Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1938
- Issue
- Heft 1 (7.1.1938)
- Date
- 1938-01-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Budapest 3× ep/1002374
- Abraham Goldfaden 1× ep/1003135
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Seite 4 Nr. I -rr 1. Januar 1938 Die Methoden der wirtschaftlichen Vernichtung der deutschen Juden, Früher hatten wiederholt nationalsozialistische Führer erklärt, es sei nicht beabsichtigt das Judentum wirtschaftlich zu treffen. Sät dem Besteben des Vierjahresplanes zeigt sich klar, daß diese Zusagen Lüge waren, und daß man mit allen Mitteln darauf hinarbeitet, das Judentum, so schnell es nur geht, Wirtschaft, lieh zugrunde zu richten, so daß damit das Ende der wirtschaftlichen Existenz, d. h. des Judentums überhaupt, in bedenkliche Nähe rücken dürfte. Es ist sicher, dab" den mittleren und unteren Stellen der Partei weitgehende Vollmachten gegeben wurden, die wirtschaftliche Vernichtung der Juden in ihrem Bereiche auf jede geeignete Weise zu erzwingen. Man sieht überall im Reiche die Wirkung der-Methoden augenfällig, deren Brutalität durch die Person des Parfeigewaltigen am Orte jeweils bestimmt ist. Es ergibt sich dabei das folgende Bild: Die gewaltsame Methode. Man verhaftet jüdische Geschäfts- oder Betriebsinhaber unter irgendeinem Vorwand, sei es, daß man ihnen irgendwelche Devisenschiebungen oder Steuerhinterziehungen und dergleichen vorwirft, wenn man sicher ist, daß diese ihr Geschäft oder ihren Betrieb freiwillig nicht abtreten. Durch wochenlange Schutzhaft wird der betreffende Jude m ü r b e g e m a c h t, bis er erklärt, er sei nunmehr bereit, sein Unternehmen an einen Arier abzutreten. So sind z. B. die drei Inhaber einer großen Weberei in Mitteldeutschland, die 1000 Arbeiter beschäftigt, DIE TOTEN DES JAHRES 1937. Name im Jahre geb. in gesL in Beruf Alfred Adler 1870 Wien Aberdeen Individualpsychologe Max Adkaj 1873 Wien Wien Soziologe Henry van den Bergh 1851 Amsterdam Nizza Kunsthändler James v. Bleichröder 1860 Berlin Berlin Bankier Nathan Birnbaum 1864 Wien Amsterdam Aguda-Führer Konstantin Branner 1862 Altona Potsdam Philosoph Abraham Corainic 1883 Uman (Ukraine) New York jiddischer Schriftsteller Leo Davidsohn 1867 Berlin Berlin Strafrechtler Robert Davidsohn 1853 Danzig Florenz Wirtschaftsgeschichtler Abel Davis 1875 Chicago Brigadegeneral Bernhard Dernburg 1864 Darmstadt Berlin Politiker, Minister Jacob Diner 1870 Rußland New York pharmakologe Adolph Donath 1876 Kremsier Prag Kunsthistoriker Louis Eisenmann 1869 Hagenau Paris Slawist Max Eisler 1881 Boskowrrz Wien Kunsthistoriker Oskar Engländer 1877 Pardubitz Prag Nationalökonom Jacob Erdheim 1874 Wien . Pathologe Eduard Füene 1860 Salem, U. S. A. Boston Großkaufmann, Philanthrop Alfred Flechtheim 1878 Münster i. W. London Kunsthändler Max Freudentha! 1867 Neuhaus (Unterfr.) München Rabbiner George Gershvin 1898 Brooklyn Hollywood Komponist Sidney Goldm 1880 Odessa New York Schauspieler und Regisseur Heinrich Jacob Goldschmidt 1857 Prag Oslo Chemiker Isidor Goldstein 1879 New York Ophtalmologe Otto H. Goldstein 1882 Chicago Brigadegeneral Alexander Granowski 1890 Moskau Paris Regisseur Paul Grätz 1893 Berlin Hollywood Schauspieler Elie Halevy " 1870 Paris Historiker Ferdinand Hart 1893 Prag Schauspieler Kurt Havelland 1904 Kassel Breslau Dirigent Fritz Heimann 1883 Brieg Budapest Gynäkologe David Hermann 1876 Warschau New York Regisseur T. Henri Heymans 1869 Amsterdam Jurist Samuel Instone 1878 London London Großindustrieller lgnaz Jastrow 1856 Nakel Berlin Historiker und Nationalökonom Wladimir Jochelson 1856 Wilna New York Ethnologe Boris Kletzkin 1875 Wilna Verleger Salomon Klein 1845 Miskolcz Wien Ophtalmologe Samuel Landauer 1846 Hürhen/Bay. Augsburg Semitist Philipp Laszlo 1869 Budapest London Porträtmaler Albert Levy 1863 London Industrieller Daniel Levy 1874 Sidney Jurist und Juärizminister Ernst Lissauer 1882 Berlin Wien Dichter Fritz Lissauer 1874 Berlin Berlin Komponist Adolf Loewy 1862 Berlin Berlin Physiologe G. Magyar-Mannheimer 1864 Budapest Landschafts- und Porträtmaler Rabbi Mendes 1852 Birmingham New York Judaist Bernhard Munkascy 1860 Oroßwardein Budapest Ethnologe Alessandro Padoa 1875 Rom Mathematiker jesaja Rosenberg 1871 Kowno New York Nationalökonom Felix Rosenthal 1867 Wien Wien Komponist Philipp Rosenthal 1855 Werl/Westf. Industrieller (Porzellan) Lionel W. Rothschild 1868 London London Industrieller und Ornithologe Ferdinand Samoje 1875 Ratibor Berlin Jurist, jüdischer Politiker Henry Sliosberg 1867 Poltawa Paris Jurist und Politiker Hugo Spitzer 1859 Einöde (Steiermark) Graz Philosoph Davide Supino 1851 Pisa Pisa Handelsrechtler Jacob J. Taubenhaus 1884 Safed New York Pflanzenphysiologe Rosa Valetti 1878'Berlin Wien Schauspielerin Felix M. Warburg 1871 Hamburg New York Bankier, Präsident des Joint Richard Weiner 1885 Pisek Prag Lyriker und Essayist Moritz Winternitz 1864 Horn (Niederöst) Prag Indologe und Ethnologe Doris Wittner 1881 Berlin Berlin Schriftstellerin Jacob Zeitlin 1883 Gorky New York Anglist Qenktoüjcdiqes vant Jage. 7.Januar 1834 wurde Philipp Reis (Erfinder des Telephons) zu Gelnhausen geboren. S. Januar 1880 starb in Wien der Dichter Seligmann Heller. Vorleser der Kaiserin EU-, sabeth. 9. Januar 1908 ist der Begründer des jiid. Theaters Abraham Goldfaden in New York gestorben. 10. Januar 1823 wurde der Religionsphilosoph Moriiz Eisler in Proßnitz geboren. 11. Januar 1893 starb in Meran Daniel Spitzer (Wiener Spaziergänge). 12. Januar v* 1808 erklärt J erbme alle Juden Westfalens für Vollbürger. 13. Januar 1891 starb in Wien der Kapellmeister Julius Sulz er. schon seit Monaten in Haft unter dem Verdacht angeblicher Devisenschiebungen. Jeder Kundige weiß, daß diese Juden hochanständige Geschäftsleute sind, die sich nichts haben zuschulden kommen lassen. Bisher ist es noch nicht gelungen, diese zum Verkauf ihres bedeutenden Unternehmens zu veranlassen. Daher dauert die Haft fort. Die DAF, die Deutsche Arbeitsfront, eine derwesentlichsten Träger dieser Vernichtungspolitik, kommt in den jüdischen Betrieb mit „Anregungen".- Es wäre besser, wenn der Inhaber verkaufe, es seien in seinem Betriebe angeblich Mißstände vorhanden: man würde ihm die Eigenschaft als „Betriebsführer" aberkennen, eine Maßnahme, die den Betrieb lahmlegt. Und so ist der jüdische Inhaber derartigen Schikanen unterworfen, daß er schließlich sein Unternehmen abtritt. Der staatliche Bewirtschaftungszwang. Es wird oft, besonders im Ausland, übersehen, daß die deutsche Wirtschaft heute staatlich geleitet ist und daß niemand ohne staatliche Kontrolle und Mithilfe virtschaften kann. Der Staat verfügt über die Rohprodukte. Hat er auf Anregung der Deutschen Arbeitsfront oder auf geheime Anweisung von oben oder sonstwie den Willen, einen jüdischen Fabrikanten zugrunde zu richten, so hat er nur nötig, z. B. die Lieferung an diesen Fabrikanten unter irgendwelchen Vorwänden einzustellen oder so zu kürzen, daß der Betrieb des Beträft fenden schnell iestläuit. - Die Einfuhrkontingente können im gleichen Sinne gegen den jüdischen Fabrikanten oder Händler ausgenutzt werden. Ebenso ist es mit den Kontingenten für den Groß-; handel bestellt. In dem Augenblick, wo der Staat statt 60.000 Herrenmäntel' dem Großhändler nur 20.000 Mäntel zuteilt, ist sein Betrieb erledigt. Diese Waffen sind noch nicht alle in den Kampf eingetreten. Es . wird aber gerade jetzt mit -ihnen gedroht und vereinzelt werden sie jetzt schon benutzt. Unter den Einzelmethoden, den jüdischen Unternehmungen Schwierigkeiten zu bereiten, sei nur die eine noch hervorgehoben: Von Januar 1938 ab wird keine Berliner Zeitung mehr irgendwelche geschäftlichen Annon^ cen von Juden aufnehmen. Für Hamburg gilt das Gleiche in etwa einem halben Jahr. Jüdische Firmen, die Markenartikel herstellen und verbreiten, werden dadurch binnen kurzem den schwersten Schaden erleiden, wenn sie nicht vorziehen, vorher ihren Betrieb zu schließen oder rechtzeitig zu verkaufen; denn ein Markenartikel, kann ohne Reklame in der Presse auf die Dauer, sich nicht halten. Das Bethaus Talmud Thora, II., Malzgasse 16, feiert am Sonntag, den 16. Jänner, 6 Uhr abends, i'ti* Turnsaal der Talmud Thora, II., Malzgasse 16, das siebzigjährige Jubiläumsfest, verbunden mit einem Sijum, der von Herrn Rabb. Schenk abgehalten wird. Die kantor rale Funktion versieht. Herr Oberkartior .Samuel Roth mit Chor. Karten im Vorverkauf bei Herrn S. Pick (Parfümerie-Geschäft), II., Untere Augartenstraße 32,* und bei allen Vorstandsmitgliedern und Komiteeherren. ■■ >>•••