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Die Wahrheit · 1938-02-25 · Heft 9 (25.2.1938) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1938
Issue
Heft 9 (25.2.1938)
Date
1938-02-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 9 — 25. Februar 1938 DIE WAHRHEIT : Die nationalsozialistische Agitation in Dänemark. Ein Briefwechsel mit dem dänischen Justizminister. In der dänischen Zeitschrift ..Freisinnige Jugend" Nr. 8 vom November 1937 war ein o f f e n e r Briefan Justizminister K. K. Stein cke veröffentlicht worden, in dem er über die Agitation der dänischen Nationalsozialisten interpelliert wurde. In der Dezember-Nummer des gleichen Blattes hat der dänische Justizminister diesen Brief in interessanter Weise beantwortet. Die beiden Briefe haben folgenden Wortlaut: „Herr Justizminister K. K. Steincke! Wie Ihnen gewiß bekannt ist, sind in den letzten Jahren hier im Lände mehrere Nazischriften aufgetaucht, die sich ausschließlich davon ernähren, in krankhafter Sexualität herum- JOdlsche Volkshochschule L, Kai 3, R 28-2-36__ Beginn des Sommersemesfers : Msntag, 28. Februar, 19 Uhr. Auskünfte und Prospekte ganztägig im Sekretariat. zuwühlen und die versuchen — nach ausländischem Muster —, die mittelalterlichen Judenverfolgungen Mieder zum Leben zu erwecken. Sie erzählen den Lesern, daß die Juden hinter dem größten Teil der Verbrechen, die ausgeführt werden, stehen, daß die Juden an den heutigen schlechten Gesellschaftsverhältnissen schuld und daß sie Schmarotzer an der dänischen Gesellschaft sind und nur daran denken, sich der Macht zu bemächtigen, um die sogenannte „germanische" Rasse zu vernichten, ohne daß man zutreffende Begründungen, geschweige denn Beweise, für diese gemeinen, aber so tödlich ernsten Angriffe auf einen Teil des dänischen Volkes anführt Ausgehend von der Voraussetzung, daß alle dänischen Bürger das gleiche Recht haben müssen, sich frei und unabhängig ihren eigenen Lebensweg zu schaffen, und daß es die erste und heiligste Pflicht des Staates ist, als Schützer des Rechts aufzutreten und den Bürgern ihre persönliche Freiheit zu sichern, stelle ich Ihnen, Herr Justizminister, folgende Fragen: Welche Schritte gedenken Sie zu unternehmen, um diese kulturzerrüttende Agitation zum Stillstand zu bringen, bevor sie unersetzlichen Schaden anr-chtet? Da diese Angriffe, die die dänischen Juden, und zwar jeden einzelnen und auch die Gesamtheit treffen, umgehend zu einer Klage und einer Verurteilung führen würden, wenn sie sich gegfen eine Einzelperson richteten, muß es da nicht als «ine Pflicht des öffentlichen Anklägers betrachtet werden, ein gerichtliches Verfahren "n jedem einzelnen Fall anzustrengen, da der An- ' griff einen so großen Teil des dänischen Volkes trifft? Es würde mich freuen, Ihre Antwort auf diese Frage zu erhalten, sowie Ihre Auffassung dieses ganzen Problems zu erfahren. Hochachtungsvoll K. Harböll. Der dänische Justizminister antwortet: ,,Man fragt mich, welche Schritte ich zu unternehmen gedenke, um die kulturzerrüttende Agitation zum Stillstand zu bringen, die die einheimischen nationalsozialistischen Schriften ins Werk gesetzt haben, um die mittelalterlichen Judenverfolgungen wieder zum Leben zu erwecken. Es muß der Aufmerksamkeit der Zeitung entgangen sein, daß ich bereits seit langem dieser Agitation gegenüber eingegriffen habe mit dem Ergebnis, daß am Kopenhagener Stadtgericht am 7. September dieses Jahres ein Urteil verkündet wurde, wonach 1. Ernst A. B. Lsmvigh, Müller, 40 Tage, 2. Niels Chr. Emil Olsen 80 Tage, 3. Aage Henning Anderson 60 Tage, 4. Poul Nannestad Möller 20 Tage Haft erhielt und 5. Vlademar Jensen gleichfalls als schuldig erkannt wurde, jedoch die Strafe in die vier Monate Haft eingerechnet wurde, die er gerade abbüßte. Gegen diese Urteile ist beim Landsgericht Berufung eingelegt worden. Andere Maßnahmen sind beabsichtigt, aber über sie kanrrich mich jetzt noch nicht öffentlich aussprechen. K. K. Steincke." Die besten Eisen Horst- 3mal täglich frisch bei IMMinlloPiiHaiE» Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-Jisroel-(Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten. Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. Mitteilungen der Union. Versammlungen der „Union österreichischer Juden". In der Vorwoche fanden zwei sehr stark besuchte Versammlungen von Bezirksorganisationen der „Union österreichischer Juden" statt. Am 16. d. M. veranstaltete die Bezirksorganisation IV/V/X der „Union" unter Vorsitz des Obmannes, Herrn Desider W o 11 n e r, im großen Saal des Heimes des BJF., IV., Hauslabgasse, eine Versammlung, in der die Herren Vizepräsident Dr. Josef T ich o und Kultusvorsteher Dr. Ernst Feldsberg sprachen, am 17. d. M. hielt die Bezirksorganisation VII/VIII unter Vorsitz des Obmannes, Horm Dr. Oskar Gottfried, im Cafe „Kandlhof" eine Versammlung ab, in der die Herren Präsident Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim und Dr. Ernst Feldsberg referierten. Die Redner beider Versammlungen beschäftigten sich mit aktuellen Fragen und fanden ihre Ausführungen lebhaftes Interesse der überaus zahlreich erschienenen Zuhörer. Das Versammlungsverbot hindert die „Union österreichischer Juden" nun für einen Monat an der Fortführung ihrer Versammlungsaktion, die in letzter Zeit in /den verschiedenen Bezirksorganisationen besonders intensiv war und überall starken Anldang gefunden hat. Dagegen hofft die Leitung der „Union", daß deren Mitglieder und Freunde sich bemühen werden, die Zeit der Versammlungsruhe zu intensivster persönlicher Werbung für die „Union" in Bekannten- und Freundeskreisen zu benützen. In der heutigen Zeit benötigt das österreichische Judentum eine machtvolle Schutzorganisation und diese ist in der „Union österreichischer Juden", die seit mehr als fünfzig Jahren die Interessen des österreichischen Judentums mit i.\\er Energie vertritt, gegeben. In der oben erwähnten Versammlung der Bezirksorganisation VII/VIII wurde angesichts des kürzlich vollzogenen Zusammenschlusses der beiden Bezirksorganisationen eine neue Leitung gewählt, die sich wie folgt zusammensetzt: VII. Bezirk: Obmänner: Franz Glaser; Dr. Oskar Gottfried; Grem.-Rat Hugo OroBraann. Schriftführer: Dr, Heinrich Wurmann; Emanuel Bricht. Kassiere: Josef Bermann; Moritz Ragendorfer. Leitungsmitglieder: Julius Alt; Sajmuel) Bjeer; Emil Eckstein; Ernst Felber; Arthur Grab; Wilhelm Herbatschek; Leopold Hohenberg; Julius Janowitz; Leo Königsberger; Bela Lefkow5cz; Igna^ Polllach; Siegfried Reis> mann; Friedrich Roth; Adolf Schneider; Dir. Dagobert Stein; Josef Ungar. GROSSFLEISCHHAUEREI flEGM. KORNMEHl WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., wAhRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen mr Koscherfieisch unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen VIII. Bezirk: J Obmänner: Samuel Deutsch; Dir. Alois D o litt e b a u m. Schriftführer: Pinkas Stapler. Kassier: Leo K r a m e r. Leitungsmitglieder: Siegmund Bodansky: Jacques Burger; Hermann Eder; Adolf Groß-" bauch; Edmund Kotany; Richard Wiener. ' Die Bezirksorganisation Leopoldstadt der „Union" und die „Jugend-Union", . Bezirksorganisation Leopoldstadt veranstalteten am 19. d. M. im Blauen Saal des Cafe „Sächsischer Hof" einen Unterhaltungsabend, der dank der Vorarbeiten des rührigen Komitees mit Herrn Felix Lenk an der Spitze, einen sehr schönen Verlauf nahm. Ein gutes Programm, bestritten von bewährten Kunstkräften, gefiel dem zahlreich erschienenen Publikum sehr und zu den Klängen von Freys Union- Band amüsierte sich jung und alt sehr gut bei Tanz und Tanzspielen. Der Abend bewies, daß die Leitungen der eifrigen Bezirksorganisation II der .,Union" und „Jugend-Union" ihren Mitgliedern und Freunden im neuen Heim auch in gesellschaftlicher Hinsicht das Bestezu bieten bestrebt sind. GEMEINDECHROMK. Bei der offiziellen Hundertjahrfeier für Popper- Lynkeus im Konzerthaus feierten Direktor Felix) Frankl, der Obmann des veranstaltenden Vereines „Allgemeine Nährpfiicht", Ingenieur Viktor Saxl im Namen der tschechischen Sektionen und Professor Heinrich Glücksmann, ein alter Freurid Popper-- Lynkeus', den Erfinder, den Ethiker, den Sozialphilosophen, den Dichter, den Oesterreicher, den großen Humanisten, der sich mit dem ganzen Gewicht seiner Per-, sönlichkeit der Vermassung und Auslöschung des Individuums entgegengestemmt hat. Poppers Denken ist allmenschlich und der Geringste ist iihm so bedeutend wie der Genialste, denn er hat nur sein einziges und eigenes Leben zu leben. Hätte die Welt auf Popper rechtzeitig gehört, manches wäre anders abgelaufen. Aber den Menschen zu helfen, das gehört zu den schwersten Dingen, meint der „Vater der Nährarmee", denn sie sind ihre größten Feinde. Trotz allem: unvergänglich bleibt siin Verdien«t: den technisch-ökonomischen Verwirklichungsweg für die Utopie der Existenzsicherung der ( Menschheit gefunden zu haben. Allmählich aber baue die Gesellschaft und die Staatswirtschaft heute schon Einrichtungen ein, die die Existenzsicherung aller heuteschon allmählich vorbereitea Die „Union" und die „Jugend-Union" veranstalteten anläßlich des 100. Geburtstages des großen Sozialreformers, über dessen Bedeutung in unserer nächsten Nummer Prof. Heinrich Glücksmann berichten wird, eine Gedenkfeier, 'bei der Dr. F. J. Weiß eine tiefempfundene Rede über den Menschen, Juden und Volkswirtschaftler Poppsr-Lynkeus hielt. Verein für jüdische Geschichte und Literatur. In der am 14. Februar stattgefundenem Generalversammlung wurde folgender Ausschuß gewählt: Obmann: Rektor Prof. Dr. Samuel Krauss. Obmannstellvertreter: Rabbiner Dr. Moses Rosenmann, Obermedizinalrat Dr. Heinrich Haase. Vorstandsmitglieder: Kommerzialrat Theodor Ehrenstein, Dozent Dr. Isidor Fischer, Vizekonsul Dir. Joab Friedmann, Hofrat Dr. Siegmund Fuchs, Hans Heller, Alfred May, Dr. Ernst Pins, Sandor Wolf. Als neue Vorstandsmitglieder wurden aufgenommen: ProL. Dr. Karl Kopf er und Dr. Josua Ho ro witz.

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