Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1938
- Issue
- Heft 5 (4.2.1938)
- Date
- 1938-02-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 5 — 4. Februar 1938 DIE WAHRHEIT Provinz haben sämtliche jüdischen Anwälte bis zur Durchführung der Revision ihrer Staatsbürgerschaften von der Mitgliedschaft suspendiert. Keinem jüdischen Anwalt 'ist es gestattet, die Gerichte zu betreten. Die von jüdischen Anwälten vertretenen Gerichtsfälle wurden vertagt. Die suspendierten jüdischen Anwälte haben Berufung beim Obersten Gerichtshof eingelegt, in welcher sie den Beschluß der Advokatenkammern als gesetzwidrig bezeichnen. Es verlautet, daß 18 jüdische Advokaten, die noch vor dem 1. Dezember 1918 der Kammer angehörten, jn der Liste der Bukarester Advokatenkammer weiter als Mitglieder fungieren. Weitere antijüdische Verordnungen. Der Präfekt von Czernowitz,, Rodu, hat eine Verordnung erlassen, dergemäß alle jüdischen Geschäfte in der Bukowina an Samstagen und jüdischen Feiertagen ihre Läden offen halten müssen. Eine aus fünf Rabbinern bestehende Abordnung unter Führung des Landesrabbiners und früheren Senators Dr. Niemirower und des Czernowitzer Oberrabbiners Dr. Mark bemühte sich um einen Empfang beim Ministerpräsidenten Goga, um ihn zu.'bitten, dahin zu wirken, daß diese das religiöse Gewissen der Juden äußerst bedrückende Maßnahme aufgehoben werde. Goga hat aber die Delegation nicht empfangen. Ein vom Arbeitsmiuisterium erlassenes Dekret lautet: Restaurants, Cafes, Bars, Salons, Teestuben und andere öffentliche Enrischungsstätten dürfen Kellner und Kellnerinnen jüdischen Ursprungs nicht beschäftigen; die freigewordenen Stellen müssen durch Rumänen christlicher Konfession ersetzt werden. Der Zentralrat der Juden Rumäniens erhob in einem Telegramm an den Ministerpräsidenten Goga 'Einwendung gegen diese Maßnahme, durch welche mitten im harten Winter Tausende Juden ihren Lebensunterhalt verlieren. J. T.-A. Von der österreichischen Bundeshymne zur jüdischen Nationalhymne. Der Weg der „Jüdischen Jugend". Als im letzten Wahlkampf um die Kuitusgemeinde die jüdischnationalen Metzer in ihrer unermüdlichen Agitation durch ein behördliches Versammlungsverbot gestört wurden, da wußten sie sich zu helfen. Wenn überhaupt die Reli»:onsgemeinde als Deckmantel für nationalpolitische Tätigkeit angesehen wird — warum sollte man nicht auch hier sich unter der Flagge der Religion tarnen? Man to'relt einfach einen „Oneg Sc h ab bat', eine „religiöse" Sabbathfeier, im Tempel, im Vereinslokal als „Hausandacht" ab — und die jüdischnationale Wählerversammlung war in vollem Ausmaß ermöglicht. Mit Rücksicht auf die traurige Lage in Palästina ist die nationalzionistische Agitation unter der Jugend ins Stocken geraten. Die Hetzer sind zwar •immer noch bereit, goldene Berge und paradiesische Zukunft im „souveränen Judenstaat" zu versprechen, aber diejenigen, die unter den gegenwärtigen Umständen diese Versprechungen gläubig hinzunehmen bereit sind, die sind nicht mehr allzu zahlreich. Es müssen nunmehr andere Mittel und Wege zur Agitation herhalten. Auch der Versuch, Jugendgottesdienst und Religionsunterricht durch jüdischnationale „Religions"3ehrer zu «hier Basis der politischen Agitation zu machen, ist durch das energische Eingreifen der atnioiristischen Mandatare gescheitert. Seitdem nun die Angelegenheit des jüdischen Jungvolkes aufgetaucht ist, wittern die Herren Jüdischnainönalen Morgenluit in der „Erfassung" der Jugend. Sie haben freilich vorausgeahnt, daß man ihnen ihren Wunsch — um mit den Worten der „Reichpost" zu sprechen — auf „Auslieferung der gesamten jüdi- <schen Jugend" nicht wird erfüllen wollen. Daher die Parole: Tarnen auf „unpolitisch", „religiös", „kulturell" u. dgL! So ist neuerlich jene für die Nationalzionisten offenbar patentierte Tarnkappe des „Oneg Schabbat" aufgetaucht, die immer den gleichen Zweck hat: Dort für den Nationalzionismus getarnt zu werben, wo es ofien itecht geht. Der sattsam bekannte „unpolitische" „jüdisch-kulturelle" Elternbund mit dem radikalen Parteimann Dr. Klaber an der Spitze greift mit Hilfe einiger Parteitrabantendienste leistenden Religionslehrer zu dieser Tarnkappe. Wie sieht nun so ein „Oneg Schabbaf aus'J Das Leiborgan des Herrn Dr. Klaber und seiner Trabanten, die „Jüdische (sprich: jüdischnationale) Jugend" glaubt besonders schlau und wirkungsvoll zu. sein, wenn sie über diese famose Institution nicht selbst berichtet, sondern diesen Bericht einem — offenbar bestellten oder fingierten — Brief eines Jugendlichen überläßt, der sich „ein ganz großes Erlebnis von der Seele reden muß" (?!) Dem Uneingeweihten — für den es ja berechnet ist — erscheint dioSache harmlos und vielleicht sogar ersprießlich. Aber der mit der Materie halbwegs Vertraute sieht sofort, wie bedenklich diese getarnte Agitation mit dem religiösen Mäntelchen ist Die Feier l>eginnt mit der österreichischen Bundeshymne und dem Lied der Jugend — die Dinge kennt natürlich der Neu„gekeilte" — er ist ja noch ein guter österreichischer Jude — „voltosbewußter" Nationaljude soll er ia eist werden. Aber dann geht es gleich damit los. „Hierauf folgte ein hebräisches Lied mit einer wunderschönen Melodie, dessen Text ich leider nicht verstand." Man weiß es nicht, ist es schon ein „Volkslied", das das „Volksbewußtsem" erregen soll, oder hat mit diesem Lied das religiöse Mäntelchen schon begonnen? Denn dann folgt das „Hawdalah", die „Abschiedsfeier GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGM. KORNMEHI WIEN IX., BERGGASSE HR. 19 FILIALE t XVIII., WÄHRlNGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-31 Lieferant für Heilanstalten AbteilungenfürKoscherfleisch unter Aufsieht des ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen für den Satobaih". Der Neu„geschleppte" wußte bisnun angeblich nichts von diesem Ritual. Er hat offenbar einen ReKgionslehrer, der' infolge der Behandlung „aktueller Tagesereignisse" nicht dazugekommen ist, diesen Brauch zu erklären. Noch ein wenig Tarnung: „Ein Mädchen hielt frei einen Vortrag über den üottesbegrifi." (?!) Aber die Hülle beginnt langsam und sicher zu fallen: Eine andeTe Schülerin liest' bereits über die Einführung der „Sabbathfeiem" in Palästina. Nun ist man dort, wo man eigentlich sein will. Es werden „Volkslieder" mit Begeisterung gesungen. Die Begeisterung für den Nationalzionismus soll den Neuling mitreißen, und da die Regie gut klappt, gelingt es in vielen Fällen. Die mangelnde Urteilsfälügkeit und die leichte Beeinflußbarkeit der Jugend ist ein guter Spekulationsboden. Nun tritt endlich der Regisseur, der Religionslehrer, in Aktion; er bespricht — ein hebräisches Gedicht eirifes berühmten (selbstverständlich jüdischnationalen)..fLs'j^cers. Man sieht, was al; Hauptsache und was als Nebensache gilt. Eine S c h ülenin spricht frei über den Oottesbegriff, der Reügions 1 e h r e r spricht über ein Gedicht eines nationalzionistischen Dichters — Kommentar überflüssig! Nun aber ist die Stimmung hinreichend für den Hauptzweck vorbereitet. Die Neugeworbenen sind bereits soweit „erfaßt", daß sie „würdig" sind, die jüdische Nationalhymne zu singen. „Noch ein hebräisches Lied" nennt sie aus begreiflichen Gründen der eben dadurch als bestellt erkennbare Brief des „Erfaßten". Die Feier ist zu Ende — der Weg ist gemacht, von der österreichischen Bundeshymne zur jüdischen Nationalhymne, vom österreichischen Juden zum Naticnaljuden, der es gleich anfangs lernt, die Religion in den Dienst der Parteipolitik zu stellen. Das ist die „unpolitische" Dachorganisation, in die unsere Jugend hineingepreßt werden, in der sie den volksbewußten" Führern ausgeliefert werden soll. Schon jetzt hetzen die jüdischnatconalen Lehrer ihre Schüler und Schülerinnen in diesen „Dachverband" mit seinem „Oneg Schabbat". Es werden dabei nicht immer probate Mittel angewendet. Wir lialten es durchaus als unzulässig, wenn beispielsweise den Schülern erklärt wird, daß der „Oesterreichische' Pfadfinderbund" ganz sicher aufgelöst werden wird und daß ein späteres Eintreten ins „Jüdische Jungvolk" (= jüdischnationale Dachorganisation) Nachteile mit sich bringen werde, während die sofort Eintretenden große Vorteile genießen würden. S o wird „u n p o 1 i t i s c h" im R e 1 ig i o n s Unterricht geworben. Die Elternschaft aber, die österreichisch und wahrhaft religiös gesinnt ist, wird aus der Angelegenheit lernen, nicht nur bei Sabbath-Ausgang, sondern auch hier „Hawdalah" zu machen! „Hawdalah" heißt nichts anderes als „Unterscheidung", .und zwar: „ben kodesch lechol" — Unterscheidung zwischen Heiligem und Unheiligen. Sie wird unterscheiden lernen zwischen heiliger wirklich religiöser Erziehung zu Gottesfurcht und Vaterlandsliebe und zwischen dem unheiligen Machwerk religiös-getarnter Parteipolitik, das nur ein Ziel kennt: Jüdischnational-zionistische Propaganda und den falschen Weg geht: Von der österreichischen Eundeshymne zur jüdischen Nationalhymne. „Ohel Shem" (Polnischer Tempel), II., Leopoldsgasse 29. Freitag, den 4. d. M., 8 Uhr abends, Vortrag des Herrn Jakob M. Frostig: Wochenabschnitt mit Or Hachajim. Anschließend Oneg Sabbath. Eine „Mystifikation" und eine Entlarvung. Die „Neue Welt" und „Die Stimme" veröffentlichen eine Zuschrift des Präsidiums des Rings der Alt - Herren - Verbände der zionistischen Verbindungen, in welcher erklärt wird, daß der in der letzten Nummer der .,W a Ii r Ii e i t" von einem prominenten Mitglied des Rings der Alt-Herren-Verbände der zionistischen Verbindungen, unter dem Titel .,Kampfansage an die Flucht ins Ghetto" veröffentlichte Artikel eine Mystifikation sei, weil „die assimilatorische Tendenz dieses Artikels zum nationalen Bekenntnis und die anonyme Veröffentlichung desselben in einer gegnerischen Zeitschrift zum Ehrbegriff der Ringmitglieder und zu deren Disziplin in krassem Widerspruche stehe". Der Titel: „Ring der Alt-Herren-Verbände der zionistischen Verbindungen" ist offenkundig eine Irreführung. Es handelt sich also gar nicht um den Ring zionistischer Verbindungen, sondern um den Ring jüdischnationaler Verbindungen. Denn nur von diesem Gesichtspunkte aus kann die „Wahrheit" als eine gegnerische Zeitschrift angesehen werden. Und nur von diesem Gesichtspunkte aus sind auch die Aeußerungen des Rings der Alt- Herren-Verbände der zionistischen Verbindungen, zum Beispiel in der Frage des „Oesterreichischen Jungvolkes" zu werten. Wir lernen auch aus der Zuschrift, daß jede andere Meinung der Ring-Mitglieder, wie sie im Artikel „Kampfansage an die Flucht ins Ghetto" zum Ausdrucke kommt, mit der in diesen Kreisen üblichen Gewalt unterdrückt wird, mit der nur für Hampelmänner und Barrierestöcke wirksamen Drohung, daß jede andere Meinung „zum Ehrbegriff der Ring-Mitglieder und zu deren Disziplin in krassem Widerspruch stehe". Dem Präsidium des Rings sei noch gesagt, daß diese Einstellung, wie sie im Artikel „Kampfansage an die Flucht ins Ghetto" zum Ausdruckekommt — zur Ehre der Ring-Mitglieder sei es gesagt — keine vereinzelte ist, und daß eine öffentliche Gegenaktion gegen die Aeußerung des Rings in der Jungvolkfrage, die initiativ von einzelnen Alten Herren eingeleitet wurde, nur durch Drolungen des Rings und Bitten und Beschwörungen des „Alten. Herren" Staatsrat Dr. Desider F r i e dmann unterdrückt werden konnte. Eine zusammengebrochene antisemitische Luge. In der „Niederösterreichischen Landpresse St. P ö 11 n e r S o n n t a g s - Z e i t u n g" vom 15. Jänner war folgendes zu lesen: „Eine unerhörte Herausforderung der christlichen Bevölkerung." Herr Alexander Stipotic, früherer verantwortlicher Schriftleiter der „Aspanger Sonntagspost", bzw. der „St. Pöltner Sonntags-Zeitung", der „Stockerauer Zeitung", des „Wr.-Neustädter Volksblattes", gSbt auf Grund der Aufklärungen, die ihm im Ehrenbeleidigungs- WIRTSCHAFTLICHE £eitecin für Saus unb &fid>e, Sie fdjon in gröberen Betrieben gearbeitet Ijat, wirb fSr ein Stirn aufgenommen. Offerte mit 3engnisab[d)riffen 30 ridjfen unter „Söhlige Süa\t", an »le Seoafciiou »er „OTaljrljcir", ZOten, 2. Sej., äeincflrafje 13.