Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1938-03-04 · Heft 10 (4.3.1938) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1938
Issue
Heft 10 (4.3.1938)
Date
1938-03-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3064714-3064724--21526-3086890
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 10 — 4. März 1938 DIE WAHRHEIT iiEI|AC.iriMA Uraufführung des stärksten jiddi- "fcMW* """" sehen Films der Gegenwart IL, Taborstraße Nr. 36 nM Telephon R 41-3-50 V,4. V,6, V,8. VslO NESTROY-KINO IL, Praterstraße Nr- 34 Telephon R 41-707 Dy BUK schreien gelernt.'- Und als Luther in seiner Wut Jargon und Gesten seines Diskussionsgegners verspottet, bemerkt dieser: „Ach so, ist das euer letzter Beweis? Bei uns hat es einmal einen Gassenbuben gegeben, der diese Art von Uefoerredungskunst noch besser praktizierte. Er warf mir nämlich einen Stein an den 'Kopi, daß ich ohnmächtig zusammenbrach, und dahatte ich wirklich keine häßlichen Handbewegungen und keinen Einwand mehr gegen ihn." So war denn Josef Popper als Mensch, als Schriftsteller, als Philosoph und als Sozialreformer im Judentum verwurzelt, das auf ihn stolz sein darf, als aui einen seiner Besten. Die ehrenden Feiern, die seinem hundertsten Geburtstag gerüstet wurden und bei deren einer, der von dem seinen Ideen und Bestrebungen verwachsenen und dienenden Verein „Allgemeine Nährpflicht" veranstalteten, ich zum Festredner bestellt war, ehrten auch die Judenheit. Unsere Feier war schön, begeistert und begeisternd: ob ihr gleich die Männer der Staatsleitung ferne blieben. Anders im Geburtslande Poppers, in der Tschechoslowakei. Dort fanden solenne Würdigungen der Ewigkeitsbedeutung des Mannes und seines Werkes nicht nur im Rathause zu Kolin und anderwärts statt, haben nicht nur die deutschen und tschechischen Sender Festreden durch die Sphären geschickt, waren im Festausschuß nicht nur neben hervorragenden Persönlichkeiten der Wissenschaft und des öffentlichen Lebens fast alle technischen und Kulturvereinigungen vertreten, es geschah mehr, die Kette der Popper-Lynkeus-Feste krönte die eigentliche Hauptieier im Ministerium für soziale Fürsorge, also eine offizielle Huldisung der Regierung. Es wäre schön und löblich, wenn nun den rauschenden Klängen der Festposaunen die Tat folgte, die Verwirklichung der Segensvorschläge des genialen Ingenieurs der Humanität zum Segen der Welt. ßwkwücdiqzs mm Jage. Oesterreichische Verluste beim Handel mit Deutschland. Unter diesem Titel schreibt Baron von W i e s n e r in Nr. 5 der Zeitschrift „Der Oesterreicher": Die österreichische Regierung hat in den Morgenblättern vom 19. Februar ein Kommunique erscheinen lassen, dessen Schlußsätze lauten: „Es wird insbesondere festgestellt, daß an den Grundsätzen der österreichischen Währungs- und Wirtschaftspolitik naturgemäß festgehalten wird, und daß diese auch nicht Gegenstand von irgend welchen' Verhandlungen war." Diese Verlautbarung ist als ein Dementi der Gerüchte aufzufassen, denen zufolge die Herstellung einer Zoll-Union zwischen Oesterreich und Deutschland sowie die Angleichung der Mark und des Schillings beabsichtigt sei. Man darf sagen, daß es selten ein kopfloseres Gerücht gegeben hat als dasjenige, welchem in der vorstehenden Weise entgegengetreten werden mußte. Vor allem ist seit idem Abkommen von Lausanne eine solche Bindung' Oesterreichs bis 1942 völkerrechtlich ausgeschlossen. Dann aber: Würde jemand versuchen, in Oesterreich auf wirtschaftlichem Gebiet nationalsozialistische Zustände zu schaffen, so würde er, wenn auch nicht — wie in Deutschland — fünf Jahre dazu brauchen, so doch sicherlich ein Jahr, und sein Weg wäre mit den Leichen tausender zugrundegegangener Existenzen besät. Es möge in dieser Hinsicht der Hinweis genügen, daß Hunderte österreichischer Betriebe von heute auf morgen sperren müßten, weil sie von der deutschen Konkurrent erdrückt werden würden. Es ist auch mehr als fraglich, ob unsere Bauernschaft mit jener Zwangsbewirtschaftung aller Lebensmitte! einverstanden wäre, wie sie in Deutschland besteht und die sie aus den Kriegsjahren noch in peinvoller Erinnerung bat Diese Kreise aber hätten bei der Schaffung des neuen Zustandes mitzureden, denn Oesterreich ist auch ein Ständestaat, d. h. ein Staat, in welchem die Stände ihr wirtschaftliches Schicksal bestimmen. Die Zoll- Union mit Deutschland wäre daher nur denkbar, wenn die Stände Oesterreichs ihr Eigentum auf Präsentiertellern idarbieten würden, um es auf dem Altar eines Größer-Deutschiand zu opfern. Wir haben bisher bei ihnen keine solche Absicht feststellen können. Jedenfalls find ihre Wünsche nach Lebensmittelabsatz im Reich nicht Ausfluß solchen Opfersinnes. Man übersehe nicht, daß eine faktische Zoll-Union zwischen^ zwei Staaten so „.v^rsehjedener Wirtschaffs-^rukturen, ,}yie, sie, heuern Oesterreich und Deutschland bestehen, ganz ausgeschlossen ist, wenn man dabei nicht äußerste Gewalt anwenden will. Diejenigen Oesterreicher, welche die Kriegszeit als denkende Menschen erlebten, werden dies am besten beurteilen können. Als 1914 der Krieg ausbrach, waren Oesterreich und Ungarn 65 Jahre lang durch eine gut funktionierende Wirtschaftsunion verbunden. Auf dem Papier bestand diese bis zum Zusammenbruch vom November 1918, praktisch begann aber dhre Durchlöcherung bereits im Jahre 1915, denn schon zu dieser Zeit sperrten die Ungarn die Lebensmittelunld Warenausfuhr nach Oesterreich und verschärften diese Maßnahmen derart, daß es im Jahre 1918 für einen Privatmann zugleich e;n Wagnis und ein Kunststück war, ein Kilo Butter oder ein simples Leinenhemd aus Ungarn nach Oesterreich zu bringen. Würde heute durch ein Dekret die Zoll- Union zwischen Oesterreich und Deutschland verfügt werden, so wären sämtliche Bauern und Lebensmittelhändler Oesterreichs spätestens innerhalb einer Woche derart nach Deutschland ausverkauft, daß es in Wien schwer wäre, Butter oder Eier aufzutreiben. Desgleichen würden so ziemlich alle unsere Vorräte an Schuhen aus echtem Leder oder an Kleidern aus echter Wolle usw. binnen weniger Tage sich verflüchtigt haben. Die Zoll-Union ist daher, vom österreichischen Standpunkt gesehen, ein Phantom. Im Jahre 1931 wäre der Unions-Plan der Herren Cuitius und Schober vielleicht noch durchführbar gewesen, wenn die österreichische Industrie und die österreichische Arbeiterschaft bereit gewesen wären, schwere wirtschaftliche Opfer für den politischen Zweck dieses Planes auf sich zu nehmen, wozu sie aber, wie erinnerlich, keine Geneigtheit zeigten. Heute würden auch die Bauern mitbetroffen, und darüber hinaus hat der Vierjaliresplan dafür gesorgt, daß das Projekt unmöglich wurde, sofern man nicht daran denkt, die gesamte^österreichjsche Wirtschaft abzuwürgend fr")? v; Union offerreidiiföer Suoen 25c3irh5DtfloniJofion yVI 3itgenft'Union A.A.JW Qe&eUschaftsaßend mit Zanz am<5amflag, oen 12. SDora 1938. am 729 Mljr abends, hi allen €ülen des Stotels „CBolo.Csngcl", XXL, Sm Spil3 3. (Snlree S 1.50 Jazz: Fuks Witty Vexers -4. März 1890 5. März 1893 6. März 1819 . März 1846 . März 1838 ist der Hebraist und Bibelforscher Franz De Iiis cd gestorben. fand die Grundsteinlegung des polnischen Tempels in Wien statt. wurde Fanny Neu da (Tochter des Wiener Oberrabbiners Dr. Schmiedl), Verfasserin des bekannten Andachtsbaches für Frauen, in Loschitz geboren, j. wurde Eduard Bacher, Herausgeber der Neuen Freien Presse, in Postelberg geboren. <? wurde Adolf UA rronge in Hamburg geboren. 9. März 1859 wurde Peter Altenberg geboren. 10. März 1873 wurde der Romanschriftsteller Jakob Wassermann in Fürth geboren. wenn der im Verrechnungsverkehr festgesetzte Umrechnnngsschlüssel zwischen Mark und Schilling von einer Mark gleich zwei Schilling fünf Groschen aufrecht bleibt. Bei diesem Schlüssel, so las man in den Zeitungen, seien die deutschen Waren in Oesterreich zu teuer, so daß sie mit dem übrigen Ausland nicht konkurrenzfähig sind, weshalb Deutschland gegenüber dieser Konkurrenz in die Hinterhand komme. Die deutschen Vertreter erklärten aber, daß es eine Sache des deutschen „Währungsprestiges" sei, diesen Umrechnungsschlüssel aufrechtzuerhalten, doch soll sich Berlin bereit erklärt haben, die deutschen Exporte zu subventionieren, so daß Oesterreich deutsche Waren zu einem billigeren Preis beziehen kann, wobei bemerkt sei, daß Deutschland dieses Subventionierungssystem in seinem Export nach vielen anderen Staaten seit jeher anwendet. Gewiß würden bei dem von Deutschland vorgeschlagenen Regime die deutschen Waren um die Höhe der Subvention billiger werden. Damit aber diese Verbilligung eine „gerechte" sei, um einen in Deutschland viel benutzten Ausspruch zu gebrauchen, müßte die Subvention dem bisherigen Verlust von 70 Groschen je Mark genau entsprechen, d. h. 34 Prozent betragen. Damit wäre noch nicht alles getan, denn es wäre dadurch nicht der Nachteil aus der Welt geschafft, den Oesterreich bei seinen E Xr porten erleidet. Wir würden wohl aus Deutschland billigere Waren beziehen, aber im Export nach Deutschland nur Scheinpreise erhalten, d. h. z. B. für die Butter auf dem Papier 2.39 S, in Wirklichkeit abeij, infolge des ungünstigen Umrechnungsschlüssels, nur Die amtliche Verlautbarung, die wir eingangs anführten, erklärte im Anschluß an das Dementi, daß lediglich „die im Interesse aller Beteiligten seit längerer Zeit unternommenen Bemühungen um eine Intensivierung des Wirtschaftsverkehres zwischen Oesterleich und dem Deutschen Reich fortgeführt werden". Dazu hört man aus privater Quelle, daß diese Verhandlungen im März oder im April zu einem Abschluß kommen dürften. Die Leser des „Oesterreicher*' wissen aus vielen Veröffentlichungen unseres Blattes, wie schlecht wir bei dem am 27. Jänner 1937 zus,tandegekommenen Abkommen''troer eine Aäsweitüng;iaies österreichisch-deutschen Handelsverkehrs abgeschnitten habeVi. Die dalüa'ls in Aussicht genommene Ausweitung um rund zwanzig Millionen Schilling bei der Ausfuhr und bei der Einfuhr isl zwar zustandegekommen, wir haben im Jahre 1937 nach Deutschland sogar um 27 Millionen Schilling Waren ir.ehr verkauft als Mn Jahre vorher, aber Deutschland war uns dabei bei der Abrechnung schon im September 1937 siebzig Millionen schuldig. Da es nicht zahlen konnte oder wollte, drosselte es seine Bezüge aus Oesterreich um 40 Prozent, so daß unser Export nach Deutschland derzeit unter den Export des Jahres 1936 gesunken ist. Aus der Ausweitung wurde somit eine Einschränkung. Jetzt handelt es sich darum, eine erhöhte Ausfuhr deutscher Waren nach Oesterreich zu ermöglichen, damit Deutschland seine Einkäufe in Oesterreich zu bezahlen vermag. Im Laufe monatelanger Verhandlungen hat sich dabei ergeben, daß dies nicht möglich wäre, iclien tüchtige, erfahrene Chemikei nach der Schweiz. Wohnung und Nieder^ lassung werden besorgt. Nur ganz ausführliche Offerte unter Chiffre B. K. 5093 an Rudolf Mosse. Basel 1, können BerücksichiH-'W^/MV^ii <i i i;l ii! nt. -iM S 1.59 und beim Erz statt 2 S nur 1 S 30 g. Der Devisenverlust im österreichischen Export nach Deutschland, der im Jahre 1937 61 Millionen Schilling betrug, würde aufrecht bleiben. Die ganze Tragweite des von Oesterreich im Verkehr mit Deutschland erlittenen Devisenverlustes in der Höhe von 140 Millionen Schilling wird ersichtlich, wenn man sich vergegenwärtigt, daß der ganze österreichische Export des Jahres 1937 nur rund 1200 Millionen betrug. Nimmt man an, daß ein Exporteur durchschnittlich zehn Prozent Reingewinn erzielt, so wäre der Gesamtnutzen des österreichischen Exportes im Jahre 1937 infolge des deutschen Clearingschlüssels verloren gegangen. Man versteht so manche unangenehme Erscheinung des österreichischen Wirtschaftslebens, wenn jnan die Dinge im Lichte der' unwiderleglichen Ziffern betrachtet. „Societas leonina."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.