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Die Wahrheit · 1929-01-04 · Heft 1 (4.1.1929) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 1 (4.1.1929)
Date
1929-01-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ÖDE WAHRHEIT MimiiminfflHiiiiiiHiiiiiiiwiiiiM jejte 3 treffendste Antwort: „Der Zionismus ist in vielen Ländern und gerade im Osten durch die inneren Kämpfe weit mehr bedroht als durch die Agency." Deshalb unterschreiben wir das, was W e i z m a n n Herrn Grünbaum energisch entgegnete: „Wenn die Frage so steht: Entweder das Tempo des Palästinaaufbaues beschleunigen oder die nationale Politik fördern, dann gibt es für mich keine Wahl." Der Präsident der zionistischen Weltorganisation hat überhaupt in seinem Schlußwort seinen Gesinnungsgenossen einige Wahrheiten gesagt, die sie nicht gar angenehm berührt haben dürften. Der Kernpunkt seiner Rede war folgender: Hätten die Zionisten nicht über Chaluzim geredet, sondern wären sie auf den Gebieten ihrer Arbeit selbst Chaluzim gewesen, dann hätte man vielleicht die Erweiterung der Agency nicht gebraucht, oder es wäre dann der Impuls unserer Arbeit so stark gewesen, daß die Herren auch ohne Erweiterung zu uns gekommen wären. Aber heute muß ich offen sagen, daß ich viele Zionisten kenne, die nicht einen Bruchteil davon für Palästina leisten, was manche Nichtzionisten tun. Und weil dem so ist, so mußte manches hingenommen werden, was die Zionisten noch vor wenigen Jahren mit Entrüstung zurückgewiesen hätten. Man beachte nur die letzte der Forderungen Marshalls betreffend Aufhebung des Kongreßbeschlusses wegen eines nur dreijährigen Provisoriums der erweiterten Agency. Gegen diese Forderung liefen auch vor allem die Radikalen Sturm und stellten sogar diesbezüglich einen Verwerfungsantrag, der natürlich abgelehnt wurde. Sie verlangten in diesem Antrage auch: KrupniK das Modezentrum für den verwöhnten Geschmack Modelle aus Paris und eigene Schaffungan von Mänteln, Kostümen, Complets, Mach» mittags- und Gesellschaftstolletten Schöne Linie, vornehme Eleganz, unerreicht billige Preise kennzeichnen unsere Erzeugnisse VI/., KAISERSTRASSE 113 Anerkannt größtes und führendes Spezialhaus Oesterreichs „Die Vereinbarung, die in New York bezüglich des Status der Zionistischen Organisation im Falle einer Auflösung der erweiterten Jewish Agency getroffen wurde, kann nur dann von Wert sein, wenn vorher eine schriftliche Zustimmung der englischen Regierung zu dieser Vereinbarung teten so wonnig im Abendschatten, außerdem dachte ich an meinen Freund, den Diplomaten, der mit tausend anderen Berufsgenossen den Weltfrieden bewachte. ..Ich halte das für sehr unwahrscheinlich," bemerkte ich höflich. „Dort, weit unten in der Türkei schlagen sich die halbzivilisierten Völker herum, weil sie nichts besseres zu tun haben. Die großen europäischen Staaten dagegen arbeiten am Ausbau der Kultur. Sie finden keinen Geschmack mehr am Kriege. Wenn erst jene kleinen Natiönchen auch so weit sind, werden auch sie..." „Das ist eben der große Irrtum," unterbrach er mich lebhaft. „Die großen Staaten gebrauchen ihre hohe Kultur, oder wie Sie das nennen, um immer neue und schrecklichere Werkzeuge für den Krieg zu schmieden. Wozu macht man immer mehr Kanonen und Schlachtschiffe? Etwa um Psalmen damit zu singen? Dabei fahren die Staatsoberhäupter immerfort zu einander auf Besuch, küssen und i'marmen sich und beteuern, daß der Weltfrieden gesichert ist. Lauter Lug und Trug! Das muß ja einmal zum Ausbruch kommen, wenn die Welt nicht rasch umkehrt, eh' es zu spät ist." „Aber weswegen sollten die Staaten plötzlich anfangen, Krieg zu führen?" „Weswegen? Das wissen die Staatsoberhäupter und Minister wahrscheinlich selber nicht. Jeder wird einfach beweisen wollen, daß er der Stärkere ist, und daß ihm die Welt gehört. Sie wissen nicht, daß die Welt gar nicht ihnen gehört, sondern dem, der sie erschaffen hat, und daß er sie allen Menschen gegeben hat, damit sie auf ihr leben und arbeiten. Nachher wird jeder versuchen, die Schuld auf den anderen abzuwälzen, ganz wie die Kinder, die sich geprügelt und blutig zerkratzt haben; am Ende schreit jedes: du hast angefangen! Gewiß, die Staaten haben Streitigkeiten untereinander, aber wenn zwei nicht einig werden können, brauchen sie sich gleich die Köpfe einzuschlagen? Warum gehen sie nicht zum Richter? Sie werden mir antworten, es gibt keinen Gerichtshof über den Staaten, dem jeder von ihnen gehorchen müßte. Aber wenn zwei anständige, ehrliche Bürger einen Streit haben, lauten sie auch nicht gleich zum Gerichtshof, sondern legen den Fall einem dritten vor, oder jeder von ihnen wählt sich einen Vertreter, und die beiden ernennen einen Dritten zum Schiedsmann. Das tun ehrliche und anständige Bürger. Ich meine aber, der Staat müßte hundertmal ehrlicher und anständiger sein, als der ehrlichste seine Bürger . . . Aber die Sache ist die: sie haben nicht Gott im Herzen. Sie glauben nur an einen Gott: die gepanzerte Faust, und haben nur ein Streben: so viel als möglich einander wegzunehmen und einander weh zu tun; das gibt ihnen das Gefühl, daß sie die Stärkeren und Besseren sind. Es gibt nur wenige unter ihnen, die Gott fürchten und ihn lieben, und diese wenigen haben keine Macht. Die Welt ist sehr klug, aber sehr schlecht geworden. Die meisten fürchten sich nicht vor Gott, weil sie an ihn nicht glauben. Man muß ihnen wieder einen Gott verkünden, den sie lieben und fürchten können. Wenn das so weiter geht, fallen sie am Ende über einander her und zerfleischen sich, wie die wilden Tiere. Sehen Sie her. In unserer Gegend wohnen zwei Völker, Polen und Ruthenen, sie behaupten, denselben Glauben zu haben, und unterscheiden sich untereinander nur durch den Ritus, wie bei uns Juden Aschkenasim und Sephardim. Ihre Sprachen sind einander sehr ähnlich, sie verstehen sich gegenseitig ganz gut, aber sie hassen sich wie Feuer und Wasser, und wenn die Regierung eine Weile ein Auge zudrücken sollte, käme es zu Mord und Totschlag. Warum? Dein U sieht aus wie mein Y, sagt der Pole zum Ruthenen; und dein P sieht aus wie mein R antwortete der Ruthene, darum muß ewige Feindschaft zwischen uns sein*). Das Geheimnis ist: sie *) Diese beiden sehr verwandten Sprachen werden mit verschiedenen Schriftzeichen geschrieben.

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