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Die Wahrheit · 1929-01-11 · Heft 2 (11.1.1929) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 2 (11.1.1929)
Date
1929-01-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Öi£ WAHRHEIT iimiiiiiiiiiinniiiiiiiiiJiiiifliiiiiiiiiiuinuiiiiiinHiiiiiiiiiiBnniiianiiiiHii Seite 7 KAUF UND VERKAUF VON REALITÄTEN JEDER ART SOWIE ÜBERNAHME VON HAUSVERWALTUNGEN DURCH ARCHITEKT HERriANN EBENSPdNQER WIEN IX., LATSCHKAGASSE A / TEL. A16-5-15 liehe Traditionen bewahrte Gewohnhelten In ihrem Hauswesen. Sie feiern weder Sabbat noch Festtage, unterrichten ihre Kinder nicht im jüdischen Gesetze, üben aber nichtsdestoweniger ein Gemisch von jüdischem und christlichem Kult und heiraten noch jetzt meistenteils untereinander." Dr. Kayserling hat im Jahre 1890 in französischer Sprache eine vollständig erschöpfende bibliographische Sammlung „Biblioteca Espanola-Portugueza-Judaica" veröffentlicht, Wohl findet man darin auch viel interessantes Material über die Sepharden; von einem Judentume in Spanien oder in Portugal ist aber keine Rede mehr. Ich habe bei meinen Vorarbeiten zur Geschichte der Juden in Jugoslawien wegen der mannigfachen Beziehungen, welche die Judengemeinden in Beograd, Sarajevo. Dubrovnik und Split im 17. und 18. Jahrhundert zu jenen in Holland und in Hamburg hatten, eingehend die einschlägigen Werke der dortigen Schriftsteller: Umberto Cassuto. M. Henriquez Pimentel, Dr. Max Grunwaid, Sigmund Seeligmann, Mr. Izak Prins, J. S. Da Silva Rosa und anderer studiert, die Publikationen der amerikanischen und englischen jüdischen Gesellschaften durchforscht, Bibliotheksverzeichnisse durchgesehen, in den Katalogen des berühmten Amsterdamer jüdischen Antiquariats Meno Herzfelder nachgeblättert, aber weder bei jüdischen noch bei christlichen Autoren finde ich einen Hinweis, daß es auf der iberischen Halbinsel noch einheimische Juden geben würde. In ihren tiefschürfenden Arbeiten im „Jevrejski Almanah" haben auch Grandrabbiner Dr. Isak Alkalaj in Beograd, und der Sarajevoer Oberrabbiner Dr. Moritz Lew viel über Kultur, Sprache, Sitten und Gebräuche, wie Bibliographie der Sephardim in Jugoslawien geschrieben, viel geschichtliches und folkloristisches Material publiziert, aber von einem Judentume im heutigen Portugal wußten sie nichts zu sagen. Wohl hatten sich in Madrid, in Barcelona. Lissabon und in Porto neue Judengemeinden gebildet, aber dies waren Einwanderer aus allen möglichen Ländern und Gebieten, vielfach allerdings auch Rückwanderer aus Nordafrika und aus dem Orient, die Nachkommen der einst Vertriebenen, die sich nach drei Jahrhunderten wieder an den Ufern des Tajo und des Manzanares niederließen. In Madrid lebte eine Zeitlang auch Dr. Max Nordau; dort wirkt gegenwärtig der berühmte judaistische Gelehrte Dr. Jahuda. Aber auch diesem ist nicht mehr bekannt, als daß sich einzelne jüdische Gebräuche in der sonst streng katholischen Bevölkerung erhalten haben. (Schluß folgt) Qlerreix. Der Abgeordnete Dr. Deutsch bemängelte in seiner Rede über den Heeresetat, daß Militär dazu verwendet wurde, für den Deutschösterreichischen Alpenverein einen Weg zu machen. Seine Mißbilligung ist nur zu begreiflich. Im Deutschösterreichischeri Alpenverein ist man bemüht, dem extremsten Hakenkreuzlertum den Weg zu ebnen und verwehrt gewissen Bürgern dieses Staates selbst den Eintritt in die Schutzhütten, während, wie vielleicht männiglich bekannt ist, unser Militär von Steuergeldern erhalten wird, zu deren Zahlung beizutragen keinem Bürger verwehrt wird. Ganz im Gegenteil. Herr Dr. Geisler meinte in einem Zwischenruf, der Deutschösterreichische Alpenverein, der durch die Annahme des Arierparagraphen für die Vergiftung der Bergluft mit den Bazillen des Antisemitismus sorgt, dieser Verein sei der „edelste und selbstloseste, den es gibt". Weiß Gott, es soll Menschen geben, die edlere Vereine kennen. Auch Herr Doktor Seipel wendete sich in einem Zwischenruf gegen eine nebensächliche Bemerkung Dr. Deutsch4. Dem Herrn Dr. Geisler hätte unser Bundeskanzler schon mit Rücksicht auf sein priesterliches Gewand die viel beschämendere Antwort erteilen können, daß nicht just der Verein der edelste und selbstloseste ist, der selbst den Aposteln die Aufnahme aus statutarischen, oder kürzer: aus arischen Gründen verweigern würde. * * * In der Frankfurter internationalen Konferenz, die sich mit dem Problem der modernen Kriegsmethoden und des Schutzes der Zivilbevölkerung beschäftigte, haben anerkannte Fachmänner in überaus dankenswerter Weise einen, wenn man so sagen darf, glänzenden Aufklärungsdienst geleistet. Auch militärisch minder Gebildete wissen es nun ganz genau, daß die Luftflotten binnen kurzer Zeit unbemerkt ins Herz des bekriegten Landes einzudringen in der Lage wären und so Front und Heimat vergasen, d. h. völlig vernichten könnten. Aus allen Darlegungen ergab sich in einer jeden Zweifel ausschließenden Weise, daß, während im letzten Weltkriege nur etwa 1,5 Millionen Soldaten ihr Grab fanden, bei dem nächsten Giftgaskrieg auch ein wirksamer Schutz der Zivilisten ausgeschlossen wäre. Es klingt vielleicht etwas überschwänglich, aber ich wage doch die Behauptung, daß die angeblich so hoch zivilisierte Menschheit noch keine so beglückende Heilsbotschaft vernommen, wie die, welche aus dem Berichte über die Frankfurter Konferenz zu uns dringt. Es wäre vielleicht zu wünschen gewesen, daß das Ende des männermordenden Krieges auf dem etwas sympathischen Wege erfolgen würde, der in den Verkündigungen der Propheten Israels bezeichnet ist. Diese Schwärmer für den ewigen Frieden knüpften ihn nämlich an die Hoffnung, daß die ganze Welt zuvor von der Erkenntnis Gottes erfüllt sein werde. Der gütigen Vorsehung scheint aber der Eintritt dieser Zeit denn doch noch etwas zu ferne zu liegen und man muß vor ihrer Weisheit anbetend auf die Knie sinken, wenn man erkennt, daß sie bloß mit Inanspruchnahme von ein paar tüchtigen Chemikern den ewigen Frieden zu sichern gedenkt. Von dem Krieg der Zukunft, der mit einem Schlage nicht nur bewaffnete Armeen, sondern auch die zivile Bevölkerung vernichtet, wird, vermute ich, nicht einer der — Kriegslieferanten etwas wissen wollen. * * * In seiner Festrede anläßlich einer Alexander Wekerle-Feier führte der ehemalige Finanzminister Lorand Hegedüs, da er eine treue Charakteristik des Mannes geben wollte, u. a. aus: „Dieser Mann hatte keine Vorurteile. Er kannte keinen Unterschied der Konfessionen, der Abstammung und der Klassen, ihm schwebte als Ziel nur der Aufbau Ungarns vor Augen. Das war der „Rassenschutz'4 nach Auf-

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