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Die Wahrheit · 1938-02-18 · Heft 8 (18.2.1938) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1938
Issue
Heft 8 (18.2.1938)
Date
1938-02-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 8 — 18. Februar 1938 Seile 7 In Krakau verstarb nach langem Leiden der Vizepräsident der Börse, Handelskammerrat Konrad D. B i n z e r, Ritter des goldenen Verdienstkreuzes der Republik Polen. In dem Verewigten verliert Hptm. Edler v. Friedin ann, Bundesfülirer des Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs, seinen Schwiegervater. Aus dem Board of Debuties. In einer unter dem Vorsitz von Leonard O. M o n t e f i o r e abgehaltenen Sondersitzung der Anglo-Jewish-Association wurde ein Schreiben von Sir Osmond E. d'Avigdor Goldsmid verlesen« in welchem dieser bekannt gibt, daß er seine Stelle als einer der Vertreter der Association im Board of Deputies oi Britsh Jews zurücklegt, ohne die Beweggründe seiner Demission mitzuteilen. Es wurde beschlossen, die Demission zur Kenntnis zu nehmen und an Stelle von d'Avigdor Goldsmid Otto Schiff zum Vertreter der Association im Board of Deputies zu bestimmen. — Wie die JTA eriährt, wird auf der nächsten monatlichen Konferenz des Board am 20. Februar beantragt werden d'Avigdor Goldsmid, der sieben Jahre Präsident des Board war, zum Ehrenmitglied zu wählen. (Der Rücktritt Goldsmid d'Avigdor ist wohl auf die Annahme der letzten Resolution betreffend Judenstaat als englisches Dominion zurückzuführen. Anm. d. Red.) Budapest. Der leitende Oberrabbiner der Pester Israelitischen Kultusgemeinde Dr. Simon Hcvesi tritt am 23. März in sein 70. Lebensjahr. In Budapest und in ganz Ungarn treffen die jüdischen Gemeinden Vorbereitungen zur Ehrung des Jubilars, der seit 45 Jahren Rabbiner ist und seit 34 Jahren au der Spitze der größten Religionsgemeinde Ungarns steht. Dr. Simon . Hevesi wurde 1868 in Aszöd geboren, wurde 1894 Rabbiner in Kassa (jetzt Kosice in der Slovakei), 1897 Rabbiner in Lugos, 1905 wurde er nach Budapest berufen. Hier begründet er den Ungarisch-Israelitischen Landes- Kulturverein und den jüdischen Patronage-Verein. Er ist Präsident des Ungarländischen Rabbiner-Vereins. Professor für Religionsphilosophie und Homiletik an der Landesrabbinerschule. Ueber Ungarn hinaus bekannt wurden seine Werke „Die Theorie des Buches Hiob" und „Immanuel Kant". Die Chewra Kadischa XVIII. veranstaltet anläßlich des 75. Geburtstages ihres Obmannes und Mitglieds des Bethaus- und Talmud Thora-Vorstandes, des Herrn Bundesstaat!. Fürsorgerat Josef Nossig, Samstag, den 26. d. M. um halb 9 Uhr vormittags, im Tempel XVIII.. Schopenhauerstraße Nr. 39 eine Feier. Trauergottesdienst. Der Josefstädtcr T e mpel verein veranstaltete Sonntag, den 12. d. M., halb 6 Uhr abends, im Neudeggertempel einen Trauergottesdienst für seinen vor Monatsfrist verstorbeneu Vizepräses, Herrn Börserat Paul Bjehavy s. A. Wie anläßlich des Leichenbegängnisses, über welches wir seinerzeit berichteten, zeigte sich auch bei dieser Trauerkundgebung, wie geehrt und geschätzt der Verblichene in den weitesten Kreisen unserer Gemeinde gewesen. Herr Rabbiner Dr. M. Bauer hat nur der allgemeinen Stimmung der großen Versammlung Ausdruck gegeben, wenn er in seiner groß angelegten Gedächtnisrede das Charakterbild des Verewigten in markanten Zügen zeichnete, indem er, an die hohe Aufgabe des Priesters: Licht leuchten zu lassen und Opfer darzubringen, anknüpfend, die selbstlose, hingebungsvolle Wirksamkeit des Verewigten als eine unvergängliche und aus den Herzen nicht zu löschende bezeichnete. Nebst der Familie des Verstorbenen, Herr Komtnerzialrat Franz Süss, Schwiegersohn samt Gattin und Söhnen usw., erschien der Tempelvorstand mit Herrn Komm.-Rat Siegmund Feldmann an der Spitze, Abordnungen der „U n i o n" (Börserat Popper), des Verbandes der Tempelvere'me (Herr Ing. H. Kodit«chek), des Josefstädter Frauenverelnes (Präsidentin Frau Nina Nobel), des Rekonvaleszentenheims Philanthropia u. m. a., sowie zahlreiche Gemeindemitglieder, die alle den vom Herzen kommenden Trauerworten des Redners tiefergriffen lauschten und mit der trauernden Familie 'Sich eins fühlten in der Ehrung dieses gesegneten und Segen spendenden Mannes. Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Am 31. Jänner hielt, wie schon kurz berichtet, Präsident Dr. Jakob Ornstein einen Vortrag über das Thema: Josef Nassi, Herzog von Naxos. Der Vortragende schilderte einleitend die allgemeine Zeitgeschichte und beleuchtete die Lage der Juden in Europa im lö. Jahrhundert. Im ersten Teil seines Vortrages zeichnete Dr. Ornstein das Bild einer jüdischen Frau, „die durch weibliche Anmut, Geist, Gemüt, Charakter und Seelengröße eine Zierde ihres Geschlechtes und Volkes war". Es ist dies Donna Gracia Metidesi-i, die die Esther ihrer Zeit genannt wurde. Sie entstammte der Marranenfamilie Benveniste und heiratete einen Marranen aus dem Hause Nassi, der ein weitverzweigtes Bankgeschäft begründet hatte. Als Gracias Gatte gestorben war und die Inquisition in Portugal die Juden bedrohte, begab sie sich mit ihrer Tochter Regina nach Antwerpen, wo sich eine FiMale ihrer Bank befand. Einige junge Neffen reisten mit. Schon in dieser Zeit war Donna Gracia den Marranen bei ihrer Flucht vor der Inquisition behilflich. Kaiser Karl V. begünstigte die Ansiedlung der Marranen in den Niederlanden und die Familie Mendes nahm in Antwerpen eine geachtete Stellung ein. Joao Miques, der Neffe Mendesias, der später den Namen Jw-ef Nassi führte, verkehrte in den vornehmsten Kreisen. Dennoch fühlte sich Mendesia in Antwerpen schlecht. Sie hegte den Wunsch, frei der jüdischen Religion angehören zu können. So wanderte sie nach Venedig aus, wo sie aber durch die Anzeige ihrer jüngeren Schwester, daß Gracia Mendesia mit ihrem Reichtum in die Türkei auswandern wolle, um dort Jüdin zu sein, Verfolgungen erlitt. Die venezianischen Machthaber wollten ihr Vermögen einziehen und da griff Sultan Suleiman auf Drängen des Joao Miques ein und verlangte, daß man Mendesia in die Türkei fahren lassen soll. Nach einigen Jahren des Aufenthaltes In Ferrara wanderte sie tatsächlich nach der Türkei aus: ihr Neffe, Joao Miques hatte ihr einen guten Empiang in Konstantinopel vorbereitet. Hier trat er zum Judentum über, nahm den Namen Josef Nassi an und heiratete Reyna, die Tochter Mendesias. Präsident Dr. Ornstein entwarf nun ein getreues Bild dieser eigenartigen Persönlichkeit. Josef Nassi spielte vermöge seines erfinderischen Geistes, seiner Erfahrung und Kenntnis der europäischen Länder e'ne große Rolle beim Sultan und entfaltete eine segensreiche Tätigkeit. Zeit seines Lebens hat er sich immer der verfolgten Juden angenommen und den bedrückten Volksgennssen. mit Rat und Tat beigestanden. Die Gesandten der übrigen Staaten konnten es nicht ertragen, daß der Sultan gerade Josef Nassi sein vollstes Vertrauen entgegenbrachte, und es wurden Intrigen gegen Nassi gesponnen. Alle verbrecherischen Anschläge gegen seine Person konnte Josef hingegen zunichte machen. Suleiman schenkte Josef einen Landstrich am Tiberias-See in Palästina, um die Stadt Tiberias unter jüdischer Herrschaft aufzubauen. Nassis Plan ging tatsächlich dahin, die Stadt Tiberias und sieben Dörfer in einen kleinen jüdischen Staat zu verwandeln, aber diese seine Träume zerrannen und sein Plan scheiterte. Nach Suleimanns Tode ernannte ihn Seiini II. zum Herzog von Naxos und den zwölf zykladischen Inseln. Groß sind Nassis Verdienste, die er sich bei der steten Rücksichtnahme auf die jüdischen Interessen erworben hat. Vieles hat er auch zur Machtentialtung der Türkei in jener Zeit beigetragen. Mit dem Tode Sellins hörte sein Einiluß auf den Diwan auf: er wurde durch andere Männer verdrängt und führte bis zu seinem Tode (1579) ein zurückgezogenes Leben, die jüdische Wissenschaft fördernd und unterstützend. Präsident Dr. 0 r n s t u i n bot in seinem äußerst instruktiven und fesselnden Vortrag ein realistisches Biid jener für die Juden so bewegten Zeit und schilderte in anschaulichen Worten die zwei originellen Gestalten der Donna Gracia Mendesia und Josef Nassis. Das zahlreich erschienene Publikum lohnte die interessanten Ausführungen Dr. Omsteins mit lebhaftem Beifall. Der Vorsitzende Obmanusteilvertreter des Vereines, Rabbiner Dr. M. R o s e n m a n n. wies auf die Bedeutung des Vortrages hin, dankte Präs. Dr. Ornstein für den genuß- und lehrreichen Abend, den er durch seine Ausführungen geboten hat und schloß unter starkem Beifall der Anwesenden die Versammlung. Dr. Josua H o r o w i t z. Der Sagenschatz Palästinas Soeben erschienen: Pas geliebte Land von CHAjIM BLOCH. Schöner Ganzleinen-Geschenkband S 10.50. Jeder, ob jung oder alt, sollte „Das geliebte Land" zur Hand nehmen: er wird es nur mit tiefer Ergriffenheit fortlegen, um immer wieder darnach zu greifen. Es ist das schönste Palästina-Buch der letzten Jrhre. Durch jede gute Buchhandlung oder direkt vom Verlag R. LÖWIT. Wien L, Fleischmarkt Nr. 1. und Grauem LeopoldDßutscti.WißnXl. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof I. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhof IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen Generalversammlungen von Tempelvereinen. Der Favoritner Tempelverein hält am Sonntag, den 21). d. M.. halb 10 Uhr vorm., im Wintertempel, X., Humboldtgasse 25, seine 59. ord. Generalversammlung ab. Der Brigittenauer Tempelverein hält am Dienstag, den 22. d. M„ 6 Uhr abends, im Caie Mirabell. XX., Wallensteinstraße 32. seine ordentliche Generalversammlung ab. „Weibliche Fürsorge.*" Kürzlich berief in Verhinderung der Präsidentin Regine U I m a n n die Vizepräsidentin des Verbandes von Wohliahrtsvereinen „Weibliche F ü r s o r g e". Hermine K a d i s c h, gemeinsam mit Präsidentin Hermine Krüger eine Versammlung ins Krügerheim, die von den Präsidien fast sämtlicher jüdischer Frauenvercine, Abordnungen der „Union", aber auch von zahlreichen führenden Männern im jüdischen Wohliahrtswesen besucht war. Der Präsident des Vereines jüdischer Aerzte. Dr. Siegfried P läse h k es, entwickelte in tretiticher Weise die Gründe, die es zur unabweisbaren Notwendigkeit machen, jüdische Hausgehilfinnen und Krankenpflegerinnen heranzubilden, nachdem die Vorurteile gegen beide Berufe durch den Drang der Zeit sowohl bei Arbeitnehmerinnen als Arbeitgeberinnen geschwunden sind. Das Krügerheim würde die soiortige Heranbildung der Hausgehilfinnen übernehmen, der 1901 gegründete Verein D i s t r i k t s k r a n k e n p f I e g e würde sich als Vermittlungsstelle zwischen jüdischen Pflegebedürftigen und jüdischem Pflegepersonal zur Verfügung stellen, das im Spital der Israelitischen Kultusgemeinde herangebildet werden soll. Die Distriktskrankenpilege erwartet mit Recht, daß zahlreiche jüdische Frauen und Vereinigungen ihr beitreten, besonders da der Jahresbeitrag nur zwei Schilling beträgt. Beide Projekte liegen schon lange in der Luit, so hat Dr. Rosenin an n in seiner stets, weit vorausschauenden Art in der ersten Kriegswoehe in der Weiblichen Fürsorge einen Vortrag betreffs Ausbildung weiblicher jüdischer Hausgehilfinnen gehalten, welche Anregung infolge dringender Kriegsnöte zurückgestellt werden mußte. Jetzt ist infolge der Unmöglichkeit, jüdische Frauen in genügender Zahl im Gewerbe und kaufmännischen Beruf unterzubringen, der Sache, der sich so kompetente Faktoren mit einer Energie annehmen, eine baldige Verwirklich ung sicher. C. B. Der , Union-Klub" veranstaltete am 15. d. M. in seinem Saale am Schottenring einen Vortrag von Frau Dr. Hedwig F i s c h e r - H o f m a n n, Fachärztin für Dermatologie und Kosmetik, über „Kosmetik — ein Gebot der Zeit". Die Vortragende verstand es in iei-selnder Weise, dem Publikum die Bedeutung der Körperpflege im Beruf und Privatleben vor Augen zu führen und es von der Notwendigkeit der Inanspruchnahme des Facharztes in kosmetischer Hinsicht zu überzeugen. Diese für die Angehörigen beider Geschlechter gegebene Wichtigkeit illustrierte die Vortragende an Hand von Beispielen aus der Praxis. Frau Stella F e 1 d s b e r g. die die Versammlung im Namen der Leitung des „Union-Klubs" begrüßt hatte, dankte Frau Dr. Fiseher- Hofmann für ihr aufschlußreiches Referat, das von den Zuhörern mit großem Beifall aufgenommen wurde. „Reichsverband jüdischer Lcgitimisten Oesterreichs", Bezirk^gruppe VI/VII, XII—XV. Dienstag, den 22. Februar, 8 Uhr abends, findet im Cafe „M a r! ahilf", VI., Mariahilferstraße 89a, ein Kameradschaitsabend mit aktuellen Referenten statt. Referenten: Dr. Richard Koch und Redakteur Hans Kandl. Eingeführte Gäste, insbesonders Frontsoldaten willkommen. Der jüdische humanitäre Verein Lainz veranstaltete eine Chamissah-Assar-Feier für die jüdischen Insassen im Versorgungshaus Lalnz. Herr Rabbiner Dozent Dr. Z i in m e 1 s, der Ehrenpräsident des Vereines, hielt eine der Bedeutung des Tages entsprechende Rede, und Herr Obmann Dr. L. Schatranek, Herr Obmannstelvertreter Aiex. Hönigsberg und Herr Oberkantor Rabino witsch verteilten Früchte. Die konstituierende Generalversammlung iand am 30. v. M. statt.

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