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Die Wahrheit · 1929-01-04 · Heft 1 (4.1.1929) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 1 (4.1.1929)
Date
1929-01-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
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DIE WAHRHEIT ülil!l!!iBII!llill!HiH Seite 13 'kund und Literatur VonWockezulDochc F. Saiten. Simson. Wien 1928, Paul Zolnay. Jeder Versuch, einen biblischen Gegenstand in einen modern-psychologischen Rahmen zu spannen, verdient Beachtung. Nun bietet einer solchen Behandlung gerade die Simsonerzählung besondere Schwierigkeiten. Von diesem Gesichtspunkte aus ist der vorliegende Roman, der auch durch Betonung des Sexus dem Zeitgeschmack gerecht zu werden sucht, zu bewerten. Er wird zahlreiche Leser finden. V. Aptowitzer. Parteipolitik der Hasmonäerzeit im rabbinischen und pseudographischen Schrifttum, Wien 1927, Verlag der Kohut-Foundation. Wie jede Arbeit des Verfassers bietet auch diese gründliche Studie eine so umfassende Darstellung ihres Gegenstandes, daJJ man, von der reichen Belehrung abgesehen, eine Fülle von Anregungen zu weiterem Nachdenken und Studium empfängt." Scharfsinnig und mit glücklicher Kombinationsgabe wird in einer Menge von Agadoth und außertalmudischen Stellen ein System aufgedeckt und durch Aufhellung des historischen Hintergrundes das rechte Verständnis für ständige Aktualitäten, wie unsere Schemone essre. die Segenssprüche nach der Haftoravorlesung, natürlich besonderes die Chanukkagebete u. a. beigebracht. Natürlich läßt sich manches nicht mit völliger Gewißheit behaupten, von allen möglichen Annahmen erscheinen die hier vorgetragenen als am ehesten zulässig. Für die jüdische Geschichte ist vor allem hier Wertvolles geleistet. Man steht mitten in Geisteskämpfen, die sich vor vielen Jahrhunderten im jüdischen Volke abgespielt haben. Jul. Bab. Befreiungsschlacht, Stuttgart 1928. J. Engelhorns Nacht, M. 4.50. Wer durch die literarischen Bewegungen der Gegenwart einen Führer wünscht, kann sich diesem getrost anvertrauen. Die hier vereinten Aufsätze reichen aber weiter zurück. Goethe, über dessen Stellung zur Religion hier zutreffend geurteilt wird, Dostojewski wie überhaupt die Russen als ein uns fremdartig gegenüberstehendes Element, Weelt Whitman als Vertreter des Amerikanismiis u. a. bietet lehrreichen Rückblick. Das Buch ist lesetis- und dankenswert. Ilse Herlinger. Märchen, Verlag Dr. Farber, Mährisch- Ostrau, S 6.50. Diese Märchen sind wirklich jüdisch geraten. Sie behandeln nicht nur jüdische Gegenstände, wie die jüdischen Feste, Palästina u. a., sondern arbeiten auch mit Motiven der altjüdischen Ueberlieferung, wie dem Propheten Elia, den dankbaren Tieren, dorn zauberhaften Bethaus mit der. rätselhaften Betern. Der Ton des Märchens wie speziell der jüdischen Erzählung ist sicher getroffen. Daß der Pogrom, die Misere der Kriegsflüchtlinge, das ostjüdische Volkslied, zum Schluß der Aufstieg unserer Gebrüder Gutmann mit in den Bereich dieser Phantasiespiele einbezogen sind, verleiht ihnen den' besonderen Reiz der Aktualität. Wir können für unsere Kleinen solcher Erziehungsmittel gar nicht genug haben und sind der Verfasserin für ihre Gabe aufrichtig dankbar. Als sehr gelungen ist auch die Titelbezeichnung besonders zu erwähnen. G. H. Guttmann. Die Darstellung der jüdischen Religion bei Fl. Josephus, Breslau 1928. M. & H. Markus, 2 RM. Eine sorgfältige Nachprüfung der Vorarbeiten und gründliches Eingehen auf die Quellen fördert das Ergebnis zu Tage, daß Josephus hauptsächlich als Ueberlieferer sonst unbekannten agadischen Stoffes für die Geschichte der jüdischen Religion in Betracht kommt. Seine Religiosität stand nicht hoch. Sein Bestreben, den Römern, selbst auf Kosten der historischen Wahrheit zu gefallen, ist längst bekannt. Hans Honegger. Volkswirtschaftliche Systeme der Gegenwart. Verlag G. Braun. Karlsruhe. Dieser neue Band „Brauns kleiner Handbücher" ist ein vorzüglicher Führer durch das Dschungel ökonomischer Systeme, die in den letzten Jahrzehnten bis zur Unübersichtlichkeit geschaffen wurden. In den Hauptabschnitten Neoliberalismus, Neomerkantilismus, Neosozalismus und Neoromantik werden die einzelnen Systeme und Theorien dargestellt und kritisch beleuchtet. Trotz seines kleinen Umfanges ein bedeutendes Werk. A. Katz. Der wahre Talmudjude. Berlin 1928, M. Poppelauer, M. 3. Dieser vierte Neudruck der „wichtigsten Grundsätze des talmudischen Schrifttums über das sittliche Leben des Menschen", nach Suwalskis hebräischem „Leben des Juden nach dem Talmud" bearbeitet, hat den Vorteil, übersichtlich und mit genauer Quellenangabe einen wertvollen Ueberblick über die Ethik des meistgeschmähten Werkes der Weltliteratur zu bieten. Das Buch eignet sich auch zum Geschenk für die heranwachsende Jugend. G. Zionistische „Siege". Unter diesem Titel schreibt die Berliner „J üdisch-Liberale Zeitung" folgende richtige Betrachtung über die W i e n e r K u 11 u s \v a h 1 e n: Die letzte Nummer der Berliner zionistischen „Jüdischen Rundschau" erscheint unter der Ueberschrift „Der zionistische Sieg in Wien". Wir haben nun volles Verständnis dafür, dal.! die Zionisten allmählich im Siegen bescheiden geworden sind. Was hier aber den Lesern erzählt wird, ist denn doch geradezu grotesk. Zunächst heißt es da: „zwar drückt sich die Bedeutung dieses Sieges nicht in Ziffern aus4', und dann kommt die Feststellung, daß die Größe des Erfolges auf moralischem Gebiet liegt. Solche Bewertungen von Wahlausfällen sind zwar merkwürdig, mögen aber noch hingenommen werden. Die nächsten drei Sätze lauten: „Die Stoßkraft unserer Organisation hat die assimilatorische „U n i o n" völlig überrannt, so daß unter dem Eindruck des 2. Dezember sämtliche nichtunionistische Gruppen zusammengehen wollen. Es stünden dann den 18 Unionisten, die als die stärkste Partei den Präsidenten zu stellen haben, 11 Zionisten, 5 Werktätige, 1 Misrachist und 1 Unpolitischer gegenüber, so daß die Opposition in der Mehrheit wäre. Und selbst, wrenn sich der „Unpolitische", Dr. Leo Landau, trotz seiner kleinbürgerlichen, ostjüdischen Wähler, auf die Seite der bourgeoisen Unionisten schlägt, ist eine Majorität von einer Stimme auf die Dauer nicht tragfähig." Es ist nicht ganz einfach, in einigen kurzen Sätzen den gesamten Unsinn, der hier aufgetischt wird, zu widerlegen. Die Union ist „überrannt" im ersten Satz, im zweiten Satz die numerisch stärkste Partei. Die Opposition wäre bei einem Zusammengehen der nichtunionistischen Gruppen in der Mehrheit, obwohl nach Adam Riese 11 Zionisten und 5 Werktätige und 1 Misrachist und 1 „Unpolitischer" unter einem nur die Gesamtzahl von 18 ergeben, also gerade ebenso viel Sitze, wie die „Union" allein errungen hat. Nach dem ersten Satz wollen die Nichtunionisten zusammengehen, nach dem dritten Satz rechnet der Verfasser offensichtlich damit, daß der „Unpolitische" mit der „Union" geht. Wenn wir wieder nach Adam Riese rechnen dürfen, so ergäbe sich dabei ein Stimmenverhältnis von 19 zu 17, was eine Majorität von 2 Stimmen bedeutet. Diese Majorität ist aber natürlich nach der Ansicht der „Rundschau" „nicht tragfähig", dagegen wäre es die in Wirklichkeit gar nicht vorhandene „Majorität" von 18 zu 18. Dabei weiß die „Rundschau" natürlich ganz genau, daß beispielsweise die fünf „Werktätigen" entschiedene Nichtzionisten sind. Sie dürfte auch wissen, aber das verschweigt sie ihren Lesern natürlich, daß die Liste des Dr. Leo Landau mit der Liste der „Union" verbunden war. Es ist wahrlich merkwürdig mit dieser Art der Berichterstattung, und man kann nur Mitleid haben mit einer Bewegung, die gezwungen ist, sich mit solchen Methoden Siege zu errechnen, zumal, wenn in dem Artikel dann weiter zu lesen ist, daß die Zionisten selbst durch persönliche Differenzen in Wien nicht gerade besonders eindrucksvoll zu operieren verstehen. Die „Jüdische Rundschau" muß selbst fol-

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