Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1937-12-17 · Heft 50 (17.12.1937) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 50 (17.12.1937)
Date
1937-12-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3064663-3064711--21416-3086769
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

DIE WAHRHEIT Nr. 50 — 17. Dezember 1937 Seite 3 Stürmische Palästina-Debatte im englischen Unterhaus. im cuq Neue Leitung, neu renoviert IX., Porzellangasse 1 In der Unterhausdebatte am 8. Dezember fragte der Abgeordnete der Labour Party David Adams den Kolonienminister, ob er in der Lage sei, eine ins Einzelne gehende Erklärung über die Lage in Palästina abzugeben, und ob die Terrorakte jetzt wirksam bekämpft werden. Minister Ormsby-Gore erwiderte: Seit meiner letzten Erklärung am 24. November haben sicli weitere Ausschreitungen ereignet, die, ebenso wie die früheren, Menschenopfer gefordert haben. Mehrere Fälle wurden bereits vor dem Militärgericht abgeurteilt, in einem dieser Fälle wurde Todesstrafe verhängt und vollzogen. Ich bin überzeugt, daß alle nötigen Schritte unternommen werden, um den Terror in Palästina wirksam zu bekämpfen. Auf die Frage des Kommunisten Q a 11 a c h e r, ob die Unruhen in Palästina nicht auf das V e r- Tan^kurs (Junioren) für AnfHiiger beqinnt Monag, den ZO. Dezember V28 Uhr aber.as PertsWiorv jeden Sonntag >I.S b'.s '/-.S Tanzsctiiile Erdstein I.Werderlorg.7 Tei.U20-7-24 sagen der englischen Regierung in der Ausübung des Mandates zurückzuführen seien, wurde keine Antwort erteilt. Abg. Tom Williams: Kann der Minister sagen, für wann die Entsendung der neuen Untersuchungskommission nach Palästina geplant ist? Ormby-Gore: Jetzt nicht. Abg. Wedgwood: Ist der Minister nicht der in dem Bericht der Kgl. Kommission ausgesprochenen Ansicht, daß, je größer die Einwanderung in ein Land ist, desto größer die Prosperity in diesem Lande? Ormsby-Gore: Ich bin nicht dieser Ansicht: Es ist eine Frage, die völlig von der zur Verfügung stehenden Menge an Arbeit und Kapital abhängt. Die verschiedenen Erfahrungen in den Kolonien bestätigen dies. Abg. Wedgwood fragte den Kolonienminister, ob er die Namen und die Aemter jener 137 Beamten des Jüstizdepartements und anderer Abteilungen der Palästinaregierung angeben wolle, die am 30. Juni 1936 ein Memorandum an die Palästinaregierung sandten, in welchem sie deren Politik verurteilen, und ob er — in Anbetracht der vom Vorsitzenden der Mandatskommission des Völkerbundes hierüber zum Ausdruck gebrachten Ansicht — mitteilen wolle, was er in Bezug auf die betreffenden Beamten zu unternehmen gedenke. Ormsby-Gore: Ich sehe keinen Nutzen darin, im Sinne des von dem Interpellanten gemachten Vorschlages Schritte zu unternehmen, und bin auch nicht bereit, es zu tun. Was den zweiten Teil der Frage betrifft, so habe ich der von mir am IS. November ei teilten Antwort nichts hinzuzufügen. Abg. Wedgwood: Heißt das, daß in Zusammenhang mit der illoyalen Handlung der erwähnten Beamten des Zivildienstesnichts unternommen wird bzw. werden wird; ist der neue High Commissioner angewiesen worden, illoyale Elemente aus dem Zivildienste auszuschalten? Ormsby-Gore: Es ziemt sich nicht für mich,' auf eine in so unpassender Form gestellte Frage zu erwidern. Bei diesen Worten des Kolonienministers erhebt sich in den Bänken der Labour-Opposition ein Proteststurm. Die weiteren Worte des Ministers, der u. a. ausruft: „Ich protestiere..", gehen in dem Tumult, der immer von neuem in den Bänken der Opposition ausbricht, unter. Abg. Wedgwood wendet sich nun an den Speaker: Ich möchte wissen, ob es sich für einen Minister ziemt, ein Mitglied des Hauses, das an iiin eine Frage stellt, zu beleidigen. Speaker: Ich glaube, unrichtig gehandelt zu haben, indem ich die Zusatzfrage des Abgeordneten Wedgwood zugelassen habe. Abg. Tom Williams: Hat der Minister Kenntnis von irgendwelchen illoyalen Handlungen seitens Beamten des Zivildienstes? Ormsby-Gore: Nein. Ich persönlich bin völlig überzeugt, daß der unter äußerst schwierigen Bedingungen arbeitende Zivildienst in Palästina die Politik der Regierung höchst loyal ausführt. Abg. Tom Williams: Hat der Kolonienminister Kenntnis davon, daß die Stadtverwaltung von Tel Aviv zur Deckung der Kosten des Erziehungs- und Gesundheitswesens für die Einwohner des jüdischen Viertels von Jaffa 15.000 Pfund ausgegeben hat — diese Einwohner führen ihre Steuern nicht an die Tel Aviver Stadtverwaltung ab — urd wird bei der nächstmöglichen Gelegenheit eine Untersuchung hierüber durchgeführt werden, um das Unrecht gutzumachen, das darin besteht, daß die öffentlichen Lasten für diese Stadtviertel der Stadtverwaltung von Tel Aviv aufgebürdet werden, während das Viertel der Jurisdiktion der Stadtverwaltung von Jaffa untersteht? Ormsby-Gore: Ich habe keine Information über diese Angelegenheit, werde diese jedoch einholen. J. T. A. Hausu. Küchengeräte Glas- und Porzellanwaren. Edelkeramik. Bleikristalle, Komplette Ausstattungen in bester Qualität Samuel Zuckermann Wien II, Im Werd 1, Telephon A-41-6-45 Der jüdischnationale „Jüdische Hochschulausschuß". Ich ersuche Sie höflichst um Veröffentlichung nachstehender Angelegenheit: Ich habe vor zirka fünf Wochen vom „J ü d i - dischen Hochschulausschuß" in Wien einen Aufruf erhalten, in dem der „Jüdische Hochschulausschuß" als Exekutive des „Gesamtverbandes jüdischer Hochschüler Oesterreichs" an die Oeffentlichkeit herantritt, durch eine Spende zu helfen, da alle Fonds für Krankenpflege, Inskriptions- und Prüfungstaxen infolge der traurigen wirtschaftlichen Verhältnisse völlig erschöpft sind. In meinem Schreiben vom 8. November habe ich mich an den „Jüdischen Hochschulausschuß" mit dem Ersuchen gewendet, mir ein Exemplar der Statuten einsenden zu wollen, damit ich feststellen könne, ob alle jüdischen Studenten ohne Unterschied Mitglieder des Gesamtverbandes jüdischer Hochschüler sein können. Auf dieses Schreiben habe ich keine Antwort erhalten. Ich habe daher am 23. November ein neuerliches Schreiben an den „Jüdischen Hochschulausschuß" gerichtet, in welchem ich mein Ersuchen wiederholte, da ich doch, wenn ich um eine Spende ersucht werde, ein Recht habe, zu fragen, wem meine Spenden zugute kommen. Ich habe mir erlaubt, in diesem zweiten Schreiben meine Bitte weiters zu begründen. Ich teilte unter anderem mit. daß der Aufruf mit keinem Worte einen Hinweis darauf enthalte, daß nach den mir zuteil gewordenen Informationen nur solche Studenten Mitglieder des „Gesamtverbandes jüdischer Hochschüler" werden können, welche anläßlich ihrer Aufnahme ein-B ek e n n t n i s zur jüdischen Nation ablegen. Aber auch das zweite Schreiben wurde vom „Jüdischen Hochschulausschuß" nicht beantwortet. Ich habe daher bei der Vereinspolizei selbst in die Statuten Einsicht genommen und stelle aus dem Inhalte der Statuten folgendes fest: Gemäß § 2 des Statutes ist der Zweck des Verbandes die einheitliche Organisierung der gesamten jüdischen Studentenschaft Oesterreichs unter Ausschaltung jeder parteipolitischer Betätigung zur Wahrung allgemeiner national-jüdischer Interessen. Gemäß S 5 des Statutes können alle an den österreichischen Hochschulen ordentlich oder außerordentlich inskribierten Hörer, Hörerinnen und Absolventen bis 3 Jahre nach Absolutorium Mitglieder werden, die sich zur jüdischen Nation bekennen. Ich lege Wert darauf, Ihnen diese Tatsachen mit der Bitte um Veröffentlichung zur Kenntnis zu bringen. Es können also nur jene Hochschüler der Krankenfürsorge teilhaftig, mit Inskriptions- und Prüfungstaxen beteilt und auch anderweitig unter- Cafe Ankecfi<4 I., Hoher Markt — Lichtensteg Nr. 4 Familisn-Cafe neu renoviert stützt werden, welche sich im Sinne der Statuten des jüdischen Hochschulaussehusses zur jüdischen Nation bekennen. Für diejenigen Studenten jedoch, weiche sich nicht als jüdischnational bekennen, wird die „Akademiker-Union" Sorge zu tragen haben. Es ist daher Pflicht aller ehemaligen Akademiker, welche der „Union österreichischer Juden" angehören oder ihr nahestehen, die „Akademiker-Union" zu unterstützen, um sie in die Lage zu versetzen, auch jenen Studenten zu helfen, die sich nicht zur jüdischen Nation bekennen. Dr. Ernst Feldsberg. Amerikaner über Berlin. Wir Imbun erkannt, daß die diplomatischen Schritte der Deutschen rasch, brüsk und ohne jedwede Delikatesse sind. Hitlers Regierung ist meisterhaft, soweit es um Taten, die gegen die Welt gerichtet sind, geht, nicht bloß auf dem Felde der Diplomatie, sondern auch auf allen Gebieten menschlicher Betätigung. Die Wunde, die bei mancherlei Gelegenheiten Berlin vergolten wurde, wird vorzüglich durch einen Vorfall „Hitler wider Sinclair Lewis" illustriert. Dieser Vorgang hat durch seine Komik viele Amerikaner anvisiert, die sich für Hitlers Unternehmen, die Welt durch die Diktatur zu erretten, interessieren. Sinei.airs berühmtes Buch: „Dodsworth" hatte einen ungewöhnlich großen Erfolg, der noch anwuchs, als Sinclair mit dem bekannten dramatischen Schriftsteller Sidney Howard zusammen^nach dem Roman ein Theaterstück schrieb. Lewis und Howard erhielten kürzlich aus Berlin von irgend einem literarischen Unterhändler, der den „Fabrikant Dodsworth" aui einer Berliner Bühne aufführen wellte, einen Brief. Der Agent ersuchte vorerst um eine amtliche Bestätigung, daß beide Autoren hundertprozentig arische Ahnen haben. Sidney Howard antwortete ihm, daß er mit seinem richtigen Namen Sidney H o r o w i t z heiße, und Sinclair Lewis schrieb, daß sein wirklicher Name Sinclair Löwy laute. — „Wer weiß denn, was für Ahnen wir in den letztvergangcnen Jahrhunderten hatten?", iragten beide Autoren Sinclair und Howard. „Wir wissen von ihnen gar nichts, genau so wie Hitler von seinen Ahnen nichts weiß." Herr Howard hat sich übrigens gegen die Nazigrundsätze versündigt, denn seine Gattin, die Tochter des berühmten amerikanischen Musikers und Komponisten Walter Damrosh, ist Halbjüdin. Die Herren Löwy und Horowitz erwarten auf ihr gemeinsam abgefaßtes Schreiben keinerlei Antwort. Von Dr. J. S. RouoeL,^ New York University (Uebers. v. Dr. H. H.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.