Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 49 (10.12.1937)
- Date
- 1937-12-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 49 — 10. Dezember 1937 Seite 5 Wintersport in den Weihnachtsferien für 6 — 18 Jährige Kinderferien-u.Wintersportheim nipinu Spital a. Semmering (823 m) 9,111 III inh: Direktor A. Taglicht Modernst — Rituell — Erstrangig Direktion: IL, Rembrandtstr. 12.Tel. A 43-8-49 Wie das Büro Reuter meldet, wird Sir Arthur Wauchope seinen Posten Ende Februar verlassen. Heuer Oberkomntandierender der britischen Streitkräfte in Palästina. An Stelle von Generalmajor Wavell wurde zum Oberstkommandierenden der britischen Streitkräfte in Palästina Generalmajor Robert Hadden Haining ernannt. Er ist 55 Jahre alt und war früher Vizedirektor des militärischen Nachrichtendienstes in England. Sir Charles Tegart, der von der englischen Regierung zum Berater der Palästinaregierung bei der Bekämpfung des Terrors bestimmt wurde, ist am 3. Dezember in Palästina eingetroffen. Will Wauchope zwischen Juden und Arabern Frieden machen? „Falastin", das Organ von Nashaslübi, meldet, daß High Commissioner Sir Arthur Wauchope nach seiner Rückkehr nach Palästina mit Vertretern von Arabern und Juden Verhandlungen aufgenommen habe, um auf der Basis der bekannten Vorschläge Lord Samuels, die u. a. eine Beschränkung der jüdischen Einwanderung dahin vorsehen, daß die Zahl der Juden in Palästina niemals mehr als 40 Prozent der Gesamtbevölkerung des Landes beträgt, eine gegenseitige Verständigung herbeizuführen. Wie das Blatt weiter meldet, haben sich zahlreiche arabische Vertreter mit diesen Vorschlägen einverstanden und bereit erklärt, einen solchen ,Plan einer, Verständigung zu studieren. Sie hätten jedoch die Bedingung gestellt, daß die im Oktober deportierten arabischen Fülirer wieder nach Palästina zurückgebracht werden. Die Leo-Gesellschaft und die Palästina-Teilung. Der Professor an der katholisch-theologischen Fakultät der Wiener Universität Dr. Johannes G abrie!, hielt in der Leo-Gesellschaft im Beisein von Kardinal-Erzbischof Dr. I n n i t z e r. Weihbischof Kamprath, Bischof Seydl und Abt P e i c h 1 einen Vortrag über die r e 1 i g iöse und politische Lage in Palästina. Dr. Gabriel führte u. a. aus: Die Frage Palästinas ist nicht nur deshalb ein gewichtiges Problem der Weltpolitik, weil dieses Land für England von hervorragender militärischer Bedeutung ist, sondern weil es von den Gläubigen dreier Religionsgemeinschaften als heiliges Land betrachtet wird. Seit etwa 1880 beansprucht die zionistische Bewegung Palästina als nationale Heimstätte. 1904 wurde hingegen in Paris eine „Ligue de la Patrie Arabe" gegründet, die ein unabhängiges groß-arabisches Reich mit Einschluß Palästinas forderte. Während des Weltkrieges verhandelte England mit dem Scheriff Hussein. Die Araber behaupten, Palästina sei ihnen hierbei von den Engländern zugesprochen worden. Aber 1917 erging der berühmte Balfour- Brief an Lord Rothschild, der den Juden eine nationale Heimstätte in Palästina versprach. Alle Streitigkeiten haben seither ihren Grund darin, daß Palästina augenscheinlich zweimal vergeben wurde. Die Juden stützen sich auf die Balfour-Deklaration, berufen sich darauf, daß sie jede Handbreit Boden rechtmäßig gekauft und bezahlt hätten. Die Araber hingegen betrachten Palästina als ihr eigenes Land. Die Christen fürchten, als Minderheit in geschlossenen Nationalstaaten völlig unter die Räder zu geraten. Die römisch-katholischen und die orientalischen Christen in Palästina stehen durchaus auf Seiten der Araber, weil sie nach ihrer nationalen Zugehörigkeit vorwiegend Araber sind. Gleichwohl sind auch sie gegen e'nen nationalen arabischen Staat, da sie von den Mohammedanern immer als minderwertig angesehen werden. Prof. Gabriel setzte sich zum Schluß entschieden für die Berücksichtigung christlicher Interessen in Palästina ein und erhob die Forderung, daß, da das Schicksal des Heiligen Landes auch eine Angelegenheit der 500 Millionen Christen der Welt sei, diese ebenfalls darüber befragt werden sollen, ob eine Teilung Palästinas vorgenommen werden soll. J. T. A. Das Problem der jüdischen Auswanderung. In den Gesprächen zwischen dem französischen Außenminister D e 1 b o s und dem polnischen Außenminister Oberist Beck über die polnischen Koloniailforderungen ist u. a. auch d a s P r oblem der jüdischen Auswanderung aus Polen, in welchem die polnischen regierenden Kreise ein staatliches Problem der Republik sehen wollen, behandelt worden. Ueber diese Gespräche verlautet aus polnischer Quelle u. a.: Wie bekannt, veranlaßte das bedeutsame jährliche Anwachsen des jüdischen Elementes in Polen die leitenden Warschauer Faktoren, nach Möglichkeiten ziu suchen, die Ueberschüsse dieses Bevölkerungsteiles in überseeischen Gebieten unterzubringen: Eine Studienkommission unternaljm kürzlich mit Bewilligung der französischen Regierung in diesem Zusammenhang eine Reise nach Madagaskar. Es ist natürlich, daß nach Palästina nur die Emigration der ausschließlich jüdischen Bevölkerung dirigiert werden kann, während nach anderen Territorien auch Polen ethnischer Herkunft dirigiert werden könnten. Diese Bemühungen sollen nun im Einvernehmen mit der französischen Regierung fortgesetzt werden. Die Londoner „T i m e is" erklären, die französische Regierung habe sich vor ungefähr einem Jahre bereit erklärt, einigeihrer Kolonien für polnische Auswanderer zu öffnen. Kürzlich sei eine Kommission von Madagaskar zurückgekehrt, die dort die Möglichkeit einer polnischen und jüdischen Siedlung geprüft habe. Ein großer Teil der augenblicklichen wirtschaftlichen Not in Polen sei nach polnischer Auffassung dem jährlichen Bevölkerungszuwachs von fast 500.000 Menschen und der Beschränkung der Einwanderung in den Ländern der Welt zuzuschreiben. In den jüdischen Kreisen kann man sich, so schreibt der Warschauer Korrespondent der J. T.-A., eines Gefühls des Unbehagens nicht erwehren, angesichts dessen, daß über ein Problem, welches die Juden angeht, über die Köpfe der Juden hinweg verhandelt wird! Außerdem befürchtet man, daß eine solche Art der Behandlung des Problems in den politischen Kreisen und unter den breiten Massen Polens die Legende stärken könnte, daß es möglich wäre, Juden in Massen in ferne Kolonien zu bringen; auf diese Weise wird der sogenannte „Emigrationismus", der dem Antisemitismus eine starke Antriebskraft gibt, gefördert. Daß jüdische kapitalistische Kreise des Auslandes eine solche jüdische Auswanderung und koloniale Siedlung stützen könnten, ist unwahrscheinlich, da man doch in jüdischen Kreisen 'genau weiß, daß für solche Zwecke kaum nennenswerte Kapitalien werden aufgebracht werden können. Schließlich weiß man auch, daß Madagaskar oder etwa andere in Betracht kommende Kolonialgebiete nur eine sehr beschränkte Anzahl jüdischer Einwanderer, wenigstens in der ersten Zeit, werden aufnehmen können, wozu noch kommt, daß die polnischen regierenden Kreise ja in erster Reihe an eine koloniale Siedlung von Polen ethnischer Herkunft denken. Ate», was die Juden betrifft: viel Geschrei und wenig Wolle. Der polnische Generalkonsul in Paris hat dem bekannten katholischen Schriftsteller und Autor des Buches „Die Juden und wir Christen", Oscar de F e r e n z y, der sich zum Studium des jüdischen Problems nach Polen begeben wollte, das Einreisevisum mit der Begründung verweigert, daß das jüdische Problem in Polen „ein ausgesprochen internes polnisches Problem ist, das einen Ausländer nichts angeht". J. T. A. IffictfcfrqftHcfte ffi erq*ungsf teile in der „Union" unter Leitung des Obmannes des Organisations - Komitees der „Union österreichischer Juden". Herrn Knmmerzialrat ALEXIUS SALZER: jeden Montag und Freitag von 10—12 Uhr vormittags im Sekretariat der „Union" I., Schottenring 25, Mezzanin, Tel. A 19-2-77. Jedes Mitglied der „Union" erhält in allen Angelegenheiten der Wirtschaft, wie in allen gewerberechtlichen u kaufmännischen Angelegenheiten, Steuerberatung Dollkommen unentgeltliche Auskunft. Derftd)emngsberatung in allen Zweigen der Elementarversicherung wie Feuer, Einbruch. Glas, Haftpflicht Unfall, Transport, Polizzenpräfung etc Die Mitglieder der „Union" erhalten eine namhafte Begünstigung der Prämlansätxe. Ernst Lissauer gestorben. Wie wir nach Redaktionsschluß erfahren, ist Freitag früh der berühmte deutsch-jüdische Schriftsteller Ernst Lissauer im Wiener Rothschildspital plötzlich gestorben. Die rumänischen Juden — ein aufhauendes Element. Das Czernowitzer „M o r g e n b 1 a 11" schreibt: Der Führer der Partei „Allels fürs Vaterland", Cod r o a n u, verlangt Gefolgschaft von den Wählern, weil er gegen das Judentum und für ein Bündnis mit Hitler und Mussolini kämpfen will. Cuza verlangt für sich allein die Autorität und das Recht, die Juden aus Rumänien zu verjagen. Unsinn! Die 700.000 Juden in Rumänien, von denen vielleicht 600.000 in Not leben, sind nicht nur nicht Hindernisse in der Ausbreitung des rumänischen Gedankens, sie sind Träger dieses Gedankens. Sie arbeiten in Rumänien, sie fühlen rumänisch, sie denken rumänisch, ste rechnen rumänisch. Sie sind also nicht ein störendes Element, sondern ein aufbauendes Element. Die Anrufung des Nationalgefühls gegen diese Juden ist der Ausdruck eines Haßgefühls, das künstlich genhrt wird. Ein politisches Programm ist das nicht. ^bonnieret die Wahrheit; Union österreichischer Juden Bezirksorganisation Hietzing. Der außerordentlich große Eriolg der letzten Werboveranstaltung veranlaßt die Leitung der Bezirksorganisaticn Hietzing der „Union österreichischer Juden", ihre Propagandatätigkeit intensivst fortzusetzen und insbesondere durch Versammlungen, hei denen interessante Referate erstattet werden sollen, für Aufklärung der Mietzinger Judenschaft über die Ziele und Tendenzen der „Union österreichischer .luden" zu sorgen. Die nächste dieser Versammlungen iindet Montag, den 13. Dezember. 'A9 Uhr abends, im Cafe Hietzingerhof, XIII., Hietzinger Hauptstr.22, statt. Es spricht Leitungsmitglied Schriftsteller £ti Jlu&iH (Sozius) über „3)ie {Beziehungen des Juden zuc Utnioett" Für die Leitung der Bezirksorganisation XIII: Dr. Berthold Kardegg Karl Kohn Ell Rubin Dr. Erich Adler Dr. Egon Spielmann.