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Die Wahrheit · 1938-02-12 · Heft 7 (12.2.1938) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1938
Issue
Heft 7 (12.2.1938)
Date
1938-02-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seitej Nr. 7 — 12. Februar 1938 DIE WAHRHEIT JÜDISCHE JUGEND WIENS! Gedenkt der Leistungen und des Opferwillens eurer Väter für Oesterreich, denkt daran, was Oesterreich euren Vätern stets bedeutet hat. Dann werdet Ihr verstehen, daß auch euch dieses Land Heimat und Vaterland sein muß. Macht euch nicht bewußt zu einer rechtlosen Minderheit, sondern denkt immer daran, daß Ihr auf Grund eurer Zugehörigkeit zum Oesterreichertum und zur österreichischen Kultur ein Recht auf volle Gleichberechtigung habt. Jüdische Jugend Wiens, an euch liegt es, zu beweisen, daß Ihr die würdigen Kinder eurer österreichischen jüdischen Väter seid, die für Oesterreich gekämpft und gelitten haben. Jüdische Jugend Wiens hinein in die JUGEND-UNION Die Propagandaleitung der Jugend-Union, L, Schottenring 25. Anmeldungen jaden Mittwoch und Donnerstag von 7 bis 8 Uhr abends im Klubheim wie zum Beispiel die einstimmig beschlossene Steuerreform oder die einstimmig beschlossene Anstellung eines außerhalb der Verwaltung stehenden Revistonsorganes, so auch die Anlage dieses Katasters. Erst dann werden sich zweifelsfreie Ziffern über das Verhältnis der Inländer zu den Ausländern feststellen lassen. Wir schätzen die Zahl der ausländischen Glaubensgenossen in Wien, inklusive Frauen und Kinder, auf zirka 45.000, das sind mehr als ein Viertel aller jüdischen Bewohner Wiens, Die Zahl der Wahlberechtigten war laut amtlicher Mitteilung der Kultusgemeinde 44.440; ein Viertel davon ist 11.100, also zirka 11.000 Ausländer. Laut der „amtlichen Prüfung der Wiener Polizeidirektion", wie diese Hausnummern von der „Neuen Welt" genannt werden, haben bei der Wahl vom 8. November 5330 Ausländer gewählt. Nach der amtlichen Mitteilung der Kultusgemeinde haben 31.750 Stimmberechtigte von 44.440 von ihrem Stimmrechte Gebrauch gemacht. Zirka 12.700 sind zu Hause geblieben. Unter diesen 12.700 sollen also zirka die Hälfte Ausländer gewesen sein. Das soll das Blatt des Herrn Stricker, solange es noch in Oesterreich und nicht in Palästina erscheint, der Frau Blaschke erzählen. Jedermann weiß, daß die Indifferenten und Gleichgültigen, die bei der Wahl zu Hause blieben, inländische und nicht ausländische Juden sind, und jedermann weiß, daß der letzte jüdischnationale politischzionistische Wähler zur Urne gebracht wird. Und ebenso weiß jeder, daß der jüdischnationale politisch-zionistische Gedanke in der Hauptsache bei den ausländischen Juden — begreiflicherweise — eher auf fruchtbaren Boden fällt. Daraus ergibt sich der logische Schluß — quod erat demonstrandum — daß es richtig ist, daß der Großteil der Wähler der Jüdischnationalen ausländische Juden sind und der größte Teil der Wähler der „Union" d!e inländischen Juden, daß aber ein Großteil von Gesinnungsgenossen der „Union" bei der W?ahl zu Hause bleibt, weil sie sich noch immer nicht der Bedeutung der Kultuswahlen bewußt werden. Erst „Erfolge" des Wirkens der Jüdischriationalen ä la „Oesterreichisches Jungvolk" werden auch diese Kreise darüber belehren, daß unter der jüdischnationalen Herrschaft die israelitische Kultusgemeinde Wien eben nicht mehr eine Einrichtung zur Befriedigung der religiösen Bedürfnisse ist, Goga gestürzt. Der Sturz des Kabinetts Goga, das auf den Tag sechs Wochen im Amte war, bedeutet nicht nur einen Regierungswechsel in landläufigem Sinne, sondern scheint einen völligen politischen Umschwung in Rumänien einzuleiten. Goga wurde bekanntlich nach dem durch den Ausgang der letzten rumänischen Wahlen bedingten Rücktritt Tatarescus am 28. Dezember vom König mit der Regierungsbildung betraut. Er bildete eine „im Zeichen der Ordnung und Autorität" stehende Rechtsregierung, von der er zwar behauptete, sie beruhe auf parlamentarischer Grundlage, deren erste Maßnahmen aber erkennen ließen, daß es sich um einen radikalen Rechtskurs in Rumänien handle. Die ersten innerpolitischen Maßnahmen der neuen Regierung waren scharf antisemitischer Natur unter dem Schlagwort „Geistige Wiedergeburt Rumäniens" und Verfügungen gegen die Opposition. Neben den jüdischen Zeitungen wurde eine Reihe oppositionel-* ler Blätter eingestellt. Vor etwa zwei Wochen wurde das bisherige rumänische Parlament für aufgelöst erklärt und sondern eine hauptsächlich von jüdischnationalpolitisch-zionistischen Ideologien geführte Organisation, deren Wirken das Verhältnis der österreichischen Judenschaft zu Staat, Land und Stadt nachteilig beeinflussen muß. Nun noch einige Worte über die Demagogie des Blattes des Herrn Stricker. Es hält es für richtig, die alte verrostete Waffe gegen die „Union" dem Arsenal der Verdrehungen zu entnehmen, daß die „Union" „ä la Goga" gegen die Ostjuden eingestellt ist. Wir brauchen wohl nicht auf die Leistungen der „Union" im Laufe ihres mehr als fünfzigjährigen Bestandes gerade für die Ostjuden hinzuweisen, auch nicht darauf, daß Ostjuden, die nichtjüdischnational sind, sondern sich zur österreichischen Nation bekennen, zu ihren Mitgliedern, Vorstandsmitgliedern und zu den Vertretern der „Union" in der Kultusgemeinde gehören. Wir verlangen nur von den Ostjuden, daß sie sich assimilieren und den Sitten und Gebräuchen dieses Landes akkommodieren. Aber weil das Blatt des Herrn Oberbaurates Stricker wieder einen nicht vorhandenen Gegensatz schaffen möchte, muß in Erinnerung gebracht werden, was wir über die Einstellung des Herrn Oberbaurat Stricker in den Nummern der „Wahrheit" vom 6. März 1936 und 18. Nov. 1932 widerspruchslos vorgebracht haben. Dort heißt es: „Wer aber fand den Mut, sich öffentlich gegen diese Flüchtlinge (aus Galizien) auszusprechen und damit den Antisemiten ■Helfersdienst zu leisten? Herr Oberbaurat Stricker ' wurde von Herrn Dr. S. R. Landau — einen der' wenigen aus dem Kreise Theodor Herzls — deshalb öffentlich scharf angegriffen. Er klagte hierauf Herrn Dr. Landau wegen Ehrenbeleidigung. Dr. Landau trat den Wahrheitsbeweis an und wurde auf Grund desselben freigesprochen. Vielleicht erinnert sich Herr Stricker dieser Episode, dann wird er mit seiner Rolle als Verteidiger der Ostjuden gegen die bösen Unionisten etwas vorsichtiger sein." LUMAG- WachstochloN lufldircMäislje Polrtemnj. daher kein Schwitzen des Kindes Patentierte Scawingacasenfederoag die Neuwahlen für den 2. März anberaumt. Gleichzeitig wurde ein neues Wahlgesetz geschaffen, durch das sich Goga die Mehrheit bei den künftigen Wahlen sichern wollte. In den letzten Tagen — die Wahlkampagne stand unmittelbar vor ihrem Beginn — wurde immer deutlicher der Befürchtung Ausdruck gegeben, daß die Regierung Goga kaum imstande sein werde, einen ruhigen Wahlverlauf zu gewährleiste n, daß vielmehr die „Eiserne Garde" den Wahlkampf und die Wahlen selbst zu Unruhen und möglicherweise zu einem Putsch benützen werde. Die von Tag zu Tag steigenden innerpolitischen Schwierigkeiten, die verschärfte wirtschaftliche Situation und nicht zuletzt die wenig freundliche Aufnahme, die die Regierung Goga voraehmnehmlich infolge ihrer antisemitischen Maßnahmen vielfach im Ausland fand, dürften der Grund für den Rücktritt des Kabinetts gewesen sein. Das neue Kabinett soll ein Konzentrationskabinett werden, dem alle politischen Parteiführer mit Ausnahme von Maniu und Goga, angehören sollen. Es scheint, daß ebenso, wie das Parlament und die politische Tätigkeit der Parteien für einige Zeit eingestellt werden sollen, auch die Beufawcdiqes uam Hage. 11. Februar 1842 wurde der Schauspieler Ludwig Barnay in Budapest geboren. 12. Februar 1692 wurde Josef SüB Oppenheimer (Jud Süß) in Heidelberg geboren. 13. Februar 1931 starb Hofrat Rektor Adolf Schwarz in Wien. 14. Februar 1864 wurde der Romanschriftsteller Israel Zan g will (Kinder des Ghetto) geboren. 15. Februar 1781 starb Gotthold Ephraim Lessing, der Freund Mendelssohns und Vorkämpfer für die Gleichberechtigung der Juden (Nathan der Weise). 16. Februar 1855 starb in Breslau Rafael Fürstenthal, Dichter und Uebersetzer religionsphilosophischer Werke (More nebuchim, Chowoth halewowoth). 17. Februar 1877 starb Solomon Herrn. Mosenthal (Deborah, Libretto zu den „Lustigen Weibern von Windsor") in Wien. Verfassung für einige Zeit außer Kraft gesetzt werden soll. An die Spitze des neuen Kabinetts wird der Patriarch der rumänischen orthodoxen Kirche, Dr. Miron C h r i s t e a, treten. Mit einiger Beklemmung wird die Judenheit die Nachricht von" dieser Wahl aufnehmen. Ihr ist noch die im August öffentlich abgegebene Erklärung des Patriarchen in Erinnerung, die ein von Uebelwollen gegenüber den Juden erfülltes Dokument war. Der Patriarch bezeichnete darin die Juden als Parasiten, die eine Epidemie von Korruption und sozialem Uebel hervorgerufen haben. Während des Krieges hätten sie in Massen, aus Galizien, Rußland, Oesterreich, Ungarn und Deutschland kommend, das Land überflutet und die Existenz der Rumänen bedroht. Man möchte, schrieb der Patriarch, weinen vor Mitleid mit dem armen rumänischen Volke, dessen innerstes Mark von den Juden ausgesogen wird. Das christliche Gebot „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" bedeute nicht, daß nicht Maßnahmen ergriffen werden dürfen, um sich jener zu erwehren, die wie Blutegel das Blut der christlichen Rumänen aussaugen. Man sei nicht nur berechtigt, sondern es sei sogar heilige Pflicht, sich von dieser Pest zu befreien. Es bleibt abzuwarten, ob der hohe Kirchenfürst, der nun an die Spitze einer Regierung aller Parteien tritt, es nach den bösen Erfahrungen, die sein Vorgänger mit seiner antisemitischen Politik machte, nicht vorziehen wird, seine in dieser Erklärung zum Auedruck gebrachten Ansichten zu revidieren und eine Politik der Verständigung einzuleiten. Tragischer Tod eines judischen Erfinders. Prager Zeitungen berichten über den tragischen Tod des jüdischen Erfinders Schwarzkopf. Schwarzkopf war vor der Machtergreifung durch Hitler Filmdirektor bei der Ufa, dann der Tobis, eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des deutschen Films. 1933 mußte er auswandern und kam nach Prag. Er erfand einen Vorführungsapparat für Tonfilme, der an Billigkeit sehr weit unter dem bisherigen Herstellungspreise lag. Die Arbeiten und Patentanmeldungen hatten sein letztes Vermögen aufgezehrt. Er stand vor dem Nichts. Endlich fand er einen Interessenten, mit dem er im Hotel Sroubek am Wenzelsplatz zu Prag einen Vorvertrag abschloß. Vor der Leistung der Unterschrift brach Schwarzkopf zusammen und verstarb nach wenigen Stunden. Die Aerzte nehmen art, daß Schwarzkopf in der Aufregung über den endlich winkenden Erfolg einer Gehirnblutung zum Opfer gefallen war.

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