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Die Wahrheit · 1929-01-04 · Heft 1 (4.1.1929) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 1 (4.1.1929)
Date
1929-01-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seit« tO DIE WÄHlffl£i1 FERNSPRECH-NUM MER R 45-1-91 MÖBELFABRHC SIGM. WIEN, 2. BEZ., PRATERSTRASSE NR. 30 Deiche Auswahl solid gearbeiteter Möbel zu billigsten Atelier für Innendekoration, stets große Auswah I von Möbeln aller Stilarten In Jeder Preislage. ■ P P E N H E I Preisen rühmter Talmudisten, welche im Jahre 1492 aus Spanien vertrieben wurden. Und nun erfahren wir den Tod einer dritten Hundertjährigen, der Witwe nach Abraham Teboul, geb. Sascha Grigner, aus Freuda stammend, welche 104 Jahre alt wurde. Obwohl sie gänzlich blind war, hatte diese ausgezeichnete Frau sich ihre vollkommene Geistesfrische bewTahrt und sie erzählte mit jugendlicher Lebhaftigkeit ihrer Umgebung oft und oft die Schicksalswende, welche durch die Einnahme von Tiemcen durch die Franzosen, ihr Vaterland erfuhr und von der siegreichen Reise, welche Napoleon III. und die Kaiserin Eugenie unternahmen, die im Jahre 1863 Algier besuchten. Frau Abraham Teboul konnte von der Herrlichkeit eines arabischen Festes und von dem blendenden Empfang, welcher zu Ehren des Kaiserpaares in Freuda von einem Franzosenfreund, dem Bach aga Sudi Ahmed ould Kadi veranstaltet wurden, nicht genug Details geben. Mit Rührung schilderte sie die jugendliche Grazie der Kaiserin, die aus Anlaß ihrer ersten Reise nach Algier eine herrliche und großherzige Spende von kostbaren Schmuckgegenständen an die Frauen der ersten Beamten des Landes persönlich verteilte. Ein entzückender Ring und ein Brasselett aus Feingold, geziert mit einem kostbaren Amethyst, befindet sich noch heute in dem Besitz der Familie Amar de Relizane in Oran, welche dieses herrliche Juwel über 40 Jahre behütet, zum Andenken an die Kaiserin Eugenie de Montijo de Guzman. Gibt es einen reichsdeutschen Gemeindebund? Im abgelaufenen Kultuswahlkampfe wurde von den Gegnern der „U n i o n" als eine Art Hauptwahlschlager gegen diese die seinerzeitige Ablehnung der Schaffung eines österreichischen jüdischen Gemeindebundes durch die „Union"-Vertreter im Kultusvorstand ausgebeutet. Die lauten Rufer im Streite verwiesen immer wieder auf das angebliche Beispiel in Deutschland. Nun gibt es dort wohl Landesverbände, ein reichsdeutscher Gemeindebund, also eine ähnliche Organisation, wie sie hier geplant war, existiert aber nicht. Dies beweist auch folgende Stelle aus einem Rückblick auf das Jahr 1928 des veranwortlichen Redakteurs des Hamburger „Israelitschcn Familienblatte s", Fritz Neuländer, eines genauen Kenners der Verhältnisse: „Anläßlich der Sitzung des Preußischen Großen Rates wurde wieder einmal festgestellt, daß der Reichsverband der deutschen Juden auch heute de facto noch nicht besteht. Die im letzten Jahr als Notbehelf fungierende Arbeitsgemeinschaft der Landesverbände ist ein Surrogat; ihre Ohnmacht erinnert stark an die Exekutivschwierigkeiten des weiland heiligen römischen Reiches deutscher Nation, an Zeiten, da „Panduren und Franzosen" die Fiktion einer kaiserlichen Macht aufrechterhalten mußten ... In unserem letzten Jahresrückblick schrieben wir: „Es erscheint nach wie vor fast unmöglich, 600.000 deutsche Juden unter einen Hut zu bringen, selbst da, wo es sich nur um eine organisierte Bindung in losester Form handelt!" Wir haben uns im Laufe des Jahres wiederholt die Freiheit genommen, die Dinge beim richtigen Namen zu nennen und auszusprechen, daß es nach wie vor keinen jüdischen Reichsverband in Deutschland gibt; eine Feststellung, die uns verschiedentlich, besonders in Berlin, — warum, wissen wir nicht — verdacht worden ist. Es ist in dieser gedrängten Chronik nicht gut möglich, diesen Fragenkomplex — mit allen versäumten Gelegenheiten! - noch einmal aufzurollen. Der Chronist, der kühl und sachlich das Blatt 1928 der jüdischen Geschichte umwendet, muß aber wahrheitsgemäß vermerken, daß unter dem Stichwort „Reichsverband" ein großer weißer Fleck in die Erscheinung tritt. Dieser weiße Fleck ist gewiß kein „dunkler Funkt" für das deutsche Judentum, jener Pessimist scheint aber recht z:i haben, der da meinte, daß, solange der Kampf Bayerns gegen die Zentralisierung der Reichsgewalt geführt würde, auch die Uneinigkeit der jüdischen Landesverbände in der Frage des Reichsverbandes andauern würde. Das hat iener Schwarzmaler schon vor zwei Jahren zum Ausdruck gebracht." Wie man zu Abrahams Zeiten wohnte. Die Zustände und Errungenschaften der Völker, die zu Abrahams Zeit in Ur in Mesopotamien lebten, werden sehr interessant belichtet durch die Ergebnisse der Britisch- Amerikanischen Expedition, die dort seit fünf Jahren Ausgrabungen macht. In London zeigte man nun bei einem Vortrag Bilder von engen Straßen mit hohen Backsteinhäusern, die Türen, aber keine Fenster hatten. Für den Verkehr mit Packtieren waren die Straßenecken abgerundet und Steine zum Aufsteigen vorgesehen. Jedes Haus umschloß einen Hof, auf den alle Zimmer mündeten. Treppenreste ließen auf einen Oberstock schließen und die Wasserableitung des Hofes auf ein überhängendes Dach — kurz, ein Haus, wie sie heute noch in Basrah und Bagdad gebaut werden. Unter den Häusern fand man Totenkammern, in denen die Familienmitglieder bestattet wurden. Unter den Funden in den Häusern befinden sich seltsam modern anmutende Dinge: Tafeln mit Wörterverzeichnissen in zwei Sprachen, Tafeln mit unregelmäßigen Verben — also schon damals eine Plage der Jugend! — und Tafeln zum Ausziehen der Quadrat- und Kubikwurzeln. Schmuck fand man in Gräbern, die 5000 Jahre alt waren, in beträchtlicher Menge — Alabaster- und Seifenstein-Vasen, Muscheln mit Silberdeckeln für farbige Schminken, Halsbänder aus Gold und Silber mit Lapislazuli und Karneol besetzt, eine Silberschale mit schön geschweiftem Rand. Dem Golde war in vielen Fällen eine 30prozentige Legierung beigemischt. Als die Expedition an der ergiebigsten Stelle angelangt war, mußte sie aus Mangel an Mitteln aufhören: man ging jedoch noch einmal zurück und erbeutete noch einen prachtvollen Silbergürtel, an dem ein Behälter mit goldenen T oilettegegen ständen hing, sowie einen goldenen Dolch mit Lapislazuligriff. Der Wert dieser Dinge liegt in ihrem Alter — sie sind zweitausend Jahre vor Tutanch-amons Zeit entstanden. Stagnation der jüdischen Bevölkerung Polens. Das soeben erschienene „Statistische Jahrbuch der polnischen Republik für das Jahr 1928" enthält statistische Materialien, die die demographischen Wandlungen in der jüdischen Bevölkerung Polens eigentümlich beleuchten. 1916 wurden in Polen 15.415 jüdische Ehen, 60.518 Geburten, 30.360 Todesfälle registriert; der natürliche Zuwachs betrug 30.558 Seelen. Im Vergleiche mit der katholischen Bevölkerung hat sich die Zahl der jüdischen Eheschließungen und Geburten nur sehr wenig erhöht: um so stärker aber die Zahl der Todesfälle. Im Jahre 1926 betrug der natürliche Zuwachs der Katholiken auf je 100 des Jahres 1923 92,1, der Griechisch- Orthodoxen 83,8, der Juden 75,8, der Griechisch-Katholischen 68,5. Ein Katholik, der Kultussteuer zahlt. Wie einzelne Wiener Blätter berichteten, ist am 5. v. M. der Budapester Rechtsanwalt Dr. Armin TetStleni gestorben, der als Katholik durch Jahrzehnte die Kultussteuer für die Pester israelitische Religionsgemeinde pünktlich bezahlte. Wie es dazukam und über die Persönlichkeit .des Verblichenen überhaupt entnimmt man dem „Pester Lloyd" eine

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