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Die Wahrheit · 1938-01-14 · Heft 2 (14.1.1938) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1938
Issue
Heft 2 (14.1.1938)
Date
1938-01-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 2 — 14.J(ännerJ938 Seite 3 Jüdische österreichische Eltern höret! Von einem prominenten Unionisten. Am 17. April 1910 hat in der Festversammlung anläßlich der Feier des 25jährigen Bestandsjubiläums der „Union österreichischer Juden" der derzeitige Ehrenpräsident der ..Union Österreichischer Juden" und damalige Vorsitzende der Festversammlung Dr. Jakob 0 r n s t e i n folgendes erklärt: „Der Vorstand der .„Union österreichischer Juden" gelobt, auch weiterhin zu kämpfen urid zu streiten für die Rechte des Judentums in dem Vaterlande, mit dem wir uns unzertrennlich verbunden fühlen." Diese Worte sind der Wahr- und Wahlspruch der „Union österreichischer Juden" in den folgenden 25 Jahren geblieben und werden es immer sein. Der Schutz der Gleichberechtigung der Juden in Oesterreich im Sinne der Dollfußverfassung ist und wird vornehmste Pflicht der „Union österreichischer Juden" bleiben. Nie und nimmer kann es aber im Sinne des Gesetzes vom Jahre 1890 Sache der Kultusgemeinde sein, die politischen Rechte der Juden in Oesterreich zu vertreten. Der Wirkungskreis der Kultusgemeinde ist durch das erwähnte Staatsgesetz eindeuxig umschrieben, wobei der Begriff ^religiöse Bedürfnisse" weitest ausgelegt werden muß. Vor allem gehören im Geiste unserer Glaubenslehre zu den religiösen Bedürfnissen die Obsorge für Arme und Entrechtete, für Kranke und Sieche, mit einem Worte „Fürsorgetätigkeit" im weitesten Sinne des Wortes. Diesen Aufgabenkreis der Kultusgemeinde zu überschreiten, aus dieser den heiligen Ideen unserer Glaubenslehre dienenden Gemeinschaft eine politisch-völkische Tribüne zu machen, hat das zionistische Landes-Komitee vor Jahren beschlossen. Das zionistische Landes-Komitee hat erklärt, daß es Aufgabe der jüdischen V o 1 k s g em einde, als welche es gegen das Gesetz und gegen den Willen der überwiegenden Mehrheit der Wiener Judenschaft die Kultusgemeinde „in ihrer derzeitigen Zusammensetzung" bezeichnet, sein muß, um die politischen Rechte der Wiener Judenschaft besorgt zu sein. Diese Pflicht wird von der jüdischnationalen Mehrheit in eindeutiger Weise erfüllt. Zurück ins Ghetto, Absonderung der Judenschaft als völkische Minderheit, Umschulung der jüdischen Kinder aus der Simultanschule in die jüdische Schule, Separation der jüdischen Jugend im „Oesterreichischen Jungvolk" nach getarnt religiösen, in Wirklichkeit aber nationalen Grundsätzen, das sind so die Leitsterne dieser verfehlten völkisch-jüdischen Politik. Als die jüdischnationale Partei, die als zionistische getarnt ist, im Kultusvorstande ihr Programm verkündete, von der Umwandlung der Kultusgemeinde in eine Volksgeme'nde sprach, hat die „Union österreichischer Juden" in aller Oeffentlichkeit die Wiener Judenschaft auf die furchtbaren Folgen dieser nationalen Politik aufmerksam gemacht — die Wiener Judenschaft ist gleichgültig geblieben,, ja 15.000 Wähler sind zu Hause geblieben» Als die jüdischnationale Mehrheit der Kultus^- gemeinde eine iüdischnationale Schule schuf, nicht um Kinder religiös, sondern um sie abgesondert von den übrigen nichtjüdischen Kindern Wiens national zu erziehen, hat die „Union österreichischer Juden" die Wiener Judenschaft zum Protest gegen diese jüdischnationale Ghettopolitik aufgerufen. — Die Wiener Judenschaft, die Wiener jüdischen Eltern sind gleichgültig geblieben. Als die jüdischnationale Mehrheit die leitenden Posten der Kultusgemeinde, die unparteiisch besetzt sein sollen, mit führenden jüdisch-nationalen Parteimännern besetzte, hat die „Union österreichischer Juden" die Wiener jüdische Bevölkerung davor gewarnt, welche Folgen die Nationalisierung der Beamtenschaft nach sich ziehen würde — die Wiener Judenschaft ist wieder gleichgültig geblieben. Und nun wieder ein neuer eindringlicher Appel! an die österreichische Judenschaft. Eure jüdischen Kinder, die nur dem Glaubensbekenntnisse nach sich von den übrigen Kindern unterscheiden, sollen im österreichischen Jungvolk eine zwangsweise getrennte Gruppe einnehmen. Sie sollen nur durch den von den Jüdischnationalen zu schaffenden, sogenannten „Dachverband" und nicht, wie alle übrigen jungen Oesterreicher einzeln und direkt dem österreichischen Jungvolke beitreten können. Die Jüdischnationalen begrüßen diese Maßnahme und sie wünschen nur eines, daß die Erziehung des jüdischen Jungvolkes, um mit ihren Worten zu sprechen, völkisch gesinnten jüdischen Führern, den „Volksbewußten", anvertraut werde. Den „Volksbewußten" welchen Volkes fragen wir? Des österreichischen? Nein! Des fiktiven jüdischen Volkes! Die jüdische Jugend, unschuldige Kinder, die sich selbst nicht wehren können, werden von den Jüdischnationalen ihrer Politik zu Liebe von ihren andersgläubigen Kameraden in der Schule abgesondert und für die Zukunft schwer geschädigt. „Union österreichischer Juden" _Bezirksorganisation IV. V. X._ Montag, den 17. Jänner. 8 Uhr abends im Saale des ..Bif". X.. Gudrunstraße 125 (Gasthaus Zaruba) Versammlung der Bezirkssektion Favoriten Komm.-Rat Alexius Salzer spricht über Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Antisemitismus. Gäste willkommen! In Oesterreich ist die Zulassung zu öffentlichen Stellungen, Aemtern und Würden und darüber hinaus auch in sehr beträchtlichem Umfiang die Existenzgründung im privat-wirtschaftlichen Rahmen an die Zugehörigkeit zur Vaterländischen Front gebunden worden. Das ist kein Widerspruch zu dem toleranten Geist der Verfassung, sondern im Gegenteil als eine Schutzwehr dieses toleranten Geistes gegen den Ungeist der Intoleranz nur zu begrüßen. Man kann gar nicht früh genug damit beginnen, die von Natur aus zur Duldsamkeit neigende Bevölkerung gegen den Giftköder des Hakenkreuzes immun zu machen, der erfahrungsgemäß besonders der Jugend gefährlich wird. Es war deshalb durchaus als eine Konsequenz zielbewußter österreichischer Staatsweisheit anzuer- Ur- und Alleinauffübrung in Wien Oi$äri€il" Die SentaMon Kinn »»3»? MIHI Der große jiddische Film 8,trar28AUBarten »Der Purimspißl«14 Ttlentu MO-5-98 Musik : NIKOLAUS BR0DSKY Bajiaa: «/«». '/•«> mit deutschen Fußtiteln | Sonstig aaca »/44 Dir kennen, daß der Jugend ais Voraussetzung' zur späteren Aufnahme in die Vaterländische Front die Zugehörigkeit zum „Oesterreichischen Jungvolk" zur patriotischen Pflicht gemacht wurde. Bundeskanzler Dr. Schuschnigg hat sehr richtig auf der letzten Tagung dieser Organisation jüngst gesagt, daß die Schule zur Jugenderziehung nicht ausreiche, Jugend sei am wirksamsten durch Jugend zu beeinflussen. Man kann sich wirklich schwer vorstellen, was zur gegenseitigen Anpassung, zur Aufhebung alles Trennenden zwischen jugendlichen Menschen mehr beitragen könnte als der ungezwungene kameradschaftliche Verkehr, die ständige Gemeinschaft der geistigen Interessensphäre. Umso peinlicher wirkt für die jüdische Oeffentlichkeit die Ueberraschung, daß die jüdische Jugend innerhalb des ..Oesterreichischen Jungvolkes" separiert werden soll, was von der jüdischnationalen ..Neuen Welt" als „anständige Lösung" begrüßt wird. Wir Unionisten repräsentieren jenen assimilierten Teil der österreichischen jüdischen Bevölkerung, für den es nach einem vor kurzem in einem ausländischen Blatt veröffentlichten Wort des Bundeskanzlers Dr. Schuschnigg keine Judenfrage in Oesterreich gibt. Wenn trotzdem nur jüdisch nationale Funktionäre in den öffent- Waren Sie bei der Kultuswahl 1936 und haben Sie jüdisdinational gewählt, oder sind Sie überhaupt zu Hause geblieben, dann sind Sie mitsrhuld an dem Wiener österreichische Arten! Merkt Eudi das für die nächsten Knitaswahlen! Jüdische Eltern! Diesmal geht es nicht um Euch! Diesmal geht es um Eure K'nder! Wenn Ihr jetzt noch schweigt, wenn Ihr jetzt noch duldet, daß d'e Wiener Kuitusgemeinde rücksichtslos von der jüdischnationalen Mehrheit im jüdisch-völkischen Sinne politisch geführt wird, dann werdet Ihr dafür die Verantwortung zu tragen haben. Juden Wiens! Protestiert mit uns gegen die .iüdischnationale Politik der Kultusgemeinde, schließt die Reihen! Wir wollen gemeinsam mit aller Liebe unserem Vaterlande dienen, wir wollen alles opfern, um unsere Treue dem Staate zu beweisen. Wir sind davon überzeugt, daß dem österreichischen Juden, der treu zu seinem Vaterlande steht, das österreichische Vaterland die österreichische Treue wahren wird. liehen Vertretungskörpern zu Wort kommen und auch in der Jungvolk-Frage den Beifall der „Reichspost" und sonstiger antisemitischer Blätter finden, so verdanken sie dies der Erfahrung, daß ihre „nationalen" Absonderungstendenzen der Diffamierung und Entrechtung des Judentums Vorschub leisten. Sic verkünden schadenfroh, daß die Assimilation im Deutschen Reiche „unter entsetzlichen Begleiterscheinungen Schiffbruch gelitten habe" („Neue Welt" vom II. d. M.). während sie selbst den traurigen Triumph genießen, Herrn Hitler die eine eigene jüdische Nation konstruierende Präambel zu den Nürnberger Judengesetzen geliefert zu haben. Wir beneiden sie nicht um diesen Triumph, sondern vertreten den Standpunkt, daß Terrormaßnahmeti gegen die Assimilation absolut nichts gegen die Richtigkeit dieser Weltanschauung beweisen. Gewalt kann im ersten Ansturm billige Erfolge erzielen, aber den Endsieg erringt doch der Geist. Als konsequente Gegner der jüdischen Absonderung freuen wir uns, aucli in unserer Auffassung der Pflichten österreichischer Frontgemeinscliaft der Erwachsenen wie auch der Jugend uns in bester christlicher Gesellschaft zu finden. L'niversitätsprofessor Dr. Messner hielt im Volksbildungsamt der Stadt Wien einen Vortrag über die Aufgabe der berufsständischen Ordnung, worin er betonte: „Bei der berufsständischen Ordnung handelt es sich nicht darum. Gruppeninteressen öffentlich-rechtlich zu organisieren, .sondern darum, der einzelnen Persönlichkeit durch ihre Bindung in der Leistungsgruppe die volle gesellschaftliche Wirksamkeit zu verbürgen." Der Verfasser des patriotischen Buches „Oesterreich im Prisma der Idee", Leopold Freiherr von A n d r i a n. sprach jüngst an leitender Stelle des ..Neuen Wiener Tagblatt" von einem österreichischen Vaterlandsvolk analog der Schweiz, wo ..die verschiedenen Sprachen und Rassen des Landes kein Hindernis zur Verschmelzung zu einem einheitlichen Schweizer Volk gebildet haben". „Das Pathologische, die Verwirrung der Begriffe und Gefühle beginnt erst dort, wo Vaterland und Vaterlandsvolk in irgend einer anderen Bedeutung der Nationalität hintangesetzt, wo sie nicht mehr als höchste irdische Kollektivwerte verehrt werden." Solch pathologische Verwirrung bei der Deutung des Begriffs Heimatvolk aus den österreichischen Organisationen, die der Erziehung im vaterländischen Geiste dienen sollen, fernzuhalten, ist also kein spezifisch jüdisches, sondern ein allgemein patriotisches Interesse. H. Pflichten österreichischer Fronfgemeinschaft.

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