Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1938
- Issue
- Heft 2 (14.1.1938)
- Date
- 1938-01-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 2 — 14. Jänner 1938 J31E^VAHRHEIT GROSSFLEISCHHAUEREE flEGM, KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für Koscherfleisch Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-QualitSt zu den billigsten Marktpreisen Anglo-Jewish Association und die Laqe der Juden in Rumänien Der Präsident der Anglo-Jewish Association, Leonard G. Montefiore, befaßte sich in der Sitzung des Council der Association mit der Lage der Juden in Rumänien. Es ist bekannt, sagte Montefiore, daß die Gesandten Englands, Amerikas und Frankreichs hinsichtlich der Lage der Juden in Rumänien und des Schutzes der im Minderheitenabkommen vom 9. Dezember 1919 garantierten Rechte der nationalen und religiösen Minderheiten Demarchen unternommen haben. In gewissen Kreisen hegt man Zweifel darüber, ob Goga beabsichtigt, in der Behandlung der Juden nach deutschem Muster vorzugehen. Ich bin der Ansicht, daß allzu großer Optimismus hier nicht am Platze ist. Man hat gesagt, Goga habe davon gesprochen, daß seit dem Kriege eine sehr große Anzahl Flüchtlinge nach Rumänien gekommen ist. Ich habe niemals von mehr als von 50.000 Flüchtlingen gehört, und sogar dies© Ziffer scheint mir zu hoch gegriffen zu sein. Als 1924 Verhandlungen zwischen der Jewish Colonisation Association und dem Joint Foreign Committee einerseits und der rumänischen Regierung andererseits betreffend jüdische Flüchtlinge stattfanden, nannte Lucien Wolf eine Ziffer von 8000. Auch die damalige rumänische Regierung nahm weit geringere Ziffern an, als jetzt von der Goga-Regierung genannt werden. 1933 sagte man in Deutschland, die Maßnahmen gegen die Juden seien im allgemeinen defensiver Natur, nur dazu bestimmt den allzu großen Anteil von Juden im Zivildienst, bezw. in den verschiedenen Berufen zu verringern. In Rumänien ist die Zahl der in öffentlichen Diensten beschäftigten Juden stets unbedeutend gewesen. Wenn die Anhänger Gogas glauben, daß sie nun dadurch belohnt werden würden, daß sie in von Juden gesäuberte Stellen eingesetzt werden,, so sei ihnen gesagt, daß durch die Entlassungen von Juden nur sehr wen ige.Posten frei werden. Es ist nicht lange her, schloß Montefiore, daß ein rumänischer Politiker gelegentlich eines Besuches in England mir sagte, es wäre wünschenswert, wenn Bemühungen gemacht würden, eine jüdische Auswanderung aus Rumänien zu fördern. Unter den gegenwärtigen Umständen hieße dies, Unmögliches wollen. Es ist dies eine Politik, die wir nicht gutheißen können, auch wenn wir es wollten. Menschen können nicht wie Baumwollballen von einem Lande in ein anderes transferiert werden. Agudas Jisroel interveniert im Foreign Office. Der politische Hauptsekretär der Weltorganisation Agudas JisToel, Harry Goodman, sprach im Londoner Foreign Office vor und äußerte Besorgnis hinsichtlich der Entwicklung in Rumänien. Es wurde ihm im Außenministerium versichert, daß die englische Regierung Sympathie für die rumänischen Juden hege und in diesem Sinne die Vorgänge beobachte. Es verlautet, daß die Aguda zu der bevorstehenden Tagung des Völkerbundrates in Genf Doktor Engel als ihren Beobachter entsendet Doktor Engel wird mit Micescu über die jüdische Situation eine Aussprache haben. Die besten Eisen Wirst-8Gi Mm 3mal täglich frisch bei NBLttMnttftS Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-Jisroel-(Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. Das neue Palästina-Weißbuch der englischen Regierung. Wortlaut des Briefes Ormsby-Gores an Wauchope. Das Schreiben des Kolonienministers Ormsby- Gore an den High Commissioner Sir Arthur Wauchope, weiches das neue Weißbuch der Regierung betreffend die britische Palästina-Politik einbegleitet, ist in die Form einer vom 23. Dezember 1937 datierten Depesche gekleidet und hat den iolgenden Wortlaut: Sir, ich habe die Ehre, Ihnen mitzuteilen, daß Sr. Majestät Regierung im Vereinigten Königreich sich mit dem im Juli J937 veröffentlichten Statement of policy betreffend Palästina, sowie mit den Schlußfolgerungen, die aus den Resolutionen betreffend die Angelegenheit, die zuerst im Unterhaus, dann in der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes, schließlich im Völkerbundrat und in der Völkerbundvcrsammlung behandelt wurde, gezogen werden können, befaßt hat. Ich halte es für notwendig, festzustellen, daß die Regierung Sr. Majestät die im dritten Teil des Berichtes der Kgl. Kommission enthaltenen Empfehlungen nur mit gewissen Folgerungen im Prinzip angenommen hat; dadurch soll, wenn möglich, die Ungewißheit zerstreut werden, die in gewissen Kreisen hinsichtlich des Sr. Majestät Regierung geplanten Kurses zu bestehen scheint. Im statement of policy hat Sr. Majestät Regierung ihre allgemeine Zustimmung zu den Argumenten und Schlußfolgerungen der Kgl. Kommission zum Ausdruck gebracht, sowie ihre Ansicht, daß eine Dreiteilung des Landes die beste u.nd aussichtsreichste Lösung des Problems sei. Angesichts der Aufmerksamkeit, die die Oefientlichkeit der Kritik gewisser Charakteristika des im dritten Teil des Berichtes der Kgl. Kommission skizzierten Teilungsplanes gewidmet hat, möchte ich es klar machen, daß Sr. Majestät Regierung sich in keiner Weise zur Billigung dieses Planes verpflichtet hat; im besonderen hat sie den Vorschlag der Kommission betreffend den zwangsweisen Transfer der Araber aus dem jüdischen in das arabiclie Territorium nicht angenommen. Nach Ansicht Sr. Majestät Regierung rechtfertigen die Diskussionen in Genf die Durchführung weiterer Untersuchungen, die für den Entwurf eines mehr ins Einzelne gehenden genauen Planes erforderlich sind. Die endgültige Entscheidung kann nicht in allgemeinen Ausdrücken gefaßt sein; die weitere Untersuchung wird zweifellos das nötige Material ergeben, auf Grund dessen — sobald der bestmögliche Plan formuliert sein wird — über seine Billigkeit und Durchführbarkeit geurteilt werden kann. Wie Sie wissen, ist kundgetan worden, daß eine weitere spezielle Körperschaft bestimmt werden wird, sich nach Palästina zu begeben und, nach Beratung mit den lokalen Gemeinden, Sr. Majestät Regierung Vorschläge für einen ins Einzelne gehenden Teilungsplan zu unterbreiten; und daß es die Aufgabe dieser Körperschaft sein wird, zur passenden Zeit hinsichtlich der provisorischen Grenzen des geplanten arabischen und des jüdischen Gebietes, sowie des neuen britischen Mandatsterritoriums ihre Ratschläge zu erteilen: schließlich die finanziellen und andere Untersuchungen durchzuführen, wofür die Kgl. Kommission die Einsetzung einer Finanzkommission empfohlen hatte. Die Funktionen dieser neuen Körperschaft werden die einer technischen Kommission sein; das heißt, sie werden sich darauf beschränken, Tatsachen zu ermitteln und die praktischen Mög- JUGEND-UNION. Jugendgruppe der „Union österreichischer Juden-, Sekretariat und Heim: Wien 1., Schoüenring Nr. 25. Samstag, den 15. Jänner, im Klubheim f., Schottenring 25, halb 9 Uhr abends ' „Abend im Reiche der Wunder" Der berühmte Kriminalpsychologe GUTTMANN- SHANKARA spricht und demonstriert über Okkultismus - Geschichte menschlicher Narrheit mit Lichtbildern. Spannung — Staunen — Lachen. Anschließend Tanz. Jazzkapelle ..The Winapie Band" Entree für Mitglieder S 1.50. für Gäste S 1.80. Mittwoch, den 26. Jänner, punkt 8 Uhr abds, veranstaltet die „Jugend-Union" in ihren Räumlichkeiten ein VOKAL-KONZERT Solisten-Abend weltlicher und liturgischer Musik unter Mitwirkung von: Oberkantor, Kapellmeister Hermann Gwillmann, Tenor; Cäcilie Gwillmann. Konzertpianistin: Kapellmeister Mischa Elbergescu. Eintrittspreise inkl. Garderobe: S —.60 für Mitglieder der „Jugend-Union", S 1.— für Nichtmitglieder, S 1.50 für Gäste. lichkeiten eines Teilungsplanes im einzelnen zu erwägen. Die Kompetenzen der technischen Kommission werden sein; Den im dritten Teil des Berichtes der Kgl. Kommission skizzierten Teilungsplan in Betracht zu ziehen, jedoch mit voller Freiheit zu Abänderung dieses Planes einschließlich eventueller Veränderungen der Gebiete, die — laut den Empfehlungen der Peel-Kommission — unter britischem Mandat verbleiben sollen; ferner — alle von den Gemeinden in Palästina und Transjordanien erhobenen Vorstellungen in Betracht ziehend — 1. Grenzen für das geplante arabische und jüdische Territorium, sowie für die dauernd oder zeitweilig unter britischem Mandat verbleibenden Enklaven zu empfehlen, die a) eine ziemliche Aussicht auf die eventuelle Errichtung sich selbst verwaltender arabischer und jüdischer (Staaten mit entsprechender Sicherheit bieten; b) den Einschluß möglichst weniger Araber und arabischer Unternehmungen in das jüdische Gebiet, und umgekehrt, notwendig machen; c) Sr. Majestät Regierung in die Lage versetzen, die Mandatsverpflichtungen zu erfüllen, deren Uebernahme :im Bericht der- Kgl. Kommission empfohlen ist, einschließlich der in Art. 28 des Mandats enthaltenen Verpflichtungen betreffend die Heiligen Stätten: 2. die mit der Teilung zusammenhängenden wirtschaftlichen und finanziellen Fragen zu prüfen und über das Ergebnis der Studien Bericht zu erstatten, auf Grund dessen Entschließungen erforderlich sein werden betreffend u. a. a) die Aufteilung — soweit nötig — der öffentlichen Aktiv- und Passivposten Palästinas und anderer F/nanzverpfJichtungen, die während der Mandatsperiode durch die Palästinaverwaltung rechtmäßig eingegangen worden sind, auf die %ferschiedenen Territorien: b) Mitteln zur Sicherung, daß diese finanziellen Verpflichtungen gemäß Art. 28 des Mandats voll anerkannt werden: c) die Verwaltung der Eisenbahnen. Häfen, Post, Telegraph und Telephon: d) Wälirungsangelegenheiien; e) Zoll- und Steuerverwaltung; f) die Budgetvorschläge der verschiedenen zu errichtenden Verwaltungen: g) Wahrung der Rechte der Zivilbeamten gemäß den Bestimmungen von Artikel 28 des Mandates; h) Behandlung industrieller und anderer Konzessionen; i) die Möglichkeit freiwilligen Land- und Bevölkerungsaustausches und die Aussichten, durch entsprechende Entwicklung des Landes Raum für weitere Ansiedlung zu schaffen, um den Bedürfnisen von Personen die von einem Territorium in das andere zu übersiedeln wünschen, zu entsprechen: j) die Schaffung wirksamer Sicherung der Rechte religiöser und nationaler Minderheiten auf den den Arabern bzw. den Juden zugewiesenen Gebieten, einschließlich Schutz religiöser Rechte und Eigentums. Sollte als Ergebnis der Studien der technischen Kommission, deren Ausarbeitung zweffelios viele Monate in'Anspruch nehmen wird, Sr. Majestät Regierung einen Teilungsplan für billig und durchführbar erachten, wird dieser dem Völkerbundsrat zur Erwägung unterbreitet werden. Falls der Völkerbundsrat den Plan genehmigt, wird eine weitereZeitspanne nötig sein, um in den betreffenden Territorium neue Verwaltungssysteme unter Mandat zu errichten und — die nötige Zustimmung vorausgesetzt — über Abkommen mit dem Ziele der eventuellen Errichtung unabhängiger Staaten zu verhandein. Es ist auch möglich, daß Sr. Majestät Regierung im Lichte des Ko:nm'issionsberichtes sich genötigt sehen wird, den Vorschlag der Permanenten Mandatskommission zu erwägen, wonach das arabische und das jüdische Gebiet vorübergehend unter einem „kantonalen" System oder