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Die Wahrheit · 1938-03-11 · Heft 11 (11.3.1938) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1938
Issue
Heft 11 (11.3.1938)
Date
1938-03-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 11 — 11. März 1938 DIE WAHRHEIT An die jüdisch-österreichische Jugend! In einer Stunde größter Sorge für das Schicksal der österreichisch-jüdischen Bevölkerung rufen wir Euch zu: Es ist nicht mehr gleichgültig, ob Sie einer jüdischen österreichischen Organisation angehören oder nicht. Heute geht es nicht nur um Ihre Interessen, heute geht es um das Schicksal der ganzen österreichischen Judenschaft und wer sich hier ausschließt, schädigt die Gemeinschaft. Wollen Sie das tun? Aber es ist auch nicht gleichgültig, welcher Organisation Sie angehören. Dort wo es um Schicksalsfragen geht, entscheidet nicht die Meinung von Freunden, nicht die lustigere Veranstaltung, die stärkere Propaganda, sondern die eigene wohl durchdachte und geprüfte Ueberzeugung, denn es wird in Zukunft nicht gleichgültig seht, auf welcher Seite dif österreichisch-jüdische Jugend, die österreichisch-jüdische Bevölkerung zu finden war. Es gibt nur die Alternative: Bekenntnis zur jüdischen Nation oder Bekenntnis zum österreichischen Vaterland, zur österreichischen Gemeinschaft und zu unserer Religion. Es darf keine Zweideutigkeiten mehr geben. Wir haben, Gott sei Dank, in Oesterreich ein Vaterland und lieben es „und haben auch Ursach' es zu lieben". Wir haben heute mehr als je die Verpflichtung, uns klar und eindeutig zu dieser österreichischen Heimat zu bekennen. Auf österreichischem Boden gibt es für uns Jugend keine andere Einstellung, als die der „Union österreichischer Juden". Auf österreichischem Boden gibt es und darf es keinen Platz für jüdischnationale Politik geben! Es ist nicht gleichgültig, ob die Organisation, die die Interessen der jüdisch-österreichischen Jugend dem Staate, den Behörden und der jüdischen Jugend selbst gegenüber zu vertreten hat, in vaterländischen, religiösen und wirtschaftlich-politischen Fragen das Vertrauen genießt das zur Erreichung der angestrebten Ziele notwendig ist. Heute ist es höchste Notwendigkeit, durch Beitritt zu unseren Organisationen, durch Mitarbeit und geistige Anteilnahme uns zu stärken und die Reihen der jüdisch-österreichisch denkenden Jugend zu schließen. Unsere Jugendorganisationen: Jugend-Union: Altersklasse 18—30 Jahre. Zentralheim: Wien I., Schottenring 25. Anmeldung: Mittwoch und Donnerstag von halb 8 bis 10 Uhr abends. Bezirksheime: 1I./XX.: Sächsischer Hof, IL, Taborstraße 46a, Anmeldung: Dienstag und Donnerstag von S bis 10 Uhr. IV„ V. und X.: IV., Hauslabgasse 2, Anmeldung: Montag von 8 bis 10 Uhr. XXI.: Goldener Engel, XXL, Am Spitz 3, Anmeldung: Dienstag von 8 bis 10 Uhr. Oesterreichisch-jüdische Akademiker Union: Heim, Studierloka! und Mensia. IX- Berggasse Nr. 4. für alle inskribierten Studenten an'österr. Hochschulen. Anmeldung täglich von 12 bis 2 Uhr. Jüdischer Jugend-Kreis (J. J. K-). Heim: IX., Berggasse 4. Für Jugendliche von 10 bis 18 Jahren. Anmeldung für alle Züge: Mittwoch von halb 8 bis 9 und Samstag von 4 bis 6 Uhr. Amtsantritt des neuen High Commissioner von Palastina. High Commissioner Sir Harold M a c M i c h ae 1. der am 3. d. M., mitten in einer Zeit schwerster Kämpfe gegen die arabischen Terroristen sein Amt angetreten hat, hielt im Rundfunk eine Ansprache an die Bevölkerung Palästinas. Der High Commissioner richtete an die Bevölkerung den Appell, ihn bei der Wiederherstellung von Gesetz und Ordnung im Lande zu unterstützen, und warnte gleichzeitig Araber und Juden, sich der Ordnung im Lande zu widersetzen, da sie sonst die Sympathie des englischen Volkes einbüßen würden. Es sei überflüssig, sich in Mutmaßungen darüber einzulassen, was für Folgen es für beide Seiten haben könnte, wenn sie weiter auf ihren extremen Forderungen beharren. Es besteh?, schloß der High Commissioner. eine Gemeinsamkeit der Interessen von Juden, Arabern und Engländern. Nach der feierlichen Eidesleistung im Regierungspalais erklärte High Commissioner Sir Harold MiacMichael: Ich habe soeben einen dreifachen feierlicheil Schwur geleistet, den ich heilig halten werde. Ich appelliere an die 'Anwesenden, sbVjfe an alle jene, welche von den Anwesenden repräsentiert werden, mich in der Sache des Friedens zu unterstützen. MacMichael, der „Hann mit den eisernen Nerven". „Great Britain and the East" bezeichnet in einem Leitartikel den neuen High Commissioner Sir Harold MacMichael als „Mann mit eisernen Nerven". Das Blatt hebt besonders die große Erfahrung Sir Harolds und seine Energie in der Unterdrückung von Unruhen hervor. Palästina bekomme zum ersten Male einen High Commissioner. der sich mit der Mehrzahl der Bewohner des Landes in ihrer eigenen Sprache verständigen kann. Sir Harold werde in einigen Monaten die Stimmungen der Palästinenser genau kennen. Dies werde ihm bei der Formulierung seiner Politik behilflich sein. Die Augen der Welt seien jetzt auf den neuen High Commissioner gerichtet; sie werde nicht enttäuscht werden. Oas Vatikan-Organ gegen Beschimpfung der Juden. In einem „Das Geheimnis des Volkes Israel" betitelten Artikel bepricht das offizielle Organ des Vatikan „Osservatore Romano" das in Frankreich erschienene Buch „Les Juifs", welches eine Reihe bedeutender Aufsätze von hervorragenden christlichen Persönlichkeiten wie J. Maritain, J. Bonsirven und Paul Claudel enthält und schreibt: ..Nur zwei Haltungen sind möglich: die christliche oder die antisemitische. Eine schließt die andere aus: Entweder Krieg, der auf Haß und Gewalt gestützt wird und in welchem sich der „animalis homo", die menschliche Bestie, in ihrer ganzen Niedrigkeit erweist, oder eine: Haltung des Mitgefühl* und dös*,,spiri--- tuah's homo". des ^igejstrgen^'Menschen;liirrfit'3emi; Ziel, die Welt und das Volk Israel zu retten. Es ist schwer, schließt ,.Osservatore Romano", dem Ungeheuerlichen, das in der Beschimpfung der Südischen Rasse liegt, Ausdruck zu geben." Die Bezirksorganisation Floridsdorf der „Union österreichischer Juden" hat den für den 12. d. M. angesetzt gewesenen Gesellschaftslabend mit Rücksicht auf die am nächsten Tage stattfindende Vo 1 k sa bs ti m in u n g für unbestimmte Zeit verschoben. (IROSSFLEISCHHAUER« flEGM. KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE HR. 19 FILIALE i XVIII., WÄHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 nnd A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für Koscherfleisch unter Aufsicht das ehrw. Rabbinates der Isp. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen JUGEND-UNION. Zentrale, I., Schottenring 25. Infolge Versammlungsverbotes sind wir gezwungen, im Monat März unsere Vortragsreihen zu unterbrechen, doch erleiden unsere regelmäßigen Zusammenkünfte, Kurse und Propagandiaarbeit keine Unterbrechung. Wir haben bloß die Kurse zeitlich umgestellt. Jeden Mittwoch von präzise 8—9 Uhr abends findet der Kurs des Herrn Professor Dr. M. Papo: „jüdische Kulturgeschichte in Zeit und Charakterbildern" und anschließend unser Heimabend statt. Jeden Donnerstag, präzise 8 Uhr abends: Rednerkurs. geleitet vom Herrn Dr. Ernst Feldsberg. Diese Regelung gilt nur für den Moniat März. Sekretariatsstunden: Jeden Mittwoch und Donnerstag von 7—8 Uhr. Sprechstunde des Obmannes: Jeden Mittwoch von 7—8 Uhr. Werbet Mitglieder! Vergrößert unsere Reihen! Bezirksgruppe II./XX,, Cafe Sächsischer Hof, IL. Taborstraße 46a. Wir geben bekannt, daß wir unseren offiziellen Heimabend jeden Dienstag abhalten. - Gleichzeitig teilen wir mit, daß wir uns durch den großen Erfolg unserer bisherigen Heimabende veranlaßt gesehen haben, einen zweiten Abend in der Woche, u. zw. jeden Donnerstag ab 8 Uhr abends unseren Zusammenkünften zu widmen. Letztere Abende dienen dem völlig zwanglosen Zusammensein bei Unterhaltung (Karten, Ping- Pong, Schach etc.) und Musik. Infolge des Versammlungsverbotes können wir das vorgesehene Vortragsprogramm nicht abwickeln, haben jedoch bereits Vorsorge getroffen, die Heimabende trotz des Ausfalles der Vorträge so angenehm wie möglich zu gestalten. Wir ersuchen, beide Abende in der Woche recht zahlreich zu besuchen und auch Freunde mitzubringen. GEMEENDECHRONIK. Kaiser Otto an Rabbiner Dr. Rosenmann. Steenockerzeel, 24. Jänner 1938. Sehr geehrter Herr Dr. Rosenmann! Durch die Vermittlung der Zentralkanzlei in Wien wurde Seiner Majestät dem Kaiser der Text Ihrer.;i(am ^Jerhöchsteri t Geb.urtsjtage._>i,gehal^nep!. Festpjecfigi'ubermto Anhänglichkeit zum angestammten 'Herrscherhause, welche Sie bei dieser Gelegenheit gesprochen haben, erfüllen Seine Majestät mit freudiger Genugtuung und ich wurde beiauftragt, Ihnen, sehr geehrter Herr Dr. Rosenmann, dafür den besten Dank Seiner Majestät-.auszusprechen. Möge mit Gottes gnädiger Hilfe der Tag nicht mehr ferne sein, an dem der angestammte Landesherr zum Wohle von Volk und Heimat in Sein über alles geliebtes Oesterreich zurückkehren kann. Im Allerhöchsten Auftrage: Hans Graf Trauttmansdorff m. p.

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