingenommen. Es sind bei den maßgebenden 3ehörden Schritte unternommen worden, um den Magistrat zu zwingen, abermals zu dieser Angelegenheit Stellung zu nehmen, denn das Geld wird von dem Testamentsvollstrecker noch immer zur Verfügung gehalten. Die Zinsen sind in den Jahren bereits auf 200.000 Zloty aufgelaufen. Diese Bemühungen haben jetzt Erfolg gehabt, indem der Magistrat von höherer Seite aus zur nochmaligen Beschlußfassung aufgefordert worden ist. In unterrichteten Bromberger Kreisen verlautet jedoch, daß die Erbschaft abermals abgelehnt werden soll. Polens Judenfreundschaft. In der letzten Sitzung des uolmschen beim legte Ministerpräsident Prot. B a r t e i eine Oeseizesoestimmung vor. wonach die „religiösen oder nationalen Begrenzungen" in den üesetzen der russiscnen Zarenregierung, „che gegen die Polen gewendet sind" abgescnatti weiden sollen. Das hielie aiso, aab die beschranKungen gegen die Juden (die sich auf Erwerb von boden, religiöse. Kulturelle Angelegenheiten u. a. m. beziehen) bestehen bleiben sollen! Abgeordneter Hartglas nei dazwischen: Es soll ein neuer Ausnahmezustand gegen Juden, der bisher nicht existiert hat, eingeführt werden! Im Namen des Regierungsblocks gab Kwapinsky die Erklärung ab, daß der „unparteiische Block" mit der Regierung in diesem Falle nicht einverstanden ist; die Grundlagen der bürgerlichen Gleichberechtigung dürfen nicht angetastet werden. Schließlich wurde der Ausbesserungsvorschlag der Regierung abgelehnt; für ihn stimmten nur die Nationaldemokraten (!). „Jüdische Pleite". In einer der letzten Sitzungen des Haushaltsausschusses des anhaltischen Landtages gebrauchte Minister Weber wiederholt den Ausdruck „jüdische Pleite" im Sinne betrügerischen Bankerotts, obwohl im Zusammenhang der Dinge von einem solchen gar nicht die Rede sein konnte. Das Mitglied des Landtages, Loeper, richtete an den Minister die Anfrage, was ihn veranlaßt habe, eine einfache Insolvenz als „jüdische Pleite" zu bezeichnen, und was er zu tun gedenke, um der von ihm so schwer beleidigten Konfession die ihr gebührende Genugtuung zu bieten. Ein feiner Minister! Bernard Shaw über Shylock. „Jewish Chronicle" veröffentlicht ein Interview mit Bernard Shaw. Der Berichterstatter fragt Shaw, ob er die Ansicht vertrete, daß Shakespeare durch antisemitische Motive geleitet war. als er den „Kaufmann von Venedig" schrieb. Shaw verneinte dies und erklärte, das Shakespeare den Juden als Mitmenschen und nicht als Schreckmenschen bezeichnet habe. Die Stelle, an der Shylock gezwungen wird, Christ zu werden, beweise, daß Shakespeare sich niemals ernstlich mit dieser Frage beschäftigt habe. Britischer Schutz für palästinensische Bürger. In Erwiderung auf eine Anfrage des Captain Foxcroft stellte der Unterstaatssekretär für auswärtige Angelegenheiten, Locker Lampson. Im Unterhaus fest, daß britischer Schutz allen jenen Personen gewährt wird, die die palästinensische Bürgerschaft gemäß den Bestimmungen der Bürgerschafts-Kabinettsorder vom Jahre 1925 erworben haben. BETTFEDERN En gros SPEZIALHAUS en detail le« Schotten, Wien XIV.. BrmunMncheaaassm Nr. 2t Telephon R38-3-83 — Provinzversand — Samstag geschlossen Zentrale: Mattersburg, Burgenland. Cätv« . .. Der zweite Sprechabend der „Union", der Samstag, den 5. d. M., stattfand, hat den Beweis dafür erbracht, daß sich diese Neueinführung der „U n i o n" in kürzester Zeit das lebhafteste Interesse der Mitglieder und Freunde dieser Vereinigung erworben hat. Der Sprechabend war von einer solch großen Zuhörerschaft besucht, daß es sich als notwendig erweist, die nächsten Veranstaltungen dieser Art in einem noch größeren Klublokale, und zwar im Souterrainlokale des Arkadencafe, 1., Universitätsstraße 3, abzuhalten. Auf der Tagesordnung des letzten Sprechabends stand die Fortsetzung der Debatte über das Referat des Herrn Hofrat Ing. Josef Löwy: „Das Problem des Wiener Judentum s". Nach Begrüßungsworten des Präsidenten der „Union", Herrn Doktor Jakob O r n s t e i n, und Mitteilungen desselben über die Konstituierung des Kultusvorstandes wurde die Diskussion eingeleitet durch ein mit Interesse aufgenommenes Referat des Herrn Reg.- Rat Dr. Max Lenk. Ferner sprachen zum Thema die Herren Dr. Oskar Hein, Dozent Dr. Hugo Stern, Rudolf Geiger und Ing. Hugo K o d it s c h e k. Die Debatte, die größten Anklang im Publikum auslöste, wurde infolge vorgerückter Stunde nicht beendet, sondern wird am nächsten Sprechabend, dessen Termin rechtzeitig bekanntgegeben wird, fortgesetzt. An diesem Abend wird die Diskussion eingeleitet durch Herrn Dr. Ernst Feldsberg; zum Worte gemeldet haben sich ferner die Herren Alfred Stroh, Hofrat Dr. Emil R i es e n f e 1 d, Kommerzialrat Alexius S a 1 z e r und Siegmund Stern. Das Schlußwort hat Herr Hofrat Ing. Josef Löwy. Der ausnehmend gute Besuch der beiden ersten Sprechabende der „U n i o n" kann diese Vereinigung nur in der Hoffnung bestärken, daß es ihr durch diese Veranstaltungen, denen ähnliche in allen Wiener Bezirken folgen sollen, gelingen wird, den Kontakt zwischen der Leitung der Vereinigung und ihren Freunden und Anhängern stets inniger zu gestalten. Interessenten für diese Sprechabende mögen ihre Anschrift gefälligst dem Sekretariate der „Union", IX., Berggasse 4, bekanntgeben. Jlllllllll WztfaMctutentmfiirTk WaJukcä! JAC. MAVER Kleider- und GummlmSitteMtidustile Export nach allen Ländern Wien II., Glockenoesse 24 Telephon R 48-4-70 Auch Detailverkauf tu Fabrikspreisen! Herrenanzug nach Maß auf Seide S 200.— Herrenraglan „ n 150.— Herrenhose „ „ 4a.— feinst ausgeführt Zeltgentlfie 2 ehlunssfcedlRBi'1*8**1 Kein Kaufi*annI trete eeftUMi«i»»§l