Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1938
- Issue
- Heft 8 (18.2.1938)
- Date
- 1938-02-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 8 — 18. Februar 1938 DIE WAHRHEIT Mitteilungen der Union. Bezirksorganisation Mariahilf Dienstag, den 10. Februar veranstaltete diese Bezirksorganisation im Saale des „Caie Mariahilf" eine ausgezeichnet besuchte Mitglieder-Versammlung, bei der der Vorsitzende Herr Nathan Pollak die anwesenden Obmänner der Nachbargruppen, sowie Mitglieder des Zentralvorstandes und den Rabbiner Dr. J. Drobinsky begrüßen konnte. Zunächst referierte Herr Prof. Dr. M. Papo über das Thema: „Um die Zukunft unserer Jugend", welches er in religiöser und ethischer Form behandelte und die volle Uebereinstimmung mit dem seit 50 Jahren von der „Union" hochgehaltenen Programm nachwies. Der Redner wurde seinem Berufe als Religionsprofessor voll gerecht, denn er verstand es, auch den anwesenden Eltern in überzeugender Form die wahren Ziele der Jugenderziehung in religiösem und vaterländischem Geiste auseinanderzusetzea Als zweiter Referent sprach Herr Kultusrat Doktor Ernst Feldsberg über „Aktuelle Fragen" und erörtert in temperamentvollen, schlagkräftigen Ausführungen die Probleme der Nationalität und Religiosität mit derselben Ueberzeugung, mit der er die derzeitigen Methoden der Steuerpraxis der Kullusgemeirtde, des geplanten jüdischen Jungvolkes, sowie der Jugenderziehung ablehnte und vor der durch die Tatsachen nicht gerechtfertigten Verführung der Jugend, in Palästina ihre Existenz zu suchen, warnte. Rauschender Beifall lohnte die Ausführungen des Redners und brachte die Versammlung einstimmig ihr Einverständnis mit den von der „Union" eingeleiteten Abwehrbestrebungen zum Ausdruck. Zum Schlüsse sprach der Organisationsleiter der „Union", Herr Kommerzialrat Alexius Salzer über den Aufbau der Bezirksgruppe und forderte zur allgemeinen Mitarbeit auf. In das führende Bezirkskomitee wurde Herr Rechtsanwalt Dr. Fritz Engel kooptiert Die anwesenden Herren der Bezirksorganisation XIV und XV unter Führung des Herrn Sigmund Donath beschlossen, bis zur Billdung einer selbständigen Gruppe mit dem Mariahilfer Komitee gemeinsam zu arbeiten. Die in jeder Beziehung gelungene Veranstaltung bewies, daß die „Union österreichischer Juden" in den besten bürgerlichen Bezirken über eine treue Anhängerschaft für die Prinzipien der Ablehnung jeder Absonderung von unseren Mitbürgern die vollste Billigung findet. Bezirksorganisation Aisergrund Montag, den \4. d. M., fand im „Cafd City" die Neukonstituierung der Bezirksorganisation Aisergrund der „Union österreichischer Juden" in Anwesenheit zahlreicher Mitglieder des Bezirkes statt. Die Sitzung ■wurde von Herrn Josef Fuchs geleitet, dessen Wunsch, von der von ihm bisher innegehabten Obmannstelle mit Rücksicht auf seine Verpflichtungen in jüdisch-sozialer Hinsicht zurückzutreten, von der Versammlung mit größtem Bedauern zur Kenntnis genommen wurde. An seinerstatt wurde Herr Komm.-Rat Alexius S a 1 z e r zum Obmann der Bezirksorganisation gewählt, der es als seine erste Aufgabe betrachtete, dem scheidenden Obmanne für seine eifrigen Bemühungen im Interesse der „Union" herzlichst zu danken und seiner Freude darüber Ausdruck zu geben, daß Herr Fuchs sich bereit erklärt hat, gemeinsam mit Herrn Otto Pollak die Stellvertretung des Obmannes zu übernehmen. Zum Schriftführer und Kassier wurde Herr Hugo Massar ik, zu dessen Stellvertreter Herr Ernst Grünv. ald gewählt. Als Ausschußmitglieder gehören der neuen Leitung folgende Herren an: Ludwig Bombach, A. Hermann David, Dr. Siegfried Diamant, Oskar F1 e i s c h e r, Alfred K o h n, Arnold N e u m a n n, Salamon Oesterreicher, Karl Pick, Ignaz Walzer, Komm.-Rat Michael Max Weiss, Paul Zeisl. Komm.-Rat S a 1 z e r dankte für das ihm entgegengebrachte Vertrauen und entwickelte in geistreichen Ausführungen das Programm der „Union" und das nächste Aktionsprogramm der Bezirksorganisation, die üi Kürze durch eine große Versammlung und durch eins intensive Werbetätigkeit die Mitglieder und Freunde der „Union" im IX. Bezirk zur Mitarbeit an ihren in der heutigen Zeit so besonders wichtigen Bestrebungen aufrufen wird. Eine Jebhaite Debatte bewies, daß der Appell des neuen Obmannes, ihn in der Aufbauarbeit der Bezirksorganisation zu unterstützen, auf fruchtbaren Boden gefallen war. Die jüdischnationalen Vorbereitungen für das „Österreichische Jungvolk«. Am 13. Februar 1938 fand im Saal des Hotel „Continental" eine von dem Delegierten des jüdischen Nationalfonds in Jerusalem, Nathan Bistrirzby, einberufene Versammlung statt, der zirka 1000 Jugendliche sämtlicher zionistischen nationalen Jugendverbände in Oesterreich beiwohnten. Ihre Delegierten begrüßten die Zusammenfassung aller dieser Verbände in der zionistischen Gesamtorganisation, dem „jVierkas Lanoar". Sie betonten hiebet die Treue zur zionistischen Organisation und riefen die zionistische Jugend Oesterreichs zur Disziplin den Beschlüssen des Zionistenkongresses gegenüber auf. Die Frage der österreichischen jüdischen Jugend wurde von den meisten Delegierten übergangen (der größte Teil ihrer Anhänger besteht ja doch aus Ausländern). Ein Redner, der von der Gleichberechtigung sprach, meinte, daß wenn wir auch die Gleichberechtigung in Oesterreich nicht hätten, das wichtigste doch die »zionistische Einheit" sei. So sieht es also mit der Vertretung jüdischer Jugendinteressen aus. Die Gleichberechtigung, welche die österreichische jüdi:che Jugend fei« jetzt hat, wird hintangesetzt, wenn sich die Jüdischnationalen unter der Führung des Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Friedmann, für einen Dachverband der Jüdischen Jugend in Oesterreich einsetzen, in welchem auch Ausländer aufgenommen werden sollen, welche naturgemäß kein Mitbestimmungsrecht in österreichischen Jugendfragen haben. Bezeichnend für das Ganze ist daß die Versammlung unter dem Vorsitz eines Mannes aus Palästina stattfand, der nicht einmal der deutschen Sprache fähig ist und der in seiner Rede ausführte, daß er erwarte, daß alle Jugendlichen hebräisch sprechen und sich nicht an die deutsche Sprache „assimilieren". Nach diesen Beispielen kann man sich schon jetzt ungefähr ein Bild Inachen, wie es um den „Jüdischen Jugendverband in Oesterreich" bestellt sein wird, der von diesen Leuten geführt wird. Die einzige jüdische-österreichische Jugendvereinigung, in welche die jüdisch-österreichische Jugend gehört, ist der Jüdische Jugend-Kreis (IX., Berggasse 4), welcher alle Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren, welche ihr Vaterland und ihren Glauben lieben und sich nicht in jüdischnationale palästinensisch-judenstaatliche Illusionen hineintreiben lassen wollen, vereinigen soll. M. B. Die besten EiaiMr^eriSellvaiei 3 mal täglich frisch bei ifiSEb. HinpmtrsmiE 33 Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-Jisroel-(Schiffschol). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt Eingesendet. Herr Oberrabbiner Prof. Dr. Heinrich Weiß aus Wiener-Neustadt hat vor dem ehrwürdigen Rabbinate in Wien folgende Erklärung abgegeben: Vor mehreren Wochen teilte mir der Vorstand der Badner Kultusgemeinde mit, daß Herr Oberrabbiner Dr. C a r 1 e b a c h um einen sechsmonatlichen Urlaub angesucht hat, ich möge daher während dieser Zeit die rabbinischen Agenden in der Badner Kultusgemeinde übernehmen. Um der Gemeinde einen Dienst zu erweisen, habe ich zugesagt. Es wurde von diesem Urlaub kein Gebrauch gemacht. Am 1. Februar 1938 teilte mir der Präsident der Badner Kultusgemeinde mit, daß am Abend eine Sitzung stattfindet, in welcher die Entlassung des Herrn Oberrabbiner Dr. Carlebach beschlossen werden soll. Ich betonte, in diesem Falle keine Vertretung zu übernehmen, schickte überdies noch vor der Sitzung einen Boten mit einem Brief, um meinen Standpunkt zu präzisieren. Ich bin auch meinem Standpunkt treu geblieben und habe eine am 6. Februar 1938 in Baden stattgefundene Trauung trotz wiederholter Urgenz nicht vorgenommen. Wien, am 14. Februar 1938. GROSSFLEISCHHAUEREI HEGM. KORNMEH1 WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WÄHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für Koscherfleisch unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Isp. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Wie wir erfahren, hat auch Oberrabbiner Dr. Schweiger, Mödling, die fhm vom Präsidium der Badner Kultusgemeinde angetragene Vertretung des vakanten Oberrabbinerpostens a b g e 1 e h r. t. GEMEINDECHRONIK. Prof. Emanuel Löwy gestorben. In Wien verstarb im Alter von 81 Jahren Prof. lfmaimel Löwy, einer der bedeutendsten Archäologen und Kenner der griechischen Kunst. Prot. Loewy, der in Wien geboren wurde, war von 1889 bis 1915 Professor der Archäologie und Kunstgeschichte an der Universität Rom, 1918 bis 1928 Ordentlicher Professor der klassischen Archäologie an der Wiener Universität. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher und Aufsätze; seine Werke „Griechische Plastik" (Leipzig 1911) und „Polignot" (Wien 1929), gehören zu den Standardwerken der Wissenschaft. Während seines Aufenthaltes in Rom war Prof. Loewy der bedeutendste Berater des italienischen Königs bei der Anlegung von dessen Münzensammlung und schuf auch das berühmte Gipsmuseum griechischer Kunst in Rom. Der Verstorbene war Mitglied der päpstlichen Akademie, sowie der Akademien für Wissenschaft in Wien, Athen, Stockholm und Oxford und Ehrenmitglied bedeutendster wissenschaftlicher Institute der Welt. Das Leichenbegängnis fand auf dem Döblinger Friedhof im Beisein zahlreicher Vertreter der Wissenschaft statt, wobei Oberkantor Leo Funke innig die rituellen Gesänge vortrug. Für den Dekan der philosophischen Fakultät würdigte Prodekan Professor Doktor Hirsch die wissenschaftliche Bedeutung des Verstorbenen, namens der Akademie der Wissenschaften nahm Professor Dr. Praschniker von dem verdienstvollen Mitglied Abschied. An der Trauerfeier nahmen unter andern der Präsident der Akademie der Wissenschaften Professor Dr Redlich, Hofrat Professor Dr. Tschermak- Seysenegg, die Professoren Dr. Sedlmayer, Dr. Keil, Dr. Wilhelm und Dr. Egger sowie für das Kunsthistorische Museum Direktor Professor Dr. Eichler teil. TodesSälle. Mittwoch, den 16. d. M., fand auf dem Zentralfriedliofe, IV. Tor, das Leichenbegängnis des langjährigen, treuen Mitgliedes der „Union österreichischer Juden", Herrn kaiserlichen Rat Josef Popper statt. Herr Popper, der im 79. Lebensjahr nach einer langwierigen, schweren Erkrankung starb, war viele Jahre hindurch selbstlos für. jüdische Interessen tätig und erwarb sich durch seine Arbeit im Dienste der jüdischen Fürsorge, bei der Chewra Kadischa, im Lanldstraßer Tempelverein usw. zahlreiche Freunde, was insbesondere durch die überaus große Beteiligung an seinem Leichenbegängnis zum Ausdrucke kam. Oberrabbiner Dr. Taglicht würdigte in warmen, zu Herzen gehenden Worten die vielseitige Tätigkeit des Verblichenen, auf allen jüdischen Gebieten und zollte ihm den Dank der jüdischen Gemeinschaft für sein Wirken. Ing. Hugo Koditschek sprach namens der Delegierten der Chewra'Kadischa und dankte dem Verstorbenen für seine jahrzehntelange Betätigung in der Erfüllung der heiligsten Pflicht, und zwar der religiösen Verpflichtung der Uebernahme des Chewra- Dienstes am Friedhofe, welchen Dienst Herr Popper noch bis in die letzte Zeit bei jedem Wetter ausübte. Von der „Union österreichischer Juden", vom Tempelverein III., Untere Viaduktgasse 13, sowie anderen Korporationen waren zahlreiche Mitglieder beim Leichenbegängnisse erschienen, was als ein beredtes Zeugnis von der Beliebtheit des Verstorbenen zu werten ist Die kantoralen Funktionen versah Herr Oberkantor Funke in würdigster Weise.