Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1938
- Issue
- Heft 8 (18.2.1938)
- Date
- 1938-02-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Nr. 8 — 18. Februar 1938 JODISCHE JUGEND WIENS! Gedenkt der Leistungen und des Opierwillens eurer Väter für Oesterreich, denkt daran, was Oesterreich euren Vätern stets bedeutet hat. Dann werdet Ihr verstehen, daß auch euch dieses Land Heimat und Vaterland sein muß. Macht euch nicht bewußt zu einer rechtlosen Minderheit, sondern denkt immer daran, daß Ihr auf Grund eurer Zugehörigkeit zum Oesterreichertum und zur österreichischen Kultur ein Recht auf volle Gleichberechtigung habt. Jüdische Jugend Wiens, an euch liegt es, zu beweisen, daß Ihr die würdigen Kinder eurer österreichischen jüdischen Väter seid, die für Oesterreich gekämpft und gelitten haben. Jüdische Jugend Wiens hinein in die JUG£NDMUNI^)N Die Propagandaleitung der Jugend-Union, I„ Schottenring 25. Anmeldungen jaden Mittwoch und Donnerstag von 7 bis 8 Uhr abends Im Klubhelm Die Blamage des „Jüdisch-kulturellen Elternbundes". Der „Jüdisch-kulturelle Elternbund'', der Verband des jüdischnationalen Obmannes der Schulkommission, Herrn Med. Doktor J. Kl aber, bestehend auf dem Papier aus 800 jüdischen Elternteilen, hat es gar nicht erwarten können, den Herrn Bundesjugendführer Graf Thurn-Valsassina anzustrudeln, weil er am 7. Jänner 1938 angeblich die Schaffung eines jüdischen Jugendverbandes im „Oesterreichischen Jungvolk" angekündigt hat Der „Jüdisch-kulturelle Elternbund" hat dabei die Kühnheit, sich als unpolitische Organisation zu bezeichnen, die sich der Erziehung der jüdischen Jugend Oesterreich in vaterländischem und religiös-sittlichem Sinne widmet. Wer die Verhältnisse kennt und nur eine Nummer der „Jüdischen Jugend", der vom „Jüdisch-kulturellen Elternbund" herausgegebenen Zeitschrift für die jüdische Jugend Oesterreichs (warum nicht für die jüdisch-österreichische Jugend?) in die Hand bekommt, der weiß, daß der Zweck, den der „Jüdisch-kulturelle Elternbund" verfolgt, ein ganz anderer ist. nämlich Propaganda zu machen für ein nationales Palästina und für den politischen Zionismus. In der Februar-Nummer dieser Zeitschrift für die jüdische Jugend — nicht für die jüdisch-österreichische Jugend — wird die schweifwedelnde Kundgebung an den Bundesjugendführer Graf Thurn-Valsassina abgedruckt, trotz des Bewußtseins, daß das, was da mitgeteilt wird, mit den Tatsachen, wie sie Herr Staatsrat Dr. Desider Fried mann schaffen will, nicht übereinstimmt. Es ist nämlich unwahr, daß der Bundesjugendführer Graf Thurn-Valsassina die Schaffung eines eigenen Verbandes für jüdische Jugendliche innerh a I b des „Oesterreichischen Jungvolkes" angekündigt hat Wahr ist vielmehr, daß der Bundesjugendführer auf Grund der Vorschläge des Herrn Doktor Desider Friedmann die Schaffung eines „Jüdischen Jugendverbandes in Oesterreich" (also auch für die ausländisefhe jüdische Jugend, soweit sie in Oesterreich wohn«) außerhalb des „Oesterreichischen Jungvolkes" angekündigt hat. ..Aus dieser Erklärung" — wohlgemerkt, die Schaffung des „Jüdischen Jugendverbandes in Oesterreich" außerhalb des „Oesterreichischen Jungvolkes" — „entnehmen wir" .(das ist der „Jüdisch-Kulturelle Elternbund") „die Bestätigung der vollen Gleichberechtigung (!!) der jüdischen Jugend. Hiedurch ist unsere Leistung gesonderter Erziehungsarbeit an der jüdischen Jugend für Vaterland und Judentum gewährleistet. Wir sagen Ihnen für Ihre klare Stellungnahme aufrichtigen Dank." Der „Jüdisch-kulturelle Elternbund" dankt also für die Ausstoßung der österreichisch-jüdischen Jugend aus dem „Oesterreichischen Jungvolk". Was soll sich da der Bundesjugendführer Graf Thurn- Valsassina denken? Eine solche Gesellschaft verdient keine andere Behandlung. Aber der Herr Bundesjugendführer und die ganze Oeffentlichkeit muß wissen, in diesem Lager war und ist das österreichische Judentum nicht zu finden. Das sind nur die Aeußerungen jener wenigen jüdischen Eltern, auf die sich der Bundesjugendführer berufen hat, „die nicht wün- Jüdische Volkshochschulbücherei. I., Kai 3. Gegen mäßige Leihgebühr Belletristik- und Judaica-Neuerscheinungen, dOe besten Romane der Wehliteratur. . . . sehen können", daß ihre Kinder im Sinne der Prinzipien der österreichischen Verfassung und der Vaterländischen Front gemeinsam mit den Kindern Andensgläubiger erzogen werden. Die Zeitungen berichten, daß die Kinder der Altkatholiken den freien Zutritt zum allgemeinen „Oesterredchischen Jungvolk" haben und daß für ihre religiöse Erziehung der altkatholische Bischof zu sorgen verpflichtet wird. Die Konfessionslosen haben den freien Zutritt zum „Oesterreichischen Jungvolk" und niemandem wird ihre religiöse Erziehung überantwortet. Nur die israelitisch-österreichische Jugend wird dank Dr. Desider Friedmann aus dem „Oesterreichischen Jungvolk" ausgeschlossen und soll das Kruckenkreuz, das Hoheitsabzeichen Oesterreichs, nicht tragen dürfen, und — wenn es nach Dr. Friedmann gegangen wäre auch nicht die Farben rot-weiß-rot, sondern blau-weiß. Und für diese diskriminierende Behandlung der österreichischen jüdischen Jugend dankt der „Jüdisch-kulturelle Elternbund", der Obmann Doktor .1. K1 a b e r, der Obmannstellvertreter. Dr. Heinrich Kojcem und der Schriftführer Richard Stössel, diese Namen müssen der.Nachwelt aufbewahrt 'werden,'(|;'^en|'' Heren bundesjugendführer. " ."'.7.'.-.--' .SiaRi^äiti Der Repräsentant ides American Jewish Joint Distribution Comtnittee in Sowjet-Rußland, Dr. Joseph Rosen, erklärte in einem der New Yorker jiddischen Tageszeitung ,J5e-r Tog" gegebenen Interview: Das Joint Distribution Committee ist iüi Begriffe, seine weitverzweigte T ä t i g k e it in Sowjetrußland - vollständig zu liquidieren, da es d o r t; k e i n s p e z i f i s c h - j ü d isches Problem gibt-und die Sowjetregierurig Hilfe Kultureller Vortragsabend der „Union österreichischer Juden" (gemeinsam veranstaltet mit der „JUGEND-UNION") im Klubheim, I., Schottenring 25 Mittwoch, den 23. Februar, 8 Uhr abends Dr. Franz Josef Weiss spricht über Josef Popper Lynkeus (anläfclidj seinenes 100. Geburtstages) auswärtiger jüdischer Organisationen nicht mehr benötigt. Joint hat daher beschlos^sen, sein Werk in Sowjetr rußland nicht mehr fortzuführen. Die jüdischen Siedlungen in Rußland erhalten sich gegenwärtig selbständig, die jüdischen Fabriken und Werkstätten sind ein Teil der allgemeinen nationalen Wirtschaft und, soweit die russischen Juden Bedürfnisse und Ansprüche haben, unterscheiden sich diese in keiner Weise von denjenigen der gesamten russischen Bevölkerung. Das Joint Distribution Committeo wird demnächst eine offizielle Erklärung über die Liquidierung seiner Tätigkeit in Kußland veröffentlichen. Ueber die Lage der jüdischen Siedlung in B i r o- B i d s c h a n befragt, erklärte Dr. Rosen, Biro-Bidschan sei gegenwärtig für - die Juden anderer Länder geschlossen und es 'bestehe keine Aus- ___________________ DIE WAHRHEIT ßmkioücdiQes vant 3o#e. 18. Februar 1839 wurde Zadok Kuhn in Mannheim (Elsaß) geboren. 19. Februar 1S35 wurde Oberrabbiner Dr. Moritz üiidemann in Hildesheim geboren. 20. Februar 1892 starb in Wien die Hoiopernsängerin Rosa Czillag (Goldstein). 21. Februar 1677 starb Baruch Spinoza in Haag. 22. Februar 1857 wurde Heinrich Hertz (Hertz'sehe Wellen) in Hamburg geboren. 23. Februar 1815 wurde der Midraschforscher und Lektor am Beth ha Midrasch in Wien J. H.W eiss (Der Dor wedorschow) geboren. 24. Februar 1147 wurde R. Isak Eljakim mit 21 anderen Märtyrern in Würzburg erschlagen. K. Capek über die tschechischjüdischen Schriftsteller. Die Schriftstellerin Gerti Freier veröffentlicht . im „Prager Montagsblatt" eine Unterredung mit dem berühmten tschechischen Schriftsteller Karel C a p e k, Freund und Biographen T. G. Miasaryks, über seine Diskussions-Abende an Freitagen, an welchen auch Vertreter der Jugend in der Tschechoslowakei teilnehmen. Auf die Frage, ob er einen Unterschied zwischen tschechischer, deutscher und jüdischer Jugend mache, erwiderte Capek: „Zwischen tschechischer und jüdischer Jugend kenne ich keinen Unterschied. Die tschechischen Juden sind Tschechen, genau so wie wir, mit all ihren Gefühlen und Ideen. Das beweist auch schon die tschechische Literatur,, die nicht die Juden Frantäsek Langer, Karel Poläcek und andere, sondern nur tschechische Schriftsteller dieser Namen kennt." sieht, daß es im Laufe der nächsten zwei oder drei Jahre für sie geöifnet wird. Die russische Regierung wünsche nicht eine jüdische Einwanderung aus dem Auslande. Die internationalen Komplikationen im Fernen Osten und die Kriegsgefahr in Europa hätten die Pläne zunichte gemacht, die vordem hinsichtlich der Einwanderung von Juden aus Polen und anderen Ländern in Biro-Bidschan bestanden. Das Biro-Bidschan-rProjekl, fuhr Dr. Rosen fort, war von Anfang an verbunden mit Plänen zur Ansiedlung von Juden aus anderen Ländern. Das war auch der einzige Grund, weshalb das Projekt das Interesse jüdischer Organisationen im Auslande geweckt hat. Die russischen Juden brauchen das Territorium von Biro- Bidschan nicht, da sie allmählich von dem allgemeinen Wirtschaftssystem in Rußland absorbiert werden; in allen Zweigen des Wirtschaftslebens in Sowjetrußland gibt es heute Juden. Dr. Rosen gab der Ansicht Ausdruck, daß Biro-Bidschan für jüdische Kolonisation geeigneter sei als irgend ein anderes der Länd e r, die gegenwärtig für eine jüdische Einwanderung in Betracht gezogen werden. Zum Sohluß erklärte Dr. Rosen, er werde sich über Auftrag des Joint Distribution Committee in kurzem nach Madagaskar und Neu-Kaledonien begeben, um die Möglichkeiten jüdischer Auswanderung in jene Territorien zu untersuchen. Der Korrespondent der Jüdischen Telegraphen- Agentur hatte Gelegenheit, in dem Moskauer Hotel, in welchem die Abgeordneten des vor kurzem erst gewählten Sowjet-Parlaments Quartier beziehen, Frau Lia Leschnianskaja, eine der drei jüdischen Abgeordneten aus Biro-Bidschan im Sowjet der Nationalitäten, zu sprechen. Ich bin, sagte die jüdische Abgeordnete, kein Mitglied der Kommunistischen Partei, ich habe keine besondere Erziehung genossen; ich bin eine gewöhnliche Arbeiterin, eine Milchfrau, und doch hat mich die ganze Bevölkerung meines Rayons ins Sowjet- Parlament gewählt. Das Judentum in Sowjetrußland.