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Die Wahrheit · 1929-01-04 · Heft 1 (4.1.1929) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 1 (4.1.1929)
Date
1929-01-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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föffigMflM Safceü Reihe interessanter Datea. Es heißt dort: Dr. T e t e 11 e n i war eines der ältesten und angesehensten Mitglieder der Budapester Advokatenkammer, ein scharfsinniger Jurist und dam auch noch ein Mann von geradezu enzyklopädischem Wissen. Auf juridischem Gebiet hat er sich seinerzeit, als die Rechtsprechung über angefochtene Abgeordnetenmandate, die seit der Reform Desider S z i 1 a g y i s an die Königl. Kurie übertragen ist, noch in den Händen der Qerichtsausschüsse des Abgeordnetenhauses lag, als Vertreter von Wahlanfcchtungsbeschwerden vor diesen Instanzen einen Namen gemacht. Er galt geradezu als Spezialist in diesem Fache und war in der Tat wi;e, kaum ein zweiter mit der einschlägigen Materie vertraut. An seinen Namen knüpft sich auch eine anektodenhaft anmutiMide Episode, die sich aber in Wirklichkeit zugetragen hat. Jahrzehntelang hatte die Pester Israelitische. Religionsgemeinde in der Annahme, daß er der jüdischen Glaubensgemeinschaft angehört, ihn in der Liste der Kultussteuerpfiichtigen geführt, und Dr. Tetetieiii unterließ es nicht, die über ihn verhängte jüdische Kultussteuer Jahr um Jahr mit der größten Pünktlichkeit zu entrichten. Als aber eines Tages die Gemeindevorstehung ihn benachrichtigte, daß seine Kultussteuer erhöht wurde, begab sich Dr. Armin Tet6tleni in das Gemeindehaus, um dort zu allgemeiner Verblüffung und Heiterkeit zu erklären: „Obzwar ich einer streng gläubigen katholischen Familie entsprossen und dem Glauben meiner Väter immer treu gewesen bin, habe ich mir ein Vergnügen daraus gemacht, die über mich verhängte Kultussteuer zu bezahlen, um dadurch die kulturellen Einrichtungen der jüdischen Gemeinde nach meinen schwachen Kräften zu unterstützen. Aber gegen eine Erhöhung meiner Kultussteuer muß ich denn doch protestieren." Als man sich bei ihm wegen des Versehens entschuldigte und sich anheischig machte, ihm die bis dahin bezahlten Beträge wiederzuerstatten, wehrte Dr. Tetötleni lachend ab und erklärte, die nicht erhöhte Kultussteuer auch weiter bis an sein Lebensende zahlen zu wollen. Das hat er auch bis zu seinem Tode konsequent getan. Seit einigen Jahren hatte sich Doktor Tet6tleni von der rechtsanwaltschaftlichen Praxis zurückgezogen. In weiten Gesellschaftskreisen war T e t € 11 e n i wegen seines aufrechten Charakters sehr geachtet und als überaus witziger Causeur außerordentlich beliebt. Jüdische Bauern in Weißrußland. In Verbindung mit der Feier des vierjährigen Bestandes von „K o m z e t" in Weißrußland wird mitgeteilt, daß 13 Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung Weißrußlands in der Landwirtschaft voll beschäftigt ist. „Komzet" hat in den vier Jahren seines Bestehens in Weißrußland 8600 jüdische Familien angesiedelt, die heute rund 50.000 Acker Boden bearbeiten. Es existieren in Weißrußland 200 jüdische Kollektiven, die sich mit Geflügelzucht, Gemüsebau und Milchwirtschaft beschäftigen. Die Wiener Gesellschaft, schreibt das Prager Tagblatt vom 8. v. M., hat eine besondere Vorliebe dafür, hin und wieder die koscheren Restaurants im zweiten Bezirk zu besuchen, an den gewürzten und fetten Speisen den abgestumpften Gaumen zu kitzeln, und dann die manchmal eben so saftigen Antworten der witzigen Wirte zu kolportieren. Hier sind ein paar davon, die aus dem Gasthaus des Herrn Neug r ö s c h e 1 stammen. Ein neuer Besucher, dem er die Speisekarte reicht, fragt: „Was würden Sie mir denn empfehlen, Herr Neugröschel, ich habe nämlich einen schwachen Magen?" „Wenn Sie einen schwachen Magen haben, dann empfehle ich Ihnen anderswo zu essen." — Der bekannte Schauspieler Schmöle begibt sich neulich abends zu Neugröschel, mit dem festen Vorsatz, ein größeres Quantum Grammeln zu sich zu nehmen. Wer ermißt seinen grimmigen Schmerz, da ihm der Ober das Donnerwort entgegenschleudert: „Aus!" In seiner bitteren Not wendet sich Schmöle an die höchste Instanz, Herrn Neugröschel, persönlich und meint: „Sie werden gewiß noch ein paar irgendwo reserviert haben?" Der aber sagt kühl überlegen: „Glauben Sie, ich spekulier in Grammeln?" Hermann Engel. Am 28. Dezember wurde unter großer Beteiligung eines auserlesenen Publikums der bekannte seit Jahren im Ruhestände lebende Großkaufmann Hermann Engel zu Grabe getragen. In ganz jungen Jahren aus der ungarischen Provinz nach Wien gekommen, hat er sich in 50jähriger rastloser Tätigkeit durch seinen emsigen Fleiß sowie durch seine vorbildliche Rechtschaffenheit einen Namen erworben, der nicht nur den Stolz seiner hochangesehenen Familie bildet, sondern auch allen, die aus seinem Betriebe hervorgingen, die beste Empfehlung für ihre fernere Laufbahn' bedeutete. Unbeugsam war sein Gottvertrauen. Selbst als religiöser Jude lebend, erzog er seine Kinder im gleichen Geiste. Als wahrer Vater der Armen stand er bei Juden wie Nichtjuden in gleich hohem Ansehen. Eine Episode: Als er sein zu hoher Blüte gebrachtes Geschäft auf der Landstraße seinem ältesten Sohne übergab, etablierte er sich für seinen zweiten Sohn in einem ferngelegenen Wiener Bezirk. Nach einigen Tagen besuchte ihn der Pfarrer der Gemeindekirche und warnte ihn vor Optimismus mit den Worten: „Herr Kaufmann, Sie haben hier mit viel Geldopfern ein neues Geschäft errichtet, Sie werden jedoch damit nicht viel Glück haben, denn hier im Bezirke haben es schon andere Kaufleute versucht, im großen Stil zu arbeiten, aber es ist ihnen mißglückt." Darauf antwortete Hermann Engel: „Hochwürden, das liegt nicht in meiner Macht, sondern in Gottes Hand." Von dieser Antwort gefangen, wurde der Pfarrer ein gütiger Freund dieses vorbildlichen Juden, den auch diesmal sein Vertrauen auf Gott nicht täuschen sollte. Für seine Beliebtheit in allen Schichten der Bevölkerung spricht der Umstand, daß sich unter den Trauergästen der Pfarrer Geistl. Rat D e r s c h der Rochuskirche, Schwestern verschiedener Klöster, Präsident des Landesgerichtes Hofrat Dr. Ludwig A 11 m a n n, Sektionschef Dr. Paul M ö r a u s, die Hofräte Dr. Eduard Deutsch und Dr. K i e n b e rg e r, Regierungsrat Wilhelm, sowie Vertreter der Stadthauptmannschaft, der Polizeidirektion und des Bezirksausschusses, wie auch Vertretungen der „Chewra Kadischa", der Wiener Tempelvereine, des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft, des Vereines „Einheit", des Deutschmeistervereines Landstraße u. v. a. m. befanden. Vor allem aber lebte er seiner Familie. Als guter Mensch war er der beste Gatte. Eine Liebe, die in seine Kinderjahre zurückreichte, war die Seele seiner mehr als fünfzigjährigen, mustergültigen Ehe. Seine Gattin Julie, geb. Weiß war ihm die treueste Kameradin, nicht nur im Hause, sondern auch in seinem arbeits- und erfolgreichen Berufe. Und wenn j± f% &t gk jt^ m m y» Auch Detailverkauf zu Fabrikspreisen 1 I /% ff!%/% V/ r* Lsf Herrenanzug nach Mafi auf Seide S 200.— I flVl l'iri I Lill Herrenraglan „ „ „ „ Kleider- und GummlmänteMndiistrle Herrennose fjMt j^faA Export nach aiien Ländern Zeitgemäße Zahlungsbedingungen! Wien II-, Glockengasse 24 Telephon R 48-4-79 Kein KaufzwangI Freie Besichtigung!

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