Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 2 (11.1.1929)
- Date
- 1929-01-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 IffliiiiiilioiN^ j^H? WAHRHEIT nimmt: die da heute nach einem Ausnahmeparagraphen gegen „Fremdstämmige" schreien, werden in wenigen Jahren schließlich in Amt und Würden sitzen, werden Richter, Lehrer, Aerzte, Diplomaten. Staatsbeamte sein, auch sie ein Teil jener Obrigkeiten, die über unsere Körper und Seelen Gewalt haben. Mit solcher chronischen Horizontversorgung, mit solchem dicken „Rassen"-brett vor den Köpfen, mit solcher obskuren Weltanschauung. Das ist nun wirklich gar nicht so belanglos. Es steht ja gottlob nicht zu befürchten, daß ein Numerus clausus in Deutschland Tatsache wird, obgleich man nach der angehäuften Kulturmuckerei der letzten Monate noch auf mancherlei Ueberraschungen gefaßt sein muß. Diese Blamage vor aller Welt wird uns ja wohl erspart bleiben. Was uns aber in der Zukunft leider nicht erspart bleiben wird, das sind die .Allgemeinen Studentenschaftler' nach vollendeten Examina mit den Ausnahmeparagraphen-Forderungen über dem im Takte der Hitler-Hymne schlagenden Herzen. Davor können wir uns gar nicht rechtzeitig genug zu schützen suchen!" Palästina ein Zweirassen-Staat. Die Organisation Brith Schalom, die sich aus prominenten Veitretem der jüdischen und arabischen Intelligenz zusammensetzt, übergab der Jüdischen 1 eiegraphen-Agemur eine LrKiarung, in der zum .Ausdruck georacht wird, daß Palästina ein Zweirassen-ätaat bieioen müsse, in welchem Juden und Araber für alle Zeiten gleiche Kechte genießen sollen. Die Probleme des jüdischen Maüonaiheims. heißt es m der LrKiarung weiter, müssen durcü gegenseitiges Verständnis zwischen Juden und Arabern einer Losung zugeiünrt werden. Das jüdische Problem in Palästina werde erst dann eine Kealität werden, wenn die jüdische Bevölkerung an Zahl zunimmt Die Vereinigung Brun bchalom sei für eine das Volk repräsentierende kegierung in Palästina und wird nach dieser Richtung mit den Arabern zusammenarbeiten, um Garantien dafür zu erhalten, daß die jüdische nationale Entwicklung durch ein solches Regime in keiner Weise gehemmt werden wird. Wer weiß etwas? Die Londoner jüdische Tageszeitung „The Jewish Times" bringt unter dem Titel „Straßenkampf in Wien zwischen Poale Zion und Revisionisten. Polizei muß eingreifen", folgenden ita-Bericht: „Die revisionistische Trumpeldor-Jugendorganisation veranstaltete zu Ehren Jabotinskys einen Fackelzug durch die Straßen Wiens. Eine große Gruppe linker Poale-Zionisten überfiel die Prozession, es entstand eine Schlägerei zwischen den beiden Parteien und Polizei mußte eingreifen. Diesen Dienstag soll in Wien die Weltkonferenz der Trumpeldor-Organisation eröffnet werden. Man befürchtet, daß die linke Poale Zion versuchen wird, die Konferenz zu stören. Ihre Ueberfälle sind eine Antwort auf Angriffe, die Mitglieder der Trumpeldor-Organisation auf ein Poale Zion-Meeting in Tel Aviv verübt haben, auf dem Reden in jiddischer Sprache gehalten wurden." Wir müssen gestehen, daß wir von diesem jüdischen „Straßenkampf" erst durch obigen Ita-Bericht etwas erfahren haben, er wird also entweder harmloser Natur gewesen sein oder gar nur in der Phantasie stattgefunden haben. Bezeichnend für Revisionisten und Poale-Zionisten ist aber immerhin selbst — das Märchen. Vorbereitungen zum Weltfriedenskongreß. In diesen Tagen hielt die Exekutive des Weltkongresses der Religionen für Frieden eine Beratung ab und ernannte Unterkomitees für jede Religion, die für eine entsprechende Repräsentanz an dem Friedenskongreß zu sorgen haben werden. Dem Unterkomitee für die jüdische Religion gehören an: der britische Reichsrabbiner J. H. Hertz, Dr. Cyrus Adler und Sir Stephen S. W i s e aus Amerika und der Wilnaer Oberrabbiner Senator Rubinstein. Dieses Subkomitee hat die Aufgabe, 60 jüdische Repräsentanten als Delegierte für den Weltfriedenskongreß der Religionen, der im Jahre 1930 zusammentreten und dem etwa 1000 Vertreter der verschiedenen Religionen beiwohnen werden, namhaft zu machen. Das hier vorgesehene Auswahlsystem erscheint uns recht eigenartig und wenig zweckmäßig. Die radikalen Zionisten auch weiterbin gegen die Agency. Das Berliner Zentral-Büro der „Vereinigung radikaler Zionisten" verbreitet durch die Jüdische Telegraphen-Agentur folgende Erklärung: „Das Zionistische Aktions-Komitee hat bei seiner eben abgeschlossenen Tagung zwar die im November 1928 in New York getroffenen Vereinbarungen bezüglich der Erweiterung der Jewish Agency gutgeheißen, es hat aber anderseits die Durchführung der Beschlüsse an eine Reihe von NEUERÖFFNETE REICHHALTIGE, MODERNE LEIHBIBLIOTHEK DER BÜCHERSTUBE M. RATH WIEK II., TA BORSTRASSE Nr. 20 a TEL. R 43-1-58 ALLE NEUERSCHEINUNGEN! REICHE AUSWAHL IN HEBRAIKA UND JUDAIKA in englischer und französischer LUeratur MONATSGEBUHR NUR S 3.- KEINE BANDGEBÜHR! TÄGLICHER UMTAUSCH! Bedingungen geknüpft, deren Verwirklichung von der Zustimmung mehrerer Faktoren abhängig ist. in der Frage der Präsidentschaft der Jewish Agency; in der Frage der Sicherung der Rechte der Zionistischen Organisation als Jewish Agency für den Fall der Auflösung der erweiterten Jewish Agency; in der Frage der Vertretung Palästinas in dem nichtziomstischen Teil der Jewish Agency, sowie in bezug auf eine Reihe wichtiger organisatorischer Fragen hat das Aktions-Komitee der Exekutive Aufträge in Form von Beschlüssen erteilt, über die auf der nächsten Sitzung des Aktions-Komitees im Frühjahr 1929 Bericht erstattet werden muß. Bis danin dürfen nach dem Sinn der Aktions-Komitee-Beschlüsse die Vorbereitungen für die Besetzung der erweiterten Jewish Agency durch Delegationen aus den Ländern das Stadium der präliminaren Besprechungen nicht überschreiten. Darüber hinaus steht die Vereinigung radikaler Zionisten auf dem Standpunkt, daß effektive Schritte zur Besetzung der Jewish Agency vor dem Kongreß nicht unternommen werden dürfen, da vorher der Kongreß zu der Frage Provisorium, über die ein bindender Beschluß des Kongresses vorliegt, die aber nach den New Yorker Vereinbarungen jetzt in einem ganz anderen Sinne gelöst werden soll, Stellung zu nehmen hat Die Vereinigung radikaler Zionisten ist nach wie vor entschlossen, den Kampf gegen den Agency-Plan bis zum Kongreß und auf dem Kongreß zu führen; die letzten Verhandlungen des Aktions-Komitees über die organisatorischen Fragen haben die Gefahren des fifty-fifty- Planes auch vielen früheren Anhängern der erweiterten Jewish Agency in einem solchen Maße zum Bewußtsein gebracht, daß der langjährige Kampf für die Revision des Agency-Planes jetzt mit viel größeren Aussichten auf Erfolg vor sich gehen kann. Was die Exekutive und Dr. Stephen Wise über den Geist der New Yorker Vereinbarungen berichteten, hat gezeigt, daß die demokratischen und nationalen Belange (!) der zionistischen Bewegung in Frage gestellt sind und die Vereinigung radikaler Zionisten wird daher, durch Hinzutreten neuer oppositioneller Gruppen gestärkt, den Kampf fortsetzen, um noch in letzter Stunde die der Bewegung und dem Kongreß drohenden Gefahren abzuwenden." Friedhofsschändungen auch in der Schweiz. In den letzten Tagen wurde die Umfassungsmauer des Züricher jüdischen Friedhofes „Friesenberg" in zwei Nächten hintereinander von unbekannten Tätern beschädigt, so daß kein Zweifel besteht, daß es sich um beabsichtigte Devastierungen handelt. Die Züricher Israelitische Kultusgemeinde hat eine Belohnung von 500 Schweizer Francs für die Eruierung der Täter ausgesetzt und die Bewachung des Friedhofes angeordnet. Wer sind die wahren „Assimilanten"? Zwischen dem polnischen Senator Körner von der Grünbaum-Gruppe und Dr. Iiinde s von der Weizmann-Gruppe kam es vor einiger Zeit wegen innerzionistischer Streitigkeiten zu solchen Auseinandersetzungen, daß schließlich eine Duellforderung daraus erwuchs. Nur mit Mühe konnte deren Austragung vermieden werden. Die mißliebige Erbschaft. In Pennsylvanien starb im Jahre 1921 eine Frau Lina Cohen, die vor Jahrzehnten aus Bromberg nach Amerika ausgewandert war und es dort zu einigem Vermögen gebracht hatte. In Erinneruug an ihre in Bromberg verlebte Jugendzeit hatte die Frau ihre kostbare Gemäldesammlung sowie den