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Die Wahrheit · 1938-01-07 · Heft 1 (7.1.1938) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1938
Issue
Heft 1 (7.1.1938)
Date
1938-01-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 1 — 7. Januar 1938 DIE WAHRHEIT 1 ACHTUNG! Die Neuerscheinung „Der Judenhaß" von Graf Richard N. Coudenhove-Calergi. die geistige Abrechm darf, Ist für Mitglieder der „Unionin deren Sekretariat zum Preise von broschiert S 3.50, gebunden S 5.50 erhältlich. ebensowenig Helden wie sie gläubige Juden sind. Wir haben in Oesterreich leider zur Genüge die Strategie des „General" Deutsch kennen gelernt. Hunderte nutzlos und verbrecherisch aufgeopferte Tote, die wenigstens aus innerer Ueberzeugung kämpften, lasten auf seinem Gewissen. Als einer der ersten überschritt dieser „Held" die Grenze, aber nicht um den Tod zu suchen, sondern in verkehrter Richtung. Und wenn nach obgenannter Zeitschrift diese Helden a la Deutsch und Kisch in „heroischester Weise für die Erhaltung der spanischen Demokratie kämpfen", so sei es einmal klar und deutlich gesagt: Wir Juden haben keinerlei Interesse, eine Demokratie zu verteidigen, in der nachweisbar täglich Kirchen ausgeraubt, geplündert, angezündet, Klöster dem Erdboden gleichgemacht, deren Insassen niedergemetzelt und Priester in bestialischester Weise ermordet wurden. Wir Juden sind sehr zufrieden, wenn man uns unsere Religion ungehindert ausüben und uns unserem Erwerb nachgehen läßt, wenn man uns gleiche staatsbürgerliche Rechte mit unseren christlichen Mitbürgern gewährt, und diese Gleichberechtigung nicht nur auf dem Papiere steht. Die jüdischen Blätter und Journalisten mögen sich unter diesen Umständen nicht wundern, wenn die Stimmung im Nationalspanischen Lager nicht jüdenfreundlich ist, wenn auch die Stimmung Im bisher den Juden freundlich gegenüberstehenden italienischen Faschismus anfängt, umzu.5chlagen und auch die gläubigen katholischen Kreise immer mehr dem Antisemitismus anheimfallen. Es muß einmal klar gesagt werden: Eine derartig einseitige Einstellung jüdischer Journalisten und Blätter fügt dem Judentum unendlichen Schaden zu. Der nichtjüdischen Mitwelt aber, in der wir leben, möchte ich zum Verständnis und zur Aufklärung zurufen: Wir Juden wollen Frieden und keine jüdischen „Heldengeneräle" namens Deutsch und Kisch, und wie sie sonst alle noch heißen mögen, die noch dazu keine Juden sind, weil sie sich nie zu diesem Glauben bekannt haben; wir Juden w o 11 e n G I e ich berechtig ung und Achtung, aber keine „Demokratien", die von solchen „Helden" verteidigt werden müssen, um n ic h tzuGrundezuge h e n. Undich hoffe auch im Namen vieler Juden zu sprechen, die in der Oeffentlichkeit leider viel zu wenig zu Wort kommen. Dr. Zoltan Schönberger. WehleidigKeif. Unter den politischen Kundgebungen anläßlich des christlichen Neujahrs sind diesmal auch die Aeußerungen verschiedener Bauernführer für uns Juden von Interesse. In Rumänien, wo ein soeben installiertes christlich-nationales Regime bemüht ist, alle Leiden des Staates aus einem Punkte zu kurieren, nämlich dem Judenpunkte, sagte Maniu, der Führer der nationalen Bauernpartei, der neuen „Abenteurer-Regierung" den schärfsten, vor keinem Opfer zurückschreckenden Kampf an; „damit wir die politische Korruption, den Mangel an Emst, die öffentliche Unmoral und die Verfolgungen vertreiben und an ihrer Stelle allen Söhnen des Landes ohne Unterschied der Rasse und der Religion Frieden und Gedeihen sichern. Wir beginnen den schärfsten Kampf für einen konstruktiven, nicht auf Verfolgung bedachten Nationalismus". Im benachbarten Ungarn forderte der Führer der Kleinbauernpartei, Tibor Eckhardt, einst selbst ein Wegbahner des christlich-nationalen Kurses im Reich der Stefanskrone, in einer Neujahrsansprache an die Funktionäre seiner Partei den „Ausbau der Selbstverwaltung des freien ungarischen Volkes unter möglichster Hintansetzung von Klassen-, Konfessions- und sonstigen Gegensätzen". In auffallendem Kontrast zu diesen Absagen erfahrener und sicherlich keinem notwendigen Kampfe schüchtern ausweichender Agrarpolitiker an die konfessionelle und rassische Verhetzung richtet ausgerechnet der Führer t des niederösterreichischeu Bauernbundes, Landeshauptmann R e ither, in den Mitteilungsblättern der Vaterländischen Front (!) einen scharfen Angriff gegen die Juden und verlangt die Ausschaltung der jüdischen Konkurrenz aus der Wirtschaft. Er lehnt die Gleichheit aller Staatsbürger mit folgender Begründung ab: „Jenen weh 1 e id ige n Leuten, die bei jeder Betonung unserer chri'Stlichen Einstellung auf die verfassungsmäßig verbriefte Gleichheit aller Staatsbürger zu pochen pflegen, werde ich immer zu bedenken geben, daß wir nicht nur ein ständisches, sondern ein christliches Oesterreich aufbauen, wie es mfö der Artikel 1 der Verfassung vorschreibt." Während also die Bauernfülirer zweier Agrarstaaten, die mit dem Antisemitismus als Regierungsprinzip bereits praktische Erfahrungen gemacht haben, von diesem Prinzip schon genug haben und von ihm gerade von ihrem betont nationalen, bzw. betont christlichen Standpunkt aus nichts mehr wissen wollen, erblickt Herr Reither, der sojcar schon Landwirtschaftstninister gewesen ist, also in der Politik einigermaßen Bescheid wissen sollte, in einer Zeit, -da das Christentum von dem extrem antisemitischen Nationalsozialismus wirklich bedroht wird, ausgerechnet im Judentum eine Gefahr für den christlichen Ständestaat und versichert mit unerschütterlichem Kampfesmut, daß er sich von den Juden seinen Katholizismus nicht rauben lasse. Mit dieser Behauptung dürfte er allerdings Recht behalten — dafür spricht die Erfahrung von anderthalb Jahrtausenden jüdisch-christlichen Nebeneinanderlebens auf deutschem Bo- Die besten Eisen Wsrstaal SeldiwareB 3mal täglich frisch bei miwuimmi Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-Jisroel-(Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. GROSSFLEISCHHAUEREI tIEGM. KORNHEHl WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten AbteilungenfflrKoscherfleisch unter Aufsicht des ehrwr ' Rabbinates der Isr. 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Denn es bedeutet für jeden Staat eine nicht zu unterschätzende Prestigeeinbuße, wenn er grundlegende Punkte seiner Verfassung ungeahndet übertreten läßt. Das weiß natürlich auch die Regierungspresse recht gut und darum ärgert sich auch die „Reichspost" in Uebereinstimmung mit Herrn Reither über unsere, das antisemitische Geschäft störende Wehleidigkeit, sucht sich jedoch über sie zu trösten: „Weder die periodischen Querelen einer die Sachverhalte gewohnheitsmäßig übertreibenden Ueberempfindlichheit, noch die an alle erdenklichen Anlässe anknüpfenden Bemühungen dubioser (!) Nachrichtenagenturen, Oesterreich in der Welt zu vernadern (!), haben bisher vermocht, den gefestigten Ruf des Landes als eines Landes der Kultur, der Humanität, der Gastlichkeit zu erschüttern." Das ist ein sehr erfreuliches Symptom für die Tatsache, wie fest dieser Ruf in einer Zeit begründet worden ist, da noch nicht die konfessionelle Unduldsamkeit im Lande den Ton angeben konnte und die Gastlichkeit noch nicht durch Fremdengesetze unterbunden wurde. Der Vorwurf der Ueberempfindlichkeit, der da den „periodischen Querelen", das heißt der jüdischen Publizistik, gemacht wird, nimmt sich gerade in der „Reichspost" höchst drollig auis, da sich dieses Blatt mit demselben Eifer wie wir gegen dieselben Verleumdungsmethoden wie wir, nämlich gegen generalisierende Aufbauschung der Vergehen einzelner, zur Wehre setzt, wenn der Katholizismus angegriffen wird. Dabei richtet sich der Hakenkreuz-Sturm gegen den Katholizismus nur wider die Verquickung von Religion und Politik. Man hat aber noch nie von einer nationalsozialistischen Boykottprogaganda gegen katholische Geschäfte gehört. Trotzdem sind wir Juden die Ueberempfindlichen . . . Zu den periodischen Querelen der „Reichspost" gehört die bewegliche Klage, daß im Dritten Reiche nicht einmal mehr päpstliche Enunziationen vorgelesen oder gedruckt werden dürfen. Im christlichen Ständestaat Oesterreich ist ein solches Verbot natürlich undenkbar. Trotzdem hat die „Reichspost" die vor kurzem im päpstlichen Organ „Osservatore Romano" erschienene Brandmarkung des Antisemitismus („Der Antisemitismus ist nicht ein Produkt des Geistes, sondern eine der Erscheinungen des Sieges der Gewalt über den Geist") glatt unterdrückt. Bs ist dies wohl ein besonders eklatanter Beweis, daß Wehleidigkeit und Ueberempfindlichkeit wenigstens kein jüdisches Rassenmonopol bilden. Der ungarische Episkopat gegen Rassenhaß. Der ungarische Episkopat veröffentlichte anläßlich des Beginns des Jahres 1938, des St. Stephans-Jahres, einen Hirtenbrief, in welchem es u. a. heißt, die heutige Generation müsse sich die uralten Vermächtnisse sozialer Gesetzgebung und Toleranz vor Augen halten; diese sollen als Schild gegen Heldentum, gegen Rassentind Blutanbetung dienen. 10.500 Juden sind 1937 in Palästina eingewandert. Aus provisorischen statistischen Zahlen geht hervor, daß i. J. 1937 in Palästina 10.500 Juden, unter ihnen 2085 Kapitalisten, 2923 Arbeiter und 3316 auf Grund von Verwandtenanforderungen, eingewandert sind. (Diese Statistik gibt kein vollständiges Bild, weil die Rückwanderung nicht berücksichtigt erscheint. Anm. d. Red.). Ein Nachkomme des Dichters Klopstock als Jude in Wien gestorben. In Wien verstarb im 82. Lebensjahre der Pensionislt Adolf L. Klopstock. Er wurde auf dem jüdischen Friedhof begraben. Klopstocks Vorfahren stammen, wie seine in Wien lebende Nichte Grete Klopstock mitteilt, von dem berühmten deutschen Dichter Friedrich Klopsitock ab. Tempelkonzert. Sonntag, den 30. Jänner, halb 8 Uhr abends, findet im M ül 1 n er t e mp e 1 ein Tempelkonzert statt, dessen ausgezeichnetes liturgisches Programm wir noch näher anzeigen werden.

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