Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1938
- Issue
- Heft 5 (4.2.1938)
- Date
- 1938-02-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT SeiteJ Wien 1M Seitenstettengasse 2 XI., Zentralfriedhof neben dem L Tor Samstag ge«cfaloasen! Prozeß, welchen Herr Hugo Schwarz gegen ihn angestrengt hat, zuteil wurden, iolgende Erklärung ab: Ich halte die Beschuldigungen, denen zufolge durch Verschulden des Herrn Hugo Schwarz auf dessen Gut Hostienabiälle zu Zwecken der T'l e r f ü 11 e nu n g verwendet wurden, nicht aufrecht. Es hat sich ergeben, daß Herr Hugo Schwarz seit längerem zu Zwecken der Tiertütterung von der christlichen Wiener Firma Qeorg Kaltenhausen Wien XIX., Backoblatenabfälle bezieht und daß ihm von dieser Firma, ohne sein Wissen, einmalig Abfälle der Hostienerze ugung geliefert wurden. Herr Alexander Stipetic erklärt daher, die-Beleidigungen des Inhaltes: „Der Vorfall, der in seiner unglaublichen Niederträchtigkeit eine Beleidigung der ganzen Bevölkerung und ihrer Religion darstellt . . ." und „wie notwendig es ist, endlich einmal derartiger jüdischer Qemoinheit und Frechheit Einhalt zu tun", zu bedauern. Er hat es übernommen, zu den Kosten des Verfahrens einen Beitrag von 40 Schilling zu leisten. JUGEND-UNION. Generalversammlung der Jugend-Union. Am Mittwoch, den 12. v. M., fand, wie letzthin schon berichtet, •die zahlreich besuchte Generalversammlung der Jugend- Union statt. Viele Mitglieder des Zentralvorstandes unter der Führung des Herrn Präsidenten Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim, sowie die Vertreter aller bestehenden Bezirksgruppen der Jugend-Union, die Delegierten der Akademiker-Union und des Jüdischen Jugend-Kreis waren erschienen. Nach einer sehr aktuellen und crmahnenden Begrüßungsansprache des Obmannes Dr. Bruno David erstatteten Dr. Abel es den Tätigkeitsbericht und Herr ß a s e s den Kassabericht für -das Jahr 1937. Nach dem Absolutorium der alten Leitung über Antrag des Revisors, Herrn Dr. Ernst Felds- "berg, führte, wie alljährlich, Herr Chefredakteur Oskar H'irschfeld den Vorsitz in der nun folgenden regen Debatte. Von den Reden seien vor aliem die des Herrn Präsidenten der „Union*', Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim und des iHerrn Kultusvorstehers Doktor Emst Feldsberg, erwähnt. Nach den Neuwahlen kam noch eine Statutenänderung zur Abstimmung, die im Hinblick auf das neue Jugendgesetz von Herrn Dr. Ernst A b el es beantragt wurde und einstimmige Annahme fand. Nun stellte Dr. Bruno David den Antrag, das langjährige Leitungsmitglied der Jugend-Union, Frl. Gerti G r ü n, anläßlich ihres Scheidens aus der Leitung zum ständig beratenden Leitungsmitglied zu ernennen. Der diesem Antrag folgende langandauernde Beifall der Versammlung zeigte, wie sehr dieser Antrag Dr. Davids berechtigt ist. Generalversammlung der Bezirkssektion 1V,V der „Jugend-Union". Am 24. Jänner fand im Heim der Bezirkssektion IV/V der Jugendgruppe der „Union österreichischer Juden" die ordentliche Generalversammlung statt. Aus dein erstellten Rechenschaftsberichte geht hervor, daß im abgelaufenen Jahre 49 größere Heimabende abgehalten wurden, welche, vor allem dem Zwecke dienten, die jüdische Jugend durch interessante jüdische und allgemeine wissenschaftliche Vorträge fortzubilden. Unter den abgehaltenen Vorträgen seien nur einige erwähnt: „Jüdisches Eherecht einst und jetzt", „Die Teilung 'Palästinas", „Der uniorai-stische Gedanke und die Jugend", „Die Leistungen der Juden in Deutschland", „Jüdisches Pressewesen'*, „Probleme des modernen Judentums", „Die Stellung der Juden in Oesterreich", „Die Judenfrage 'im Brennpunkte mitteleuropäischen Interesses", „Haman einst und jetzt" usw. Die Vorträge waren ausgezeichnet besucht und bewiesen das besondere Interesse, das d?e heranwachsende Jugend an diesen Vorträgen hatte. Die Sportsektion der Jugendgruppe war bemüht, für die körperliche Ertüchtigung der Jugend entsprechend Vorsorge zu treffen. Ganz 'besonderer Wert aber wurde daraui gelegt, wirkliche und aufrichtige Freundschaft zwischen den Angehörigen der Jugendgruppe zu iördern und zu pflegen. Das in Vertretung des Präsidenten der „Union österreichischer* Juden" erschienene Mitglied des Zentralvorstandes, Dr. Ernst Feldsberg, konnte mit großer Befriedigung der Jugendgruppo den Dank des Zentralvorstandas und die besten Wünsche für ihr weiteres Gedeihen übermitteln. Diesen herzlichen Wünschen schlössen sich der Leiter der Beziirksgruppe IV/V der „Union, Herr Desider W o 11 n e r und der Obmann der „Jugend-Union", Herr Dr. Bruno David an. Vokal-Konzert in der Jugend-Union. Am 26. Jänner veranstaltete die Jugend-Union ein sehr gut besuchtes Vokal-Konzert liturgischer und weltlicher Muis>ik. Herr Oberkantor Kapellmeister Hermann Qwillmann brachte in vollendeter Weise liturgische Werke eigener Komposition zum Vortrag und konnte außerdem in den ausgezeichnet gesungenen Opernarien von Bizet, Meyerbeer, Puccirri etc. sein Können unter Beweis stellen. Zum Gelingen des Abends trugen außerdem Frau Cäcilie Gwillmann, die sich als gewiegte Pianistin erwies, und Kapellmeister Micha Elbergescu, der in der Art seiner Darbietungen an den Geiger Boulanger erinnert, das Beste bei. Es war ein überaus gelungener Abend, und" hofft die Leitung der Jugend-Union, bald wieder Gelegenheit zu haben, die ausgezeichneten Mitwirkenden bei sich zu hören. H. L. Um die Spende des Bundeskanzlers. Wie die „S a 1 z b u r g e r Chronik" berichtet, erklärte Staatssekretär Zernatto bei der Versammlung der Salzburger Vaterländischen Front auf den Einwurf aus der Mitte der Versammlung, daß Bundeskanzler Schuschnigg den Juden eine Privatspende von 10.000 S gegeben hat, Folgendes: Ich halte eine solche Entstellung (gemeint war die Mitteilung im ,,Salzburger Volksblatt":) für eine Gemeinheit; die Winterhilfsaktion in Oesterreich, die von allen Bevölkerungsschichten in Oesterreich unterstützt wird, wird auch weiterhin allen Oesterreichern, die in Not sind, zugewendet. Und so ist auch ein Teil der Winterhilfsspenden den österreichischen Juden, die ja auch ihrerseits die Aktion unterstützten, zugekommen. Führende Berliner jüdische Zeitungen verboten. Reichskominissar Hans H i n k e 1 hat das Erscheinen der „C. V.-Zeitung", Organ des Centraivereins der Juden in Deutschland, bis zum 24. Februar d. J. verboten. Die „C. V.-Zeitung" hat unter den jüdischen Zeitungen Deutschlands die höchste Auflage, sie erscheint in rund 37.000 Exemplaren. Reichskomnussar Hans Hinkel hat erst vor wenigen Tagen das Erscheinen der „Jüdischen Rundschau" bis zum 27. Februar verboten. In beiden Fällen wurde eine Begründung nicht gegeben. In manchen jüdischen Kreisen gibt man sich der Besorgnis hin. daß das Verbot dieser beiden führenden jüdischen Zeitungen in Deutschland ein Vorspiel sei für weitere einschneidende Maßnahmen gegen die Juden. Man erinnert sich, daß diese beiden Zeitungen und auch andere jüdische Publikationsorgane in Deutschland unmittelbar vor der Verkündung der Nürnberger Gesetze im Jahre 1935 verboten worden seien. Brief aus Zagreb. Der .,2idov*\ das offizielle Organ des Verbandes der Zionisten Jugoslawiens, hat in seiner Nummer vom 31. Dezember 1937 anscheinend mit einem kleinen Silvesterscherz aufwarten wollen. Natürlich auf Kosten der N.ichtzionisten. Herr Gustav S e i d e m a n n aus Wien, ..nniähig, irgend jemandem etwas, zu Leide zu tun", läßt einen niedlichen, ironiegewürzten Artikel vom Stapel. Uebersehrieben „So sind die Zionisten . . .**. Er nimmt die Nichtzionisten her, die es um so vieles besser haben als die armen, geplagten und geschröpften Zionisten. Wir aber haben auch einiges zu Herrn Seidemanns geistreichen Ausführungen zu sagen: Ausgangspunkt seines Artikels ist ein angeblich stattgehabtes Gespräch mit einem Nichtzionisten. einem Kaufmaune, der sich bei ihm, ausgerechnet bei ihm, beklagt haben soll, daß irgend ein ungenannter Zionist nicht d'ie Aussteuer seiner Tochter bei ihm, dem Nichtzionisten. gekauft habe. Nun, es ist bekanntlich niemals eine Parole herausgekommen, „Juden kauft nur bei Juden'*, nicht einmal „Nichtzionisten, kauft bei Nichtzionisten". Es ist also sehr wohl möglich, daß besagter Jude auch bei einem Nichtjuden gekauft hätte. Herr Seidemann aber hat nun einen hübschen Vorwand und Anlaß, sich einmal über das Thema „So sind die Zionisten" auslassen zu können. Und ... um einmal gegen sciunachQng yoh GraifeB and Grauem LEopoldOeutsEliJieDXI. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof I. Tor. Yel. U 13-0-40 Zentralfriedhof IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen den „guten Juden"* ein paar Tintenspritzerln zu wagen. An dem wirklich guten Juden prallen sie ab: Der gute Jude tut Gutes um des Guten willen. Ohne in Zeitungen großes Geschrei davon zu machen. Er „hängt es nicht an die große Glocke!" Der gute Jude liest sehr eifrig gute jüdische Lektüre. Es muß ja nicht unbedingt . . . nationalzionistische sein! Der gute Jude läuft ja keineswegs mit Scheuklappen herum! Der gute Jude zahlt auch, genau so gerne wie jeder andere Steuerzahler, genau so gute und manchmal, wenn es ihm dementsprechend pekuniär geht, hohe, ja sogar die allerhöchsten Steuern. Und beschwert sich über ungerechtfertigte Steuern genau so wie . . . der Zionist! Wer wird denn so ungerecht sein, ihm das zu verargen? Nun, ein Zionist wird sich natürlich — niemals über zu hohe Steuerbemessung beschweren! Ein guter Jude, der im Gemeiiidevorstaud ist, wird auch sehr darauf halten, daß die jüdische Tradition gepflegt und auch in den Herzen der j u n g e n Menschen verankert wird! Ja, ein Zionist . . . hat das nicht nötig. Wenigstens . . . denkt er, er habe das nicht nötig. Denn eigentlich ... der schöne Name, den man führt, verpflichtet doch, sollte man meinen . . .! Zagreb. Jänner 1938. Einer, der nicht im soldenen Buche des Kercn Kajemeth eingetragen ist. GEMEINDECHRONIK. Verein iür jüdische Geschichte und Literatur. Am 31. Jänner sprach Präsident Dr. Jakob Ornstein über das Thema: Josef Nassi, Herzog von Naxos. Der Vortragende schilderte in äußerst realistischer Weise das Leben dieses Mannes, der als Maranne geboren, Zeit seines Lebens zum Wohl der Juden wirkte. Der Vortragende skizzierte den Werdegang Josei Nassis und ließ vor dem geistigen Auge der Zuhörer die Persönlichkeit dieses Mannes erstehen. Dr. Ornstein würdigte Josef Nassi als erfolgreichen Politiker, Vertreter der jüdischen Interessen und Förderer der jüdischen Wissenschaft. Auch diesmal konnte man die außerordentliche Vertrautheit mit den historischen Tatsachen und die anschauliche Darstellungsweise des Vortragenden bewundern. Der Vortrag Dr. Ornsteins, der noch auführlich besprochen werden wird, fand beim zahlreich erschienenen Publikum stärksten Beifall. Am 17. Jänner hielt Frau Dr. Edith Taglicht einen Vortrag über das Thema: Das Puriiuicst. Die Vortragende ging von der biblischen Ester-Rolle aus und besprach die kritischen Studien der Forscher über die Entstehungszeit des Esther-Buches. Dr. Taglicht beleuchtete sodann die psychologischen Momente des Purimfestes und warf die Frage auf, warum dieses Fest eine solche Rolle spielt und was es eigentlich iür das jüdische Volk bedeute. Das Purimiest ist ein Freudenfest: kein anderer jüdischer Feiertag hat so viele Vorschriften über die Freude aufzuweisen wie da.-) Purimfest, dessen Vorschriften und Bestimmungen vo:i der Tradition festgesetzt wurden. Ein besonderes Kennzeichen dieses Festes bestellt darin, daß die Freude von der ganzen Gemeinde ausgehen soll. Das Purimiest hat im Laufe der Zeit viel Bereicherung erfahren. Im Mittelalter wurden Purimspiele aufgeführt, die dem deutschen Fastnachtspiel entsprachen. Das Purimfest bildet eine Antwort auf die Frage: Was wird uns aus Not und Bedrückung helfen? Von christlicher Seite aus hat man dem jüdischen Volk dieses Fest vorgeworfen und geltend gemacht, daß w r uns immer über Hamans Untergang treuen. In welcher Form aber freut sich das jüdische Volk? Das jüdische Volk will nur die beruhigende Antwort haben, daß die Not. die es erleidet, einmal vorübergehen wird. Dieses Fest ist ein Tag der Erleichterung für das jüdische Volk. Frau Dr. Taglicht schilderte anschaulich den Festzug. der alljährlich aus Anlaß des, Purimfestes in Palästina veranstaltet wird. Das Purimfest zeigt den Beginn des Frühlings an: am 15. Schewat beginnt das Ahnen des Frühlings in Palästina. An diesem Tage beginnen die Vorbereitungen für den großen Purimzug. Die Vortragende hat •elbst an einem solchen Zug teilgenommen. Dieser Um-