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Die Wahrheit · 1938-02-04 · Heft 5 (4.2.1938) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1938
Issue
Heft 5 (4.2.1938)
Date
1938-02-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 5 —J. Februar 1938 Seite 5 Eröffnung des Heimes der „Österreichisch-jüdischen Akademiker - Union". Am Sonntag, den 30. Jänner, fand die feierliche Eröffnung des Heimes der „Oesterreichisch-jüdischen Akademiker-Union (IX., Berggasse 4) statt. Erschienen waren die Herren des Zentralvorstandes der „Union", die Leitung der „Jugend-Union" und des „Jüdischen Jugend-Kreises" 'sowie eine große Zahl geladener Gäste. Unter den Anwesenden bemerkte man insbesondere den Ehrenpräsidenten der „Union", Dr. Jakob Ornstein, den - Präsidenten Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim, die Vizepräsidenten Dr. Josef T i c h o und Geza Klinger und als Vertreter des Herrn Prof. Lugmayer, Volksbildungsreferenten der Stadt Wien, Prof. Dr. Kupfer. Das äußere Bild des Heimes bot einen überraschend angenehmen Anblick. Behaglichkeit und Zweckmäßigkeit waren die Richtlinien bei der BuctihaltungsbQro Martin Hoim WienV., Margaretenstr. 121, Telephon B 25-1-81 L Bilanzen.Revisionen, Pauschalbuchhaltungen, Steuer-Wirtschafts-Beratung Mäßiges Honorar, Besuch unverbindlich Gegründet 1912 Ausstattung desselben. Man versteht, daß sich innerhalb dieses Rahmens die Jungakademiker gerne zur Arbeit zusammenfinden. Das beweist die trotz der Zeit der Prüfungen große Anzahl der erschienenen Hochschüler. Die Feier nahm einen würdigen Verlauf. Nach dem Absingen der Bundeshymne begrüßte Herr Chefredakteur Oskar H i r s c h f e Id, der den Vorsitz der Versammlung führte, im Namen der „Oesterreichisch-jüdischen Akademiker-Union" die Festgäste aufs herzlichste und dankte für das zahlreiche Erscheinen. Hierauf nahm Rabbiner Prof. Dr. Manfred Papo die religiöse Weihe des Heimes vor. Nach dem Anschlagen der Mesusah dankte er in äußerst tief empfundenen, von wahrer Religiosität getragenen Worten dem Allmächtigen für das Gelingen des Werkes. Er verwies auf die Stelle des Wochenabschnittes, in dem es heißt, daß Gott Moses befiehlt, die Israeliten sollen ein Heiligtum errichten, auf daß ich in ihrer Mitte weile. An Stelle dieses Heiligtums aus Stein sei nun das unerschütterliche geistige getreten und möge seinen Widerklang finden in der Denkungsart der Jungakademiker. In ihnen sollen jene geistige Kräfte des Judentums zusammengefaßt werden, die fern vom Nationalismus auf der Basis des wahren Judentums der Religion zu wirken gedenken. In seinen weiteren Ausführungen erklärte Herr Rabbiner Prof. Dr. Papo, daß der Dank nächst Gott allen jenen menschlichen Kräften gebühre, die mitgearbeitet haben an der Schaffung der neuen Organisation. Als nächster ergriff der Obmann der „Akademiker-Union", cand. phil. Kurt Baume r t, das Wort. Nach der Begrüßung der Gäste gab er einen Ueberblick über das bisher Vollbrachte, die Tätigkeit im ersten Semester des Bestandes. Er betonte die Begeisterung, mit der die Jungakademikerschaft trotz der Schwierigkeiten sich sofort aus vollstem Herzen in den Dienst der Sache gestellt hat, und dankte den hilfsbereiten Herren der „Union", die eifrig zum Gelingen des Werkes beigetragen haben. An erster Stelle nennt er den geistigen Initiaior, den Anreger der Gründung, Herrn Dr. J. G r ü n w a l d, sowie Herrn Rabb. Prof. Dr. Papo, den eigentlichen Ausführer der Idee. Durch dessen unermüdliche tätige und vor allem geistige und ethische Mithilfe war die Durchführung dieser Idee und die Ueberbrückung aller Schwierigkeiten überhaupt erst möglich geworden. Lauten Beifall fand auch die Nennung der Namen des Vizepräsidenten Geza K l i n g e r, der den bedürftigen Akademikern das tägliche Essen aus der „Einheit" verschaffte, des Herrn Börserat Heinrich Popper, der das Verbindungsglied zwischen „Akademiker-Union" und Zentralvorstand ist, des wahren Freundes Dr. Ernst Feldsberg und <les Herrn Kultusvorsteher Friedrich Feuer, der die schöne Ausstattung des Heimes besorgt hatte, sowie der übrigen hochherzigen Gönner, die der „Akademiker-Union" in .ihrem schwierigen Kampfe finanzielle und materielle Hilfe gewährten. Abschließend gab Herr Baumert das Programm für die nächste Zeit kund, das sich vor allem im Ideologischen bewegt, und gab die Versicherung, daß die ,,Akademiker-Union" bestrebt sein werde, das Beste im Geiste der „Union" zu leisten. Unter allgemeinem Beifall ergriff nun Reg.- Rat Dr. Oppenheim das Wort. Es wäre, führte er aus, seit jeher sein herzlichster Wunsch gewesen, die vaterländische akademische Jugend Oesterreichs zu sammeln. In diesem Sinne sei mit seiner Mithilfe die „Jüdisch-Akademische Lesehalle" gegründet worden, die aber nach seinem Austritte verfiel und nationalem Einflüsse erlag. In prägnanten Worten wird nun das ideale Programm der „Union" entwickelt und den Jungakademikern der Rat erteilt, sich von der Politik und insbesondere vom Nationalismus fernzuhalten, die den Charakter verderbe, wie denn überhaupt auf die Charakterbildung der Akademikerschait der größten Wert zu legen sei. Hoffnungsvoll sieht Dr. Oppenheim das Gedeihen der neuen Gruppe voraus, soferne sie auf dem beschrittenen Wege zu wirken fortfahre, und verweist auf die Tatsache, daß mehr ab zwei Drittel der jüdischen und österreichischen Akademiker sich nicht vom Nationalismus habe betören lassen. Er schließt mit dem Ausrufe auf die Akademiker-Union „Vivat. crescat, floreat!". Herr Dr. Feldsberg begrüßte nun im Namen der Altakademiker die Festgäste und Jungakademiker. Mit ergreifenden Worten gibt er seinen Freundschaftsgefühlen und seinem innigsten Mitempfinden für die jungen Kollegen Ausdruck. Es werde immer sein Streben sein, den jungen Studenten zu helfen, damit ihre Studienzeit nicht derjenigen gleiche, die er selbst im Kampfe mit dem Rassenantisemitismus durchleben mußte. Nicht die Idee der Macht, sondern die Macht der Idee müsse die Jugend beherrschen. INTERNATIONALE. TRANSPORTE E. Eolbtiazower- P. G. Wasier Tel. A=42=201 Büro und Lagerhaus: Wien IL, Ob. DonauStT. 63 Speditionen aller Art im Inu. Ausland. Billigste Einlagerungen. Vereollungen. Rumäniens Judenpolitik. König Carol will keine GewaltmaBnahmen Keßen die Juden treffen. König Carol II. von Rumänien empfing den europäischen Direktor des amerikanischen Nachrichtenbüros Associated Press und gewährte ihm ein Interview über die gegenwärtigen politischen Ereignisse in Rumänien. In der Unterredung heißt es u. n.: Der König erklärte einleitend, in Rumänien sei das jüdische Problem aktuell. Es ist noch nicht ganz klar, auf welche Weise diese« Problem gelöst wird, aber der erste und wichtigste Punkt der rumänischen Politik, sagte der König, wird sein, unbedingt iedwed'en GewaltmaBnahmen gegen die Juden absolut auszuweichen. Dessen sind wir uns sicher. Der amerikanische Journalist stellte an König Carol die Frage, ob irgend ein Vorschlag für eine Massenausweisung oder die Ans'edlung der Jugen in irgend einem anderen Weltteile existiere. König Carol antwortete, seine Regierung habe sich mit dem Studium dieser Frage noch nicht befaßt. „Es käme uns sehr gelegen, wenn unsere Juden freiwillig abreisen würden, aber wir haben bisher die Möglichkeit einer Massenausweisung noch nicht studiert und niemand hat bisher an den Ort gedacht, wohin diese Juden reisen könnten. Für Rumänien ist es sehr schwierig, sich selbst mit dieser Frage zu befassen. Es würde eine internationale Aktion voraussetzen und bisher hat niemand für eine ähnliche Aktion die Initiative ergriffen." Am Schluß seiner Unterredung berührte der König d'ie Entwicklung der Genfer Ereignisse und sagte, daß ihm die Vertagung der Diskussion über die Minderheitenfrage Freude bereitet habe. Der König sagte hierbei wörtlich: „Die Vertagung der Diskussion über die Minderheitenfrage gewährt . uns. eine Atempause. Wir wollten einer derartigen Diskussion nicht ausweichen, man muß aber begreifen, daß die neue Regierung, die einen neuen Weg einschlägt, etwas mehr Zeit braucht IffittfcftaftHcfte ffieratungsftene in der „Union' unter Leitung des Obmannes des Organisation - Komitees der „Union österreichischer Juden". Herrn Kommerzialrat ALEXIUS SALZER: jeden Montag und Freitag von 10—12 Uhr vormittags im Sekretariat der „Union" /., Schottenring 25, Mezzanin, Tel. A 19-2-77. Jedes Mitglied der „Union" erhält in allen Angelegenheiten der Vtirtschaft, wie in allen gewerberechtlichen u. kaufmännischen Angelegenheiten, Steuerberatung oollkommen unentgeltliche Auskunft. Derfi d) emngsberatung in allen Zweigen der Elementarversicherung wie Feuer, Einbruch. Glas, Haftpflicht Unfall, Transport und Polizzenprüfung Die Mitglieder der „Union" erhalten im Bedarfsfalle auch unantseltlicha ärztliche Beratung. Für die „Jugend-Union1' sprach Dr. David, der auf die Bedeutung aller Jugendgnippen der „Union" verwies und die eifrige Unterstützung der Jugend forderte. In flammender Rede setzt er sich für die unionistische Jugend, insbesondere den „Jüdischen Jugend-Kreis", ein. Er schloß mit den besten Wünschen für die „Akademiker-Union". Zum Abschluß der Feier ergriff noch einmal Herr Chefredakteur 0. Hirse Ilfeld das Wort, und ersuchte die Anwesenden, durch materielle Unterstützung der sich so glücklich entwickelnden Organisation zu helfen. Zahlreiche Spenden bewiesen, welchen Widerhall der Appell des Redners gefunden hat. Mit dem Lied der Jugend fand die Feier ihren würdigen Abschluß. Sie läßt in uns die Hoffnung aufkommen, bald noch mehr von der Tatkraft und Begeisterung der „Akademiker-Union" zu hören und ihr für ihren weiteren Bestand die besten Wünsche mitzugeben. Man kann sich dem Eindrucke nicht verschließen, daß hier in so kurzer Zeit unendlich viel und äußerst wichtiges nicht nur für die „Akademiker-Union", sondern für die gesamte „Union" und damit für das österreichische Judentum geleistet wurde.;:ls nur einige Wochen, um die Grundsätze ihrer Politik festzusetzen und die Probleme eingehender zu studieren.'" Jüdischer Haus- und Landbesitz enteignet. Das offizielle Publikationsorgan der Regierung, „M o n i t o r u 1 0 f i c i a 1", veröffentlicht ein D e k r e t, laut welchem die Enteignung zahlreichen jiidrschen Haus- und Landbesitzes in der Provinz Bukowina und in deren Hauptstadt Czernowitz zwecks Zuführung dieses Besitzes der „öffentlichen Nutzbarkeit" verfügt wird. Das Dekret s.ieht u. a. vor die Enteignung des Jüdischen Hauses in Czernowitz, sämtlicher Realitäten der Czernowitzer Kultusgemeinde, fünf weiterer jüdischen Privatpersonen gehörenden Häuser in Czernowitz, sowie o nes Grundstückes in dem Kurort Vatra-Dornel, welches der jüdischen Kultusgemeinde von Wiznitz gehört. Der beschlagnahmte Besitz wurde dem Metropolitan-Amt der Griechisch-Orthodoxen Kirche zu „kulturellen Zwecken" überwiesen. Im Dekret wird erklärt, daß die bisherigen Eigentümer eine Entschädigung erhalten werden. — Das beschlagnahmte Jüdische Haus in Czernowitz ist einer der schönsten Bauten der Stadt und beherbergt die hervorragendsten Institutionen der mehr als 50.000 Seelen zählenden jüdischen Gemeinde, die Besitzerin des Prachtgebäudes ist. Das Industrie- und Handelsministerium ersuchte alle Präiekten, Namenslisten der Beisitzer jener Unternehmungen einzusenden, die in der letzten Zeit geschlossen wurden. Man glaubt, daß jüdische Unternehmer, die 'ihre Betriebe iniolge der antisemitischen Politik der Regierung stillgelegt haben, zur Rechenschaft gezogen werden sollen. Jüdische Anwälte dürfen nicht ins Gericht. Nicht allein die Bukarester Advokatenkammer, sondern auch die meisten Advokatenkammern in der

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