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Die Wahrheit · 1938-01-07 · Heft 1 (7.1.1938) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1938
Issue
Heft 1 (7.1.1938)
Date
1938-01-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. i -7. Januar. li>38 Seite 5 Englisches Weißbuch Ober Palästina. Das am 4. Jänner veröffentlichte Weißbuch, das den Zweck der Untersuchung der 'technischen Palästina-Kommission darstellt, unterstreicht, daß es hauptsächlich, die Bestimmung der Kommission sein wird, Tatsachen bloßzulegen und nicht zur Politik Stellung zu nehmen, und daß die britische Regierung sich niemals auf den Versuch eines Teilungsplanes, wie er in denj Peel-Bericht angegeben beschränkt hat, obwohl die Empfehlungen dieses Berichtes grundsätzlich angenommen worden waren. Das Weißbuch setzt den Teil des Peel-Berichtes, in dem die Ernennung von Grenz- und Finanzausschüssen empfohlen wird, in Kraft. Die Arbeiten der Kommissionsmitglieder, deren Namen noch nicht bekanntgegeben werden, werden ' möglicherweise mehrere Monate dauern und man "nimmt an, daß der fertiggestellte Bericht dann Buchhaltungsburo Martin Haim Wien V., Margaretenstr. 121, Telephon B 25-1-81 L Bilanzen,Revisionen, Pauschalbuchhaltungen Steuer-Wirtschafts-Beratung Mäßiges Honorar, Besuch unverbindlich Gegründet 1912 dem Unterhaus und dem Völkerbund vorgelegt werden wird. Der Zeitpunkt für die Abreise der Kommission nach Palästina ist ebenfalls noch unbekannt. Vor Erscheinen des Weißbuches beschäftigte sich die Londoner Presse in eingehender Weise mit Kombinationen um den Teilungsplan. Das Organ der Labour Party „Dai 1 y Herald" berichtete am 31. Dezember in sensationeller Weise, daß innerhalb des •englischen Kabinetts ein scharfer Meinungskampf hinsichtlich des Plans der Teilung Palästinas und der Schaffung von selbständigen Juden- und Araber-Staaten ausgebrochen ist. Sir Samuel Hoare. Lord H a 1 if a x, Earl of W i n t e r t o n und Earl of Z e 11 a n d sollen auf den Premierminister Neville Chamber 1 a i n einen Druck nach der Richtung a u süben, daß die Regierung ihre gesamte bisherige Palästina-Politik aufgibt, den Plan der Teilung Palästinas und der Schaffung eines jüdischen und eines arabischen Staates in diesem Lande fallen läßt und das in der Baliour-Deklaration und im Mandat vorgesehene jüdische Nationalheim in einer Weise statuiert, daß die Juden eine dauernde Minderheit in einem allarabischen Staat bleiben. Diese Minister weisen darauf hin, daß eine Teilung angesichts der arabischen Gegnerschaft unmöglich durchgeführt werden könne. „Daily Herald" berichtet ferner, daß die erwähnten vier Minister ihre scharfe Unzufriedenheit mit der Politik des Kolonienministers 0 rmsby-Gor« hinsichtlich Palästinas ausgesprochen haben und den Rücktritt Ormsby- Gores, der an dem T e i 1 u n g s p 1 a n festhält, befürworten. „Daily Herald" weiß weiter zu melden, daß sich Hoare. Halifax, Winterton und Zetland auf die Meinung nichtzionistischer englischer Juden stützen, ■welche sie als die führenden englischen Juden bezeichnen. Die am Tage vorher erschienene Ausgabe der in Kolonial- und Mandatsangelegenheiten maßgebenden Zeitschrift „G r e a t B r i t a i n and t h e E a s t" erklärt im Leitartikel mit Nachdruck die Möglichkeit einer Verständigung zwischen Juden und Arabern als ..fernliegen d". Jede Teilungsformel werde außerordentlich schwer zu finden sein. Dennoch sei die britische Regierung luibeugsam zur Teilung entschlossen, da sie sie als im besten Interesse der Araber wie der Juden hält. Sie wird mit dem künftigen arabischen und dem künftigen jüdischen Staat Verträge abschließen. Niemand könne voraussagen, wie lange und in welcher Form sich diese Staaten halten werden. Der Araberstaat könnte sich einer arabischen Konföderation anschließen und Teil eines größeren Ganzen werden; noch schwieriger Ist die Zukunft des Judenstaates vorauszusagen, namentlich was die Beziehungen dieses Staates zu den Nachbarstaaten betrifft. Vielleicht wird er sich an die Nachbarstaaten anpassen und diese sogar befruchten, vielleicht aber wird er als ein Traum enden. Die Juden wissen sehr gut. daß, wenn sie nicht einen Weg der Versöhnung mit den arabischen Nachbarstaaten finden, ihre Aussichten düster sind. Sie wollen darum selbst nicht eine Teilung durch Zwang. Das Blatt schließt: Im Augenblick ist es Hauptsache, die Ordnung wiederherzustellen. ..Unterdrückung", die manche befürworten, ist nicht Politik, sondern ,.A n o 1 i t i k". ..Daily Telegraph and M o r n i n g Pos t" schreibt, die Zionisten seien über die Schwierigkeit der Situation beunruhigt. Ein beträchtlicher Teil der Juden ist der Ansicht, daß es für Araber und Juden möglich wäre, den Weg zueinander zu finden und Vorschläge betreffend einen gemeinsamen jüdischarabischen Staat zu formulieren, wozu allerdings die Mitarbeit der Mehrheit beider Bevölkerungsteile in Palästina notwendig wäre. In gewissen politischen Kreisen ist man der Ansicht daß eine Hinausschiebung der Entsendung der Kommission ratsam wäre. Wenn die Kommission es während des Sommers für möglich fände, Araber und Juden in einer von jeglicher Furcht vor dem Terror freien Atmosphäre zusammenzubringen, ist es vorstellbar, daß die Auffassung der Peel-Kommission, Teilung sei dfe einzig mögliche Lösung, revidiert wird. Der Plan der Eingliederung des -jüdischen Palästina in das britische Imperium. Wie auch in den Tagesblätiern zu lesen war, hat die Zionist Federaiion of Great Bntain and Ireland einen Vorschlag ausgearbeitet, das jüdische Nationalheim in Palästina zu einem Bestandteil des britischen Imperiums zu machen. Ueber die Reaktion der englischen Regierung auf einen solchen Plan erfährt die JTA: Aufklärung! Immer wieder erscheinen im Großteil der in- und ausländischen Weltpresse Artikel von jüdischen Schriftstellern und Journalisten, die sich mit gewissen Weltanschauungen identifizieren und dadurch die öffentliche Meinung dahingehend beeinflussen und den Anschein erwecken, als ob das Judentum als ganzes gewissen Weltanschauungen und gewissen unverrückbaren Dogmen verfallen sei. Dadurch wird (und nach der aufscheinenden Lage nicht zu Unrecht) der Eindruck erweckt, daß jeder einzelne Jude so denke wie diese Schreiber. Heute ist einmal das Judenprobietn auf der Welt. Und irgendwie und irgendwann muß aucli der Nichtjude, wenn es aktuell wird, dazu Stellung nehmen. Heute ist durcli diese Vorgänge die Lage so, daß das Judentum mit der marxistischen Ideologie in engste Verbindung gebracht wird. Es wird der Anschein erweckt, als ob jeder Jude die moralische Verpflichtung hätte, mit dem Sozialismus und dessen Abarten zu sympathisieren oder docli zumindest zu kokettieren. Ablehnung oder gar Bekämpfung dieser Ideen von Seite eines Juden aus-innerer Ueberzeugung und nicht aus Konjunkturgründen wird so beurteilt als würde er gegen sich selbst wüten. See Vecein 4uc unentgettHcheH Arbeitsnachweis, Wien L, JCoMmessecgasse 4 Zetephon U 27*0:65 bittet die jüdischen Unternehmender /f-feÄii«#A„Ä_die hungern und frieren, sowie der vom Schicksal gebeugten jüdischen JMKMMCmESänßSCWM, in handwerklichen Berufen schwer unterzubringenden schulentlassenen fugend zu gedenken und im Bedarfsfalle Arbeitskräfte beim obigen Verein anfordern zu wollen. fflittfeftaftttefte jfoecattmqsftene in der „Union" unter Leitung des Obmannes des Orgahisations - Komitees der „Union österreichischer fuden". Herrn Kommerziatrat ALEXIUS SALZER: jeden Montag und Freitag von 10—12 Uhr vormittags im Sekretariat der „Union" 1., Schottenring 25, Mezzanin, Tel. A 19-2-77. jedes Mitglied der „Union'1 erhält in allen Angelegenheiten der Wirtschaft, wie in allen gewerberechtlichen u. kaufmännischen Angelegenheiten, Steuerberatung oollkommen unentgeltliche Auskunft. Derfidjemngsberatung in allen Zweigen der Elementarversidierung wie Feuer, Einbruch. Glas, Haftpflicht Unfall, Transport und Polizzenprüfung Die Mitglieder der „Union" erhalten im Bedarfsfalle auch, ------- - ••----------------- Wenn auch imperiale und strategische Erwägungen im großen und ganzen für diesen Plan sprechen, so wäre er für die Regierung deswegen ziemlich unbequem, weil diese nicht gut den Einschluß eines England anvertrauten Mandatsgebietes in das britische Imperium befürworten kann. Es sei sehr unwahrscheinlich, daß eine Regierung im gegenwärtigen Zeitpunkt ihre Zustimmung zu einem solchen Projekt geben würde. Wie es heißt, streben die Verfechter des Planes des Einschlusses Palästinas in das britische Imperium gegenwärtig nicht den Status eines Dominiums für das jüdische Nationalheim an, da doch «in notwendiger Schritt in der Richtung der Verwirklichung dieses Status die vorherige Proklamierung eines unabhängigen jüdischen Staates in Palästina sein müßte; in seinem gegenwärtigen Stadium als Mandatsgebiet untersteht jedoch Palästina nominell der Souveränität des Völkerbundes. Eine andere Schwierigkeit ist die, daß zur Einverleibung eines tinabhängigen jüdischen Staates in das britische Imperium als Dominium, gemäß dem Westminster-Statut ,die Zustimmung jedes einzelnen der Dominien nöiiig wäre. Aus diesen Gründen können die Verfechter dieses Planes nicht beabsichtigen, für das Jüdische Nationalheim schon jetzt einen vollen Dominium-Status zu erwirken. Was ihnen vorschwebt, ist irgendeine Form der staatlichen Existenz innerhalb des britischen Imperiums bei innerer Autonomie. Zu weit geilt es jedoch, wenn eine jüdische Zeitschrift, die heute eine starke Verbreitung in der ganzen Welt findet die „Jüdische R ev u e". Nekudah-Verlag, Mukacevo, C. S. R.. und die das Motto führt: „Die Jüdische Revue dient dem jüdischen Volke. Sie ist von keiner Partei abhängig" in der Dezembernummer 12 einen Artikel iosläßt der die Ueberschrift trägt: „Jüdische Helden im spanischen Bürgerkrieg" von Kurt Pin< Da lesen wir unter anderem am Anfang: ,.An die Tradition der großen Vorkämpfer des Fortschritts anknüpfend, schlagen sich heute begeisterte junge Juden in heroischester Weise für die Erhaltung des europäischen Friedens." Einige Zeilen später: „Einige Juden erklommen hohe Kommandostellen. Der ehemalige österreichische Heeresminister Julius Deutsch trägtden Rang eines Generals, der Prager Schriftsteller Egon Erwin Kisch istpoliti sc h erKommissar einer Brigade, ebenso der aus Galizien stammende Charles Schmidt Der deutsche Schriftsteller Alfred Kantorowicz ist Kompagniekommandant." Es mögen vielleicht jüdische Helden sein, die, wie immer, von ihren „Führern" verhetzt in den spanischen Schützengräben für ihre innere Ueberzeugung kämpfen und sterben. Es mögen jüdische Helden sein, die von ihren Führern, die mit den Arabern ans Prestigegründen keinen Frieden schließen wollen, in Palästina in den Tod gejagt werden; aber Herr „General" Julius Deutsch und Schriftsteller-Kommissar Egon Erwin Kisch sind

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