Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1938
- Issue
- Heft 2 (14.1.1938)
- Date
- 1938-01-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 2 — 14. Jänner 1938 DIE WAHRHEIT Jttittwvoax. den 19. Jänner, S liftr abends, Vortragsabend der „Union", gemeinsam müder,. Ju^end-1/nion" im faafde f..?«ftottenrinft 25. Es spricht der £ftrenptüsiden< der „Union" JCcrr &v. JaftoA Cmaäein über 2>ie Juden und die JfTaraimen in Spanien im 15. JafkrJkuiiderf. gräste ivillfiommen T weil sie in einer jüdischnational geführten Gemeinde nicht bleiben wollen. Und wer ist „Bnth Trumpeldor" und der „Jüdisch-Kulturelle Eltern verband"? Der „Brith Trumpeldor" ist eine Organisation der radikalsten jüdischnational-faschistisch-revisionistisch eingestellten jüdischen Jugend, die auf Jabot insky und seine Irrsinnslehren von dem Exodus aller Juden nach Palästina »ingeschworen ist, welche in Polen und Rumänien wahrlich genug Unheil angerichtet haben. Man müßte die Mitglieder des „Brith Trumpeldor" erst auf ihre Zugehörigkeit zu Oesterreich, auf ihre Staatsbürgerschaft untersuchen und würde da zweifelsohne die Feststellung machen, daß die große Majorität der Mitglieder NichtÖsterreicher sind. Und wie haben die nichtrevisionistischen Zionisten im Vorstand der Kultusgemeinde über den „Brith Trumpeldor" anläßlich eines Subventionsansuchens gesprochen? Und der „Jüdisch- Kulturelle Elternbund"? Eine Vereinigung, die die Leibgarde des jüdischnationalen Kultusvorstehers und „Jugendführers", des Obmannes der Schulkommission der Kultusgemeinde Dr. Klaber bildet Der Verein zählt keine 800 Mitglieder und diese nur am Papier, weil die Mitgliedsbeiträge nur selten entrichtet werden. Es gibt aber zirka 15.000 jüdische Eltern in Wien, deren Kinder in Volks- und Mittelschulen gehen. Dieser Verein gibt eine Jugendzeitschrift heraus, die wegen ihrer nationalistisch-politisch-zionistischen Tendenzen wiederholt Aergernis erregt hat, was dazu führte, daß die unionistischen Vertreter im Vorstande des „Jüdisch-Kulturellen (sprich: nationalen) Elternbundes" ihm den Rücken gekehrt haben. Dieser also getarnt jüdischnationale „Jüdisch-Kulturelle Elternbund" hat vor wenigen Wochen seine Statuten geändert, um eine vaterländisch eingestellte Jugendorganisation bilden zu können, die von Herrn Dr. Friedmann offenbar als „Dachorganisation" ausersehen ist, damit die österreichische jüdische Jugend durch den Jugendführer Dr. Klaber und iseinen Satelliten, ä la Prof. Dr. Lehmann, umso sicherer der Anbetung des nationalen Götzen verfalle. Herr Dr. Friedmann mußte diese „Dachorganisation" vorschlagen, wenn er seinem Plan realisieren will, auf die Wiener-österreichische nichtjüdische Jugend Einfluß zu bekommen. Denn keine einzige der bereits vorhandenen jüdischen Jugendorganisationen der jüdischnationalen Zionisten der Kultusgemeinde, die mit hohen Beträgen aus den Geldern der Steuerträger subventioniert werden, hat in ihren Statuten die Bestimmung, daß nur österreichische junge Glaubensgenossen in die Jugendorganisation aufgenommen werden. Dagegen verlangt man aber natürlich das Bekenntnis zur jüdischen Nation. Alle sind sie nur dazu da, um die jüdische Kultur — eine Tarnung für den jüdischen Nationalismus — zu pflegen und die empfängliche Jugend im jüdischnationalen politisch-zionistischen Geiste auszubilden. Ich will nicht darüber sprechen, welche Aeußerungen man gelegentlich von den Führern dieser jüdischnationalen Jugendorganisation zu hören bekam, die mit unseren Meinungen und Ansichten, mit einem Wort, mit unserer Auflassung von Religion unvereinbar sind. Und unsere Wiener-österreichische israelitische Jugend soll mit diesem Gift des Nationalismus, wenn die Pläne des Herrn Dr. Frjedmann realisiert werden, infiziert werden? Jeder überspitzte Nationalismus, ob arisch oder jüdisch, hebt das Ziel jeder Religion und jeder Kultur der allgemeinen Menschenfreundschaft und Verbrüderung auf. Das beste Beispiel ist wohl der deutsche Nationalismus, der den Verfall des Volkes der Dichter und Denker in mittelalterliche Barbarei verschuldet hat. Aus diesen allgemeinen humanen und ethischen Gründen bekämpfen wir auch den verbohrten nachgeäfften Nationalismus unserer Glaubensgenossen, die ohne gemeinsames Land, ohne gemeinsame Sprache, ohne gemeinsame Kultur, ohne gemeinsames Schicksal, ohne gemeinsame Geschichte, vor 2000 Jahren Gewesenes und Totes wiederherstellen und neubeleben wollen. Und glauben sie wirklich vom Standpunkt des eigenen Nationalismus den fremden bekämpfen zu können. Sehen sie nicht ein, daß jeder Nationalismus auch die Anerkennung der Berechtigung jedes anderen in sielt schließt? Wessen Geschäfte die Jüdischnationalen betreiben, wir wissen es längst. Und der Chorus der antisemitischen Zeitungen vom „Montagsblatt" über „Wiener Neueste Nachrichten" über „Reichspost" zur „Essener Nationalzeitung" und deren Anerkennung für die jüdischnationale Politik und Verurteilung der unionistischen beweist auch jedem Fernerstehenden, daß die Jüdischnationalen sich auf jener Ebene bewegen, auf die Herr Hitler am 15. September 1935 anläßlich der feierlichen Verkündigung der Judengesetze die Juden sehen wollte. Die Wirkung des jüdischnationalen und national-sozialistischen Programmes ist dieselbe: Absonderung der Juden von der Gemeinschaft ihrer Mitbürger anderen Glaubens, Separation, bestenfalls Minderheitsrechte in dem neuen Ghetto der „jüdischen Volksgemeinden" (siehe Programm des Herrn Dr. Desider Friedmann a,s Führer der Allgemeinen Zionisten im Wahlkampf vom November 1936). Statt des gelben Flecks der blau-weiße Fleck. Aber der gelbe Fleck wurde nach dem Aus- 'afe (ßuifksfoaum m Wien II., Kleine Pfarrgssse 21 r Telephon A 43-519 Treffpunkt bürgerlicher Gesellschaft. In- und aus ländische Zeitungen. Separierter Raum für Klub und Vereine. Herabgesetzte Preise. Mokka 45 Gl Melange 50 Gr. Aufmerksame Bedienung. gang des Mittelalters im Jahre 1551 vom Kaiser Ferdinand 1. zwangsweise in Oesterreich eingeführt und von Kaiser Josef II. am 13. Mai 1781 mit den unvergeßlichen Worten: „Uebrigens sind auch alle jene demütigenden und den Geist niederschlagenden Zwangsgesetze, die den Juden einen Unterschied in der Kleidung und Tracht oder besondere äußerliche Zeichen auflegen, zu beseitigen." aufgehoben worden. Der gelbe Fleck ist uns im Mittelalter aufgezwungen worden. Im zwanzigsten Jahrhundert erhalten ihn zuerst unsere Jugend in blau-weißer Farbe und unter Mitwirkung und im Einverständnis mit den Jüdischnationalen. Aus den Angriffen in den Wiener jüdischnationalen Zeitungen auf die „Union" und auf meine Person mache ich mir fast ebenso viel wie aus dem Mißfallen, das die „Union" und ich bei den antisemitischen Organen des In- und Auslandes hervorgerufen haben. In einer Aeußerung des Präsidenten Friedmann im „Neuen Wiener Tagblatt" versucht er, seinem jüdischnationalen Parteistandpunkt ein religiöses Mäntelchen umzuhängen. Mit Rücksicht auf die katastrophale Lage des politischen Zionismus und jüdischen Nationalismus zufolge der Lage in Palästina muß ein anderes Betätigungsgebiet gesucht werden, und da muß für Ablenkung der Aufmerksamkeit die religiöse Gliederung des österreichischen Jungvolkes, die nur für Juden bestehen soll, herhalten. Wie halten wir es aber mit der Religion? Die Liste der „Union" enthält eine große Zahl von Tempelvorstehern und ein Mitglied der orthodoxen Agudah und sonst nur gläubige Juden, was wohl deutlich beweist, daß die „Grundhaltung" der „Union", nicht, wie die ,-Reichspost" schreibt, liberal, sondern konservativ auch in Fragen der Religion ist und, soweit ich darauf Einfluß nehmen kann, auch bleiben wird. ,v Ich habe schon erklärt, daß ich die Ausführungen der jüdischnationalen Blätter ignoriere. Aber eine charakteristische Veröffentlichung der „Stimme" muß angenagelt werden. Sie schreibt von Denunziation, wenn die „Union" ihre Rechte auch gegen Glaubensgenossen verteidigt, die Politik und Parteilichkeit in die Kultusgemeinde eingeführt haben. Wenn aber die „Stimme" unter deutlichem Hinweis auf eine bestimmte Person von einem „weniger durch sein Wissen als durch seine in weiten Kreisen unsympathische Art der öffentlichen Betätigung bekannten Religionslehrer" spricht, weil dieser Religionslehrer sich weigert, mit den zahlreichen aus Opportunismus jüdischnational sich Gebärdenden gemeinsame Sache zu machen mnd davon spricht, daß „die eine oder andere Person aus ihrer früheren überbetonten politischen Einstellung in jüdischen Kreisen keineswegs in guter? Erinnerung ist", so wird jeder sich darüber sein= Urteil bilden, was das ist und wie man das nennen muß. Was wir wollen, ist jedermann klar, der den*. Sachverhalt nicht verdunkeln und vernebeln will' wie die Antisemiten und Jüdischnationalen im ge-' meinsamen Chorus. Wir wollen, daß unsere österreichischen Wiener jüdischen Kinder in gleicher Weise zum „Oesterreichischen Jungvolk" Zutritt haben wie die Angehörigen anderer Konfessionen. Da es einen religiösen Verband der katholischen Jugend und einen religiösen Verband der protestantischen Jugend gibt, alle übrigen Jugendlichen aber, die nicht diesen Verbänden angehören, frei die Mitgliedschaft im österreichischen Jungvolk erwerben können, so soll das Gleiche auch für die österreichische israelitische Jugend gelten, wobei selbstredend auch ein eigener unpolitischer religiöser israelitischer Jugendverband zu schaffen wäre. Von einer konfessionellen Unterscheidung des- „Oesterreichischen Jungvolkes" ist in den Satzungen des Vaterländischen Front-Werkes; „Oesterreichisches Jungvolk" kein Wort zu finden. Es heißt dort im § 2 unter der Ueberschrift „Zweck' und Aufgabe des Oesterreichischen Jungvolkes; „Der Verband Oesterreichisches Jungvolk hat die Aufgabe, die österreichischen Jugendlichen außerhalb der Schule zu geistig und körperlich tüchtigen Menschen und vaterlandstreuen Staatsbürgern im Sinne der Zielsetzung der Vaterländischen Front heranzubilden." Nach § 3 dieser Satzungen gliedert sich das „Oesterreichische Jungvolk" nur territorial. Das „Oesterreichische Jungvolk" ist eine Vorstufe der Vaterländischen Front und so wie es in der Vaterländischen Front keine konfessionelle Gliederung gibt, ohne daß dadurch die Ziele und Zwecke dieser Organisation leiden, so soll auch im „Oesterreichischen Jungvolk", wenn auch die Erziehung im religiös-s ittlichen Geiste erfolgen muß, eine solche Gliederung zwangsweise nur für Juden nicht Platz greifen. Es ist beschämend für die österreichische jüdische Jugend und vergiftet ihre Seelen, wenn sie von der übrigen österreichischen Staatsjugend getrennt im „Oesterreichischen Jungvolk" zu vaterlandstreuen Staatsbürgern herangebildet wird. Die Worte des Bundesführers Bundeskanzler Dr. Schuschnigg,. die er einige Tage nach der Eröffnungsrede des Bundesjugendführers gesprochen hat und die er gegen jede „Spaltung und Sektionierung" des „Oesterreichischen Jungvolkes", das durch die einigende Liebe zum Vaterland, zu seiner Unabhängigkeit und Selbständigkeit zusammengehalten wird, gerichtet hat, geben uns die Hoffnung, daß der Anschlag der Jüdischnationalen und politischen Zionisten auf die gleichen Rechte der israelitischen Jugend erfolglos bleiben wird. Wenn aber nicht, dann tragen sie die ungeheure Verantwortung, selbst die Axt. an die Grundlagen der politischen Existenz der österreichischen Juden gelegt zu haben. Die „Union österreichischer Juden" aber kennt nur ein Banner, das die Farben rot-weißrot trägt, und will und wird immer nur eine Hymne, * das ist die österreichische Volkshymne, kennen. Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim. Vexlaugl in Cafes, usw- — „DU Waktheil"