Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 2 (11.1.1929)
- Date
- 1929-01-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 anuuuiuiiuii^^ j? WAHRHEIT Moses. Von glühender Sonne braun gebrannt, So zieht er durch grünendes Weideland Und willig folgt ihm die Herde. Leicht schwingt in der Hand er den Hirtenstab Durchwandert zufrieden bergauf, bergab Die fruchtbare Mutter Erde. Einst lagert er müde beim schattigen Baum, Betrachtet des Himmels azurnen Saum. Da zuckt er erschauernd zusammen. Es dringt ein seltsamer Laut an sein Ohr, Ein Knistern und Prasseln, es schlagen empor Aus dem Dornbusch gewaltige Flammen. „Tritt nicht heran zu löschen den Brand, Rings um das Feuer ist heiliges Land!" So spricht deines Gottes Stimme. „Aufstieg zu mir meines Volkes Fleh'n, Das Joch der Sklaverei zu enden. Dich Moses, Hirte, hab' ich ausersehen, Bei Pharao sein hartes Los zu wenden. Ein Hirte bist du und ein Führer wirst du sein, Bis auf dich niedersinkt des Todes Schatten. Mit ganzem Herzen mußt du deinem Volk dich weih'n, Kein Zaudern kennt dein Amt und kein Ermatten. Und wenn du glaubst zu unterliegen oft, Umbrandet von der Brüder Haß und Streite, Nah bin ich dem, der auf mich wahrhaft hofft Und mir vertrauet auch im tiefsten Leide. Geschlechter werden kommen und vergeh'n. Die Menschen wandeln immer sich aufs neue. Doch leuchtend bleibt dein Name ewig steh'n: Moses, der Hirte und der Mann der Treue." Beate Baumgarten. Rückkehr zum alten Glauben. Von Dr. Lavoslav Sik. Zagreb. Im Jahre 1492 wurden die Juden aus Spanien, im Jahre 1497 aus Portugal vertrieben. Wer von ihnen im Lande blieb, mußte den katholischen Glauben annehmen. Hunderttausende verließen das Land und fanden hauptsächlich in den Ländern des Islam eine neue Heimat. Viele Juden kamen damals auch nach Bosnien, Dalmatien und Serbien und da sie an Bildung, Zahl und Einfluß den dort ansässigen Juden bedeutend überlegen waren, hatten letztere innerhalb weniger Generationen die kastilianische Sprache und den Gottesdienst nach spanischem Ritus angenommen. Ebenso war es in Afrika, in Palästina, ja sogar im fernen Indien. Es entstanden unsere „Sepharden", die ja noch heute untereinander und im Gemeindeleben die spanische Sprache in ihrer kastilianischen Mundart des 15. Jahrhunderts, vielfach mit hebräischen und slawischen Worten vermengt, in den zahlreichen Zeitschriften und Blättern, mit hebräischen Schriftzeichen geschrieben, das sogenannte „Ladino". gebrauchen. Viele von denen, die in Spanien zurückgeblieben waren, hatten die katholische Religion aber bloß zum Scheine angenommen und hielten in Schlupfwinkeln verstohlen ihren Gottesdienst. Wehe aber jenen, die hierbei von der Inquisition und deren zahllosen Häschern ertappt wurden! Lebenslänglicher Kerker war die mildeste Strafe, denn in der Regel war ihr Los der Scheiterhaufen. Ein trauriges Kapitel in der Geschichte der Menschheit bilden die spanischen Autodafes, denen Maranen und auch Protestanten zum Opfer fielen. Kein Wunder also, daß die meisten Scheinchristen, wenn sie nur Irgend konnten, fluchtartig das Land verließen, besonders als sich in Amsterdam und Hamburg, später auch in RICHARD HERZOG, Wien I., Adlersasse 5 Telepoon K 23-4.BO ||., Kl. f farraasse 28 Telephon a 41-6-24 QroOer Inwenturauswetkouf von jUdi»c»«n( hebräischen und original ••»feilsch«» »aiakCuiagei- Platten zu beneidend herfebsesetcten Preisen. Lassen die diese Gelegenheit siebt ungenützt vorübergeben! Beste Sprecbapparaie zu Teilzahlungen bis zu 18 Monatsraten. England, in Süd- und Nordamerika Zufluchtsstätten für die ihres Glaubens wegen Veitoigien landen. So entstanden die großen sephardischen Gemeinden Westeuropas uaa AmeriKas. unier aen Mitgliedern derseioen nanmen viele eine tuhrende kone in der Weitgeschicnte ein; man aenke an Manage ben Israel, an Uriel Acosta, bpinoza, D'israeis und viele andere. Mit innigem Interesse verfolgten die Sepharden an der Scheide, an aer Themse, in den westindischen Urwäldern und am fiuason sowie jene in Duorovmk und in Venedig, in btambui und in bagaad die Geschicke ihrer auf der iberischen Halbinsel verbliebenen Glauoensgenossen. Generation folgte dort auf Generation. Die Kinder wurden selbstverständlich getauft und in der katholischen Religion erzogen. Da dem Denunzianten ein Teil des konfiszierten Vemiogens als Lohn zugesichert war, wagten es die Eitern auch im trautesten Familienkreise nie, etwa über das Judentum zu erzählen. Die moralisch und geistig stärksten Elemente waren ja längst nicht mehr im Lande. (Der beim letzten AutodafS im Jahre 1739 in Lissabon dem Tode auf dem Scheiterhaufen überantwortete berühmte Lustspieidichter Antonio Jose da Silva, damals 34 Jahre alt, war in Brasilien erzogen worden, wo es noch von der holländischen Herrschaft her viele Juden gab.) Man bedenke nur, was es heißt: zehn bis fünfzehn. Generationen! Die Abkömmlinge der sächsischen Einwanderer aus dem Mittelalter in Bosnien, die Nachkommen der Hugenotten in Preuben, die Schotten in Warschau sind in der Bevölkerung dieser Länder spurlos untergegangen. Eine große Anzahl jüdischer Gelehrter hat sich im 19. Jahrhundert eingehend mit der Geschichte der spanischen und portugiesischen Juden befaßt; aber trotz eingehendster Forschungen waren weder in Spanien noch in Portugal einbeimische Juden zu finden. Frederic David Mocatta schreibt im Jahre 1878: „Heute gibt es wahrscheinlich in Portugal so wenig wie in Spanien, geheime Juden; in entlegenen Teilen Andalusiens und gewissen Distrikten, besonders In der Nachbarschaft von Braganza. woselbst der größere Teil der Bevölkerung erwiesenermaßen jüdischen Ursprungs ist. haben sich noch einige Gebräuche, die an jüdische Tradition erinnern, erhalten. Die Bedeutung solcher Uebungen hat sieb jedoch ganz verloren und man kennt sie nur als Gewohnheiten ungewissen Ursprungs, die von früheren Generationen überliefert wurden." Dr. M. Kayserling, der gründlichste Kenner dieses Gegenstandes, kommt in seiner „Geschichte der Juden in Portugal" wohl zu dem Resultat, daß in einzelnen Orten ein großer Teil der Bevölkerung Jüdischer Abstammung sei. Er schreibt aber weiter: „Was von dem ursprünglichen Glauben in diesen Familien übrig geblieben, beschränkt sich auf durch erb-