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Die Wahrheit · 1937-12-31 · Heft 52 (31.12.1937) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 52 (31.12.1937)
Date
1937-12-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE WAHRHEIT 2)er Vecein jfue jUM&sttgelttUfien Ac&eitshacfiiveis, Wien /., JCaMmesseeqasse. 4 J^iephmU 2,7:0:65 bittet die jüdischen Unternehmender /i-mG***m4^f**^M*-mm die hungern und frieren, sowie der vom Schicksal gebeugten jüdischen JlCUClISICfSCIl, in handwerklichen Berufen schwer unterzuoringenden schulentlassenen Jugend zu gedenken und im Bedarfsfalle Arbeitskräfte beim obigen Verein anfordern zu wollen. Rechtsregierung in Rumänien. Von informierter Seite. In einer ihm eigenen Staats- und Gemeinschaftsauffassung steht Rumänien, das jetzt durch die Bildung der Rechtsregierung Goga die Konsternation Europas und die Besorgnis der Judenheit auf sich gelenkt hat, im Kreise der europäischen und der Balkanstaaten. In einer ihm eigenen Weise meistert es die Probleme, die diesem Staate angeboren sind. Dieses Land erscheint voll von Unberechenbarkeiten und vieles von dem, was in anderen europäischen Staaten feststeht, entzieht sich hier der Voraussage. Wir sehen dabei eine Judenheit in einem Staate, der mit den Problemen ringt, die durch seine Entstehungsweise gegeben sind. Denn der großrumänische Staat von heute ist durch die Pariser Vorortverträge von 1919/1920 geschaffen worden. Zu dem Kern des alten Rumänien sind Siebenbürgen und das Banat, die Bukowina von der alten Donaumonarchie, Bes- •sarabien vom Zarenreich gekommen. Das Land vergrößerte sich um die Hälfte, die Zahl seiner Juden wuchs von einer Viertelmillion auf rund eine Mil- * afe föuchsbaum Wien II., Kleine Pfarrgasse 21 Telephon A 43-519 Treffpunkt bürgerlicher Gesellschaft. In- und Busländische Zeitungen. Separierter Raum für Klubs und Vereine. Herabgesetzte Preise. Mokka 45 Gr. Melange 50 Gr. Aufmerksame Bedienung. lion. So wurde Rumänien das Land der nationalen Minderheiten, und auch die Juden, die bis dahin — mit rühmlicher Ausnahme der Glaubensgenossen der Donaumonarchie — in unsicheren rechtlichen Verhältnissen gelebt hatten, wurden als Minderheit anerkannt und den übrigen Staatsbürgern als völlig gleichberechtigt erklärt. Aber seitdem ist die Frage nie zur Ruhe gekommen, welche Stellung die Minderheiten im rumänischen Staate einnehmen und wie die Judenfrage zu lösen sei. Die Entstehung des rumänischen Staates als ■eines Staates der Minderheiten, die besonderen Formen des Parteiwesens und des Parlamentarismus haben auch auf das jüdisch-politische Leben eingewirkt. Diese beiden Momente geben die Grundlagen ab für so vieles, was im innerjüdischen Leben in Rumänien geschieht. Da sehen wir zuerst dieses fast zufällige Zusammentreffen von Juden verschiedener Herkunft. Die Juden Altrumäniens, die Juden Bessanabiens, Transsylvaniens und der Bukowina sind untereinander sehr verschieden. Der Unterschied besteht vor allem darin, daß die Juden dieser Bezirke zu den verschiedensten Zeiten die Gleichberechtigung erhalten haben, die verschiedensten Entwicklungen durchmachten und auf entsprechender sozialer und kultureller Stufe stehen. Die Juden Altrumäniens haben eigentlich erst seit den Friedensverträgen von 1920 die Emanzipation erhalten. Die Juden in der Bukowina wurden bereits 1867 mit der Emanzipation der Juden in Oesterreich gleichberechtigt. Sie und die ungarischen Juden in Transsylvanien, im Banat und die ehemals russischen Juden in Bessarabien sind mit den verschiedensten Traditionen und Entwicklungsstufen' in die rumänische Judenheit von heute gekommen. Diese Herkunft läßt sich nicht verleugnen. Es fragt sich immer, ob es je anders sein kann. Die sozial, kulturell und wirtschaftlich ungleiche Stufung der Juden der einzelnen Landesteile wirkt sich naturgemäß auch auf das innerjüdische Leben aus. Die geographischen Besonderheiten sind maßgebend für die Schichtung der Gegensätze, die aber, um es gleich zu sagen, heute nicht so ausgeprägt sind wie noch vor wenigen Jahren. Der Ernst der Lage, in die sich die rumänische Judenheit versetzt sieht, die stete Bedrohung ihrer politischen und wirtschaftlichen Positionen, haben viele Zweckmäßigkeitserwägungen in den Vordergrund gestellt. Demgemäß ist der Zug zur Zusammenfassung fassung ein Kennzeichen der innerjüdischen Entwicklung, die in den letzten Jahren über -die politischen und bezirklichen Sonderungen hinausstrebt und sie zu überbrücken sucht. Die Vielfalt und Vielgestaltigkeit der Gemeinden und religiösen Schattierungen, die unterschiedliche Herkunft der Teile der rumänischen Judenheit, das Nebeneinander von Aschkeiiasim und Sephardim hat hier viele Spaltungen geschaffen. Nach und nach haben sich aber gerade bei den Gemeinden Zusammenschlußtendenzen gezeigt. Aus den Gemeinden in Altrumänien, Bessarabien, Transsylvanien und der Bukowina haben sich Gemeindeverbände herausgebildet, die sich im vergangenen Jahr zu einem Zentral verband jüdischer Gemeindeverbände zusammengeschlossen haben. Präsident des Verbandes ist der Vorsitzende der Bukarester Gemeinde, Senator Birraan, der gleichzeitig dem Gemeindeverband vom Altrumänien vorstellt. Auch die Sephardim, deren Oberrabbiner S. Djaen ist, bilden einen eigenen Synagogenverband. Die Verteidigung der jüdischen Rechte war immer eine wichtige Angelegenheit in Rumänien. Schon die Juden Altrumäniens haben sich ein gutes Instrument zur Vertretung ihrer Interessen geschaffen. Die Union rumänischer Juden war und ist auch in dem heutigen großrumänischen Staat eine machtvolle Organisation zur Erlangung und Verteidigung der Gleichberechtigung der rumänischen Juden. . >- Die Frage, ob die Juden als solche sich an der allgemeinen rumänischen Politik beteiligen und insbesondere eigene Abgeordnete zur Vertretung ihrer Interessen in das Parlament entsenden sollen oder ob nicht von einem solchen Experiment angesichts seiner Aussichtslosigkeit Abstand genommen werden soll, hat innerhalb der rumänischen Judenheit zu einer Spaltung geführt, die bei den diesmaligen Parlamentswahlen besonders kraß in Erscheinung trat Die U n i o n hat früher mit Erfolg versucht, Juden als Abgeordnete anderer Parteien ins Parlament zu bringen. Sie hatte ihre Kandidaten auf der Liste rein rumänischer Parteien unterbringen können, wo sie ausdrücklich als Kandidaten der Union aufgestellt waren. Der Präsident der Union, Dr. Filderm a n, ist z. B. einmal auf der' Liste derLiberalen Partei gewählt worden. Die frühere rumänische Regierung hat diesen Standpunkt der Union für richtig abgesehen; wie z. B/ aus einer Erklärung des Vizepräsidenten - des nun abgetretenen Ministeriums;' I n n e ri rri i n i s t e r I nc u 1 e t z an die jüdischen Mitglieder der liberalen Partei von Calarasi hervorging, in der er ausführte: „Mit Befriedigung konstatiere ich, daß Ihr treue Bürger des Landes "und ergebene Mitglieder der Liberalen Partei seid. Ihr Juden von Calarasi seid nicht in den Fehler jener verfallen, die eine Jüdische Partei gegründet haben. Die Minoritätsparteien haben n'cht nur niemals Erfolg, sondern sie rufen auch den Haß der anderen hervor. Sogar als die Jüdische Partei eigene Listen eingereicht hatte, haben die Juden hier nicht für sie gestimmt, sondern sind für die Liberale Partei eingetreten. Unter diesem Gesichtspunkte beglückwünsche ich die jüdische Bevölkerung, über die sich der rumänische Staat und die Liberale Partei nicht zu beklagen haben." Auch bei den diesmaligen Wahlen haben die Liberale Partei und ein:ge wenige rumänische Parteien Juden, als Kandidaten auf ihre Liste gesetzt, aber nur an wenig aussichtsreichen Stellen, so daß sie nicht gewäMt wurden. Die bisherige liberale Regierungspartei hat bekanntlich von den 3,700.000 abgegebenen Stimmen nur 971.000 auf sich vereinigen können. Nach der rumänischen Wohlordnung erhalten diejenigen Parteien, welche bei def Wahl nicht 7)mkuxätdiq^s vatn %aq.e. 1. Januar 1894 ist Heinrich Hertz (Hertz'sche Wellen) in Bonn gestorben. 1934 ist der Romanschriftsteller Jakob Wassermann in Alt-Aussee gestorben. 2. Januar 1782 erschien das Toleranzpatent Kaiser Josefs. 1915 ist der Komponist Karl Goldmark (Königin von Saba) gestorben. .? ' 3. Januar 185S starb die französische Tragödin Elisa Rachel (Felix) in Cannet bei Cannes. 4. Januar CJ,' 1786 ist Moses Mendelssohn in Berlin gestorben.; 1924 ist in Wien der Klaviervirtuose Alfred Grünfeld gestorben. 5. Januar 1884 ist in New York Eduard Lasker gestorben. 6. Januar 1833 wurde der Illustrator der Bibel, Maler Paul Gustav Doree in Straßburg geboren. :*h zwei Prozent der im ganzen Lande abgegebenen Stimmen erreicht haben, kein Mandat. Demzufolge ist die Jüdische (richtiger: jüdischnationale;) Reichspartei, die trotz des Abratens der Union rumänischer Juden selbständig kandidierte und nur 1.7 Prozent der Gesamtstimmen im Reich auf sich vereinigt hat, ohne Mandat im Parlament geblieben. Da die kleinen Parteien leer ausgingen, erhöhte sich die Zahl der Mandate der größeren Parteien. Die Partei „Alles fürs Vaterland" (Eiserne Garde) erhielt rund 70, die Christlichnationale Partei (Cuza- Goga) etwa 40 Sitze. Die antisemitische Frttot hat damit im rumänischen Parlament eine nichtgeahnte Stärke erreicht. An der Spitze der neuen Regierung steht Octavian Goga, der bekannte Antisemit und Genosse A. C. Cuzas, der selbst als Minister ohne Portefeuille der Regierung angehört, ebenso wie sein Sohn Georg Cuza, der Arbeitsminister wurde. Vater und Sohn Cuza reden seit Jahren einer totalen Entrechtung und wirtschaftlichen Depossedierung der Juden das Wort. Außenminister wurde Istrate Micescu, der seit 1935 einen heftigen antisemitischen Kampf in den Reihen der rumänischen Advokaten führt. Er wurde im Dezember 1935 unter den sattsam bekannten Utnständen zum Präsidenten der Bukarester Advokatenkammer gewählt und gründete damals auch den Verband der christlichen Advokaten, dessen Resident er gleichfalls ist. Die Situation der rumänischen Juden hat giph angesichts dieser Regierungszusammensetzung wesentlich verschärft. Für die dortigen Glaubensgenossen, , deren wirtschaftliche Lage schon seit Jahren eine sehr triste ist, dürften traurige Zeiten kommen. Das ^Judentum ist: um einen Gefahrenherd reicher, die; vernünftige Demokratie um eine Heimstätte ärmer geworden. Die Zuspitzung der politischen Verhältnisse und der wirtschaftlichen Lage 'der rumänischen ' Judenheit hat die beidenHäuptgruppen, .-die Union und die Reichspartei, schon im Februar 1936 veranlaßt, ein Abkommen zu schließen, durch das ein Zentralrät der Juden Rumäniens geschaffen wurde, der die Aufgabe hat, die Rechte der rumänischen Juden im Rahmen der Gesetze wahrzunehmen. Ein Präsidialkomitee, das aus den Vorsitzenden der beiden Organisationen, Dr. Füdermann und Dr. Fischer, sowie aus dem Senator Oberrabbiner Dr. N i e m i r ow e r besteht, ist eingesetzt worden und tritt als Sprecher der rumänischen Judenheit immer dann auf, wenn die Umstände es erfordern. Diese Notwendigkeit wird jetzt leider allzu oft gegeben seih. Vortrag. Herr Religionslehrer Markus Pick hält im „BJF", IL, Praterstraße 66, Dienstag, Ifen 4. Jänner 1938, 8 Uhr abends, einen. Lichtbildvortrag über „Jüdische Zünfte". ,. b

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