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Die Wahrheit · 1937-12-10 · Heft 49 (10.12.1937) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 49 (10.12.1937)
Date
1937-12-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 49 — 10. Dezember 1937 Seite 7 onnmniHiiiuimmininnflmimnTniinmuim] Wien I., Seitenstettengasse 2 XI.i Zentralfriedhof neben dem L Tor ^^^^^^^^^Samata^^ojdUoMeB^^^^^^^^ daß den jüdischen Aerzten reichlich Gelegenheit zur Ausbildung und Fortbildung gegeben ist. Sehr interessant war es, festzustellen, daß weite jüdische Kreise und vor allem die Chewra Kadischa der beiden Budapester Kultusgemeinden nicht nur zur Begründung der schönen Anstalten beigetragen haben, sondern auch fortlaufend nach echt jüdischer Tradition für den Fortbestand derselben Opfer bringen." Verein iür jüdische Geschichte und Literatur.. Am •8. November hielt Bundeskulturrat Hofrat Professor Dr. S. Frankfurter einen Vortrag: ..Zur Geschichte Samson Wertheimer s'\ Hofrat Frankfurter bemerkte eingangs, er habe immer ein besonderes Interesse für Wertheimer bekundet, weil er mütterlicherseits mit ihm verwandt sei'. Schon vor fast SO Jahren hat Hofrat Frankfurter auf Grund eigener Kenntnis und der Arbeiten von David Kaufmann Aufsätze über Wertheimer veröffentlicht. Seine Beziehung zu Wertheimer hatte zur Folge, daß er anläßlich seines 80. Geburtstages im vorigen Jahr aus Worms von Hofrat Max L e v y mit einem Glückwunschschreiben eine Schrift „Ein Kapitel Wormser Finanzgeschichte" erhielt. In der der Verfasser Neues zur Kenntnis des Mannes und seines Wirkens mitteilt. Diese besonders interessanten neuen Tatsachen waren es zunächst, die den heutigen Vortrag veranlaßten. Dazu kommt aber noch, daß Wertheimer, sozusagen gerade jetzt wieder aktuell geworden ist. An der Münchener Akademie der Wissenschaften gibt es seit Kurzem ein Reichsinstitut für Geschichte des neuen Deutschland mit einer ..Forschungsabteilung Judenfrage". Wie man aus den Sitzungsberichten der ersten Arbeitstagung (der erste Band ist jüngst ■erschienen) erfährt, will das Institut das Thema „die Geschichte des Hofiudentums" in einem wissenschaftlichen Wettbewerbe bearbeiten lassen. Die erste Preisaufgabe soll das Thema für das Gebiet Oesterreich behandeln, somit Oppenheimer und Wertheimer. Zweck Chefcedakteuc Oskac ZUtschtetd spricht Mittwoch, den 15. Dezember, 'Ii 9 Uhr abends, in der „Jugend- Union", i., Schottecring 25 über „J.üdisches ZeUungsutesm" und Absicht ist. daß nicht mehr diese Dinge und was sonst die Juden betrifft, nur von Juden behandelt werden, sondern von Nicntjuden. Die Preisbewerber haben natürlich ihre einwandfreie arische Abkunft zu erweisen. Wie der Vortragende meint, heißt es abwarten, ob die Arbeiten wirklich objektiv und vorurteilsfrei sein werden. Der Inhalt des vorliegenden Bandes Jäßt allerdings das wenig erwarten. Das Hofjudentum ist, das muß betont werden, keine jüdische Einrichtung; nicht die Juden sind dafür verantwortlich, sondern die Fürsten. Wir müssen allerdings bekennen, daß die Hoijuden infolge ihrer einflußreichen Stellung für Juden und Judentum in jenen rechtlosen Zeiten viel Gutes geleistet haben. Es ist begreiflich, daß sie viel angefeindet wurden. Der Vorwurf, daß sie ihre Stellung auch zu ihrem materiellen Vorteil benutzt, manchmal mißbraucht haben, trifft auch nichtjüdische Männer in gleicher Stellung, man denke nur an die Fugger. Wie weit die Vorwürfe berechtigt sind, läßt sich heute schwer feststellen; auch von dem bekannten Jud Süß (Oppenheimcr) gilt der Satz: ..adhuc sub iudice Iis est." Für uns hat neben Samuel Oppenheimer der uns heute beschäftigende •Samson Wertheimer das größte Interesse. Er war in Worms 1658 geboren und kam. veranlaßt von seinem Onkel Oppenheimer, 1677 nach Wien, wo er sich 1684 dauernd niederließ. Zuerst als Oppenheimers .Bestellter", dann selbständig tätig, wurde er Hoffaktor der 3 Kaiser Leopold I.. Josef I. und Karl VI. 1724 starb er. Wie bereits bemerkt, gewinnt er durch die in der erwähnten Schrift mitgeteilten Tatsachen und durch die Preisaufgabe des Münchener Instituts an Aktualität. Hofrat Frankfurter entwarf ein Bild der Persönlichkeit mannigfachen Tätigkeit als Gelehrter und' Landesrabbi- Wertheimers, seines Wirkens als Hoffaktor und seiner ner. Als die Stadt Worms in finanzielle Notlage geriet, erinnerten sich die Wormser ihres Stadtkindes und wandten sich mit der Bitte um finanzielle Hilfe an Wertheimer. Dieser bestrebte sich den Juden seiner Vaterstadt zu helfen. Hofrat Frankfurter verlas die Antwort Wertheimers an den Wormser Magistrat. Die Stadt Woms hat dann Wertheimer als ihren Wohltäter bezeichnet. Aus diesem Ereignis kann man ersehen, daß Wertheimer nicht nur die Juden in Worms beschützen und versorgen wollte, sondern daß er auch die Lage der Gesamtbevölkerung berücksichtigte. Aus dem vorgelesenem Antwortschreiben kann auch auf die Vornehmheit seines Wesens geschlossen werden. Von den vielen Verdiensten um Juden und Judentum sei erwähnt, daß Werthefmer. als Eisenmenger im Jahre 1700 sein Werk „Entdecktes Judentum" drucken lassen wollte, beim Kaiser ein Verbot erwirkte, auf die Nachricht von seinem Inhalt, der den Grundlehren des Judentums widerspreche. Hofrat Frankfurter gab so ein anschauliches Bild dieser bedeutenden Persönlichkeit in der Wiener Judengeschichte. Der sehr interessante Vortrag fand bei •den zahlreichen Zuhörern lebhaften Beifall. Am Montag, den 22. November hielt Frau R. B. Bardi einen Vortrag über das Thema: Ein Disput uis dem Mittelalter. Frau Bardi ist Verfasserin eines Buches, das unter dem Titel: ..Der Kaiser, die Weisen und der Tod" im Saturn-Verlag (Wien) erschienen ist. Die Hauptgestalten dieses Werkes sind der Staufe Friedrich 11., der „atheistische Kreuzfahrer auf dem rüini.schdeutschen Weltkaiserthron", römische und deutsche Kirchenfürsten, ein griechischer Gesandter von Byzanz, ein ägyptischer Leibarzt, ein Dichter und ein spanisjhmaurischer Rabbiner. Am Hofe des Kaisers begegnen einander Vertreter der Weltreligion und Repräsentanten des Morgen- und Abendlandes, die in geistreichen Gesprächen und Disputen die Probleme von den ersten und letzten Dingen erörtern. Eine große und wichtige Rolle spielt der Vertreter des Judentums. Ben Aren, d'.-r ven den Kirchenfürsten mit heiklen Fragen bestürmt wird und als Träger eines leidvollen Schicksals erscheint. Frau Bardi las im Rahmen des Vortrages aus ihrem Buch einige Proben vor. Besonders packend war das Stück „Ahasver"; man fragt den Rabbi in einem Disput, ob er Ahasver sei. Hiebei wird die Ahasverlegende in besonders reizvoller Art dargestellt. Frau Bardi. die die einzelnen tiefsinnigen Dispute in vollendeter künstlerischer Form wiederzugeben verstand, fand beim Publikum starken Beifall. _Dr. Josua Horowitz. Mitglieder der „Union"! Wer gut vorgebildete Kräfte für Hofmeister-lind Hauslehrerstellen benötigt, wende sich an die^Aksdemiker-Union. I.. Sdiottenring 25. Sie verfügt über eine Anzahl von Studenten, die langjährige Erfahrung auf diesem Gebiete nachweisen können. Generalversammlung des österreichischen Kantorenvereines. Am 15. v. M. fand im Sitzungssaale der Kuitusgemeinde die ordentl.che Generalversammlung des Oesterr. Kantorenvereines statt. Nach Begrüßung und Eröffnung durch den Präsidenten Herr J. Löwit wurde der Rechenschaftsbericht und der Bericht der Revisoren zur Kenntnis genommen und dem abtretenden Vorstande einhellig das Absolutorium erteilt. Bei der hierauf erfolgten Neuwahl wurden gewählt: J. Löwit, Präsident; E. Fränkl, I. Vizepräsident; S. Postolow, II. Vizepräsident; A. Stift, Kassier; S. Löwen söhn, Schriftführer: Armin Braun, Schriftführer-Stellvertreter. In den Vorstand die Herren S. Weiss, A. L e - w 1 n, Abr. Braun, J. K a t z, S. Einhorn, S. Kreutstein und EL Helmuth. Als Revisoren: J. Nahrmann und M. Schwarz. Der aus gesundheitlichen Rücksichten zurückgetretene bisherige II. Vizepräsident J. Schlesinger wurde in Anbetracht seiner langjährigen eifrigen Mitarbeit im Schöße des Vereines von der Generalversammlung einstimmig zum Ehrenmitgliede ernannt. 70 Jahre Öffentlichkeitsrecht der Talmud-Thora-Schule. Die Wiener Talmud-Thora-Schule, II., Malzgasse Nr. 16, wurde im Jahre 1850 gegründet. Nach Ueberwindung der Anfangsschwierigkeiten nahm die Entwicklung der Schule eine günstige Wendung, so daß im Jahre 1867 der Schulvorstand um Verleihung des Oeffentlichkeitsrechtes einschritt. Auf Grund der damaligen Schulverfassung hat auch das fürsterzbischöfliche Ordinariat zum Ansuchen der Schule Stellung nehmen müssen. In einer Note vom 7. August 1867, gezeichnet von Bischof Dr. Johann Kutschker und Prälat Leopold Stöger, wurde das Ansuchen des Vereines mit Rücksicht auf den in seiner Schule gepflegten tiefreligiösen Geistes und 'ihrer günstigen Unterriohtserfolge warm befürwortet. Am 31. Oktober 1867 hat das k. k. Ministerium für Kultus- und Unterricht das Oeffentlichkeitsrecht, bzw. das Recht zur Ausstellung staatsgültiger Zeugnisse der Talmud-Thora-Schule verliehen. Im Jahre der Verleihung des Oefientlichkeitsrechtes wurde dann die Schule vom Bürgermeister-Stellvertreter Ritter von Kuhn besucht, welcher der Prüfung sämtlicher Klassen anwohnte und seine vollkommenste Zufriedenheit aussprach. Bei der Jahresprütung sprach der anwesende Schulinspektor, Herr Kanonikus Stöger, dem Vorstand und dem Lehrkörper seine vollkommenste Anerkennung aus. Dieses hochbedeutsame Ereignis wird anläßlich seiner 70. Wiederkehr im Rahmen eines am 16. d. M. in den Räumen der Schule um 11 Uhr vorm. stattfindenden Festaktes begangen. An der Spitze des Festkomitees steht der älteste noch lebende Schüler der Schule Bundeskulturrat Hofrat Prof. Dr. S. Frankfurter. Der Festausschuß bittet die ehemaligen Schüler der Anstalt, an dem Feste teilzunehmen und im Sekretariat der Schule die auf Namen lautende Eintrittskarte zu beheben. SciimUchung voa Gruiten! und dräoern LEopoid Deutsch, flien XI. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof I. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhof IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen Mit Rücksicht auf die Teilnahme der hohen Behörden wird auf pünktliches Erscheinen und auf Festkleidung Wert gelegt. Der „Verein zur Bekleidung und Unterstützung alter jüdischer Männer". Ii.. Ferdinaudsstr. 19/6. Telephon K 45-900. Der seit mehr als dreißig Jahren bestehende Verein sieht sich durch die schlechten Zeitverhältnise veranlaßt, an edle Menschenfreunde mit der Bitte heranzutreten, ihm bei der Ausübung seiner statutarischen Verpflichtungen behilflich zu sein. Kaum gab es für jüdische Greise eine schwerere Selbtserhaltung, als gerade in unserer Zeit, welche die alten Leute heute durchleben. Männer, welche noch vor kurzum gut situ- 1er( waren, in früheren Jahren gearbeitet und allein ihre Familie erhalten konnten. Unser Verein bestrebt sich in einer Art. die den Beteilten nicht beschämt, individuell zu hellen; über jeden Bittsteiler werden in diskreter Form durch Vorstandsmitglieder die erforderlichen Erhebungen gepflogen, sodann wird der zu Beteilende in der Kanzlei durch den Präsidenten und Kassier mit Kleidern — Geld —ie nach Erfordernis und Möglichkeit beteilt. Seit Oktober d. J. erhielten in dieser Weise bisher 60 zumeist verarmte, würdige jüdische Greise Aushilfen. Aber noch liegen zahlreiche Gesuche vor, für deren Erledigung vor Eintritt des Frostes bedauerlicherweise Kleider und Geldmittel nur sehr spärlich vorhanden sind. In nächster Zeit werden eine große Zahl unserer Schutzbefohlenen Kohler ins Haus zugestellt erhalten. Wohl wissen wir, daß unsere Glaubensgenossen immer wieder von vielen Wohlfahrtsstellen um ihre Beihilfe für Arme. Jung und Alt. gebeten werden, die Not ist groß und die Bitten von allen Seiten ^ind deshalb so häufig: trotzdem sind wir verpflichtet auch unsere Bitte im Interesse alter jüdischer Männer mit besonderem Nachdrucko vorzubringen. Fast in jedem Haushalt befinden sich von den Familienmitgliedern nicht mehr betragene Bekleidungsstücke (Wäsche. Anzüge. Ueberrücke. Schuhe), welche unseren Schützlingen noch wertvolle Dienste leisten könnten. Ein Anruf genügt, wir holen die Stenden ab. veranlassen eventuell eine Reparatur und beglücken würdige Greise, die sonst den Unbilden des Winters ausgesetzt wären. Der Mitgliedsbeitrag für unseren Verein beträgt mindestens S 5.— rer Jahr. Beherzigen Sie gütigst unseren Appell! — Sie üben ein gutes und gottgefälliges Werk. R. K. Der Jüdische Witwen-, Waisenhilis- und Ausspelseverein im IX. Bezirk, veranstaltet Samstag, den 11. d. M., abends 8 Uhr in den Festsälen des Handelsmuseums, IX., Berggasse 16, eine Akademie mit Tanz. Die künstlerische Leitung hat Herr Oberkantor Postolow. Erstklassige Künstler haben sich in den Dienst der guten Sache gestellt. Die bestbekannte Jazz-Kapelle Elite- Kiddis besorgt die Tanzmusik. Das gesamte Reinerträgnis fließt der Ausspeisung zu, weshalb d'io Vereinsleitung alle Freunde und Gönner des Vereines bittet, diese Veranstaltung weitestgehend zu fördern. Restliche Karten sind an der Abendkasse zu haben. Eröiinung einer jüdischen Wärmestube. Dienstag, den 30. v. M. hat der unter dem Ehrenpräsidium des Herrn Rabbiners Dr. J. M. Bach stehende Verein zur Ausspeisung armer jüdischer Erwachsener und Kinder iür den XVI. und XVII. Bezirk in seinem Vereinshause, XVI., Wurlitzergasse 11, unter Teilnahme von Vertretern öffentlicher Aemter und Delegierten anderer Wohltätigkeitsvereine eine Wärmestube eröfinet. Ueber Anregung des Vorstandsmitgliedes Herrn S. K 1 a w i r wurden entsprechende Räume adaptiert und können sich 200 Bedürftige in den Räumen, in denen Zeitungen aufliegen und ein Radioapparat spielt, tagsüber aufhalten. Dieselben erhalten abends eine warme Suppe und Brot. Trauerkundgebung für verstorbene Mitglieder des Humanitären Veneines „M eichisch Jeschua h". Rasche Hilfe. Zur Ehrung der verstorbenen Mitglieder hnd am 21. v. M. im Vereins-Bethause. II.. Josefinengasse 7, eine Trauerandacht und Enthüllung einer Gedenktafel für den verdienstvollen langjährigen Obmann Samuel Sperling statt, zu der in Vertretung der Isr. Kultusgemeinde Kultus- und Komm.-Rat Max Schiffmann, sowie Delegierte zahlreicher Bethaus- und Wohltätigkeilsvereine erschienen waren. Obmann Josef Breuer begrüßte die Gäste und Mitglieder, worauf der Vereinsrabbiner S. Hager in eindrucksvoller Rede aller Verblichenen gedachte. Namens des Vereines „Hachnusas Kalu" sprach der Obmann, Fürsorgerat S. Buchsbaum, der die segensreiche und ersprießliche Tätigkeit des Verblichenen würdigte. Die rituellen Gebete verrichtete in rührender Weise Oberkantor Müller. Das Friedhofamt der Israelitischen Kultusgemeinde macht auimerksam, daß weder Personen, welche die Anfertigung und Lieferung von Jahrzeittabellen offerieren, noch andere Gewerbetreibende berechtigt sind, sich bei Offertstellung auf die Kultusgemeinde zu berufen.

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