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Die Wahrheit · 1938-02-25 · Heft 9 (25.2.1938) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1938
Issue
Heft 9 (25.2.1938)
Date
1938-02-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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ID1E WAHRHEIT i,:Ht..-8^35.februar 1938 Sei»,* BuchhaltungsfiflFO Martin Haim " Wien V., Margaretenstr. 121, Telephon B 25-1-81L Bilanzen.Reyisionen.Päuschalbuchhaltungen, Steuer-Wirtsdiafts-Beratung Mäßiges Honorar, Besuch unverbindlich Gegründet 1912__!- Dr. Milan Hodza und die Juden. Im. „Vestnik", Organ der Prager Jüdischen Gemeinde, widmet der Präsident der Gemeinde Dr. Emil Kafka dem Ministerpräsidenten Dr; Milan Hod2a väne warme Würdigung. Er führt u. a. aus: Dr. Milan Hod2a, der Vorsitzende der Regierung -unserer Republik, vollendet auf der Höhe seiner erfolgreichen Tätigkeit sein 60. Lebensjahr. Seme Autorität ist daheim wie in der Fremde allgemein anerkannt, -dieser Anerkennung schließen sich 'besonders die jüdischen Kreise der Hauptstadt und der ganzen Republik an. Das Judentum dieses Staates sieht in der Person von Dr. Milan Hodza die volle Garantie dafür, daß — ■was immer um uns geschehen möge — allen Bürgern ohne Unterschied der Religion und der Nationalität die -Grundprinzipien sowohl der Humanität <and der Toleranz, als auch der Menschenrechte zugute kommen werden. Durch sein ganzes Leben und seine ganze Arbeit hat Dr. Hodza bewiesen, daß er der berufene Vollstrecker jener erhabenen Grundsätze ist, Avelche die tschechoslowakische Staatsidee bilden und von welchen sich der Präsident-Befreier bei der Errichtung dieses -Staates leiten ließ. Dr. Milan Hodza ist Demokrat im wahren Sinne des Wortes; nicht ein Papierdemokrat, sondern einer, der den demokratischen Gedanken ins wirkliche Leben umsetzt Deshalb ist auch der Standpunkt, welchen der Jubilar in der Judenfrage einnimmt, ein voll- -kommen gerechter. Bei seiner allseitigen Tätigkeit hatte und hat er Gelegenheit, mit Juden verschiedener Richtungen zusammenzukommen. Er kennt Juden und Judentum aus der Erfahrung. Daraus ist sein Interesse für die Juden in der Tschechoslowakei wie für die Judenfrage überhaupt zu erklären. Er hat für aläe unsere Forderungen Verständnis und nimmt eine, in der heutigen Zeit so seltene, unvoreingenommene und. unparteiische Hal tung ein. Ich wflj nur ^ran erinnern, 'da£f m'der Ze'iT 'der" ' Minlsterpfas&eniischaft von Dr. Hodza das Gesetz über Organisierung der jüdischen Glaubensgemeinschaft zustande kam, eine Forderung, welche in Oesterreich trotz vieljähriger Bemühungen noch nicht;erfüllt ist. Wir schätzen Dr. Hodza und danken es ihm, daß in einer Zeit, in welcher in der Nachbarschaft unseres Staates und in manchen anderen Ländern das Judentum schwere Augenblicke durchlebt, die tschechoslowakische Regierung unerschütterlich an der Gleichheit aller Staatsbürger ohne Unterschied festhält. Auch hieran erweist sich Dr. Milan Hodza als der wirkliche Vollstrecker der Ideen Masaryks. Daher «teilen sich jetzt sowohl das Prager als auch das ganze tschechoslowakische Judentum in die große Reihe der "Gratulanten, um aus vollem Herzen Dr. Milan Hodza ^Gesundheit und Glück für weitere Jahrzehnte seines Lebens zu wünschen; möge dieser hervorragende Mann noch lange Zeit an der Spitze der Regierung unserer "Republik stehen zum Wohle des Staates und zum Glück seiner Bürger. Oer Standpunkt der polnischen Regierung zum Emigrationsproblem. Palästina bedeutet nicht die Lösung. Bei Beratung des Budgets des Arbeitsministeriums im polnischen Sejm erklärte der Arbeitsminister und frühere Ministerpräsident K o s c i a 1kowski: Während in der Vorkriegszeit jährlich drei Prozent der polnischen Bevölkerung nach Uebersee wanderte, ist 1937 nur ein Drittel Prozent der Bevölkerung ausgewandert. Nach Palästina wanderten aus Polen 1935 35.000 Juden, 1937 aber nur 3000 Juden aus. Man sieht daraus, erklärte der Minister, daß die Auswanderung allein nach Palästina die Judenfrage Polens nicht lösen kann; Palästina kann nicht den Ueberschuß der jüdischen Bevölkerung Polens absorbieren. Der jüdische Abgeordnete Dr. Qottlieb widersprach entschieden der Auffassung des Ministers, daß die Judenfrage Polens nur durch Emigration gelöst werden könne. Es ist eine Lüge, rief er, daß die Juden mit n i c h t s* n ä c h P o-!.«»• gekommen sind und-sich hier r/ereichert haben. Die Juden waren es, die den Handel Polens organisiert haben. Die jüdische Minderheit allein leistet 28 Prozent der staatlichen und kommunalen Steuern. Dabei ist die Zahl der Juden in Staats- und Kommunalanstellungen gleich null. Der Jude in Polen ist steuerlich so belastet daß er nur wie durch ein Wunder noch bestehen kann. Von keiner - staatlichen Seite wird den jüdischen Erwerbslosen geholfen, ihre einzige Hilfe sind die jüdischen Gemilas Chesed-Kassen, die zinslose Darlehen gewähren. Nicht einmal die Kinderhilfsinstitution „Centos" erhält irgendwelche Unterstützung vom Staat. Nicht mit ,JEmigrationismus". schloß Doktor Gotth'eb, sondern mit konstruktivem Aufbau kann der Staat die Judenfrage lösen. Das polnische Regierungslager für Auswanderung der Juden. Der neue Chef des Lagers der Nationalen Vereinigung, General Skwarezinski, legte in einer Beratung der Leiter der einzelnen Organisationen des Lagens das Arbeitsprogramm für die nächste Zukunft vor. Wir stehen, erklärte der General, auf dem Standpunkt der engsten Zusammenarbeit mit den loyalen Minderheiten. Jedoch die jüdische Minderheit behindere mit Rücksicht auf ihre spezifische Struktur die normale Entwicklung der polnischen Nation. Das Lager der Nationalen Vereinigung widersetzt sich zwar jedem Terror gegenüber der jüdischen Bevölkerung, erklärt sich jedoch für die Organisierung einer Auswanderung aus Polen im Rahmen der wohlverstandenen Interessen des Staates. INTERNATIONALE_ TRANSPORTE B.Kolbanow.t-P.G. Warnt Tel. A»42>201 Büro und Lagerhaus: Wien IL, Ob. DonBUStT. 63 Speditionen aller Art Im Inu. Ausland. Billigste Einlagerungen. Verzollungen. Norwegisches Urteil über Streicher. Dr, Johann Schär f te.nj^er^g,-, einer ...der b ekanntesten Modiziinexi tstoirwege'ns, veröffentlicht in norwegischen Zeitungen fcin Schreiben, dem zu entnehmen ist: , \-:. j . „Man hat viel über die Extranummer des Stürmers Nr. 8 vom Jänner 1938 geschrieben, die mit blutroten Buchstaben „Todesstrafe für Rassenschänder" forderte .... Ich habe jetzt diese Nummer zugeschickt bekommen, aber muß gestehen, daß ich in gewisser Weise enttäuscht war, — sie ist nicht besonders viel gemeiner als die anderen Nummern, die ich von Streichers Schmutzblatt gesammelt habe. Die berüchtigte „Ritualmord-Nummer" war bedeutend schlimmer, sie schildert in Text und Bildern, wie die Juden angeblich während Hunderten von Jahren das Blut christlicher Kinder bei der „Schächtung" (Oeünung der Halsschlagader) aufgefangen hätten, um.es zur Bereitung des Osterbrotes zu verwenden. Das ist eine gemeine Lüge, die viele Male vor Gericht aufgedeckt wurde, die man jedoch ständig anwendet, um den unwissenden Pöbel zu Pogromen zu hetzen..Das Verbot des Blutger.usses ist eines der ältesten Speisegesetze der mosaischen Religion und das Osterbrot ist so heilig für die Juden, daß sie es am allerwenigsten mit Blut verunreinigen würden. „Der Stürmer" hat eine Auilage von ungefähr einer halben Million, seine Aushängekästen befinden sich aui Postämtern unJ anderen öffentlichen Gebäuden, und die Lehrer wenden ihn als Lesestofi iür die Kinder an. Streicher selbst, mit seiner kriminellen Vergangenheit, ist eine der bekanntesten Nazigrößen. Ich habe ein für allemal mein Urteil über ihn folgendermaßen geformt: Man würde einem nützlichen Haustier Unrecht tun, wenn man Streicher als Schwein bezeichnen würde. Er ist ein Untier, seine Machtstellung ist eines der vielen Zeugnisse für Deutschlands^ tiefe Entwürdigung und außerdem für die moralische Feigheit vieler Deutschen." Präsident von Argentinien gegen rassische Verfolgung. Der neugewählte Präsident von Argentinien Dr. Roberto Ortig, erklärte Vertretern der jüdischen Presse, die ihn interviewt haben, er g elobe, keinerlei rassische Verfolgung zu dulden; eine solche sei dem Charakter des argentinischen Volkes fremd und Ypittfd)aftBcl)e ßergtungsfteWe in der „Union" » Obmannes, des Organisation* - Komitees der „Union österreichischer Juden". Herrn Kommerzialrat ALEXIUS SALZER: jeden Montag, und Freitag von 10—12 Uhr vormittags int Sekretariat der „Union" /., Schottenring 25, Mezzanin, Tel. A 19-2-77. Jedes Mitglied der „Uniorf1 erhält in allen Angelegenheiten der Wirtschaft, wie In allen gewerberechtlichen u. kaufmännischen ooURommen unentgeltliche am*««»/*- Derfi cfrerungsberatung in allen Zweigen der Elementarversitnerung wie Feuer. Einbruch, Glas, Haftpflicht Unfall, Transport und Polizzmprufung Die Mitglieder der „Union" erhalten Im Bedarfsfälle auch i ~ "■" ----------- wirke abstoßend. Die Juden Argentiniens, sagte der Präsident weiter, können versichert sein, daß ich meine Kräfte in den Dienst der gesamten argentinischen Nation stellen werde, deren Verfassung auf Gerechtigkeit und Freiheit aller auf dem Boden Argentiniens lebender oder zu leben wünschender Menschen basiert. Eingesendet. Die Jüdische Arbeitsgemeinschaft Baden bei Wien versendet folgende Resolution. Die am 20. Februar 1938 von der Jüdischen Arbeitsgemeinschaft einberufene zahlreich besuchte Versammlung protestiert gegen den am 1. Februar 1938 vom verstärkten Kultusausschuß gefaßten Beschluß der fristlosen Entlassung des Herrn Oberrabbiners Dr. Hartwig Carlebach. Sie verurteilt dieses Vorgehen aufs schärfste und betrachtet diese unbegründete Maßregelung als krasse Verletzung jüdischen Verantwortungsgefühls. Die Badener Bezirkshauptmannschaft hat als Aufsichtsbehörde den Beschluß des verstärkten Kultusausschusses mit sofortiger Wirksamkeit aufgehoben und den Herrn Oberrabbiner wieder in sein Amt eingesetzt. Hiefür spricht die Versammlung der Bezirkshauptmannschaft ihren Dank aus und begrüßt es mit Genugtuung, daß das Unrecht, welches der verstärkte Kultusausschuß dem Herrn Oberrabbiner zugefügt hat, durch die politische Behörde wieder gutgemacht wurde. Für die Jüdische Arbeitsgemeinschaft: Der Obmann: Alexander Braun m. p. JÜDISCHE KULTURSTELLE I., KAI 3, R 28-2-36 Montag, den 28. Februar. 20 Uhr, im Großen Saal des J. K. J.: Rezitation^abeiid Jehuda Ehrenkranz ..Ostjüdische Dichtung". Josef Schmidt im Judischen Kuiturtheater. Der berühmte Sänger Josei Schmidt, der nach seiner großen Amerika-Tournee einige Tage in Wien weilte, wohnte Samstag abends einer Aufführung des von Jakob Rosentlial übersetzten und bearbeiteten Scholem Alejchern-Stücks „Das Große Los" bei. Der Künstler, selbst ein ausgezeichneter Kenner der jiddi- •■-hen Literatur, gab seiner Begeisterung über Stück und BmsteHung durch iclgende Eintragung ins Gästebucli d.'s Kulturtheaters Ausdruck: „Das erstemal, daß ,Seho-!e;n Alejcliem' auch in deutscher.'Sprache .Scholem A'ejehem" ist. Es war ein hoher künstlerischer Genuß."

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