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Die Wahrheit · 1929-01-04 · Heft 1 (4.1.1929) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 1 (4.1.1929)
Date
1929-01-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 flffiifiHflMiHim^ er, wie wenige, bei seinen Kindern Dank geerntet, so hat er auch wie selten ein Vater ihn verdient. In ihm hat nicht nur der Kreis seiner Kinder den Vater verloren, sondern eine viel weitere Familie das Oberhaupt und so manchem, der ihm das letzte Geleite gab, hatte er die Existenz gegründet. Mit seinen Eltern seelisch bis zum letzten Atemzuge verbunden, erkrankte er unmittelbar nach dem Jahrzeitstage seines Vaters. Und als man soeben das Gedenklicht nach seiner Mutter zünden wollte, ist sein Lebenslicht erloschen. An seiner Bahre schilderte nach einleitenden von Oberkantor M. Matyas und Chor vorgetragenen Trauergesängen in treffenden Worten Herr Rabbiner Dr. Max G r u n w a I d, selbst tief ergriffen, das Leben und Wirken dieses Biedermannes; im Namen der Kultusgemeinde dankte der Präsident Prof. Dr. A. Pick, der in Begleitung des Vizepräsidenten Dr. J. O r n s t e i n erschienen war, für die Wohltaten, die aus seinem Hause hervorgegangen. Ehre seinem Andenken! Todesfälle. Dienstag, den 25. Dezember 1928, ist der in weiten Kreisen bestens bekannte Herr Siegfried Stein, Gesellschafter der Firma M. & J. Klein, Likörerzeugung in Wien XVII., im 71. Lebensjahre nach kurzem Leiden sanii verschieden. Der Verblichene war ein guter, edler Mensch, der allen, die sich an ihn wandten, immer hilfsbereit mit Rat und Tat zur Seite stand, und hat sich durch seine Liebenswürdigkeit und Hilfsbereitschaft allgemeine Achtung und Verehrung erworben. Die große Beliebtheit des Verstorbenen kam bei seinem Leichenbegängnisse, welches Freitag, den 28. Dezember 1928 stattfand, zum Ausdruck, indem eine große Zahl von Freunden und Verehrern dem so jäh aus dem Leben Abberufenen die letzte Ehre erwiesen hat. Herr Rabbiner Dr. Bach hielt einen tiefempfundenen Nachruf, in dem er die Herzenseigenschaften des Verblichenen besonders würdigte. Die kantoralen Funktionen versah Herr Oberkantor M a t y a s in ergreifender Weise. An der Bahre trauern tiefgebeugt die Gattin Frau Julie Stein und die Söhne Karl, Ernst und Emil Stein. Alle, die den trefflichen Menschen gekannt, werden ihm ein ehrendes Angedenken bewahren. — In Mentone ist am 17. v. M. während eines Erholungsurlaubes .der Großindustrielle und Generaldirektor Kommerzialrat Heinrich Rosenbaum einem Herzschlag erlegen. Kommerzialrat Ros^nbaum wurde nach einer glänzenden Laufbahn bei dem Schuckert-Konzern zur Leitung der Unternehmungen des sogenannten Elektrobosna-Konzerns berufen. Während des Krieges unternahm er es, für Oesterreich ein Stickstoffunternehmen in Form der Stickstoffwerke A.-G. in Maria-Rast zu schaffen, das ursprünglich unter Mithilfe des Kriegsministeriums gegründet werden sollte, dessen Vollendung aber dann infolge des Zusammenbruches der Monarchie der privaten Initiative vorbehalten blieb. Kommerzialrat Rosenbaum hatte auch hervorragenden Anteil an der Gründung der Dr.-Alexander-Wecker-Gesellschaft i'n Burghausen (Bayern). Im Jahre 1924 gliederte er dem von ihm geleiteten Konzern auch das Unternehmen der Continentalen Gesellschaft für angewandte Elektrizität in Landeck an. In Anerkennung seiner Verdienste wurde der Verstorbene zum königlich bayrischen Kommerzienrat und nach dem Kriege zum Präsidenten des Internationalen Ferrosiliciumsyndikats und zum ersten Vizepräsidenten des internationalen Karbidsyndikats ernannt. Er war Präsident des Zentralverbandes der chemischen und metallurgischen Industrie Oesterreichs und hat in dieser Steliung für die chemische Industrie im allgemeinen sehr ersprießlich gewirkt. Außerdem gehörte er dem Vorstand des Hauptverbandes der Industrie Oesterreichs an. Die Trauerfeier fand Sonntag, den 30. v. M. um 11 Uhr vormittags in der Zeremonienhalle des Zentralfriedhofes, III. Tor, unter ungemein großer Beteiligung weitester Kreise, insbesondere der österreichischen Industrie statt. Nach der Trauerzeremonie wurde die irdische Hülle des Verblichenen in die Familiengruft auf dem Hietzinger Friedhof überführt. — Michael J u f f e, Direktor der Versicherungsgesellschaft „Phönix", der, auf einer Geschäftsreise begriffen, im Alter von 56 Jahren in Lemberg plötzlich starb, wurde am 21. Dezember v. M. unter außerordentlicher Beteiligung der vornehmen Gesellschaft in Wien zur letzten Ruhestätte getragen. Sowohl Herr Rabbiner Dr. Bach wie Generaldirektor Dr. B e r 1 i n e r und die anderen Redner hoben hervor, wie voll der Verstorbene zuerst als Leiter einer Baron Hirsch-Schule, dann als verantwortlicher Geschäftsmann seihe Stelle ausfüllte und wiederholt wurde seine großzügige Wohltätigkeit hervorgehoben. Der Verstorbene hatte wohl geglaubt, diese im Verborgenen zu üben, aber sie hatte allmählich so großen Umfang angenommen, daß sie nicht geheim bleiben konnte. Zahlreiche Arme verlieren in Direktor Juffe ihen Schützer und Helfer, Machsike Hadath, Ohel Rahel und andere jüdische Wohlfahrtsvereine einen stets opferfreudigen Gönner. Unter anderem war der Verblichene Ehrenmitglied des Zentralverbandes für Kriegsinvalide und Kriegshinterbliebene Oesterreichs. FLE ISCHH AUEREI^ SIEGMUND KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRINGERSTRASSE NR. 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Hellanstalten Abteilung für Koscherfleisch IX., BtrggassB 15 und XVIII., HähringiFStrafiB 97 unter Aufsicht des ehr«. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima- Qualität zu den billigsten Marktpreisen Union deutschösterreichischer Juden Wien IX., Berggasse 4 Tel. A 19-2-77 Der 2. Sprediabeüi $er .Mim" findet Samstag, den 5. Jänner ] 929, S Uhr abends, im Kolonnadencaie. I., Rathausplatz 4, statt, wozu hiemit die höfliche Einladung an alle Freunde der „Union", sowie an die Mitglieder, insbesondere auch an die Damen ihres Familien- und Bekanntenkreises ergeht. Auf der Tagesordnung dieses Sprechabends steht die Fortsetzung der Debatte über das Referat des Herrn Hof rat Ing. Josef Löwy: Das Problem des Wiener Judentums. Die Debatte wird eingeleitet durch Herrn Reg.-Rat Dr. Max Lenk. Zum Worte gemeldet haben sich ferner die Herren Dr. Oskar Hein. Dr. Herbert Steiner, Dozent Dr. Hugo Stern, Rudolf Geiger, Ing. Hugo K o d 11s c h e k Alfred Stroh und Dr. Ernst F e 1 d s b e r g. Das Schlußwort hat Herr Hofrat Ing. Josef Low y. Der gute Besuch unserer ersten Veranstaltung dieser Art berechtigt uns zu der Hoffnung, daß wir auch diesmal wieder mit einem großen Interesse der Mitglieder und Freunde unserer Organisation rechnen dürfen, weshalb dieser Sprechabend bereits in einem sehr geräumigen schönen Klublokal stattfindet. Für die „Union deutschösterreichischer Juden":. Der Präsident: Dr. Jakob Ornstein m. p.

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