Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 51 (24.12.1937)
- Date
- 1937-12-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3062972-3064663-3064712--21428-3086782- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 Nr. 51 — 24. Dezember 1937 j ACHTUNGI Die Neuerscheinung „Der Judenhaß" ton Graf Riebard N. Coudenhove-Calergi. die geistige Abrechnung mit dem Nationalsozialismus,das Buch, das In kelnerjüdischenBibiiothek fehlen darf, ist für Mitglieder der „Union" in deren Sekretariat zum Preise von broschiert S 3.50, gebunden S 5.50 erhältlich. ben sich 9282 Juden ins Ausland, 10.236 ku. r" nach Palästina zurück. 1934 gab es 14.787 Auswanderer und 14.542 Rückwanderer. 1935 standen 25.207 Auswanderern 23.050 Rückwanderer gegenüber. Im Jahre 1936 verließen 24.611 Juden das Land und nur 17.895 kehrten zurück. In den ersten zehn Monaten 1937 schließlich standen 29.746 Auswanderern 27.462 Rückwanderer gegenüber. (Darnach wären alle Einwanderungsziffern seit 1933 falsch. Seit 1934 gebe es für Palästina einen Ueber- $chuß der Auswanderung - über . die Einwanderung? Aufklärung wäre erwünscht. Anm. d. Red.) Der Antisemitenbund veranstaltete am 17. d. M. beim Lembacher eine Versammlung, die sehr giri besucht war; €S waren zirka 1000 Personen anwesend. Auch diese Versammlung war gekennzeichnet durch die Anwesenheit zahlreicher Illegaler, worunter sich auch sehr viele Jugendliche befanden. Als erster Redner sprach der Bundesführer Karl Peter, welcher seine alten Reden wiederholte. Als zweiter Redner trat der Bundesleiter Werner Mischler auf, welcher ebenfalls seine früheren Reden, den gefälschten „Protokollen der Weisen von Zion" entnommen, wiederhol :e. Als dritter Redner sprach der Bundeswerbeleiter Hubert E n d e m a n n, der in seinen Reden immer ausfälliger und spöttischer gegen das österreichische Regime wird. Den Höhepunkt erreichte die Versammlung, als Endemann den bekannten Hetzpfarrer Leopold Schmid aus dem 3. Bezirk begrüßte und ihn ganz besonders lobte. Daraufhin erhob sich mitten im Publikum Pfarrer Schmid, welcher anfangs Juni 1936 wegen seiner Ausfälle gegen die österreichische Regierung ein mehrmonatliohes Rede- und Predigtverbot erhielt, und begrüßte die Versammlung mit dem neuen A. B.-Gruß, was ihm seitens der Versammlungsteilnehmer stürmische Beifallskundgebungen eintrug. Es wurde in diesem Zusammenhang festgestellt, daß nicht nur Pfarrer Schmid, sondern auch andere katholische Geistliche dem Antisemitismus ihre besonderen Sympathien entgegenbringen. Bei dieser Gelegenheit zitierte Endemann verschiedene von ihm verfaßte päpstKcbe Enzykliken und' katholische Pressestnnmen gegen das Judentum. Alle Redner forderten die Versammlungsteilnehmer auj, nur bei Christen einzukaufen, und bezeichneten die jüdische Ware als Ramsch usw. Endemann sprach konkret auch über den Boykott gegen die jüdischen G&1 schäftsleute. Erklärung des f,Bundes judischer Front« Soldaten Oesterreichs." In Versammlungen des Antisemitenbundes, die in W.en und Graz abgehalten wurden, hat, wie uns von mehreren Ohrenzeugen übereinstimmend berichtet wird, der Bundeswerbeleiter Hubert Endemann behauptet, d.e jüdischen Soldaten seien während des Krieges nicht an der Front gewesen, sondern in den Kanzleien und Magazinen gesessen und hätten dort gestohlen. Nur dadurch, daß sie Staatsvermögen gestohlen und verschleudert hätten, wäre es ihnen möglich gewesen, so mächtig zu werden. Demgegenüber stellen wir fest, daß zirka 30.000 jüdische Soldaten der österreichisch-ungarischen Armee ihr Leben ließen, daß viele Tausende jüdische Frontkämpfer hohe und höchste Kriegs, und Tapferkeitsaus. Zeichnungen erworben haben und noch heute viele Tausende Juden in Oesterreich leben, welche ihre Frontdienstlleistungen, ihre erlittenen Verwundungen und ihre Kriegsausze'chnungen nachzuweisen in der Lage sind. Hierüber liegen in unserem Archiv zahlreiche schriftliche Aeußerungen von höchsten Mitgliedern der Generalität der ehemaligen österreichischungarischen Armee vor. Der „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs" erklärt daher die von Herrn Hubert Endemann aufgestellten Behauptungen und Pauschalbeschuldigungen als krasse Unwahrheit und überläßt es der Oeffentlichkeit, sich über die schändliche Art der Propaganda des Antisemitenbundes und dessen Werbeleiters Endemann ein Urteil zu bilden. „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs". Vernichtende Miederlage der Allgemeinen Zionisten bei den Kultusoemeindewahlen in Biafystok. Sonntag, den 5. d. M. haben in der bekannten polnischen Textilindustriestadt B i a 1 y s t o k, die eine jüdische Einwohnermajorität hat, Kultusgemeindewahlen stattgefunden, aus denen de Allgemeinen Zionisten geradezu katastrophal hervorgegangen sind. Bildeten sie in der letzten Funktionsperiode noch die absolute Mehrheit, so haben sie jetzt von 24 Mandaten im ganzen zwei retten können, sind also zu einer völlig bedeutungslosen Minderheit herabgesunken. Der Bund, der bis dahin in der Gemeindestube überhaupt nicht vertreten war, hat neun Mandate erringen können, Handwerker und Gewerbetreibende fünf, die Aguda drei, Poale Zion drei und Misrachi zwei. Der Niedergang des politischen Zionismus tritt gerade in den judehreichsten Ländern Europas, in Polen und Rumänien sinnfällig in Erscheinung. In Polen war der jüdischnationalen Niederlage in B i a 1 y s t o k ein Debakel im Lodz und anderen kongreßpoln:schen Städten vorangegangen, während in Rumänien d'e letzten Kultusgemeindewahlen in C z e r n o w i t z die Schwäche der politischen Zionisten in ein überraschendes Licht rückten. Deutlich drückt sich in diesen Wahlergebnissen der rapide Abfall der jüdischen „Massen" vom politischen und jüdischnationalen Zionismus aus. ■ - Bezirksbehorde von Mährisch- Ostnau v»f»bietet der Kult»*gemeinde Zuwendungen Zu judischnationalen Zwecken. Zuwendungen für Paläst'na und für die jüdische Schule verboten. — Tschechische Amtssprache vorgeschrieben. In Erledigung einer Beschwerde des Verbandes der tschechischen Juden hob die Bezirksbehörde in Mähr.-Ostrau mit Erlaß vom 13. Dezember 1937 das Budget der israelitischen Kultusgemeinde in Mähr.- Ostrau auf, soweit es Zuwendungen, die anderen Zwecken als re*n religiösen gewidmet und zum Inhalte hat. Die Bezirksbehörde verbot hauptsächlich die Zuwendungen zu nationaljüdischen Zwecken, zur Unterstützung Paläst'nas und zur Erhaltung der jüdischen Schule von Mährisch- Ostrau. Diese Zuwendungen, die verboten wurden, erreichen zusammen eine Höhe von 301.029 Kö. Die Kultusgemeinde wurde beauftragt, bereits ausgegebene, Beträge zurückzuverlangen und innerhalb zweier: Monate dies der Bezirksbehörde zu melden. Weiters wurde die Kultusgemeinde beauftragt, die Verhandlungsordnung, die dem Sprachengesetz unterliege, zu ändern, d. h. es müsse in Hinkunft tschechisch amtiert werden. Eventuelle Beschwerden gegen diese Entscheidungen hätten keine aufschiebende Wirkung und die Kultusgemeinde wurde aufgefordert, die gesetzlichen Bestimmungen einzuhalten. Die Diffamierung der Bibel und des Judentums. Ueber diesen^ Gegenstand wird Rabbiner Dr. A. Kami-nka Samstag, den 25. Dezember, nachmittags präzise 4 Uhr, einen Vortrag im Maimonides- Institut, II., Praterstraße 11, halten. Auf mehrfache Anfragen: Das vom Komm.-Rat Theodor Ehrenstein in unserer letzten Nummer besprochene Buch — von einer Geistigkeit, wie kaum bisher von einer Frau geschrieben' — erschien im Saturn-Verein m Wien und ist betitelt: R.B.B ardi, „Der Kaiser, die Weisen und der Tod". GROSSFLEISCHHAUEREI flEGM. K0RNMEHI WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WÄHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für Koscherfleisch unter Aufsicht des ehrw Rabbinates der Isp. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen GEMEINDECHRONIK. Hobe Auszeichnung. Der Bundespräsident hat dem Generaldirektor der Skodawerke Wetzler A. G. Ing. Isidor P o 11 a k in Wien das Komturkreuz, des österreichischen Verdienstordens verliehen. Das Jubiläumsfest der Talmud-Thora. Aus An lali der 70-Jahrfeier der Verleihung des Oeffentlichkeitsrechtes an die Talmud-Thora-Schule fand Donnerstag, den 16. Dezember, ein Festakt statt, der einen überaus eindrucksvollen Verlauf nahm. In Vertretung des Unterrichtsministers erschien Ministerialrat Dr. Ludwig B a ttista, in Vertretung des Bürgermeisters und des¬ Präsidenten des Stadtschulrates Dr. Krasser erschien Obermaglstratsrat Dr. Schwetz, ferner waren anwesend Bezirksschulinspektor Regierungsrat Josef Gutter, Regierungsrat Wimmer, Bezirksvorsteher Wilhelm Pink, mehrere Kultusvorsteher, Studienrat Prof. Redisch, Frau Irene Harand, Frau Rat Dr. Krüger, eine starke Abordnung der „Union österreichischer Juden", ferner Vertreter, von Bethausvereinen, Vertreter benachbarter Schulen und eine stattliche Anzahl von ehemaligen Schülern. Nach einem Weiheakt in der Schulsynagoge, der vom Schülerchor eingeleitet wurde, segnete Oberrabb'iner Fürst die Schuljugend und die- Schule. In dem festlich geschmückten Turnsaal begrüßte der Direktor der Anstalt Dr. Joel Pollak die Festgäste und skizzierte in kurzen Umrissen den Werdegang der Schule. Er verlas vom Bundespräsidenten Miklaseln Begrüßungsschreiben an das Kuratorium der Schule, in welchem dieser rühmend die langjährige Tätigkeit der Schule im Interesse der „religiösen Erziehung dar Jugend im Geiste der Bibel" hervorhob und die Schule zu ihren Erfolgen im Dienste der religiösen Erneuerung der Menschheit beglückwünscht. Nachher spractv Herr Ministerialrat Dr. L. Battista tiefempfundene Worte der. Anerkennung. Herr Obermagistratsrat Dr. Schwetz überbrachte Grüße des Herrn- Bürgermeisters. Amtsdirektor Dr. Löwenherz sprach warme Worte für die Forderung der Schule. H'erauf trug die Schülerin Luzzi Pappenheim den von Herrn Oberlehrer Friedländer für diesen Anlaß verfaßten Prolog mit Wärme und Empfindung, vor. Den Schluß» und Höhepunkt des Festes bildete der Aufmarsch der Volksschulklassen mit ihren herzigen Sprüchen und anmutigen Darbietungen, die mit Beifall aufgenommenwurden. Mit dem Absingen der Bundeshymne und des¬ Liedes der Jugend fand das Fest, das allen Teilnehmern lange in Erinnerung bleiben wird, seinen Abschluß. Die- Chöre wurden von Herrn Dr. M. T^ennenhaus einstudiert, diö Begleitung besorgte Frau Professor Nelly Reichlin, die Gesamtregie hatte Frau Lehrerin Rosa. B ü c h 1 e r inne, die Kostüme lieferte Frau Frieda, Grünwald. Die wunderbare Dekoration des Turnsaales und des Schulhauses wie die Veranstaltung einer: Ausstellung von Schülerarbeiten war das Werk der Fachlehrer M. Blumann, Edith und Erwin Singer und des Herrn B r e i n e r. Die Aktion „Jüdische Jugend in Not" veranstaltete am 16. Dezember in ihren Räumen eine Pressekonferenz, bei der ihr Protektor. Herr Oberrabbiner Dr. Tag-, licht, der Geschäftsführer der allgemeinen Aktion „Jugend in Not".'Herr Sekretär Anton KimmL Bildungsreferent der Arbeiterkammer, Herr Dr. Rudolf Gansterer. Herr Ämtsvorstand Engel, sowie die Lehrer des Werkjahres anwesend waren. Nachdem der Obmann des Kuratoriums, Kultusvorsteher Salem Mayer die Anwesenden begrüßt hatte, sprach Oberrabbiner-Dr. Tag Ii cht, der u. a. ausführte: „Als ich das Protektorat der Aktion .Jüdische Jugend in Not' übernommen habe, verfügte diese über eine einzige Heimstätte. Im vorigen Winter konnte ich bereits 5 Heimstätten besuchen. Mit besonderer Freude erfüllt es' mich, daß die Aktion nun bereits ihre siebente Heimstätte eröffnen konnte. Sooft ich die Heime der Aktion besuche, bin ich sehr angenehm berührt zu sehen, wie diese jungen Leute, für welche die Aktion eineeleitet wurde, in diesen warmen, lichten und freundlichen Räumen sich wohl fühlen. Siehaben dort mit Gleichgesinnten-