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Die Wahrheit · 1938-01-14 · Heft 2 (14.1.1938) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1938
Issue
Heft 2 (14.1.1938)
Date
1938-01-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT___________ ■unter einem System gesonderter Mandate verwaltet werden sollen. Daraus geht hervor, daß einige Zeit hin- •durch jede Aktion lediglich untersuchenden Charakter tragen wird. Ich werde mich mit Ihnen hinsichtlich der personellen Zusammensetzung der Kommission und ihrer Arbeitsweise zur entsprechenden Zeit in Verbindung setzen. Ich habe usw..... W. Ormsby-Gore". Labour Party gegen Verzögerungstaktik der englischen Regierung. Die Exekutive der Labour Party, der Generalrat des Gewerkschaftskongresses und die Exekutive der Labour-Fraktion im Parlament nahmen in einer gemeinsamen Sitzung, die sich mit 4er Lage in Palästina und der Palästina-Politik der englischen Regierung befaßte, eine Resolution an, in der das Bedauern darüber ausgedrückt wird, daß die Regierung noch immer keine Entscheidung über die Frage von so lebenswichtiger Bedeutung, wie es die Palästinafrage ist, getroffen hat. Die Unentschlossenheit der Regierung, heißt es, sei eine Prämie für jene, die in Palästina Unruhe und Terror hervorrufen. Die Regierung wird aufgefordert, dem Parlament so bald wie möglich eine eindeutige Erklärung über ihre künftige Politik in Palästina zu unterbreiten. Eine Erklärung der Exekutive der Jewish Agency. Die Exekutive der J e w i s h Agency hat eine Erklärung veröffentlicht, in der sie ihrem B edauern über die Verzögerung und den Schwebezustand, die in dem vom Kolonienmtnisterium veröffentlichten Palästina-Weißbuch vorgesehen sind, Ausdruck gibt. Die britische Regierung wird dringend ersucht, in Palästina ndrmaile Bedingungen wiederherzustellen, vor allem die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit als das Kriterium für jüdische Einwanderung in Palästina gelten zu lassen. Protest des Jischuw gegen Festsetzung des Status einer dauernden Minderheit für die Juden. Die höchsten Organe des Jischuw und die Jerusalemer Exekutive der Zionistischen Weltorganisation haben gemeinsam einen Aufruf erlassen, in welchem die als Alternative an Stelle des Teilungsplanes eingebrachten Anträge, im ganzen ungeteilten Palästina einen arabischen Staat zu schaffen, in welchem die Juden dauernd in der Minderheit, und zwar im Verhältnis von 40 Prozent zu der übrigen Bevölkerung bleiben würden, in scharfer Weise abgelehnt werden. Oer englische Archäologe Starkey bei Hebron ermordet. Der bekannte britische Archäologe S t a r k e y. der die Ausgrabungsarbeiten der biblischen Stadt Lachisch, des heutigen Duweir, leitete, ist am Montag, als er sich im Auto auf einer Fahrt nach Jerusalem befand, um an der Eröffnung des palästinensischen archäologischen Museums teilzunehmen, gegen 5 Uhr nachmittags bei Beth Jibrin in der Nähe von Hebron von 5 bewaffneten Arabern angehalten worden. Die Banditen zwangen ihn aus dem Wagen zu steigen, und erschossen ihn. Der bekannte Gelehrte, der fließend arabisch •sprach, befand sich bereits seit mehreren Jahren im Auftrag des Britischen Museums irt Palästina. Die 25jährige Zivia G o r d o n, Mitglied der Kolonie Jagur bei Haifa, ist auf dem Heimweg von einem Rundgang in der Kolonie das Opfer eines tiragischenUnfalls geworden. Durch Selbstentladung ihres Gewehrs drang ihr eine Kugel in den Leib; sie war auf der Stelle tot. Zivia Oordon war aus Litauen eingewandert. In der Altstadt von Jerusalem wurde ein jüdischer Kaufmann von einem unbekannten Täter durch Schüsse schwer verletzt. Der Angreifer konnte flüchten. In einer verborgenen Höhle in der Nähe des Dorfes Majdelkrum wurde eine arabische Bombenwerkstätte ausgehoben. Die Polizei fand 124 in Kisten des Regierungsdepartements lür öffentliche Arbeiten verpackte Büchsen Dynamit. Sieben syrische Araber, die in Majdelkrum angetroffen wurden, wurden als verdächtig verhaftet Nr._2_— 14. Jänner 1938 Der Vorsitzende der Agudas Jisroel in Palästina, Rabbiner Blau, intervenierte beim Distriktskommissär von Jerusalem Keith Roach wegen Schutzes der Betenden an derKlagemauer. Der Distriktskommissär erwiderte, der neue Zugang zur Klagemauer werde, insbesondere an .Sabbathen und Feiertagen, von Polizei streng bewacht. Die zwei wegen Ermordung des jüdischen Chauffeurs Mendel Mtnz vom Kriminalgerichtshof zum Tode durch den Strang verurteilten Araber sind hingerichtet worden. Heinrich v. Sichrowsky, ein vergessener Mitbegründer der Kaiser Ferdinands-Nordbahn. Anläßlich des Jubiläums des hundertjährigen Bestandes der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn, schreibt Rabbiner Dr. M. Rosenmann in der „Neuen Freien Presse", ist den Manen des Professors Franz Xaver Riepl in reichem Maße gehuldigt worden. Mit vo"ein Recht: war doch Riepl der geistige Urheber der Nordbahn, gleichwie das Haus Rothschild finanziell es ermöglichte, daß Oesterreich nach Belgien der erste Staat auf dem Kontinent wurde, der die Dampfeisenbahn eingeführt hate. Allerdings hätte auch jenes Mannes gedacht werden müssen, der nicht wenig zur Durchführung dieser Idee beigetragen hatte: Heinrich Sichrowsky. Im Juni 1794 in Wien geboren, war Sichrowsky nach Absolvierung der Realakndemie bei. St. Anna ins Bank- Haustochter Mädchen aus besserem Hause, bis 35 Jahre alt, zu alleinstehenden älteren israelitischen Herrn als Wirtschafterin gesucht. Angebote unter „Hausbesitzer" an die Administration des Blattes. Qmkwücdiqes mm Jaqe. 14. Januar 1821 wurde Solomon Hermann Mosenthal in Kassel geboren. 15. Januar 1S44 wurde Robert Gersuny in Teplitz geboren. 1926 Josef Sulz er, Tonkünstler, gestorben. 16. Januar 1908 ist Eduard Bacher, Redakteur der „Neuen Freien Presse", gestorben. 17. Januar 1810 wurde der jüdische Gelehrte Leopold Dukes in Preßburg geboren. 18. Januar 1890 starb in Wien der Oberkantor Solomon Sulz er, Verfasser von „Schir Zion". 1851 wurde der Historiker Heinrich Fried jung in Rotschin (Mühren) geboren. 1873 wurde der Philosoph Heinrich Gomperzin Wien geboren. 19. Januar 1810 wurde der Violinist und Komponist Ferdinand David in Hamburg geboren. 20. Januar 1S01 wurde der Maler Moritz Oppenheim (Bilder aus dem jüdischen Familienleben) in Hanau geboren. haus Biedermann eingetreten, wo er sich ein umfangreiches kommerzielles Wissen aneignen konnte und schließlich Disponent dieres Unternehmens wurde. Mit einem seiner Chefs hatte er eine Reise durch fast ganz Europa durchgeführt und kam auch nach Liverpool, .voselbst er augenscheinlich die neuentstandene Eisenbahn Liverpool-Manchester studieren konnte. 1832 nach Wien zurückgekehrt, trat er in Verbindung mit Riepl und beide zusammen suchten den Prokuristen des Bankhauses Rothschild, Leopold v. Wertheimstein, auf, durch den sie auf Salomon v. Rothschild einzuwirken versuchten, um ihn für das ganze „abenteuerlich gehaltene Unternehmen" zu gewinnen. Rothschild schickte Riepl, Sichrowsky und Wertheimstein nach England, die Georg Stephenson aufsuchten, und dem Betrieb näher kennen lernen sollten. Nach Oesterreich heimgekehrt, fanden sie denselben Widerstand wie früher Riepl für sein Projekt einer Eisenbahn von Boclmia bis Triest vor, und zwar sowohl in der Oeffentlichkeit als auch bei den maßgebenden höheren Beamten. Nun verfaßte Sichrowsky 1834 ein „Promemoria über die Anlage, Unterhaltungskosten iind Frachtquanten", welches den Einfluß einer Dampfeisenbahn für Handel, Verkehr und Industrie eingebend ilarzulegen versuchte. Die Wirkung der Broschüre übert-af alle Erwartung. Die Doppelarbeit von Riepl und Sichrowsky schlug ein. Am 15. August 1835 reichte das Haus Rothschild um das Privilegium ein, die Strecke Flori'Jsdorf-Deutsch-Wagram wurde am 23. November l>>37 eröffnet. Lokomotive und Fahrpersonal wurden von . Riepl und Sichrowsky aus England gemeinsam ge!iolt und schließlich wurden in unermüdlicher Arbeit bei Tag und Nacht von beiden die Betriebsvorschriften ausgearbeitet, welche die Nordbahn zu einer ebenso sicheren wie lukrativen Unternehmung gestalten. Riepl wurde (technischer) Direktor der Nordbahn. Sichrowsky war bereits früher aus dem Bankhaus Biedermann ausgetreten und wurde zum Generalsekretär und Administrator gewählt. Wie sehr Sichrowsky mit Leib und Seele an dem von ihm mitbegründeten Unternehmen hing, ist wohl daraus zu ersehen, daß, als ihm zu seinem 25jährigen Jubiläum ein namhaftes Geldgeschenk (sechstausend Gulden) überreicht wurde, er dasselbe für eine Stiftung bestimmte, um aus deren Erträgnissen fünf Nordbahnwächter für die tadellos absolvierte Dienstzeit zu belohnen. Sichrowsky war auch von Jugend an an dem Auibau der israelitischen Kultusgemeinde mittätig und wurde schließlich auch mit dem Ehrenamt eines Vertreters betraut. Er ruht auf dem Währinger Friedhof, wohin er von Baden aus, wo er am 10. Juli. 1866 gestorben war, überführt wurde. Das Bethaus Talmud Tnora, II.. Malzgasse 16. begeht Sonntag, den 16. Jänner 1938. 6 Uhr abends, die Feier des 70jährigen Bestandes verbunden mit einem Siium, der von , Herrn Rabbiner Schenk abgehalten wird, eingeladen. „Osservatore Romano" gegen die nazistische Rassenlehre. „Osservatore Romano", das offizielle Organ des Vatikan, wendet sich scharf gegen das „Eindringen der nazistischen Rassenideologie in Italien" in der Form von italienischen Uebersetzungan nationalsozalistischer Bücher über Rassenfragen. Die nazistischen Rassentheorien, schreibt das Blatt, sind ein Hohn auf die Wissenschaft und die christliche Zivilisation, eine Beleidigung für das religiöse Gewissen des italienischen Volkes. Haben italienische Gelehrte nichts gegen den Rassismus zu sagen, der die höchsten Werte des Lebens leugnet? Sogar vom patriotischen und nationalistischen Standpunkt dürfte man angesichts des Eindringens von Lehren, die das Christentum und die geheiligten Güter der italienischen Tradition beleidigen, nicht gleichgültig bleiben. Das Blatt schließt mit einer Mahnung an die Italiener, die nazistischen Rassentheorien, die geeignet seien, sie irrezuführen und in moralischer und physischer Sklaverei enden zu lassen, abzulehnen. GEMEINDECHRONIK. Ehrung eines jüdischen Künstlers. Der Bundespräsident hat dem bekannten Klaviervirtuoseni Juliusz Wolfsohn den Titel Professor verliehen. Otto Warburg gestorben. In Berlin verstarb am Montag abend nach kurzer Krankheit der hervorragende Botaniker Prot Otto Warburg im 79. Lebensjahre. Er war nach Theodor Herzl und David Wolffsohn der dritte Präsident der Zionistischen Weltorganisation. Reichsverband jüdischer Legitimisten Oesterreichs. Die Bezirksgruppe Leopoldstadt veranstaltet am Samstag, den 15. Jänner, um S Uhr abends, im Saale des Hotel Stefanie, II., Taborstraße 12, eine Akademie mit Tanz. Auftreten von Max Brod, Else Kaufmann, Ernst Morgan und Viktor Claudius. Jazzkapelle Hermann Steinitz. Eintritt S 1.—. Gemütliche Zusammenkunft der „Sauerbrunner Kurgäste". Sonntag, den 16. Jänner, 4 Uhr nachmittags, im Cafe „Sächsischer Hof", II., Taborstraße 46. Für gute und billige Jause wie auch für gediegene Unterhaltung ist vorgesorgt. Kein Entree, kein Regiebeitrag.

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