Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1938
- Issue
- Heft 7 (12.2.1938)
- Date
- 1938-02-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 7 ^zJ2. Februar 193S Seite 5 Das Erwachen. Was mußte alles über die Juden in- Polen kommen, damit sie die Triebfeder oder vielleicht die Legitimierung des Radauantisemitismus erkennen. Langsam bricht sich die Erkenntnis Bahn, daß erst die aus Rußland eingeschleppte jüdischnationale Ideologie dem Judenhaß das Stichwort brachte. Die niedrigen, bestialischen Instinkte der Judenhasser konnten in Polen sich nicht ernstlich hervorwagen, weil sie in Widerspruch mit der Geschichte der Juden in Polen geraten wären. Der polnische Jude war religiös, aber er war auch mit seinem Lande aufs engste verv/oben; er teilte Leid und Freud der polnischen Nation; ist es doch eine geschichtliche Tatsache, daß an den polnischen Freiheitsaufständen zahlreiche Juden Anteil nahmen und ihr Leben für das Ideal der polnischen Unabhängigkeit ließen. Der niedrige Instinkt des Judenhasses verstummte gegenüber der allgemeinen Verehrung, die die Polen dieser Ideologie der polnischen Juden Buchhaltungsbflro Martin Haim WienV., Margaretenstr. 121, Telephon B 25-1-81 L Bilanzen,Revisionen. Pauschalbuchhaltungen, Steuer-Wirtsdiafts-Beratung Mäßiges Honorar, Besuch unverbindlich Gegründet 1912 _ sollten. In allen polnischen Städten findet man noch heute nach diesen polnischen Juden benannte Straßen und auch in der polnischen Literatur wird der jüdische Patriot von den größten Dichtern gefeiert. Erst der Einbruch des jüdisch-nationalen Zionismus, die Vereinigung Polens mit russischen Gebieten, mit den „Litwakis", öffnete der antisemitischen Hydra das dreckspeiende Maul. Vom politischen Zionismus her bekamen sie die Legitimation für die Behauptung vom „fremden" Volk. Andererseits hat der zionistische Terror, den wir ja auch hier genügend kennengelernt haben, die vaterländischen Juden eingeschüchtert; war es •doch ein in die „jüdischen Massen" — es wäre sehr interessant, diesen in der jüdischnationalen Terminologie so beliebten Ausdruck auf seinen eigentlichen Inhalt einmal gründlich zu untersuchen — hineingelrommelter Grundsatz, jeden Juden in Polen, der sich nicht zu den zionistischen Schreiern bekennt, als „Moszko" zu verhöhnen "und ihn nach terroristischer Art eventuell auch tätlich zu beleidigen und materiell zu schädigen. (Tout comme chez nous! Anm. d. Red.) So bekam der Judenhaß in Polen seine eigentliche „programmatische" Grundlage und immer wieder verkündete |er: „die Juden sielbst sagen ja, daß sie mit uns nichts zu tun haben". Mit klarer Deutlichkeit ging dies aus der jüngsten Judendebatte im Sejm hervor: der Referent des Voranschlages des Ministeriums des Innern sagte in seinem Referat, förmlich zur Entschuldigung der Judenexzesse, folgendes: „Nach dem Kriege entstand unter der Judenschaft eins bedeutende Gruppe von Zionisten. deren Richtung eine eigene jüdischnationale Ideologie ist, deren unmittelbares Ziel die Schaffung eines unabhängigen jüdischen Staates in Palästina ist. Jeder Zionist weilt im Geiste im Lande seiner Urahnen und im praktischen Leben setzt er alles daran, um so rasch als möglich dorthin zu gelangen. Es entsteht dadurch ein innerer Widerspruch in der Seele der Juden, welche in ihren bisherigen Wohnländern leben. Man kann nicht zwei Vaterländer haben (wörtlich: „Nie mozna miec dwoch ojczyzn"). Wenn also die Zionisten sagen, daß ihr Vaterland Palästina sei, so können sie nicht zugleich behaupten, daß Polen ihr Vaterland ist. Das Eine schließt das Andere aus. Es ist für uns Politiker die Pflicht, zunächst die Krankheitsdiagnose der sogenannten Judenfrage festzustellen." Mögen die Juden in Oesterreich aus der Geschichte der Entwicklung des Judenhasses in Polen lernen und den Mut in sich aufbringen, den Gefahren des nationalen Zionismus entgegenzutreten. Mögen sie, im Bewußtsein eine drohende Gefahr von der Judenschaft abzuwenden, sich durch keinen Terror einschüchtern lassen. Ein polnischer Jude. INTERNATIONALE_ „allen österreichischen Staatsbürgern mosaischen Glaubens und israelitischer Konfession" allen Ernstes, daß sie „umlernen müssen"; „sie sind heute nur noch — Juden". In dieser Behauptung liegt die Offenbarung der vollkommen einseitigen jüdischnationalen Denkungsart, eine solche Gesinnung löst alle Bande,' die uns mit unserer Umwelt verbinden; und zurück bleibt nur der schale Rest einer eingebildeten jüdischen Nation. Dr. Plaschkes versucht die Ehrenrettung seines — bis auf Widerruf — neuen politischen Freundes Dr. Friedmann auf höchst merkwürdige Weise. Er stellt die Sache so dar, als ob von vornherein der Beschluß festgestanden wäre, „die Rechte der jüdischen Jugend zu beeinträchtigen" — er sieht also auch darin eine Beeinträchtigung —. und daß Dr. Friedmann diese „Absicht der leitenden Kreise nicht zu verhindern vermochte". Diese Verteidigung spricht gegen den Klienten. Das österreichische Judentum, in dessen Namen Herr Dr. Friedmann ohne Vollmacht verhandelte, hätte es ihm verzeihen können, wenn er gegen höhere Einflüsse die erwähnten Absichten nicht verhindern konnte, daß er ihnen aber zustimmte, ja sogar sie durch einen „Vertrag" guthieß (das nennt Herr Dr. Plaschkes ..durch vernünftige Verhandlungen das Bestmögliche erreichen"), das ist mehr, als der Herr Staatsrat trotz seines Verteidigers verantworten kann. Herr Dr. Plaschkes stellt in seinem „Jüdischen Weg" die Jüdischnationalen als die reinsten Waserln hin. „Die Sache wäre auch ohne sie gemacht worden", sagt er. Hätten sie sie nur „machen" lassen, die österreichischen Juden wären ihnen darob nicht böse gewesen, aber diese Sache noch zu ihrer eigenen zu machen und sich ihrer als unzuständige Bevollmächtigte anzunehmen, auf diesen unerhörten Handel muß das österreichische Judentum in Wahrheit mit jenem „lauten, vernehmlichen Nein antworten", das Herr Doktor Plaschkes von den gewissermaßen zu Geschworenen aufgerufenen österreichischen Juden in bezug auf die Schuldfrage des Herrn Dr. Friedmann fälschlich erwartet. TRANSPORTE B.Kolbusiower-P. G.Wawel Tel. A=42-201 Büro und Lagerhaus: Wien IL, Ob. DonauStt. 63 Speditionen aller Art im Inu. Ausland. Billigste Einlagerungen. Verzollungen. Wiener jüdische Bevölkerungsbewegung im Jahre 1937, Die Amtsdirektion der Kultusgemeinde Wien veröffentlicht auf Grund der vom Matrikelamte der Isr. Kultusgemeinde Wien geführten Ausweise nachstehende Daten über die Bewegung der jüdischen Bevölkerung im Jahre 1937: Die Zahl der Geburten betrug in diesem Jahre 720, die Zahl der Sterbefälle 2824. die Zahl der Eintritte in die jüdische Religionsgesellschait 262. die der Austritte 620. Die Zahl der Geburten, die im Jahre 1023 «och 2733, im Jahre 1930 1222 und im Jahre 1936 757 betrug, erreichte ihre niedrigste Ziffer von 720 im Jahre 1937. Von den geborenen Kindern waren 22, von den verstorbenen Personen 121 ortsfremde. Nach Abrechnung dieser auf Ortsfremde bezughabenden Zahlen und unter Berücksichtigung der Geburten. Todesfälle. Eintritte und Austritte ist im Jahre 1937 eine Verringerung der jüdischen Seelen in Wien um 2363 zu verzeichnen. Diese Zahl erhöht sich noch durch die Auswanderung nach Palästina und anderen Ueberseeländern. Die ständig sinkende Zahl der jüdischen Bevölkerung kommt auch in den Volkszählungsergebnissen der Jahre 1923 und .1934 zum Ausdruck. Während im Jahre 1923 in ganz Oesterreich 220.208 Juden und hievon in Wien 201.513 gezählt wurden, fiel die Gesamtzahl der Juden in Oesterreich im Jahre 1934 auf 191.481 und hievon in Wien auf 176.034. Innerhalb dieses Zeitraumes verringerte sich die jüdische Bevölkerung in Wien um 25.479, d. i. um 12,6 Prozent Der natürliche Abgang betrug in den Jahren 1935, 1936 und 1937 weitere 6927 Seelen, so daß die jüdische Bevölkerung Wiens Ende 1937 unter Berücksichtigung der in den Jahren 1935 und 1936 stattgefundenen erheblichen Auswanderung höchstens 166.000 bis 167 000 Seelen zählt. Bei den 2824 im Jahre 1937 Verstorbenen sind nachstehende Todesursachen festgestellt worden: in 25% der Fälle Herzkrankheiten, m 15%% der Fälle krebsartige Erkrankungen, in 15% der Fälle Erkrankungen des Blutes und seiner Bahnen, in 15% der Fälle Erkrankungen der Atmungsorgane, in je sy3% der Fälle Altersschwäche und Erkrankungen der Harnwege, in 4% der Fälle Tuberkulose. Durch Selbstmord endeten 105 Personen, u zw. «5 Männer und 40 Frauen (4%). Eingesendet. Der Rest entfällt am" andere Krankheiten, wobei festgehalten wird,, daß auf Geistesstörungen 1%, auf Infektionskrankheiten l'A% und auf Hautkrankheiten V\% entfallen. Im Alter bis zu 10 Jahren starben 46 Kinder, im Alter von 10—20 Jahren starben 28 Personen, im Alter von 20—50 Jahren starben 404 Personen, im Alter von 50—60 Jahren starben 401 Personen, im Alter von 60—70 Jahren starben 791 Personen, im Alter von 70—80 Jahren starben 769 Personen, im Alter von 80—CO Jahren starben 317 Personen, im Alter von 90—100 Jahren starben 37 Personen. Hiezu kommen 29 Totgeburten. Von den im Jahre 1937 geborenen 720 Kindern waren 369 männlichen und 351 weiblichen Geschlechtes. Im Jahre 1937 fanden- 980 Trauungen statt Von den Brautleuten gehörten: 799 Männer und 857 Frauen dem ledigen Stande. 67 Männer und 60 Frauen dem Witwenstande, 114 Männer und' 58 Frauen gingen nach Trennung der alten Ehe eine neue ein. Von 347 gelösten Ehen entfielen 241, d. i. 69)4%. auf kinderlose Ehen. Der Verteidiger Dr. Plaschkes nimmt sich in seinem „Jüdischen Weg" einer Sache an, deren er sich nicht sehr rühmen darf, der Sache des Herrn Dr. F r i e d m a n n in der Frage des „Oesterreictiischen Jungvolkes". Schon die Tatsache, daß hier auf einmal eine politische Freundschaft zwischen sonstigen innerjüdischen Gegnern entstanden ist, muß befremden, mehr aber noch müssen es die Argumente, die der Verteidiger Dr. Plaschkes ins Treffen führt. Er kommt zwar rieht wie Oberbaurat Stricker mit leicht widerlegbaren ..statistischen" Ziffern, dafür aber mit ebenso unstichhälb'gen Behauptungen, von denen einige geradezu ungeheuerlich sind. Dr. Plaschkes verlangt von den, wie er sie „ironisch" nennt, „Wiener-österreichischen israelitischen Eltern", der „Wiener-österreichischen israelitischen Jugend", Verehrliche Redaktion! Gestatten Sie einem Religionslehrer, der an Handels- und Fortbildungsschulen Religionsunterricht erteilt, die Stimmung wiederzugeben, die unter den Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren, somit den hievon direkt Betroffenen, in der ,.Jungvolk"-Frage herrscht. Selbst die zionistischen Schüler und Schülerinnen können es nicht begreifen, daß es j ü d i s c hnationale Führer sind, die auf die Absonderung der jüdischen Jugend hinarbeiten. Daß die Eltern solche Wünsche jemals geäußert hätten, ist ihnen unbekannt. Diese Jugendlichen, die mehr politisches Verständnis als ihre „Führer" haben, können und wollen es nicht verstehen, warum sie, die bis zu 14 Jahren mit ihren Schulfreunden anderen Glaubensbekenntnisses erzogen werden durften, plötzlich in ein Ghetto gezwängt werden sollen. Gerade in diesem Alter, in welchem die Jugendlichen politisch denken lernen, wäre es ein Gebot der Selbstverständlichkeit, alles daran zu setzen, die Jugendlichen in vaterländischem Geiste zu beeinflussen und jede Absonderung zu vermeiden. Die religiös-sittliche Erziehung erhalten die Jugendlichen im öffentlichen Religionsunterricht. Die Wiener jüdischen Jungen und Mädchen wollen nicht von ausländischen, nationalen Führern erzogen werden. Selbst die zionistisch denkende Jugend will irh Sinne Dollfuß und Schuschnigg nur zu guten Oesterreichern erzogen werden. Ein Religionslehrer. Die Habimah spielt ab Samstag Das Habimah-Ensemble, das sich zurzeit auf einer Welttournee befindet, trifft heute Freitag in Wien ein. Morgen Samstag findet in den JüdischenKünst- Ierspielen (Theater Reklame, Praterstraße 34), die ihr Haus der Habimah zur Verfügung gestellt haben, als erste Vorstellung des Gastspiels die Aufführung des „D y b u k" statt. Die Aufführungen des „Dybuk" gleichen völlig den Originalaufführungen der Habimah, da die Bühne der Jüdischen Künstlerspiele allen technischen Anforderungen dieses personenreichen Stückes entspricht.