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Die Wahrheit · 1938-01-28 · Heft 4 (28.1.1938) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1938
Issue
Heft 4 (28.1.1938)
Date
1938-01-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT. Nr. 4 — 2S. Jänner 1938 Seite 5 BuchhaltungsbüFD Martin Heim Wien V., Margaretenstr. 121, Telephon B125-1-81 L Bilanzen,Revisionen,Pauschalbuchhaltungeo, Steuer-Wirtsdiafts-Beratung Mäßiges Honorar, Besuch unverbindlich Gegründet 1912_^^^^^^ Juden v/erden aus dem diplomatischen Dienst entlassen. „Tzara Noastra", das Organ der Regierung, teilt mit, daß die im diplomatischen und Koasulardienst beschäftigten Juden in kurzem entlassen werden würden. Gegenwärtig gibt es bloß drei Juden, die als rumänische Handelsattächees tätig sind: Helphant in Portugal, Pom in Rom und ßercovici für Syrien und Palästina. Jüdische Religion aus den Schulen verbannt. Das U n t e r r i c Ii t s m i ni s t e r i u m hat angeordnet, daß die Rabbiner den Religio n sunterricht nicht mehr in den Schulen, sondern nur außerhalb, in eigens dazu bestimmten Räumen oder in der Wohnung, erteilen dürfen. Reuter meldet aus Bukarest, es sei zu erwarten, daß das Verbot des S c h ä c Ii t e n s in Bukarest ähnliche Maßnahmen im gesamten übrigen R u m ä n i e n nach sich ziehen werde. Ueberprüiung der Anwälteregister. In Jassy sind 160 jüdische Rechtsanwälte aus der Advokatenkammcr ausgeschlossen worden. Auch in Bukarest hat unerwarteterweise die Ueberprüfung der Anwälteregister begonnen. 13 jüdische Anwälte wurden eliminiert. Der Londoner Gesandte weiß nichts von antisemitischen Maßnahmen. Der rumänische Gesandte in London B. G r ig o r c e a empfing eine Abordnung der A g u d a s Ein Zeichen der nicht mehr zu ertragenden Not der Juden in Deutschland ist es, daß ihre oberste Repräsentanz, die Reichsvertretung, zum erstenmal seit Bestehen des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland, einen Appell an die Reichsregierung gerichtet hat, den Juden nicht jede Möglichkeit zur Auirechterhaltuns einer wirtschaftlichen Existenzbasis zu nehmen. Bereits in der ersten Zeit des Bestehens des nationalsozialistischen Regimes haben verantwortliche indische Persönlichkeiten in Deutschland den Versuch unternommen, mit den obersten Stellen des Reiches in Fühlung zu treten und diese zu veranlassen, ihre in das Leben der Juden so tief einschneidenden Entscheidungen nicht einseitig zu treffen, sondern in gemeinsamen Beratungen mit den verantwortlichen jüdischen Stellen einen Weg zu suchen, wie das jüdische Problem in Deutschland allmählich und unter Vermeidung äußerer und innerer Katastrophen einer erträglichen Lösung zugeführt werden könne. Heute nun richtet die oberste Repräsentanz der Juden in Deutschland offiziell und in aller Oefientlichke.it einen Appell an die Regierung des Dritten Reiches, es nicht zum letzten kommen zu lassen und wenigstens der älteren Generation die Möglichkeit zu lassen, ihre Tage in Deutschland 'beschließen zu können. . Die betreffende Resolution, die in der Sitzung des Rates bei der Reichsvenretung in Berlin gefaßt worden ist, lautet: „Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland hat in Zusammenarbeit mit den jüdischen Landesverbänden, Gemeinden und Organisationen sich bemüht, den Raum, der den Juden in Deutschland geblieben ist, mit Sinn und Inhalt zu erfüllen. In ihren Maßnahmen durfte sie sich auf die Zustimmung und Mitwirkung des weitaus größten Teils der Judenheit in Deutschland stützen. So hat sie den geschichtlichen, oft so schwierigen Umwandlungsprozeß auf "fast allen Gebieten des jüdischen Lebens maßgebend beeinflußt. Seit Jahren steht die Auswanderung, die Schaffung von Einrichtungen, die ihr und ihrer Vorbereitung mittelbar oder unmittelbar dienen, im Vordergrund des Sorgens und Handels der Reichsvertretung. An die Stelle der unruhigen und ziellosen Auswande- J i s r o e I, bestehend aus dem politischen Dezernenten der Agudah Harry A. Goodman und. Rabbiner Dr. Schonfeid. Die Abordnung teilte dem Minister mit, daß die Juden in der ganzen Welt von tiefer Unruhe erfüllt sind angesichts der Tatsache, daß man den 800.000 Juden in Rumänien ihre Rechte und ihre Existenzliöglichkeit nehmen wi'i. Gesandter Grigorcea erwiderte, ihm sei von wichtigen Aenderungen in der Haltung der rumänischen Regierung gegenüber den jüdischen Bürgern nichts bekannt; das •Unzige Problem, das aufgetaucht ist, sei das der eingewanderten jüdischen Flüchtlinge. Aber auch iuerin werde man nicht überstürzt vorgehen. Von einem 3 c h ä c h t v c r b o t sei nichts bek a n n t, doch nehme er an, daß die Regierung e ' n solches Verbot billigen würde. Er glaube n i c"h t. daß den Juden d a s W a h 1recht genommen werden wird, weil dies in Widerspr u eIi zu den 6f f en t i i e Ii e n f. r- Klärungen des Ministerpräsidenten stehen würde. Er möchte daran erinnern, daß der König für Toleranz (!) eingetreten sei und daß dies der Geist sei, der in Rumänien vorherrschen wird. Er sei dessen sicher, daß sich allmählich zwischen Juden und Nichtjuden dia freundschaftlichen Beziehungen, wie sie von je bestanden, wieder einstellen werden. Im übrigen werde er seiner Regierung über den Besuch der Agudah-Vertreter Bericht eruatteu. MÜU.MSB-TEMPEC. WIEK IX., CRÜNETORG. 13 Sonntag, 30. Jänner 1938, halb 8 Uhr abends Tempeä-Kornett unter Mitwirkung der Oberkantoren S. Postolow (Müllnertempel) S. Weisz (Tempel im X. Bezirk) An der Orgel: Kapellmeister Kurt Fuchsgelb, Cello: Prof. Joachim Stutschewsky, Violine: Prof. josef Zimbler ISflHBBBBSHHMHI Not und Gefahr. rung wurde mehr und mehr das Prinzip der Ordnung und Planung gesetzt. Die Reichsvertretung sieht es als ihre Pflicht an, auch dem Verlangen nach Beschleunigung der Auswanderung Rechnung zu tragen. Sie sieht sich aber genötigt, %'or übertriebenen Erwartungen zu warnen. Die Möglichkeiten der Auswanderung hängen nicht nur von ihrem Willen und der Arbeit der Waudernngsorgaitisationen ab, sondern vor allem von der Bereitwilligkeit der anderen Länder, ihre Tore für die Juden aus Deutschland, ebenso wie auch für die aus Osteuropa, offenzuhalten. Darauf hat aber die Reichsvertretung keinen bestimmenden Einfluß. Sie kann nicht Wunder tun und sie vermag nicht die Bedingungen, die ihrer Absicht 'in der Welt entgegenstehen, zu ändern. Bei einer planlos sich vollziehenden Auswanderung kann sie eine Verantwortung für ihren geordneten Vollzug nicht übernehmen. Gegen die Judenpo! ük d r ru länischen R nienmg wendet sich in eitlem Leit.i rtike!; eines Blattes der führende Schweizer Journalist md Parlamentarier Albert Oeri, Chefredakteur der Li a s i er N a c h r c hten" und liberales Mitglied d - Sc! weizer Naü >nalrates. Der Artikel ist ein rlamn ender Appell an d:e Welt, endlich einmal zur Ostia Jenira; e Steüung zu nehmen: „Aus dem Wirrwarr der Hufimin jen und Bei rehhingen, die die rumänische Sta älzung erw eckt hat, ragt ein sicherer Punkt he rvor: die D i k t: wird die Juden bedräng en. I aran lassen \veder die Aeußerungen des Mi. isterp äsidenten ( ioga noch die dos Königs Carol zweifeln. Nun gibt es in Rumänien bei einer Einwohnerzahl von IS Maiionen 8C0.0C0 bis 900.000 Juden. Deren Rechte als Minderheit sind nicht nur durch die Landesverfassung, sondern auch durch ein internationales Minor.itätenstatut garantiert, über dessen Einhaltung der Völkerbund zu wachen hat. Die diplomatischen Vertre- ^Dettkwücdiqes mm Jaqe. 2S. Januar 1904 ist der Romanschriftsteller Karl Emil F ranzos („Halbasien", „Kampf ums Recht") in Berlin gestorben. 29. Junuar IS35 wurde der Schauspieler Ferdinand I) e s s o i r in Berlin geboren. 30. Januar 1920 ist die Vorkampf erin für Frauen - emanzipation Henriette O olds chmidt in Leipzig gestorben. 31. Junuar 1864 ist der jüdische Gelehrte Michael Sachs (Religiöse Poesie der Juden in Spanien) gestorben. 1. Februar 1850 verbürgt Preußen durch die Verfassung die Unabhängigkeit der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte von dem Religionsbekenntnis. 2. Februar 1924 starb der Schauspieler Ludwig B a rn ay. 3. Februar 1810 wurde der Dichter und Sekretär der Kultusgemeinde Wien Ludwig August F ran kl (Nach Jerusalem!) in Chrast (Böhmen) geboren. Die Reichsvertretung richtet in dieser Stunde einen Appell an die P a 1 ä s t i n a - R e g i e r u n g, den Juden in Deutschland, vor allem den ausgebildeten jungen Juden, die sich für den Aufbau Palästinas einsetzen wollen, den Weg dorthin nicht zu verlegen. Sie richtet ihren Appeli an die überseeischen Länder, insbesondere an die mit dünn besiedelten Gebieten, durch Gestaltung und Handhabung der Einwauderung.-.besthnmungen eine größere Zahl nützlicher Einwanderer aufzunehmen. Ein erheblicher Teil der in ihrer Zusammensetzung .stark überalterten Judenheit 'in Deutschland ist auswanderungsunfähig und wird seine Tage in Deutschland beschließen müssen. Soll er nicht der öffentlichen Woliltahrt anheimfallen, so dürfen ihm die Erwer'nswege nicht völlig verschlossen werden. Auch die Fortsetzung geordneter Auswanderung — und nur diese hält die Eiuwanderungstore auf die Dauer offen — ist nur möglich, wenn die wirtschaftliche Existenziähigkeit der Juden 'in Deutschland nicht noch weiter geschmälert wird. Nachdem die Juden aus dem staatlicheren, kulturellen und gesellschaftlichen Leben und aus allen iührenden wirtschaftlichen Stellungen ausgeschaltet sind, bitten wir deshalb die Reichsregierung, daß der Verringerung der Erwerbsmöjjlichkeit für die judenheit in Deutschland Einhalt getan werde. Wir hoffen ferner, daß die Möglichkeit des persönlichen Verkehrs zwischen den Ausgewanderten und ihren Angehörigen, die in Deutschland zurückbleiben müssen, nicht unterbunden wird. Au die Juden in Deutschland wendet sich die Reichsvertretung mit der Bitte. Geduld zu bewahren und angesichts der gesteigerten Anforderungen, die an sie gestellt werden, nicht müde zu werden. Ohne Lebensmut und Selbstachtung sind unsere Aufgaben nicht zu lösen. in der Erwartung, dal! diese Erklärung im Verständnis, Vertrauen und Hilf.-bereitsehait beantwortet werden wird, verbindet sich die Reichsvertretung mit jedem einzelnen Juden in Deutschland." ter der Weltmächte, die Pariner des M'aiüerlieiteiivertragsind, haben in Bukarest Vorstellungen gegen die geplante Ausnalnnegesetzsebung erhoben. Kr,;, g Carol und sein Kabinett sind darauf gerüstet. Wie es-bis jetzt scheint, gedenken s:c das für einen stehendi Verlagsrecht aK Fetzen Papier zu irakreren. nicht;.ui sich z:i nehme:!, sondern m t der Fiktion zu operieren: den legtimen jüdischen Staatsbürgern Rumäniens, geschieht nichts Böses: unser Vorgehen richtet .luden, die ab. illegale Elemente keinen Anspruch auf legalen Schutz haben. Deren Zahl taxiert der Kiwg auf rund 250.00«: andere Schätzungen gellen bis zu 50U.U'»>. Eine merkwürdige Sache! Wenn diese Zahlen stimmen, so mjiJ man wohl oder übel schliefen, dal! in einer halben oder di.ch in einer ViertcimiiSion Fällen die üeberwuciuiiigsorgane des sehr ausgiebig poii/.iei'ten Staates Rumänien geschmiert worden sind: denn mit Gewalt i-t das Volks Israel n e::t in das gelobte Land Rumänien Das deutsche Judentum in Rumänien und seine Juden.

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