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Die Wahrheit · 1938-03-11 · Heft 11 (11.3.1938) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1938
Issue
Heft 11 (11.3.1938)
Date
1938-03-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 11 — 11. März 1938 Oer Frauen-Hotdienst nilfi. Die Aktion der Gemahlin des Bundespräsidenten, Frau Leopoldine M i k 1 a s, hat auch in den jüngst vergangenen Monaten wiedter das Ihre getan, Not und Elend unserer Mitbürger nach Kräiteu zu mildern. Bekanntlich wird der Frauen-Notdienst nach den Grundsätzen der Interkonfessionalltät geführt und ist auch die soziale Fürsorge der israelitischen Kultusgemeinde im Hauptausschuß vertreten. In den Bezirksstellen arbeiten gleichfalls die Vertreterinnen aller österreichischen Frauengruppen. Wie immer waren die Zentrale und die Bezirksstellen gleichermaßen bestrebt, ausgiebig zum großen liiliswerk beizutragen. Im Mittelpunkt der karitativen Tätigkeit standen begreiflicherweise die Bescherungen, die im Dezember gegen Jahresende veranstaltet wurden. Wie üblich, wurden Unterstützungen in Naturalien, wie im Baren gewährt. Höchst erfreulich ist, daß nicht nur die einzelnen Helferinnen und Helfer, bzw. Freunde der Aktion taten, was in ihren Kräften stand, sondern daß auch Körperschaften und Firmen sich unter die Mitarbeiter des Frauen-Notdienstes einreihten. So bcteilte der Qesterr. Apothekerverein im Zuge der Aktion an die fünfzig Schützlinge. Ebensoviel Kinder wurden von der Kinderschutz- und Rettungsgesellschaft vollständig bekleidet. Die Firma Gerngroß verpflichtete sich, fünfzehn Schützlingen des Frauen-Notdienstes in den Wintermonaten einen ausgiebigen und' guten Mittagstisch zu gewähren. Zu Weihnachten wurden die Kinder von der Firma überdies noch reichlich beschenkt. Wie sehr namentlich die Bezirksstellen sich bemühen, kann man daraus ersehen, daß bei einigen Bescherungen bis zu 200 Familien einbezogen wurden. Das allererireulichste aber ist, daß auch die weibliche Jugend stärker als bisher für den Frauen-Notdienst gewonnen werden konnte. So veranstaltete beispielsweise die Döblinger Mädchen-Mittelschule eine Aufführung im Mittleren Konzerthaussaal, dessen Ertrag der Aktion zugute kam. Ueberdies führt diese Schule schon seit längeren eine FrühstücksaktJon durch. Hoffrat Ernst Heilig gestorben. Im 57. Lebensjahr ist Sonntag morgens Hofrat Ernst Heilig, der ehemalige Direktor des Stenographenbüros im österreichischen Parlament, nach langem, schwerem Leiden gestorben. Hofrat Heilig war einer der ersten Kapazitäten auf dem Gebiete der Parlamentsstenographie und schuf als Leiter des Stenographenbüros und insbesondere der Staatskorrespondenz, welche die Berichte über die Parlamentssitzungen für die Zeitungen herstellt, Vorbildliches. Als junger Student kam Heilig ins reichsrätliche Stenographenbüro und machte dank seiner Tüchtigkeit. und seiner Ambition rasch Karriere. Schon nach kurzer Zeit avanciert er zum Kammerstenographen und bald auch zum Redak- . teur der Reichsratskorrespondenz, wie damals die Staatskorrespondenz hieß. Im Jahre 1924, als der Direktor des Stenographenbüros, Sektionscher Fleischner, in Pension ging, wurde Heilig vom Präsidenten des Hauses, Dr. W ei s k i r c h ne r, zum Nachfolger in der Leitung des Büros bestellt. Man legte damals Heilig nahe, sich taufen zu lassen, aber Heilig lehnte dies, obwohl sich auoh zwei getaufte Kollegen um den Posten »bewarben, glatt ab. Bundeskanzler Dr. Seipel wußte terade dieses Verhalten Heiligs, dessen Fähigkeiten ir aus eigener Wahrnehmung sehr hoch einschätzte, zu Vürdigen und bestand darauf, daß Heilig die Stelle erüelL Heilig rechtfertigte das in ihn gesetzte Vertrauen n jeder Hinsicht. Er machte die Staatskorrespondenz :u einer Institution, wie sie keine parlamentarische Körperschaft der Welt besaß, so daß aus vielen Ländern Kommissionen hieherkamen, um das Büro und leine feohnischen .und organisatorischen Einrichtungen; .;u studieren. 1935 wurde Heilig in der Vollkraft seiner •. Tahre^/pensioniert In Anerkennung seiner Dienste ver- , \ leh.'fftn der Bundespräsident das K o m t u r k r e u z d e s & /er^Iienstordens. Wenige Jahre nachher befiel %i Im*etil tückisches Leiden, das'den freundlichen,.Hebens-. 11 ..vürdigen, stets: hiifebefeiten Mensch' en, der oft vielen " Kollegen durch sein sonniges Wesen und durch seinen "JWitz über trübe Stunden hinweggeholfen hatte, auf ein ^.^hmerzensreiches Krankenlager warf. Hofrat Ernst ,i'JJeatg, der 1881 in Hohenau geboren wurde und ein U Bruder des Redakteurs Bruno Heilig war, hinterläßt «ine Witwe aind zwei erwachsene Kinder. i - 75. Geburtstag. Samstag, den 26. Februar, fand im <[ -Oemeindetempel, XVIII., Schopenhauerstraße, im Rahf. -raen des Vormittagsgottelsdienstes eine eindrucksvolle "Sier anläßlich des 75. Geburtstages des in weitesten •eisen bekannten und überaus beliebten Herrn Bunstaatliahen Fürsorgerates Josef Nossig statt. Zu Ehren des Jubilars, der Zeit seines Lebens seine hervorragenden Kräfte dem Dienste der Allgemeinheit, insbesondere der jüdischen Sache gewidmet hat, war ne-. ben dem gesamten Währinger Bethausvorstand und einer großen Anzahl der dortigen Tempelbesucher viele Gäste erschienen, so in Vertretung des Präsidiums der Israelitischen Kultusgemeinde Herr Kultusvorsteher Friedrich Feuer, der den um das Wiener Judentum so hochverdienten Herrn Nossig herzlichst beglückwünschte, für die „Union österreichischer Juden"", der der Jubilar seit vielen Jahren als treues, pflichteifriges Mitglied angehört, Ehrenpräsident Dr. Jakob Ornat e i n, die Vorstandsmitglieder Komm.-Rat Alexius Salzer und Arthur Weihs, sowie Sekretär Oskar Hir.sehreld und Abordnungen vieler Tempel- und Himianitätsvereiiie. Der Jubilar wurde bei seinem Erscheinen vor der Thora von dem unter der ausgezeichneten Leitung des Dirigenten Subak stehenden Chor mit einem schönen „Hallelujah'" begrüßt. Dann rezitierte Oberkantor D. Groß einen feierlichen Mischeberach. Hierauf hielt Rabbiner Dr. A. Z. S c h w a r z an den Jubilar eine innige Ansprache, in der er dessen vornehmes gütiges Wesen pries und ihm auf das herzlichste beglückwünschte. Namens aller Währinger jüdischen Organisationen gratulierte Med.-Rat Dr. J. Winter seinem guten Freunde NosiSig und wünschte ihm noch viele Jahre Glück und Gesundheit. Tiefen Eindruck auf die vielen Besucher der Feier iür Josef Nossig löste der Umstand aus, daß auf sie die Barmizwah eines Enkels des Jubilars, des Knaben Herbert Nossig, Sohn des Herrn und Frau Alfred Nossig, folgte. An den Knaben, der die Segenssprüche und die Hattorah verständnisvoll vortrug, richtete Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz Worte der Ermunterung, dem schönen Beispiele des Großvaters zu folgen und ein aufrechter Jude zu werden. Die Familie Nossig wurde herzlichst beglückwünscht, insbesondere der Jubilar war Gegenstand aus vollstem Herzen kommender Ovationen. Todesfall. Tiei betrauert von der großen Schar seiner Freunde, ist kürzlich, knapp vor Erreichung des 65. Löbensjahres, der überall geschätzte frühere Präsident der Artistenorganisation, Herr Arnold Barkay gestorben. Der Verewigte, der sich um seinen Beruisstand unvergängliche Verdienste erworben hat, war stets ein guter Jude, in ihm betrauert die „Union österreichischer Juden" ein braves Mitglied. Die Beteiligung beim Leichenbegängnisse bewies die große Beliebtheit, die sich der Heimgegangene als Mensch und Berufskollege in weitesten Kreisen erworben hat, und die Anteilnahme, die seiner schmerzgebeugten treuen Gattin Bella entgegengebracht wird. In innigen Worten ließ Rabbiner Dr. J. M. Bach ein schönes Wort vom Wirken und Wesen Barkays entstehen und lobte seine hingebungsvolle Tätigkeit für die Allgemeinheit. Die kantorale Funktion versah, unterstützt von einem Chor, Oberkantor Leo Funke in ergreifender Weise. Abschieds¬ und Dankesworte dem guten Freunde und Kollegen sprachen: der Obmann der Gewerkschaft Em. Arletb, für die Schrammelmusiker und Sänger Karl M. J ä g e r, iür die Konzert- und Künstleragenturen Sam. K a 1 mho f, für den ehemaligen Vorstand der I. A.-O. und am Grabe für die Freunde Josef B a a r. Diese Freunde, insbesondere sein langjähriger Mitarbeiter in der I. A.-O., S t o i n i t z, haben durch den Heimgang ihres treuen Kollegen einen schweren Verlust erlitten; sie danken auf diesem Wege der Kultusgemeinde für ihr beim Leichenbegängnisse bewiesenes anerkennendes Verständnis für die vielen Leistungen des Menschen und Juden Barkay. Der Sterbetag des Herrn Hofrat Ing. Josef Löwy, des verdienstvollen Vizepräsidenten der „Union österreichischer Juden", dessen Andenken im Kreise seiner vielen Anhänger und Freunde unvergänglich bleibt, jährt sich am 23. März zum sechstenmal. Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Am 14. Februar d. J. hielt Oberrabbiner Dr. Lazar Schweiger (Nitra) einen Vortrag über das Thema: Schopenhauer im Licht der jüdischen Weltanschauung. Der Vortragende ging, von den:Tatsache aus, daß Schopenhauers Philosophie die europäischen Geistesströmungen bis zum heutigen Tage beeinflußt. Schopenhauer stand dem Judentum ablehnend gegenüber, und zwar beruhte sein Antisemitismus auf philosophischen Gründen. Das Judentum lehrt einen lebensbejahenden Optimismus. Schopenhauers Philosophie gipfelt in pessimistischen Betrachtungen, die das Leben nicht lebenswert erscheinen lassen. Dieser Gegensatz bedingte seine Abneigung dem Judentum gegenüber. Oberrabbiner Schweiger beleuchtete sodann das philosophische System Schopenhauers und hob hervor, daß auch die ethischen Lehren Schopenhauers keinesfalls mit der Ethik des Judentums in Einklang gebracht sctanuckQiig yod Grauen und Gräbern LBopoldQeutschJienXl. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof l. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhot IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen werden können. Schopenhauer vermochte es auch nicht, gemäß seiner Lehre und Anschauung sein Leben einzurichten. Die Kluft zwischen Lehre und Leben dieses Pessimisten ist schwer zu überbrücken. — Glaubt das Judentum an den Fortschritt der Geschichte, so leugnet dies Schopenhauer. Im letzten Teil seiner Ausführungen legte Oberrabbiner Schweiger die Gründe dar, die das Judentum berechtigen, eine optimistische Haltung einzunehmen. Verfehlt wäre es. in dieser krisenhaften Zeit den Mut sinken zu lassen. Der Verlauf der jüdischen Geschichte zeigt, daß das Judentum immer alle Krisen überwunden hat. und so 'sind wir auch heute berechtigt, an den Fortschritt der Menschheit und des Judentums zu glauben. Der interessante und tiefschürfende Vortrag fand beim zahlreich erschienenen Publikum lebhaftesten Beifall. Druckfehler-Berichtigung. In den dem 10Ü. Geburtstage Joset Poppor-Ly nkeus gewidmeten Aufsatze „Ein Führer ins gelobte Land", von Proi. Heinrich Glücksmann, haben sich einige Satzfehler eingeschlichen. So ist der große Sozialethiker nicht aus dem „Berliner", sondern aus dem .,K o I i n e r" - Ghetto hervorgegangen, und hieß der* französische Physiker, der 20 Jahre nach ihm die elektrische Kraftübertragung entdeckt. .,D e s p r e z" nicht „Ingrez". Maimonides-Institut, II., Praterstraße 11. Die Verwaltung des Instituts hat beschlossen, eine Anzahl von Exemplaren der Kaminka-Festschrift, die im Buchhandel S 8.50 kostet, Rabbinern und Privatgelehrten, diu darum ansuchen, bei direktem Bezüge vom In stitut, zum ermäßigten Preise von S 5.— (nebst S8 g Porto) zur Verfügung zu stellen. Der Band enthält wissenschaftlichen Aufsätze von hervorragenden Gelehrten, wie Proi. Martin Buber, Prof. Umberto Cassuta (Rom), Proi. I. Davidson (New York), Prof. Ismar Elbogen (Berlin), Univers.-Dozent Dr. I. Fischer (Wien), Prof. Sam. Krauss (Wien), Prof. Mich. Guttmann (Budapest), Prof. Jos. Klausner (Jerusalem) und vielen andern, ferner eine Bibliographie der gedruckten Schriften Dr. A. Kaminkas von 1886 bis 1936. Der Betrag kann dem Institut durch die Postsparkasse überwiesen werden. Isr. Tempel- und Schulverein Favoriten. Bei der am 27. v. M. stattgeiundenen Konstituierung des Vorstandes wurden gewählt zum Obmanne Herr Benjamin Scher, zum I. Obmann-Stellvertreter Herr Leopold Grünspan, zum II. Obmann-Stellvertreter Herr Adolf Spira, zum Schriftführer Herr Gustav Fuchs, zum Schriftführer-Stellvertreter Herr Jakob Schwarz, zum Kassaverwahrer Herr Leopold Drill, zum Kassaverwahrer-Stellvertreter Herr Simon Steiner und zu Schul- und Betbausverwaltern die Herren Komm.-Rat Albert Bauer, Sigmund Eisenstedter, Alfred Fessler, Dr. Rubin Gottesield, Max Hübler, Jakob Lohr, Dr. Karl Neu mann, Adolf Plasches und Mar. W e i s z. Jüdische Kinder- und Säuglingspilegerinnen, welche derzeit arbeitslos sind, wollen sich unter Vorlage ihrer Ausbildung*- und Verwendungszeugnisse Sonntag, den 13. oder Sonntag, den 20. d. M., im Dr. K r üg o r - H e i m, II., Malzgasse 7, melden. „Ohel Rachel", Verein zur unentgeltlichen Ausspeisung jüdischer Notleidender (Präsklent Heinrich Kessler), veranstaltet unter Leitung der Präsidentin des Damenkomitees Henriette Fuchs zugunsten der täglich 100 bedürftigen Personen», die bei dem rührigen Verein ein gutes, warmes Mahl erhalten, Samstag, den 12. März, 8 Uhr abends, im großen Festsaale des Militärkasinos, I., Schwarzenbergplatz 1, eine Akademie mit Tanz. Mitwirkend: Frau Ella Flosch, Staatsoper, Kammersängerin, Herr Kurt Fuss, Parisien, Frau Christi Giampietro, am Klavier: Walter Pirk; Herr Marco Gol d in, Klaviervirtuose, Herr Igo Guttmann, Volksoper, Tenor, Herr Norbert Inger, Bariton, Herr Hieronymus Langh, dramatischer Typen-Komiker, Frau Baby Pola, jüdische Chansons, Frau Simone Rose, Konzertsängerin, Frau Charlotte Waldow, Skala, Schauspielerin. Conference: Kurt Karsten. Klavierbegleitung: Kapellmeister Fritz Kurzweil. Tanzmusik: Kapellmeister Wolfsthal mit seiner Jazzkapelle. Tanzleitung: H. Birkemetö.

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