Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 51 (24.12.1937)
- Date
- 1937-12-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seit©l Wien l*i Seitenstettengasse 2 XI.t Zentralfnedhof neben dem L Tor _Samstag go»chlo»scn 1 __ «ine Aussprache, sie können vielleicht ihre Sorgen einander mitteilen und einander durch freundlichen Zuspruch das Leben erleichtern. Nicht nur körperliche Sättigung, sondern auch geistige Kräftigung und Erhebung wird den jungen Menschen geboten. Die jungen Leute we.den in jüdischem Sinne und Geiste stark beeinflußt. Ich fühle mich bemüßigt, bei diesem Anlaß allen Institutionen, besonders der allgemeinen Aktion „Jugend in Not", der Wiener Arbeiterkammer, dem Vorstand der Wiener Kultusgemeinde und allen Männern und Frauen, die ihre Kraft in den Dienst der Sache gestallt haben, für die Unterstützung, die sie der Aktion „Jüdische Jugend in Not" angedeihen ließen, meinen wärmsten Dank auszusprechen." Der Geschäftsführer der allgemeinen Aktion „Jugend in Not". Herr Sekretär Anton Kimml gab einen Ueberblick über die Entwicklung der allgemeinen Aktion ..Jugend in Not' und versicherte, d?ß die jüdische Aktion seitens der allgemeinen Aktion „Jugend in Net" stets die ihr zukommende Unterstützung und Förderung finden werde. Das Spital der Israelitischen Kultusgemeinde wurde am 20. d. M. gelegentlich einer Pressekonferenz von Vertretern der in- und ausländischen Presse besichtigt, die unter anderem folgende interessante Mitteilungen erhielten: Das Spi.lal wurde iim Jahre 1873 von Anselm Freiherrn von Rothschild erbaut. Das Spital, das unter der administrativen Leitung des Direktors Generalstabsarztes i. R. Dr. Arnold Raschkes steht und dessen bauliche Ausgestatlung nach den Plänen des Herrn Arch. Ponzen vorgenommen wurde, verfügt über 256 Betten, die auf folgende Abteilungen aufgeteilt sind: Erste medizinische Abteilung (Primarius Professor Dr. Herbert Elias), zweite medizinische Abteilung (Primarius Professor Dr. Leo Heß), chirurgische Abteilung (Primarius Dozent Dr. Waldemar Goldschmidt), urologische Abteilung (Primarius Dr. Theodor Raimund Schwarzwald), gynäkologische Abteilung (Primarius Dozent Dr. Albert Blau), dermatologisch'e Abteilung (Primarius Professor Dr. Hans Königstein), Abteilung für Herzkrankheiten (Primarius Dozent Dr. David Scherf). Außerdem sind dem Spftiale angegliedert: Ein Röntgeninstitut (Vorstand Dr. Jonas Borak), Institut für Radiumbehandlung (Vorstand Dr. Wilhelm Schloß), Prosektur und histologisches Laboratorium (Vorsländ Dozent Dr. Theodor Bauer) und die Ambulatorien für Hals- und Nasenkrankheiten (Primarius Doktor Kurt Tschiasny), für Ohrenkrankheiten (Vorsiand Doktor Martin Buchband), für Augenkrankheiten (Vorstand Dr. Max Meißner), für Nervenkrankheiten (Vorstand Dr. M. Infeld). Die Zahl der Angestellten des Spitals beträgt 149, darunter acht Assistenten und zehn Sekundarärzte. Um jungen jüdischen Aerzten die Ausbildung im Berufe zu ermöglichen, hat der Kultusvorstand beschlossen, 24 Stellen für Aspiranten zu schaffen. Von den Angestellten des Spitals gehören 60 der katholischen Religion an. Selbstverständlich steht das Spital der Kulrusgemeinde auch Patienten anderer Glaubensbekenntnisse zur Verfügung. Die Zahl der Pa tienten stieg von 2537 im Jahre 1936 auf 3437 bis Ende November 1937. Für die im Spital untergebrachten unbemittelten Patienten mit 14.784 Verpflegstagen trägt die Kultusgemeinde im Rahmen der von ihrer Fürsorgezen'.rale geführten Krankenfürsorge -die Kosten im' Betrage von über 200.000 Schilling. Die Zahl der ambulanten Patienten betrug im Jahre 1937 bisher 30.000, die der durchgeführten Operationen 1385, die Zahl der Röntgenzuweisungen für Zwecke der Diagnose 4500 und für Zwecke der Therapie 450. * Die in ihrem Berichte über die Pressekonferenz von der „Stimme" versuchte Herabsetzung der Leistunsen der „Union" und aller nichtnationalen Glaubensgenossen für das Spital und alle übrigen Einrichtungen der Israelitischen Kultusgemeinde, die doch notorisch alle» ohne Ausnahme von der „Union" geschafft Avurden, läßt uns vollständig kalt Der Naivste weiß, daß das Spital der Israelitischen Kultusgemeinde vom Hause Rothschild den „Wienern" gestiftet wurde und daß die „Union österreichischer Juden" immer darauf bedacht war, das „Rothschiklspital" den Intentionen des Stifters entsprechend zu führen, zu erweitern und zu vergrößern. Der große Neubau des „Rothschild- Spitals", der von außen kaum sichtbar ist, wurde unter tatkräftiger Mitwirkung des verstorbenen Barons Natanrel Rothschild von der „Union" durchgeführt und *e Leuchten der Wissenschaft, die dort zum Wohle der Kranken wirkten, sind von der „Union" nach ihren Fähigkeiten, Kenntnissen und Leistungen ausgewählt und berufen worden. Nicht das jüdischnationale Bekenntnis war die Voraussetzung für die Bestellung zum Primarius, wie das jetzt der Fall ist, da der Leiter der Ohrenklinik unter Zurücksetzung weit besser qualifizierter Bewerber durch die dirimierende „Stimme" des Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde bestellt wurde, und zwar nur deshalb, weil er im Wahlkampf die „Zionistische Liste" vielleicht auch schon im Hinblick auf diese Möglichkeit durch seine Unterschrift und vielleicht auch sonst noch unterstützt hat. Die „Stimme" möchte gerne die Verdienste des Herrn Baurates K e m p 1 e r um das Spital, der es insbesondere im und nach dem Kriege vor dem Untergang bewahrte, vergessen machen. Die „Stimme" soll nur weiter schön ruhig sein und die erfreuliche Erweiterung des „Rothschild-Spitals" nicht zu einem Angriff auf die „Union" und die Nichtnationalen benützen. Wir können noch Verschiedenes erzählen, nicht nur, wie man Primarius wird, sondern auch wie man andere Stellen in der Kultusgemeinde erlangt. Barmizwah-Feier. Herr und Frau Sigmund Pick laden höflichst zur Barmizwah ihres Sohnes Heinz, welche Samstag, den 25. Dezember, um K10 Uhr vormittags, im Talmud-Thora-Tempel. II.. Malzgasse 16, stattfindet. 70. Geburtstag. Dieser Tage feierte der in weitesten Kreisen bekannte und beliebte Herr Vizekonsul Dir. Joab Friedmann in vollster geistiger und gesundheitlicher Frische seinen 70. Geburtstag, herzlichst beglückwünscht von der unendlich großen Schar seiner Freunde und Bekannten, die ihn wegen seines vornehmen Charakters, seines bescheidenen Wesens und seiner edlen sozialen Gesinnung sehr verehren. Bin Sohn des be.ühmten Lektor Friedmann s. A., hat er stets für jüdische Angelegenheiten ein warmes Interesse bekundet. Er ist ein treues Mitglied der „Union österreichischer Juden" und widmet insbesondere seine wertvollen Kräfte dem „Dr. Krügerheim", hierin tatkräftig unterstützt von seiner präohtigen Gattin, Frau Bundesstaatlicher Fürsorgerat Gina Friedmann. Den herzlichen Wünschen der zahlreichen Verehrer des Jubilars für ein noch recht langes, gleich ersprießliches Wirken zum Wohle der jüdischen Gemeinschaft schließt sich auch die Redaktion der „Wahrheit" an. 70. Geburtstag. Der Döblinger Tempelvorstand feierte jüngst den 70. Geburtstag seines allseits 'beliebten und hochgeschätzten Obmannes Bela F r ä n k 1 unter Beteiligung der ganzen Gemeinde. Das im Lichterglänz erstrahlende Gotteshaus bot ein eindi ucksvolles und erf.euliches Bild harmonischer Verbundenheit zwischen Gerne.'ndeanitgliedern und dem Obmann. Rabb. Prof. Dr. Frankfurter beglückwünschte den Obmann im eigenen und im Namen der Vorstehungen des Tempels, der Chewra Kadischa und des Frauenvereines auf das herzlichste. Der Rabbiner würdigte das vorbildliche Wirken des überaus eifrig tätigen Obmannes. Die würdige und erhebende Feier erhielt e'ne erhöhte Weihe durch den hervorragend künstlerischen Festgesang des Oberkantors Feuer und des Chores unter der Leitung des Dirigenten Weissm a n n. Die zahlreich Erschienenen, unter ihnen viele Delegierte und prominente Persönlichkeiten, lauschten voll tiefer Andacht dem feierlichen Gottesdienste. M. G. Todesfall Am 13. Dezember d. J. ist Bundesstaatlicher Fürsorgerat Sigmund Weiler nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 85 Jahren sanft verschieden. Der Veiblichene. welcher jahrzehntelang auf dem Gebiete des Kultus und der Wohltätigkeit in vorbildlicher Weise tätig war, war zuletzt Obmann des Bethausvorstandes für den XVI. und XVII. Bezirk, nachdem er vorher die Obmannstelle der Vereine „Kinderfreunde" und „Chewra Kadischa" im XVI. Bezirke bekleidet hatte. Bei dem am 16. d. M. stattgefundenen Leichenbegängnisse hatten sich viele Freunde und Bekannte des Verewigten eingefunden, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Nachdem Oberkantor R. K o g a n unter Assistenz des Kantors M. Harendorf die Trauergesänge vorgetragen hatte, hielt Herr Rabbiner Dr. J. M. Bach bewegten Herzens einen tiefempfundenen Nachruf, in dem er die hervorragenden Leistungen des Verblichenen in der Gemeinde und in den Vereinen, seine edlen Herzenseigertschaften und seine Opferwilligkeit als Gatte und Vater 'besonders würdigte. Sodann sprach der Obmann des Vereines „Kinderfreundo" Oberveterinärrat Heinrich Rosenzweig herzliche Worte des Dankes und Abschiedes. Hierauf wurden die irdischen Ueberreste dieses wahrhaft guten Menschen zur letzten Ruhestätte geleitet. G. H. Non stop-Komlker-Revue am Samstag, den 8. Jänner 1938, um halb 8 Uhr, im Großen Saale des Konzerthauses. Es wirken mit: Dela Lipinskaja, Fritz Orünbaum, Karl Farkas, Betja Milskaja, Hermann LeopoWi, Armin Berg, Die Meloparodisten, Josef Baar, Die kleine Inge Schrecker, Das heitere Quartett des iüd. Gesangvereines. Der Reinertrag dieser Veranstaltung fließt folgenden charitativen Institutionen zu: Vereinigte jüdische Volksküchen „Seudat Sa bat", II., Krummbaumgasse 8, „E i n h e i t", Verein zur Errichtung und Erhaltung von VoScsspersehallen, II.. Malzgasse 12. .Ak- Schinnckung von Grotten and Ordnern LeopoldDeutschJienXI. einzitre jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof l. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhot IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene ttnltnren fion jüdische Jugend in No t", I., Kohlmarkt 5. Karten zum Preise von 1 bis 6 Schilling sind erhältlich in den Büros der genannten Institutionen, bei der Konzertkasse Dr. Hohenberg, I., Operngebäude, in Gronners Kartenzentrale, 1., Graben 2S, bei der Jüdischen Kulturstelle, I., Franz Joseis-Kai 3, und in der Redaktion der „Wahrheit", II., Heinestraße 13. Mathilde, Verein zur Bekleidung armer jüdischer Schulkindei, insbesondere Waisenkinder. Wie alljährlich, hat auch heuer der durch sein segensreiches Wirken bestbekannte Verein „Mathilde" trotz der schweren Zeiten unter mühevoller Arbeit des Gesamtvorstandes und dank der Opterwilligkeit seiner Gönner und Spender 150 arme jüdische Kinder mit Wäsche, Schuhen und Kleidern, d'e neu und aus bestem Material angefertigt wurden, ausgestattet. Die Bekleidungsieicr iand am Sonntag, den 19. Dezember im Festsaal des Hotel Stefanie statt. Unter den zahlreich erschienenen Festgästen konnte der Festlciter, Herr Josef Stapler, die Ehrenprotektoren Oberrahbiner Dr. I. Taglicht. Rabbiner Dr. Rosenöl a n n samt Frau Gemahlin, Frau Mathilde Buchsb a u m und als Vertreter der Israel. Kultusgemeinde Herrn Dr. Schmerler. des Reichsverbandes jüdischer Legitimisten, Herrn Oberbaurat Dr. W e i n b e rg e r, des Bundes jüdischer Frontsoldaten Bezirksführer Herrn Donath, der Jugendfürsorge der Israel. Kultusgeme'nde, Fräulein Rosa Schwarz, für die Jüd. Kinderfreunde des 16. und 17. Bezirkes, Obmann Herrn Rosenzweig u. a. begrüßen. Hierauf folgten die erstklassigen rituellen Gesänge durch Herrn Oberkantor Funke unter Mtwirkung seines Chores, begleitet vom Dirigenten Herrn Rudolf Heimann. Die ausgezeichnete, inhaltsreiche Festrede des Herrn Rabbiners Rose n mann wurde von sämtlichen Anwesenden mit starkem Applaus aufgenommen. De Darbietungen der Kinderakademie, ausgeführt von Mundi Hausknecht, den Brüdern B i e n e n f e 1 d (Klavier und Geige). Ruth Steigmann (Tänze) ernteten reichen und wohlverdienten Befall. Nach einer reichlichen, vc-m Ehepaar Buchsbaum gespendeten Jause, nahmen die Kinder mit strahlendem Gesicht die Geschenspakete in Emp'ang. Der Vorstand wurde zu dem schönen Erfolg der Feier beglückwünscht und seine Leistungen im Hinblick auf die Schwierigkeiten der jetzigen Verhältnisse als besonders anerkennenswert hezeichnet. Der Frauenwohirätigkeitsverein Wieden-Margareten hat am 6. d. M., wie alljährlich zu Chanukka, über 60 Kinder im Saal des BJF, IV., Hauslabgasse, von Kopf bis Fuß bekleidet und sie und ihre Eltern — insgesamt über 1C0 Personen — m t einer guten Jause reichlich bewirtet. Rabbiner Dr. M. G. Mehret hielt eine gediegene Ansprache, die Kinder brachten hübsche Vorträge. Den eifrigen Vorstandsdamen unter Leitung der Präsidentin Alice F'ischer ist hier wieder ein schönes soziales Werk gelungen, für das die Freude der so großzügig beschenkten Kinder der schönste Dank war. Verein der Kinderfreunde 16. u. 17. Bezirk. Dieser Verein, an dessen Spitze Herr Med.-Rat Dr. Jakob D e u t s c.h als Ehrenpräsident und Oberveterinärrat Heinrich Rosenzweig als Obmann stehen und der in den letzten 4 Wochen 102 israelitische Schulkinder bekleidet hat. veranstaltet Mitwoch. den 5. Jänner in Gschwandners Etablissement, XVII., Hernalser Hauptstraße 41. unter Mitwirkung hervorragender Kunstkräfte und der Jazzkapelle Isy Gei<?er eine Akademie mit Tanz. Saaleröffnung J48 Uhr. Beginn 'A9 Uhr. Karten um S 2.— bei?"*»n Vorstandsmitgliedern und an der Abendkassa erhältlich. Die Vereinsleitung bittet im Hinblick auf den humanitären Zweck um Abnahme von Karten und Besuch des Festes. Vortrag. Montag hielt im Religionslehrerverem „Esra" Herr Dr. Michael Tennenhaus einen überaus belehrenden Vortrag über „Jüdische Zünfte". An Hand von Lichtbildern, die Dr. Tennenhaus mit großem Flöße und Fachkenntnis zusammengetragen und teils neu geschahen hat, führten die Zuhörer vom Altertum durch Mittelalter und Neuzeit in jüdische Gemeinschaften, die zunftinäßige Einrichtungen und Privilegien besitzen, wie sie bei den christlichen Bürgern üblich waren. Ein großer Teil seines Vortrages war den Prager Zünften gewidmet, unter welchen die „FI e i s c hhauerzunft" eine große und wichtige Rolle gespielt hat und welche auch bei den christlichen Mitbürgern in großem Ansehen stand. Ihr Wappen, der böhmische Adler rrt't dem Hackbeil, ist auf ihrer Fahne zu sehen. Ganz besonders gut gelungen sind jene Bilder, die einige Handweikstypen darstellen. Der kunstsinnige Kupferschmied und der Geldwechsler in Tunis, der in malerischer Pracht abgebildete Arzt mit dem „D o k t o r h u t". der stolze Schneidermeister. Schuster und Drechsler, der Nürnberger Hausierer, hei dem uns seine bewußte Haltung imponiert, wären besonders zu erwähnen. Sehr wünschenswert wäre eine Ergänzung dieser Bilderserie m't jenen Wiener Ghetto-Qestalten des 16. und 17. Jahrhunderts, die als Silber- und GoW-