Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 51 (24.12.1937)
- Date
- 1937-12-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 51'— 24. Dezember 1937 Seite 5 Wieder zwei Juden in Palästina ermordet. Auf den 27jährigen aus Deutschland eingewanderten Werner Less sind, als er auf dem Fahrrad von Scheehunat Hapea- 1 im Milch nach Jerusalem brachte, am 21. d. M. in der Nähe der Jerusalemer Vorstadt B e t h H akerem aus dem Hinterhalt mehrere Schüsse abgegeben worden, die Less in Herz und Kopf trafen; er war auf der Stelle tot. Der 27jährige, aus Ungarn eingewanderte Schlomo Bin Nun, ein jüdischer Hilfspolizist aus Kfar Hi11in, wurde, als er in der Umgebung der Kolonie zu Pferde patrouillierte, von einer Araberbande überfallen. Der Wachtposten der Kolonie sah von seinem Beobachtungsstand aus den Ueberfall und schlug Alarm. Als Polizei und Militär auf dem Tatort eintrafen, fanden sie jedoch nur mehr das Pferd vor. Von Bin Nun fehltbisher jede Spur. Auf dem Marktplatz von Haifa wurde in einem Bazar ein arabischer Polizeiinspektor erschossen. Der Attentäter konnte unerkannt entkommen. In der Nähe des Amtsgebäudes des csl. Generalkonsulates in Jerusalem unternahmen arabische Terroristen nachts einen Angr.ff. Sie warfen eine Bombe und feuerten sechs Gewehrschüsse ab. Der älteste arabische Scheich Palästinas, Yassine Sakri, wurde verhaftet. Bei der Durchsuchung se.nes Hauses sollen Dokumente gefunden worden se.n, die beweisen, daß Scheich Sakri mit den ins Ausland geflüchteten Araberführern in Verbindung stand. Eine-Militärpatrouille entdeckte in dem Dorfe Shaah.an der transjordanischen Grenze ein Waffenlager, das beschlagnahmt wurde. E.n Araber wurde bei dem Versuch, zu fliehen, von der Polizei erschossen. Ein Araber, der in dem Dorfe Maideikram gegen den Ausnahmezustand verstoßen hatte, wurde von Soldaten erschossen. Er führte ein Gewehr und 25 Schuß Mun.tion bei sich. Zwischen einer bewaffneten Bande und der Polizei kam es am Montag zu einem Zusammenstoß. Zwei Banditen wurden getötet, zwei verletzt, einer wurde ,verhafter. In Hebron wurde ein Araber getötet. Zwischen Soldaten der rransjordanischen Grenzwache und einer aus 20 Arabern bestehenden <3ruppe einer, zersprengten Bande kam es in der Nähe der syr.schen Grenze zu einem Gefecht. Ein Araber wurde getötet Bei seinem Leichnam fand man ein Gewehr deutscher Herkunft samt Munition. Im Zug der Militäraktion in der Gegend zwischen Tulkarem und Akko wurde das arabische Dorf Ära besetzt; zwei Häuser wurden strafweise in die Luft gesprengt, außerdem wurde dem Dorfe «ine Kollekt.vstrafe von 2000 Pfund auferlegt. Sechs Notabein wurden verhaftet. Diese Mäßnahmen erfolgten, weil vor kurzem ein Fellache von Bewohnern des Dorfes Ära ermordet worden war. Eine etwa 30köpfige bewaffnete Araberbande <irang nachts in das "arabische Dorf T a j i b a bei Tulkarem ein, besetzte, die Polizeistation und forderte die Wache auf, ihr einen der Polizisten, einen getauften Araber, auszuliefern, der vor kurzem an einer Strafexpedition in dem Dorfe teilgenommen hatte. Angesichts der Uebermacht sahen sich die Polizisten gezwungen, der Aufforderung Folge zu leisten. Die Terroristen streckten <ien Hilfspolizisten an Ort und S teile durch eine Gewehrsalve nieder. Der Ermordete ist ein Sohn des arabischen Notabem Butrr>s Aranki, der vor drei Monaten in der Nähe von Jerusalem ermordet worden ist. Der arabische Polizist, der bei dem Feuerüberfall auf den jüdischen Autobus zwischen Näzareth und Nahalal am vergangenen Montag verwundet worden war, ist seinen Verletzungen er-, legen." Der Oberstkommandierende der britischen Streitkräfte in Palästina, Generalmajor Wavell, hat angesichts der Tatsache, daß der vor einigen Tagen vom Militärgericht zum Tode verurteilte Fischer Assad Halil Shumlach aus Gaza von Verhängung der Todesstrafe bei Waffenbesitz nichts gewußt hat, sowie in Anbetracht der' sonst in Gaza herrschenden Ruhe und Sicherheit das Todesurteil in letzterMinute in lebenslängliches Gefängnis umgewandelt. Der Fischer wäre sonst Dienstag früh gehenkt word-n. Weiters hat Generalmajor Wavell das vom Militärgericht über die Araberin Zahrah Bassal verhängte Urteil, das auf zehn Jahre Gefängnis lautete, aufgehoben, da sie Mutter dreier kleiner Kinder ist und sich in ihrer Gegend eines guten Rufes erfreut. E ne Abordnung arabischer Notabein und Scheichs des Distrikts von Tulkarem ersuchte den Distriktskommissar um Bewaffung zum Selbstschutz gegen die Terroristen. 3000 Muchtars und Fellachen aus der ganzen Umgebung von Nablus hielten eine Versammlung ab, in der gegen den arabischen Terror und insbesondere gegen das Attentat auf den Bürgermeister von Nablus, Suleiman Bey Tukan, einen der Führer der arabischen Verteidigungspartei Nashashibis, protestiert wurde. „El Jamea al Islamia" berichtet, daß 3000 wohlhabende Araber aus Furcht vor dem wachsenden Terror Palästina verlassen und sich nach dem Libanon begeben haben. „Hajarden", Organ der Revisionisten, ist für die Dauer von drei Monaten verboten worden. Man nimmt an, daß das Verbot wegen eines am 10. Dezember veröffentlichten Artikels Jabotinskys erfolgte, in welchem dieser sich mit den Revisionisten-Verhaftungen befaßte. J. T. A. Mitglieder der „Union"! Wer gut vorgebildete Kräfte für Hofmeister-und Hauslehrerstellen benötigt, wende sieb an die Akademiker-Union. 1.. 5diottenring 25. Sie verfügt über eine Anzahl von Studenten, die langjährige Erfahrung auf diesem Gebiete nachweifen könaen. Gegen die Palästina-Teilung. , In Tel Aviv fand unter dem Vorsitz von M. M. Uss'schkin die erste öffentliche Versammlung der Anti-Teilungs-Liga statt. Die Hauptredner, Doktor Barth (Misrachi), Kaplansky (Mapai) und Doktor Soloweitschik (Allgemeine Zionisten, Gruppe A) traten für Aufrechterhaltung des Mandates und für Wahrung der territorialen Einheit Palästinas ein. Ussischkin erklärte, Teilung würde sich als Gefahr für die kommenden zweitausend Jahre erweisen. Der frühere Chef des Zivildienstes in Palästina und der Polizei von Jaffa-Tel Aviv, Major J. F. Broadhurst, erklärte in einer Rede im Anglo- Palestine Club, er halte den Palästina-Teilungsplan bereits für tot. Teilung bedeute Untergang. Wie .können Juden, die den Boden Palästinas um 500 Prozent überzahlt haben, auf diesen verzichten? Ich glaube nicht, daß eine Kömmission im Zusammenhang mit dem Teilungsplan nach Palästina gehen wird. Ormsby-Gore hat erklärt, daß eine Entsendung der Kommission vor der Wiederherstellung der Ordnung im Lande nicht iri Frage komme; das ist es gerade, was die Araber wollen. Zur Frage der öffentlichen Sicherheit übergehend, erklärte Major Broadhurst, die: Klage der Juden über die Unfähigkeit der englischen Regierung hinsichtlich der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit sei vollkommen berechtigt In einem Brief an den „Manchester Guardian" führ'; der Präsdent der Neu-Zionistischen Organisation Wladimir Jabotinsky aus, der Anreiz zu Konflikten zwischen Juden, und Arabern, die gegenwärtig hauptsächlich auf dem Gebiete des geplanten jüdischen Staates festzustellen sind, werde i m Falle einer Teilung, die das so schwierige Problem des Transfers der arabischen Bevölkerung aus dem jüdischen Staa1!« mit sich bringen würde, noch größer sein. Der Teilungsplan, der mit wahrem Zionismus nichts zu tun hat, enthält einen Giftstachel, dauernd gefährlich für Juden wie für Araber. Solange der Plan selbst nicht fallen gelassen wird, besteht diese Gefahr; daher is'j die gegenwärtige Phase der Konflikte giftiger als alle vorangegangenen. fflittfd)qftnd)e |^ ffiecatungsftette in der „Union" unter Leitung des Obmannes des Organisations - Komitees der „Union österreichischer Juden". Herrn Kommetzialrat ALEXIUS SALZER: jeden Montag und Freitaavon 10—12 Uhr vormittags im Sekretariat der „Union" /., Schottenring 25, Mezzanin, Tel. A 19-2-77. Jedes Mitglied der „Union" erhält in allen Angelegenheiten der Wirtschaft, wie in allen geweroerechtlichen u kaufmännischen Angelegenheiten, Steuerberatung DoHkommen unentgeltliche Auskunß. Derfidxrungsberatung in allen Zweigen der Elementarversicherung wie Feuer. Einbruch. Glas. Haftpflicht Unfall, Transport und Polizzenpräfung Die Mitglieder der „Union" erhalten im Bedarfs. falle auch an »ntgalt/ldie ärxtildt» Beratung. Diejenigen, die auf jüdischer Seite eine Teilung befürworten, müssen den Nachweis erbringen, daß ein kleines und bereits stark bevölkertes Gebiet Millionen von Einwanderern absorbieren kann; die von einem dieser Befürworter vorgebrachte Argumentation ist bezeichnend für sie alle: daß nämlich in'tiensive Landwirtschaft in Palästina durch Züchtung von Tomaten in Gemüsetöpfen vor den Fenstern betrieben werden wird, so daß Größe der Bodenfläche und Bevölkerungsdichte tatsächlich keine Rolle mehr spielen werden. Aber — um auch diesen Optimisten gerecht zu werden — sogar sie bezeichnen als conditio sine qua non eines Erfolges: Transfer der Araber. Dies fordern sowohl der Erfinder der Fensterbrett-ProspeKty als auch die Sprecher der Sozialisten: und indem sie so sprechen, folgen sie der Führung Dr. Weizmanns, der als erster dem Kolonienminister (ich zitiere den Wortlaut der Erklärung) sagte: „Transfer der arabischen Bevölkerung... Der ganze Erfolg des Teilungsplanes hängt davon ab, ob die Regierung tatsächlich diese Empfehlung (des Peel-Berichtes) durchzuführen gedenkt oder nich r." Mit diesem T e i I u n gs u n si n n, schließt Jabotinsky, rauB Schluß gemacht werden. Er ist sowohl für den'Z i o n ism u s, als auch für das britische Imperium von N a ch1<e i 1. Er hat die Atmosphäre in Palästina in einem bisher nicht gekannten Maße vergiftet; wohl gab es dort schon vorher Unruhen, aber niemals in einem solchen Grade der Erbitterung. Und all dies einem Hals über Kopf verfaßten Projekt zuliebe, das jedermann nicht nur nicht wünscht, sondern sogar für undurchführbar hält. Je schneller der Plan fallen gelassen wird, desto besser für alle Beteiligten. Eine unverständliche Wanderungsstatistik der Palästina- Regierung. Aus einer von der Palästina-Regierung soeben veröffentlichen Wanderunjisstatistlk geht hervor, daß sich vom 1. Jänner 1936 bis 31. Oktober 1937 9.000 jüdische Einwohner Palästinas nach dem Auslande begeben haben, ohne zurückzukehren. Von Anfang 1935 bis Ende Oktober 1937 verließen insgesamt 11.157 Personen das Land. Obwohl keine genauen statistischen Angaben über die gegenwärtigen Atrfenthaltsländer der Ausgewanderten vorliegen, geht doch aus dem vorhandenen Material hervor, daß sich die meisten nach den Vereinigten Staaten, sowie nach Brasilien und nach Sowjetrußland begeben haben und daß eine beträchtliche Anzahl nach Polen, Rumänien und sogar nach Deutschland zurückgekehrt sind. In den Monaten April 'bis Juni ■ging die jüdische Bevölkerung Palästinas um 3306 Seelen zurück, doch wurde dieser Rückgang durch den Zustrom der von Sommerurlaitbsre.'sen aus dem Auslande Zurückkehrenden wieder wettgemacht. In den ersten neun Monaten 1937 ist die Zahl der Juden in Palästina nur um 114 Seelen auf 389.504 gestiegen. Der prozentuelle Atir teil der Juden an der Gesamtbevölkerung des Landes ist leicht zurückgegangen. Im einzelnen enthält die Statistik für die Jahre 1933—1937 die folgenden Ziffern: Im Jahre 1933 bega-