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Die Wahrheit · 1937-12-10 · Heft 49 (10.12.1937) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 49 (10.12.1937)
Date
1937-12-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 49 — 10. Dezember 1937 DIE_WAHRHEIT Volksmeinung nur die Hoffnung, daß sie noch sehr lange leben wird, so lange, bis sie ihr Ziel erreicht hat, daß der einzige Unterschied der Religion der Umwelt keine Veranlassung mehr gibt, in irgendeiner Richtung die Menschen zu trennen. Daß die jüdischnationalen Zionisten die Assimilation — .wenn es wahr ist — totgeglaubt haben, beweist nur deren Beschränktheit Die Errungenschaften der fortschreitenden Kultur — unbeschadet periodischer Störungen durch fanatische Irrlehren und Aberglauben, wie die vom Mythos des Blutes und der Vergötzung der Nation — sind ein Ewigkeitswert Nur eine Behauptung wider besseres Wissen und Gewissen soll noch angenagelt werden: Die „Neue Welt" erzählt von den „nationalfühlenden Juden, also der Mehrzahl der österreichischen Juden, denen Dr. Oppenheim das Recht abspricht, sich um die staatsbürgerlichen Rechte der österreichischen Juden zu kümmern". Die „Neue Welt" will nicht wahrhaben, daß zum jüdischnafonalen 20. Zionisten-Kongreß in ganz Oesterreich etwas mehr als 10.000 Stimmen abgegeben wurden, von 185.000 Juden in ganz Oesterreich! Dabei ist es bei der Zuerkennung des Wahlrechtes zum Zionisten-Kongreß — wie wir aus den jüdischnationalen Zeitungen wissen — nicht mit rechten Dingen zugegangen, und zum Zionisten-Kongreß haben nach den Vorschriften schon die Achtzehnjährigen gewählt, ohne Unterschied, ob es österreichische Juden waren oder ausländische. Und da wagt das Blatt des Herrn Robert Stricker, von der „Mehrzahl der österreichischen Judet, die jüdischnational fühlen", zu sprechen. Beschimpfungen werden mich nicht einschüchtern. Von Dr. Ernst Feldsberg. Ueber eine im 2. Bezirk abgehaltene Mitglieder-Versammlung der „Union österreichischer Juden" berichtet „Die Wahrheit" in ihrer Nummer vom 19. November 1937. Aus dem Berichte sei folgende Stelle zitiert: „Zuletzt berichtet Dr. Feldsberg über die Auswertung der jüdischnationalen Propagandaidee durch einen Teil der Beamten der Israelitischen kultusgemeinde. Der jüdischnationale Terrorismus, der auf die Beamten ausgeübt wird, geht so weit, daß es Beamte gibt, die die Folgen ihres Bekenntnisses zur „Union österreichischer Juden" fürchten. Dieser ungerechtfertigten Besorgnis wird abgeholfen werden müssen. Die „Union österreichischer Juden" wird niemals zugeben, daß einem Beamten deshalb ein Haar gekrümmt wird, weil er sich offiziell zur „Union österreichischer Juden" bekennt." Als Antwort auf diese Feststellung schreibt die „Neue W^elt": „Ueber Herrn Dr. Feldsberg ist wenig zu sagen. Sein jüdischnationaler Terrorismus in der Judengemeinde ist eine glatte Erfindung. Solange er keine Beweise durch Anführung von Tatsache« und Namen erbringt, muß er sich wohl gefallen lassen, daß seine Behauptung als niedrige Verleumdung abgetan wird." Zu diesen Feststellungen der „Neuen Welt" habe ich folgendes zu erwidern: Es wäre gröbster Vertrauensmißbrauch meinerseits, wenn ich, der Aufforderung der „Neuen Welt" folgend, Namen von Angestellten anführen würde, die sich im Vertrauen auf die Verschwiegenheit an mich oder an andere Kollegen meines Klubs mit ihren berechtigten Besorgnissen gewenT det haben. Es wird weder dem Artikelschreiber der „Neuen Welt" noch seinen eventuellen Auftraggebern gelingen, mich durch ehrenkränkende Beschuldigungen zum Reden zu bringen. Ich lege aber Wert darauf zu erklären, daß ich bei den von mir gemachten Feststellungen bleibe und daß diese Feststellungen restlos auf Wahrheit beruhen. Ich habe nur noch ergänzend hinzuzufügen, daß ich in jener Versammlung mich darauf berufen habe, daß die Richtigkeit meiner Angaben nicht nur von mir, sondern von mehreren Mitgliedern meines Klubs wird bestätigt werden. Es gibt sehr viele Angestellte der Kultusgemeinde, die sich an Kultusvorsteher der „Union österreichischer Juden" mit der Bitte wenden, sie außerhalb der Kultusgemeinde im Büro oder in der Wohnung zu empfangen. Als Begründung wird immer wieder angeführt, daß sich die Angestellten vor den Folgen fürchten, die ihnen von jüdischnationaler Seite erwachsen könnten, wenn sie ihre Zugehörigkeit zur „Union österreichischer Juden" dokumentieren. Dem Artikelschreiber der „Neuen Welt" muß ich aber zum näheren Verständnis folgendes in das Gedächtnis zurückrufen, falls er es schon im Laufe eines Jahres vergessen haben sollte: Die jüdischnationale Mehrheit hat hohe und höchste Beamtenstellen der Kultusgemeinde mit ehemaligen Mitgliedern des Kultusvorstandes besetzt, die in der jüdischnationalen Partei eine hervorragende und hervorragendste Rolle gespielt haben. Den Beamten der Kultusgemeinde ist zur Genüge bekannt, mit welcher Schärfe diese nunmehr dem Beamtenkörper angehörigen ehemaligen Kultusvorsteher gegen die Mitglieder der „Union österreichischer Juden" aufgetreten sind. Vielleicht hat einer oder der .andere der Angestellten der Kultusgemeinde in einer der letzten Sitzungen des Kultusvorstandes vor dem Austritte der unionistischen Kultusvorsteher aus dem Kultusvorstande im Jahre 1936 die Rede gehört, die vom damaligen Finanzreferenten der Kultusgemeinde, der nunmehr dem Beamtenkörper angehört, rein politisch gegen die „Union österreichischer Juden" gehalten wurde. Kann man sich da wundern, daß sich Beamte fürchten, nach außenhin eine andere politische Gesinnung zur Schau zu tragen als die, für welcheihre Vorgesetzten die Rufer im Streite sind? Ich muß doch voraussetzen, daß dem Schreiber des Artikels auch sonst die von den Jüdischnationalen geführte Personalpolitik in der Kultusgemeinde bekannt ist. Häuseradministration Adolf Krall IV., Schleif mühlgasse 11 Beste Empfehlungen von in- und ausländischen Hausbesitzern Ist dem Artikelschreiber der „Neuen Welt" unbekannt, daß von einer ganzen Reihe jüdischer Religionslehrer und Religionsprofessoren bei allen möglichen Anlässen, insbesondere aber von der Kanzel jüdischnationale Reden unter Duldung der zuständigen Stellen der Kultusgemeinde gehalten werden? Ich will es vorläufig unterlassen, in Details einzugehen. Aber ich bin der Zustimmung der Oeffentlichkeit sicher, wenn ich behaupte, daß Angestellte der Kultusgemeinde angesichts der Politisierung der Kultusgemeinde durch die Jüdischnationalen berechtigte Furcht haben, eine andere als eine jüdischnationale Gesinnung zur Schau zu tragen. Ich bin überzeugt davon, daß meine Behauptung niemals als eine niedrige Verleumdung wird von der Oeffentlichkeit angesehen werden, im Gegenteil, die Oeffentlichkeit weiß, was sie in dieser Sache zu denken hat. Im übrigen werde ich aber in dieser Angelegenheit auch das ordentliche Gericht sprechen lassen. Zum Schlüsse habe ich lediglich nur festzustellen, daß ich die von mir vorgebrachten Behauptungen voll und ganz aufrecht erhalte. Durch Ehrenkränkungen und Beschimpfungen werde Ich mich in keiner Weise einschüchtern lassen. Die Lage in Palästina. Am Samstag, den 4. Dezember, wurde am Bahnhofplatz von Jerusalem der 20jährige Arbeiter Abraham Chaim P e r 1 m a n n aus dem Achba-Viertel von Jerusalem ermordet, seine Braut, die 17jährige Malka Jakubowitsch, schwer verletzt. Perlmann und seine Braut befanden sich in einer aus dreizehn Personen bestehenden Gesellschaft junger Leute, die gerade von einem Besuch des Meschek-Hapoalot zurückkehrte. Ein europäisch gekleideter Araber gab in der Nähe des King David-Hotels: v o n hinten aus einer automatischen Pistole acht Schüsse auf die: Gesellschaft ab. Die Ueberfallenen warfen: sich sofort zu Boden, doch war es für Perjmanri und seine Braut zu spät. Der Araber entfernte sich dann ohne jede Hast vom Tatort. In der Nacht zum 4. Dezember, wurden die Kolonie Afuleh im Emek und das Gebäude der landwirtschaftlichen Mädchenschule in Naha- 1 a 1 von Arabern heftig beschossen. Jüdische Hilfspolizisten und englische Polizei antworteten mit Maschinengewehrfeuer. Man vermutet, daß es sich bei den Angreifern um dieselbe Bande handelt die in der letzten Zeit im Norden Palästinas ihr Unwesen getrieben hat. In der Nähe von Afuleh wurde die Telepho^leitung zerstört. EinvollbesetzterEisenbahnzugauf der Strecke Lydda —Jerusalem entging nur dadurch einer schweren Katastrophe, daß der Lokomotivführer in der Nähe des Dorfes Jinnis eine mitten auf dem Geleise liegende Landmine im letzten Augenblick bemerkte und denZugzumHaltenbrachte. Hj Die besten Eisen Warstbd! SeMtvirei 3 mal täglich frisch bei IAEEL. Wiee IL, Pratsrstraie 33 Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-Jisroel-(Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. Bei einem Gefecht zwischen Militär und Terroristen in den Hügeln bei Akko wurde ein Araber getötet. In Ramleh und in mehreren Nachbardörfern wurden 14 Araber unter dem Verdacht der Teilnahme an Terrorakten verhaftet. Die Zeitungen melden, daß im Hinblick darauf, daß. das Gefängnis in Akko überfüllt ist, die Regierung voraussichtlich ein zweites Konzentrationslager in der Nähe von Akko einrichten wird. . Das Militärgericht in Jerusalem verurteilte einen Araber wegen unbefugten Waffentragens zu lebenslänglichem Kerker, das Militärgericht in Haifa zwei Araber wegen des gleichen Deliktes zu derselben drakonischen Strafe. Die Regierung hat der Presse verboten, des Namens des hingerichteten Scheichs Farhan es Saadi Erwähnung zu tun. Infolge der dauernden Unruhen macht die spontane Absonderung der beiden Gemeinden Jerusalems rasche Fortschritte; indem die arabischen Einwohner aus den jüdischen Vierteln und die jüdischen Einwohner aus den arabischen Vierteln ausziehen. Oer neue High Commissioner für Palästina: Sir Harold ü. Mac Michael. Der Gouverneur und Oberkommandierende von Tanganyika, Sir Harold Alfred MacMichae 1, ist als Nachfolger von Sir Arthur W a uc h o p e?um High Commissioner für Palästina ernannt worden. . Sir Harold ist 54 Jahre alt. 1905 trat er in den polirischen Dienst im Sudan ein, wurde 1917 Untergouverneur der Provinz Darfur, 1919 stellvertretender Regierungssekretär und 1926 Regierungssekretär für den Sudan. Von 1926 bis 1934 bekleidete er wiederholt die Stelle eines Generalgouverneurs des Sudan. 1934 wurde er zum Gouverneur von Tanganyika ernannt. Er vertrat die britische Regierung bei der Tagung der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes im Jahre 1935. Sir Harold gilt als Spezialist für Eingeborenenfragen, insbesondere für das arabische Problem, über das er eine Reihe von Spezialstudien veröffentlicht hat.

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