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Die Wahrheit · 1938-02-18 · Heft 8 (18.2.1938) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1938
Issue
Heft 8 (18.2.1938)
Date
1938-02-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 8 — 18. Februar 1938 Seite 5 BucMiflltungsbuFO Martin Haim Wien V., Margaretenstr. 121, Telephon B 25-1-81 L Bilanzen,Revisionen,Pauschalbuchhaltungen, Steuer-Wirtschafts-Beratung Mäßiges Honorar, Besuch unverbindlich Gegründet 1912 Frau Lesdinianskaja wurde im Städtchen Sebesch, Provinz Witebsk, geboren. Ihr Vater war ein armer jüdischer Schuhmacher; vom 11. Lebensjahr an mußte «ie sich ihr Brot als Dienstmädchen selbst verdienen. Sie war einer der ersten Siedler im jüdisch-autonomen Rayon Biro-Bidschati, wohin sie 1928 zusammen mit ihrem Mann und ihrem Kind kam. In Biro-Bidschan widmete sie sich der Landwirtschaft, speziell der Milchwirtschaft. Frau Leschnianskaja glaubt zuversichtlich an eine große Zukunft des jüdischen autonomen Rayons. Biro-Bidschan, erklärte sie dem JTA - Korrespondenten, ist noch nicht das, was wir von dem Rayon erwarten. Aber was bisher getan wurde, ist schon von großer Bedeutung. Vor zehn Jahren lebten im Rayon nur ein paar hundert Familien, unter ihnen keine einzige jüdische. Jetzt leben dort 20.000 Juden. Wenn man bedenkt, daß Biro-Bidschan damals noch ein völlig unerschlossenes Land gewesen ist, und daß es 'sich in diesen zehn Jahren in ein bedeutendes landwirtschaftliches und Industriezentrum mit unbegrenzten iE rii t Wie k l u n g s m ö g l i c h k e' i it e n verwandelt hat, kann man ermessen, wieviel bereits erreicht wurde. Zehn Gebote für Österreichs Juden, ein Appell an das christliche Österreich. Höre es, Jude von Oesterreich: Du bist Oesterreicher! jüdischen Aerzte und ein Gauleiter Streicher darf die größten Koryphäen der deutschen Medizin, . darunter Paul Ehrlich, als Verbrecher bezeichnen." Bestrafung eines geschäftshungrigen Prager nazistischen Anwaltes« In der Februarnummer der von Universitätsprofessor Dr. Foltin henausgegebenen „Prager juristischen Zeitschrift" wird eine Entscheidung des Disziplinarsenats des Obersten Gerichtshofes der Tschechoslowakischen Republik publiziert. Ein Prager Rechtsanwalt hatte in einem Flugblatt „Deutsche Liga zur Bekämpfung jüdischer Anmaßung" zur Boykottierung der jüdischen Rechtsanwälte durch die Worte: „Ehrlos handeln die Deutschen, welche jüdische Rechtsanwälte verdienen las- INTERNATIONALE. Gleichzeitig der österreichischen und jüdischen Nation anzugehören — je nach Bedarf — ist unmöglich. Eine" jüdische Na'Öoh gibt es' derzeit nicht. Der politische Zionismus ist der Judenfeinde liebstes Kind! Sich zum jüdischen Nationalismus bekennen, heißt vor dem Hakenkreuz kapitulieren! Nur die jüdische Religion hat die Juden durch zweitausend Jahre als Juden erhalten. Nur die Aufnahme der deutschen Kultur hat Dich zum Europäer gemacht! Wer vaterlandslos ist, muß nach Palästina; wer sich vaterlandslos macht, soll nach Palästina! (In der Tat; nicht mit Worten!) Laß Dich nicht zurückdrängen, aber dräng" Dich nicht vor! Du lebst im Glashaus. Beispiel! Dein Leben sei ein Christliches Oesterreich! Sei christlich zu Deinen Juden! — Du wirst Deine treuesten Bürger an ihnen haben. Alexander Klaus. Für das Geschäft ist der Name Paul Ehrlich sehr gut. In dem „Internationalen Aerztlichen Bulletin" (Prag XII., Caslavska 15) ist folgendes zu lesen: ,.Den Packungen der Panflavin-Tabletten, die von Deutschland exportiert werden, ist ein Reklameheftchen beigefügt. Darin wird darauf hingewiesen, daß dieses Präparat „einer Anregung Geheimrat Prof. Dr. Paul Ehrlichs zufolge in den Laboratorien der I. G. Farben Industrie A.-G. zuerst hergestellt" wurde. So macht man mit dem Namen des berühmten jüdischen Forschers Propaganda im Auslandsgeschäft, oline Scham zu empfinden. In Deutschland selbst verfemt man alle TRANSPORTE E.Kolbu.zowet-P. G. Wa««er Tel. A=42=201 Büro und Lagerhaus: Wien IL, Ob. Donaustr. 63 Speditionen aller Art im Inu. Ausland. Billigste Einlagtrung« verzol'------ s e n" aufgefordert. Er wurde deshalb strafgerichtlich wegen Aufreizung zu feindseligen Handlungen gegen einzelne Gruppen der Bevölkerung wegen ihrer Rasse und Religion zu zwei Monaten strengen Arrestes verurteilt. Das Disziplinarverfahren, das daraufhin gegen ihn eingeleitet wurde, endete in erster Instanz mit seiner Freisprechung, weil das Strafgericht in seinem Erkenntnis ausgesprochen habe, daß der Beschuldigte die Tat nicht aus niedrigen und ehrlosen Beweggründen, sondern vegen seiher politischen Gesinnung begangen habe. Der D; s z i p 1 i n a rsen a t des Obersten Gerichtshofes hat nun dieses freisprechende Erkenntnis aufgehoben und den Beschuldigten des Vergehens der Beeinträchtigung der Ehre und des Ansehens des Rechtsanwaltsstandes schuldig erkannt. In der Begründung wird gesagt: Solange der Rechtsanwalt seine politische Gesinnung öffentlich kundgibt und für sie mannhaft eintritt, kann Ihm gewiß, vom disziplinaren Standpunkt diese Handlungsweise nicht vorgeworfen werden. Im vorliegenden Falle hat aber der Beschuldigte die strafbare Handlung anonym unter der Benennung „Deutsche Liga zur Bekämpfung jüdischer Anmaßung" begangen, somit versteckt einen Angriff gegen Angehörige seines eigenen Standes unternommen. Die Aeußerung in dem Flugblatte, daß „ehrlos die Deutschen handeln, welche jüdische Rechtsanwälte verdienen lassen", spricht dafür, diaß es sich hier nicht um irgendwelche Ideale handelt, sondern um den Konkurrenzkampf beim Erwerb. Eine solche Art der Konkurrenz ist aber unvereinbar mit der Würde des Rechts, anwaltsstandes und stellt daher das Vergehen der Beeinträchtigung der Ehre und des Ansehens des Rechtsanwaltsstandes dar. Lieblose Worte des polnischen Regierungs-Chefs an die Adresse der Juden. Die Budgetkommission des Senats befaßte sich bei Anwesenheit des Ministerpräsidenten S1 awoj-Skladkowski mit dem Budget des Innenministers. Dabei ließ der Ministerpräsident folgende harte Worte an die Adresse de>- Juden in Polen fallen: Ich erkläre, daß ich keine Ahnung habe, ob der Boykott jüdischer Geschäfte gesetzlich ist oder nicht. (Der Herr Ministerpräsident sollte das polnische Strafgesetz zu Rate ziehen. Anm. d. Red-). Wäre er ungesetzlich, so müßten die Behörden in jedem kleinen Städtchen 200 junge Leute ins Gefängnis setzen. Der Premier schilderte dann einen Markttag in einer Kleinstadt und erklärte, die Juden hätten zuerst die polnischen Bauern boykottiert, indem sie sie hinderten, ihre Waren auf dem freien Markt zum Verkauf anzubieten. Die antijüdischen Boykottposten, sagte er, tun ja — auf anderem Felde — nichts anderes. Boykott sei also keine neue Erscheinungin Polen und könnenichtalsVerbrechen angesehen werden. Boykottieren sei nur strafbar, wenn es zu einer Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung führt. Wir haben den „Palästina-Marsch" des Adv. Rypel ffitttfcftqftncfte ffi er atungsfteile in der „Union" anter Leitung des Obmannes des Organisations - Komitees der „Union österreichischer Juden". Herrn Kommerzialrat ALEXIUS SALZER: jeden Montag und Freitag von 10—12 Uhr vormittags im Sekretariat der „Union" /., Schottenring 25, Mezzanin, Tel. A 19-2-77. Jedes Mitglied der „Union" erhält in allen Angelegenheiten der Wirtschaft, wie in allen gewerberechtlichen u. kaufmännischen Angelegenheiten, Steuerberatung oollkommen unentgeltliche Auskunft. Derficfterungsberatung in allen Zweigen der Elementarversidierung wie Feuer, Einbruch, Glas, Haftpflicht Unfall, Transport und Polizzanpräfung Die Mitglieder der „Union" erhalten im Bedarfsfalle auch unantgaltlleha ärztlich* L--------- zum Halten gebracht, nicht, weil wir dagegen sind, daß Juden auswandern, sondern weil er von unerfahrenen jungen Leuten organisiert war. In der Budget-Generaldebatte im Sejm an: Freitag, den 11. Februar, ergriff der Abgeordnete Rabbiner Dr. Rubinstein das Wort. Man hat, sagte er, die Losung ausgegeben, die Juden aus dem Wirtschaftsleben des Landes zu eliminieren. Manche wollen die jüdischen Massen sogar aushungern. Es ist ein circulus vitiosus entstanden: Die Tendenz, die jüdischen Massen zu pauperisieren, hat die Losung der jüdischen Auswanderung mit sich gebracht; diese Losung wiederum ist ein neues Argument für die Ausrottungspolitik. Wir müssen unterscheiden zwischen Auswanderung als wirtschaftlichem Bedürfnis und Auswanderung als Losung. Es ist eine Psychose entstanden, a 1 s ob die Juden nicht das Recht hätten, zu leben, als ob sie hier im LandeFremdewären. Gegen diese Psychöse, müssen wir uns entschlossen zur Weihr setzen. Der Ministerpräsident spricht sich gegen barbarische Kampfmittel aus; er wendet sich aber nur gegen die Resultate, rechtfertigt jedoch die Ursachen. Die Regierung duldet eine gefährliche Hetzagitation gegen die Juden. Der Bazillus des Hasses, einmal in die Seele eines Volkes eingedrungen, wird aber letzten Endes auch vor jenen, die ihn genährt haben, nicht halt machen. Zum Schluß wendet sich Rabbiner Rubinstein dagegen, daß die jüdische Bevölkerung im Budget nur auf der Steuerseite figuriere. Abg. Walewski, der über das Budget des Außenministeriums referierte, sagte, im Interesse des inneren Gleichgewichtes des Landes, sowie im Interesse der jüdischen Bevölkerung müsse für den jüdischen Bevölkerungsüberschuß in Polen ein Ventil geschaffen werden. Die Zahl der Juden, die aus Polen auswandern müßten, werde auf über eine Million geschätzt. (Die Jüdischnationalen wollten sogar einen Totalexodus veranstalten! Anm. d. R.). Abg. Minzberg führte aus, die stets neu auftauchenden Projekte, wie sich der Juden zu entledigen, vergiften das Leben der jüdischen Bevölkerung, doch können sie die schwierigen Probleme des Landes nicht lösen. Man habe, wenn man den Kampf gegen die Juden in Polen beobachtet, das Gefühl, al; kämpften primitive Höhlenbewohner gegen schutzlose Menschen. Abg. Minzberg richtete einen Appell an die Regierung, ein Einsehen mit der Lage der jüdischen Bevölkerung zu haben. Status von 20.000 „Illegalen** in Palästina gefährdet. Durch einen Urteilsspruch des Assiscn-Gerichtes ist der rechtliche Status von etwa 20.000 ..illegal" in Palästina Eingewanderten unsicher geworden. Das Gericht hat nämlich entschieden, daß illegale Einwanderer, wann immer sie entdeckt werden, deportiert werden können. Bisher galt es als Regel, daß ein „illegaler" Einwanderer, wenn er sich bereits zwei Jahre ununterbrochen im Land aufhielt nicht ausgewiesen wurde, sondern daß sein Status als Einwanderer nach Ablauf dieser Frist automatisch legalisiert wurde.

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