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Die Wahrheit · 1938-02-04 · Heft 5 (4.2.1938) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1938
Issue
Heft 5 (4.2.1938)
Date
1938-02-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 5 — 4. Februar 1938 DIE WAHRHEIT JÜDISCHE JUGEND WIENS! ■Gedenkt der Leistungen und des Opferwillens eurer Väter für Oesterreich, denkt daran, was Oesterreich euren Vätern stets bedeutet liat. Dann werdet Ihr verstehen, daß auch euch dieses Land Heimat und Vaterland sein muß. Macht euch nicht bewußt zu einer rechtlosen Minderheit, sondern denkt immer daran, daß Ihr auf Grund eurer Zugehörigkeit zum Oesterreichertum und zur österreichischen Kultur ein Recht auf volle Gleichberechtigung habt. Jüdische Jugend Wiens, an euch liegt es, zu beweisen, daß Ihr die würdigen Kinder eurer österreichischen jüdischen Väter seid, die für Oesterreich gekämpft und gelitten haben. Jüdische Jugend Wiens hinein in die JUCIENDaUNION Die Propagandaleitune der Jugend-Union, I„ Schottenring 25. Anmeldungen jeden Mittwoch und Donnerstag von 7 bis 8 Uhr abends im Klubheim „Die Zeit der Simultanschule ist vorbei"? Jüdischnationaler Schrei nach dem Schulghetto! Als der jüdischnationale Begeisterungssturm über die geplante Errichtung des ghettomäßigen jüdischen Jungvolkes losbrach, da sahen alle nicht von Partedhetze verblendeten Eltern in weiter Ferne die Gefahr, daß eines schönen Tages die maßgebenden Stellen erklären könnten, man könne mit jüdischen und christlichen Kindern nicht nur keinen gemeinsamen Heiinabend veranstalten, sondern man müsse auch im Unterricht um der Tendenz-Gegenstände „Deutsch" und ..Geschichte" willen eine Trennung vornehmen. Daran freilich, daß heute schon das Schulghetto von dem Obmann des Unterrichtskommission der Kultusgemeinde unter dem Schlagwort: „Die Zeit der Simultanschule ist vorbei" gefördert werden wird, daran hatte niemand gedacht. Während der glühende Wunsch der Nationalzionisten auf das Jugendghetto noch nicht erfüllt ist während die verantwortungsbewußten österreichischen Regierungsstellen die Sache noch mit vorsichtiger Ueberlegung behandeln, erhebt der offizielle Schulrefereut der Wiener Kultusgemeinde in seinem Parteiblatt schon die Forderung nach Ausdehnung des Ghettos auf die Schule. „Jüdische Hauptschule unbedingt notwendig" schreibt er in seinem Parteiblatt, — „Die Zeit der Simultanschule ist vorbei" — so begründet er in einer Versammlung seines .jüdisch-kulturellen" Elternbundes seinen Schrei nach der Ausscheidung der jüdischen Kinder aus den öffentlichen Schulen. Daß Herr Dr. Klaber für ein Umstellen der jüdischen Jugend vom Untermittelschulstudium zur Hauptschule eintritt, sei ihm unbenommen. Das Problem der Berufsumschichtung steht auch im Brennpunkt unseres Interesses, freilich ohne daß wir dabei in der Jugend illusorische Hoffnungen auf den „souveränen Nationalstaat" erwecken. Warum aber der Schrei nach der jüdischen Hauptschule? „Die Zeit der Simultanschule ist vorbei" — diese Begründung gibt Herr Dr. Klaber. Sieht er aber nicht ein, daß in diesem Augenblick auch die Zeit der Lebens- und Existenzmöglichkeit der Juden in Oesterreich vorbei ist und daß es Ziel und Absicht unserer Feinde ist, uns auf diesem Weg zu einem „Fremdkörper" zu stempeln? Die Zeit der Simultanschule ist nicht vorüber. Wir werden mit Einsatz aller Kräfte dafür kämpfen, daß sie weiterbesteht, kämpfen gegen ihre verbündeten Feinde im antisemitischen und im jüdischen Lager! Heute ist es infolge der von auswärts vergifteten Atmosphäre für einen jungen Juden nicht leicht, eine Stelle außerhalb des jüdischen Gebietes zu finden, aber er könnte eine solche Stelle noch bekleiden, er ist nur boshafterweise zum vFremden" gestempelt, ohne es zu sein, und die Atmosphäre kann sich bessern. Wenn aber die katastrophale Ghettopolitik der Jüdischnationalen in der Erziehungsfrage durchdringt, dann wird dem jüdischen Jugendlichen in kurzer Zeit die Fähigkeit fehlen, eine Stelle im Rahmen der nichtjüdischen Umwelt zu bekleiden — er wird wirklich ein Fremder sein. Wenn ein Junge in Schule und Jugendbund separiert erzogen ist und ohne den geringsten Kontakt mit seiner nichtjüdischen Umwelt aufwächst, dann kann er n u r innerhalb der Judenschaft seine soziale, kulturelle und wirtschaftliche Existenz finden — dem Jugend- und Schulghetto muß notwendigerweise das soziale, kulturelle und wirtschaftliche Ghetto folgen. Wir halten unentwegt an der Simultanschule als der Grundlage unserer Gleichberechtigung fest. Wir sind überzeugt, daß in der Simultanschule im Religions- und eventuellen Ergänzungsunterrichte der nötigen religiös-sittlichen Erziehung Genüge geleistet werden kann; wir sind aber ebenso überzeugt, daß in der jüdischen (sprich: jüdischnationalen) Schule nie und nimmer — auch bei den größten Bemühungen — jenes Gefühl der Verbundenheit mit der Umwelt anerzogen werden kann, das uns zur gedeihlichen Zusammenarbeit mit unseren christlichen Mitbürgern notwendig erscheint. Jüdische Eltern Oesterreichs! Seht Ihr die Gefahr noch immer nicht? Es geht um Eure Zukunft, die Zukunft Eurer Kinder! Tretet der nationalzionistischen Katastrophen-Politik mit aller Macht entgegen. Laßt Euch nicht von all den Schlagworten, In der „Population", London (Nr. 3 vom Dezember 1937), der Zeitschrift der „International Union for the Sciej|tiji§.:, Ijwestigatipn pf Population Problems"; veiäpf^tKcht Dr.. Kurt Ziel enzig er, Amsterdam; einen Artikel „Die Auswanderung der deutschen'; Juden seit 3933". Auf Grund sorgfältiger Erhebungen kommt der Verfasser zu dem Schluß, daß bis zum Ende des Die besten Eisen worsteil Sellin M 3mal täglich frisch bei Va^Kg Hfi6El,Wl!«IIJfil([Sl[äl!32 Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-Jisroel-(Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. Jahres 1937 aus Deutschland ungefähr 135.000 Juden ausgewandert sind. Die Auswanderung verteilt sich wie folgt: nach den europäischen Ländern .... 30.000 „ Nordamerika ."........ 15.000 „ Südamerika ......... 21.000 „ Südafrika .......... 4.000 „ der übrigen Welt....... 2.000 „ Palästina .......... 43.000 Rückwanderer nach Osteuropa . . . . . 20.000 in Summa . . . 135.000 Die Auswanderung deutscher Juden nach den einzelnen Ländern ist besonders schwer festzustellen, weil behördlich ermittelte genaue Za'hlen fast nirgends existieren. Hinzu kommt noch die Tatsache, daß zahlreiche deutsche Juden besonders aus den europäischen Ländern, die ihre ursprüngliche Zufluchtsstätte waren, weiter gewandert sind. Durch direkte Ermittlungen kommt Zielenziger zu folgenden Feststellungen über die europäischen Staaten. Man zählte Ende des Jahres 1937 unter Berücksichtigung aller Unsicherheitsmomente: Momieeet „Sie lOahxMt"! Ttwkwücdiqes mm %aq&. 4. Februar 1842 wurde Georg (Morris Cohen) Brandes (Hauptströmungen der Literatur des 19. Jhrh.) in Kopenhagen geboren. 5. Februar 1856 wurde Theaterdirektor Otto Brahm in Hamburg geboren. 6. Februar 1929 starb Dirigent und Komponisi Siegfried Ochs (Variationen über „Kommt ein Vogel geflogen", Maulbronner Fuge). 7. Februar 1859 wurde die Gründung einer Kultusgemeinde in Brünn bewilligt. 8. Februar 18S2 starb der Romanschriftsteller Berthold Auerbach (Schwarzwälder Dorfgeschichten) in Cannes. 9. Februar 1807 (1. Adar 1) trat in Frankreich das große S an he drin zusammen. 10. Februar 1880 starb lsak Adolphe Cremieux in Paris. wie „jüdisch-kulturell", ,,Sabbathfeiern", „jüdisches Geistesleben" (sprich: Nationales Leben) betören, die nur dazu da sind, um diese Katastrophen-Politik zu verhüllen. Von Euch allein und von Eurer Energie wird es abhängen, ob das Jugend-, Schul- und Wirtschaftsglietto Wirklichkeit werden oder nur ein gemeinsamer Wunschtraum der Nationalzionisten und der Antisemiten bleiben wird. in England...........ca. 4000 „ Frankreich..........„ 6000 „ Holland.......... . „ 5000 „ Schweden .■ . . . . . v . .«• 800 „ Dänemark............ 1000 „ Norwegen..........., 300 „ Oesterreich.......... „ 1500 „ Jugoslawien..........„ 450 „ C. S. R............„ 1000 „ Luxemburg..........., 200 „ Italien............„ 2000 „ den übrigen europäischen Ländern . „ 9.800 Der Gesamtverlust durch Tod, Austritt und Auswanderung hat die Gesamtzahl der jüdischen Bevölkerung Deutschlands inzwischen auf 360.000 Köpfe verringert. Sie hat also seit der Volkszählung im Juni 1933 um fast 30 Prozent abgenommen, seit Beginn des Jahres 1933 bestimmt um mehr als ein Drittel. Die Erhebungen, die Zielenziger angestellt hat, decken sich also mit der Erklärung in dem kürzlich veröffentlichten Aufruf der „Reichsvertretung der Juden in Deutschland", in dem es heißt: „Etwa ein Drittel des früheren Bestandes der jüdischen Bevölkerung hat Deutschland bereits verlassen ..." So bedeutungsvoll die Auswanderungsziffern für die Geschichte des deutschen Judentums sind, so beweisen diese statistischen Erhebungen in der „Population", wie sehr sich die Verstreuung der deutschen Juden fortsetzt und wie wenig sie im allgemeinen die Zufluchtsländer belastet. Der Verfasser erklärt, daß bei dieser Auswanderung die verschiedensten Momente mitsprechen, „neben den politischen und wirtschaftlichen auch die seelischen", er weist auch darauf hin, daß der Auszug so zahlreicher Menschen, die bisher in Deutschland auf den verschiedensten Gebieten erfolgreich gewirkt hatten, der vielen Gelehrten, Aerztc; Anwälte, Ingenieure, Künstler und Schriftsteller für das Auswanderungsland einen Verlust bedeuten muß. In seiner statistischen Abhandlung konnte der Autor aber nicht betonen, wieviel Leid und wieviel Elend sich hinter diesen trockenen Zahlen über die Auswanderung der deutschen Juden verbirgt. Nur unter stärkstem politischem Druck hat diese Wanderungsbewegung eingesetzt, durch die bereits ein Drittel der deutschen Juden gezwungen wurde, ihre Heimat zu verlassen. 135.000 Juden aus Deutschland ausgewandert.

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