Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1938
- Issue
- Heft 2 (14.1.1938)
- Date
- 1938-01-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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OIE WAHRHEIT Nr. 2_— R Jänner 1938 Sehe 5 AISIANDSSCHAV Rumänien. König Carol über die Judenpolitik seiner Regierung. König Carol gewährte dem Sonderkorrespondenten des Londoner „Daily Herald", A. L. Eastermann, ein Interview, in dessen Verlauf er sich zur Judenfrage in Rumänien äußerte. Dem Interview wurde die Approbation zur Veröffentlichung erteilt. Der König gab dem Korrespondenten gegenüber die dezidierte Erklärung ab, daß es in Rumänien keine Judenaustreibung geben werde; es werde aber eine allgemeine Ueberprüfung der Staatsbürgerschaft jener Personen durchgeführt werden, die nach dem Kriege in das Land gekommen sind. Ihm wurde mitgeteilt, daß in der Nachkriegszeit mehr als 250.000 Personen illegal in das Land gekommen sind. Die Staatsbürgerschaft der in Rumänien geborenen Juden wird nicht tangiert sein. Der König unterstrich, daß auch diejenigen Personen, denen die Staatsbürgerschaft aberkannt werden wird, nicht aus dem Landegtwies e u werden, sondern daß sie nur ihre politischen und anderen Rechte verlieren würden. BuchhaltungsbfiFQ Martin Haim Wien V., Margaretenstr. 121, Telephon B 05-1-81 L Bilanzet^Revisionen, Pauschalbuchhaltungen, Steuer-Wirtschafts-Beratung Mäßiges Honorar, Besuch unverbindlich Gegründet 1912 Auf die Frage des Korrespondenten nach seiner persönlichen Haltung gegenüber dem Antisemitismus in Rumänien; erklärte der König, die Existenz einer antijüdisch eingestellten Regierung könne nicht geleugnet werden; er als Landesherrscher habe keine andere Wahl, als der öffentlichen Meinung Rechnung zu tragen. Goga aber will austreiben. „Paris S o i r" bringt ein Interview der Brüder Tharaud mit dem Ministerpräsidenten Octavian Goga, in dessen Verlauf Qoga über die Judenpolitik seiner Regierung folgendes sagte: „Ich schätze die Zahl der seit 1914 nach Rumänien eingewanderten Juden auf eine halbe Million. Niemand kann uns zwingen, sie bei uns zu behalten, denn der Versailler Vertrag hat uns nur die Pflicht auferlegt, denjenigen Juden, die im Augenblick der Unterzeichnung des Vertrages in Rumänien ansässig waren, das Bürgerrecht zu verleihen. Aber der Versailler Vertrag verlangt nicht von uns, die später zugekommenen zu behalten. Wir werden die Frage in einigen Tagen auf der bevorstehenden Tagung des Völkerbundsrates in Genf auf werfen." Goga fügte hinzu, er glaube, daß für die Juden neue Niederlassungsmöglichkeit e n a uf M a d a g a s k a r o d e r i n Afrika gesucht werden sollten. Goga schätzte ferner die Zahl der seit 1933 aus Deutschland nach Rumänien geflüchteten Juden auf 30.000. Bei seinem letzten Besuch in Berlin hätte Hitler zu ihm gesagt: „Es tut mir leid, daß ich unsere Juden zu Ihnen geschickt habe, aber ich bin froh, sie nicht mehr bei mir zu haben." Ministerpräsident Goga hat außerdem dem Sonderkorrespondenten des Pariser „Journa 1", Didier Poulain, ein Interview gewährt. Darin erklärte er u. a., seit 1830 hätten die Juden, aus dem Ghetto von Polen kommend, die Moldau und Walachei überfüllt und später sei Rumänien durch den Einfluß Disraelis gezwungen worden, den eingewanderten Juden Bürgerrechte zu gewähren. Die Juden aber hätten den Bauern im größten Maßstab ausgenützt. Der Zustrom von Juden habe weiterhin angehalten, so bei der großen Offensive Brussilows in Galizien, ferner, als Admiral Horthy Ungarn vom Bolschewismus befreite, und als sich Polen und Rumänien in der Ukraine bekämpften. Dazu aber müsse man noch den ununterbrochenen Zuzug einzelner Juden nach Rumänien wegen des Getreide-, Petroleum- und Holzreichtums des Landes erwähnen. Gegen die Juden sei man nicht ungerecht. (!) Alle Fragen würden auf juristischer Grundlage geregelt; nur eine Revision der Rechte der in letzter Zeit eingewanderten Juden werde gefordert. Es handle sich darum, gegen die etwa 500.000 nicht rechtlich im Lande befindlichen Juden Stellung zu nehmen. Zum Schluß sprach Goga die Bitte aus, man möge Rumänien in seinem eigenen rumänischen Haus in Ruhe lassen. (Es ist unerfindlich, aus welchem Material der Ministerpräsident Goga seine Ziffern betreffend 500.000 eingewanderte Juden und 30.000 nach Rumänien geflüchtete deutsche Juden geschöpft hat. Sogar die antisemitische Presse gibt die Zahl der insgesamt nach Rumänien aus dem Ausland eingewanderten Juden mit 50.000 an. Laut der offiziellen Statistik wohnen in ganz Rumänien 721.000 Juden, davon rund 500.000 in den neu hinzugekommenen früher österreichischen, bulgarischen, ungarischen und russischen Provinzen, die durch die Annexion automatisch rumänische Bürger geworden sind. Will nun Goga alle diese Juden für „Ausländer" erklären und glaubt er, sich hierbei auf den Versailler Vertrag berufen zu können? Was die Deutschlandflüchtlinge betrifft, so weiß man, daß von den 120.000 aus Deutschlannd ausgewanderten Juden nur ein sehr geringer B r Uchte i], kaunve inig „1 hundert, nach Rumänien gewandert ist.) Besuch des amerikanischen Gesandten bei Goga. Der amerikanische Gesandte in Bukarest, Franklin Mott Gunther, besuchte bereits zweimal den Ministerpräsidenten Octavian Goga, Ueber den Verlauf der zweiten Unterredung teilte der Gesandte dem Sonderkorrespondenten der Jüdischen Telegraphen-Agentur mit: : Gesandter Franklin Mott Gunther teilte dem Ministerpräsidenten Octavian Goga und hernach auch dem Außenminister Micescu unmittelbar vor dessen Abreise nach Prag, Belgrad und Genf mit, daß man in den Vereinigten Staaten sowohl hinsichtlich der allgemeinen Lage der Juden in Rumänien, als auch im besonderen hinsichtlich der an tij üdi s ch en Politik des neuen Kabinetts Befürchtungen hegt; die amerikanische! Regierung1 verfolge aufmerksam;ille von der rumänischen Regierung gegen die Juden unternommenen Schritte. Es verlautet, daß der amerikanische Gesandte aus diesen Unterredungen den Eindruck gewonnen habe, daß die rumänische Regierung bei der Verwiirklichung ihres antijüdischen Programms mit äußerster Vorsicht vorgehen werde. Weiter erfährt der Sonderkorrespondent der „JTA", Goga habe dem amerikanischen Gesandten gegenüber seine Unzufriedenheit darüber geäußert, daß gewisse amerikarüsch-jüdlisehe Organisationen Protestteleg'ramine an die neue Regierung gesandt haben. Goga bezeichnete diese Kundgebungen als, „Unverschämtheit" und sagte, sie rufen bei den Mitgliedern des Kabinetts das Gegenteil der beabsichtigten Wirkung hervor. Gesandter Franklin Mott Gunther sprach auch bei Innenminister Calinescu im Zusammenhang mit der zur Ausarbeitung von Einzelheiten bei Durchführung des antijüdischen Programms der Regierung eingesetzten Kommission vor. Oie Juden Rumäniens sind und bleiben treue Söhne des Landes „Curierul Israelit" veröffentlicht einen Aufruf der Union rumänischer Juden, in weichein die jüdische Bevölkerung Rumäniens aufgefordert wird, den Mut nicht sinken zu lassen, sondern ihrer täglichen Beschäftigung im Geiste der Loyalität gegenüber König, Regierung und Land in gewohnter Weise nachzugehen. jffittfcfrqmicbe j^ecatitngsftene in der „Union" anter Leitung des Obmannes des Organisations - Komitees der „Union österreichischer Juden". Herrn Kommerzialrat ALEXIUS SALZER: jeden Montag und Freitag von 10—12 Uhr vormittags im Sekretariat der „Union" /., Schottenring 25, Mezzanin, Tel. A 19-2-77. JedesMitglied der „Union" erhält in allen Angelegenheiten der Wirtschaft, wie in allen gewerberechtlichen u: kaufmännischen Angelegenheiten, Steuerberatung oollhommen unentgeltliche Auskunft. Decfichecungsberatung in allen Zweigen der Elementarversicherung wie Feuer, Einbruch, Glas, Haftpflicht Unfall, Transport und Polizzenpriifung Die Mitglieder der „Union" erhalten im Bedarfs. falle auch uaanlaeltlldie Mrztlldia r Der Appell schließt mit den Worten: Ungeachtet der Schläge, die wir erdulden, werden wir in Festigkeit und Geduld alle unsere bürgerlichen Pflichten weiter erfüllen. Wir sind und bleiben treue Söhne Rumäniens, loyale Untertanen des Königs. Gegen die jüdischen Anwälte. „Timpul" meldet, daß der Ausschluß sämtlicher Bukarester jüdischen Advokaten in der Zahl von 1540 aus der hauptstädtischen Advokatenkammer bereits als Tatsache zu werten ist; der Exekutivrat der Advokatenkammer habe eine Petition an die Regierung mit dem Ersuchen um Bestätigung des Ausschlusses der jüdischen Advokaten unter Beifügung einer vollständigen Liste derselben gerichtet. Schließlich wandte sich die Advokatenkammer an die Arbeitskammer mit dem Ersuchen, bei allen staatlichen und nichtstaatlichen Institutionen in dem Sinne zu wirken, daß sämtliche bei diesen Institutionen beschäftigten jüdischen Anwälte entlassen und durch christliche ersetzt werden. Gegen die jüdischen Aerzte. Arbeitsminister Georg C u z a unterzeichnete eine Verordnung, nach welcher die im Verband der Arbeiterkrankenkassen und sonstigen Wohlfahrts-institutionen des Arbeitsministeriums beschäftigten jüdischen Aerzte zu entlassen und durch Rasse-Rumänen zu ersetzen sind. Gegen de jüdischen Arbeiter. Die dem Arbeitsministerium unterstehende Arbeiter-Kreditanstalt hat beschlossen, eine Zählung aller Arbeiter in Rumänien zwecks Feststellung der ethnischen Abstammung und der Religion jedes einzelnen durchzuführen. Nur christliche Arbeiter werden in Zukunft eines Kredites seitens der Kreditanstalt teilhaftig werden können. Panik und Depression unter den rumänischen Juden. Die Juden, insbesondere die in der Provinz, leben in einem Zustand der Depression und der Panik. Antijüdische Ausschreitungen von Belang sind bisher aus der Provinz nicht gemeldet worden. Die Regierung ist bestrebt, sich den Ruf einer ..Regierung des anständigen Antisemitismus" zu erwerben, indem sie die Radauaniisemiten in Zaum hält und ankündigt, daß j e - der Gewaltakt unterdrückt und bestraft werden würde. sciunuchnng von Gräften und Gräbern LeopoldDeutsch/flienXl. einzige jüdische Gärtnerei heim Zentraliriedhof 1. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentraliriedhof IV. Tor. Tel. U 17-0-08 Eigene Haltaren